Ein Zwölfter im Palais de Guagnano

  • Robert erhöhte den Druck auf das Glas und seine Fingerknöchel wurden schon weiß, erst im letztem Momet stellte er es weg.


    Ist das so offensichtlich, Jean? Kann man mich lesen, als sei ich ein offenes Buch? Sie weiß nichts, kann es nicht wissen. woher auch? Aber Du weißt es auch obwohl ich mir selbst nicht sicher bin. Oder eigentlich doch. Melde Jean, es wird mich meine Karriere, mein Amt kosten. Und was schlimmer ist, es ist mir egal.

  • Warum sollte ich das tun? Warum sollte ich Dich verpetzen? Und was ist falsch daran eine schöne Frau zu lieben? Valerie IST eine schöne Frau. Warum sollte Dich die Liebe zu ihr, dein Amt kosten und deine Karriere zerstören? Ist Valerie so herzlos?


    Fragen über Fragen. Die waren aber mehr rhetorischer Art. Er wollte das sich Robert selbst hinterfragt. Dann ließ er seiner Fanatsie freien Lauf.


    Was ist, wenn Du es ihr sagst, sie es akzeptiert und Dich ebenfalls liebt? Prinzgemahl hört sich doch gut an!


    Lachend fuhr er fort.


    Eine Doppelhochzeit. Die schönen Beauharnaisschwestern heiraten die bestaussehendsten Männer des Reiches! Was für ein Fest!

  • Rein von der Machtbalance ist das schwierig bis unmöglich, denn weder Deine noch meine Familie sind respektabel genug, weder haben wir uraltes, noch altes Blut, meine Familie war nichts bevor meine Bruder Grand-Marechal de Palais wurde. Man hat eine Schweinerasse nach uns benannt. Bei Dir ist es kaum besser. Das gesamte Machtgefüge beruht auf dem Ausgleich zwischen Alt und Neu, zwischen den alten Kreuzritterfamilien, den Renaissancepfeffersäcken, den Ancien Regime Typen und eben uns, dem Adel des Empire. 


    Obwohl er es von den Worten ganz sachlich vorgetragen hatte, sprach doch eine Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung aus ihm die man erstmal deuten können musste.


    Und in festen Händen ist sie auch…


  • Valerie in festen Händen?


    Fragend schaute er seinen Vetter an.


    Wer ist denn der Glückliche? Sicher ein Kerl aus einer dieser alten Familien. Von wegen Ausgleich, zwischen Alt und Neu.


    Jetzt war er sich nicht mehr so sicher, ob er wirklich seine Prinzessin heiraten kann. Sie sprach von Plänen ihrer Mutter oder sogar von Valerie persönlich, sie mit Antoine Capet, dem letzten Sproß des letzten Königs und an sich schon das Letzte überhaupt, zu verheiraten

  • Er biss sich auf die Zähne, trank den Trank in einem Zuge aus, biss diesen ebenso und goß beiden nach


    Ich treffe mich mit der Connetable regelmäßig zum Schach, wir spielen meist mittelalterliche Gambite und trinken Wein dazu. Ab und zu hascht sie auch und sagt dann manches, was interessant ist. Zum Beispiel, dass auch sie wieder in festen Händen sei, jetzt, wo man die Cabarrus nach Mique-Tsao abgeschoben hat.


    Da Jean schneller dachte als machem manchmal lieb war, war jetzt wieder die Zeit zu denken. Inzwischen leerte der Seneschall sein Glas erneut.

  • Fast hätte sich Jean an seinem Wein verschluckt. Automatisch hielt er seinem Vetter sein leeres Glas hin.


    Du meinst .... Du meinst sie und die ..... Kaiserin?


    Stottern war nicht seine Art, aber diesmal war es der Situation geschuldet.


    Jetzt fiel ein Centime nach dem anderen. Jetzt verstand er, warum eine solche Schönheit, dazu noch eine mit viel Geld und Macht, keinen Mann an ihrer Seite hatte.

  • Ich habe seit diesem Spiel, übrigens das fast schon übliche Urusow Gambit in dem sie sich mit c6 und d5 aufbaute, besser darauf geachtet wie sie sich ansehen und ich danke, eine gewisse zu nahe nähe ist nicht von der Hand zu weisen. Ich denke, ich bin verloren.


    Er füllte das Glas des Cousins und auch das eigene welches er fast schon ad hoc wieder leerte.


    Bin ich doch, oder?

  • So kannte Jean seinen Vetter gar nicht. Für ihn war Robert eine Art Held. Der Mann der die Geschicke des Reiches mitgestaltete. Und nun? Er wollte nicht das Robert wie ein Häufchen Elend mit seinem Schicksal haderte.


    Verloren? Wie so das denn? Nur weil Du Valerie liebst? Robert, was meinste Du wie viele Männer und Frauen in Outremer in unsere schöne Kaiserin verliebt sind? Da bist Du sicher nicht alleine.


    Stimmte zwar, aber die anderen waren nicht so nah an der geliebten Frau dran, wie Robert Duroc. Er kannte sie sicher von der privaten Seite, wusste wie sie roch, wie sie ohne Schminke aussah, wie sie lachte und was sie aufregte. Da litt er verständlicherweise Höllenqualen. So dicht dran und doch weiter weg als einmal zum Mond und zurück.


    Hast Du ihr gegenüber überhaupt etwas in dieser Richtung gesagt? Andeutungen deiner Liebe gemacht? Valerie braucht einen Mann und vor allem Kinder, wenn sie im Volk weiter so beliebt sein will, wie sie es ist. Also stehen deine Chancen doch nicht übel, zumindest für den zweiten Teil. Zudem bist Du nicht verloren. Valerie wird sicher wissen, was sie an ihrem Seneschal hat. Vermutlich bist Du ihr ruhender Pol und somit der Ausgleich zu unserer forschen Connetable.


    Jean nahm seinem Vetter das Glas und die Flasche weg. Das Gespräch war zu ernst geworden, als das man sich betrinken sollte. Das kam später. Jetzt brauchten beide einen klaren Kopf. Zwei neue Gläser und eine große Flasche Miniralwasser wurden auf den Tisch gestellt.


    Wir müssen uns besprechen. Wir lieben beide, wie Du es sagst, nicht standesgemäß. Bei mir ist das nicht ganz so tragisch wie bei Dir. Leonor ist die Zweitgeborene und selbst bei einer Vakanz des Throns noch lange nicht Valeries Nachfolgerin. Du wärst Prinzgemahl! Ein sehr guter, wie ich nur so nebenbei mal bemerken möchte. Das gab es in unserer Geschichte bisher nicht. Du wärst der ideale Ehemann für Valerie der Jähzornigen.

  • Die Rolle des Prinzgemahls gab es zwar in unserer Geschichte schon zweimal, doch war es einmal der König von Merolie irgendwann um 1500, und dann auch nur für ein Jahr, und im anderen Falle der Onkel der Königin der sie zur Heirat zwang.


    Er stutzte, de Onkel der Kaiserin war in der Stadt, so hatte man es ihm zumindest zugetragen. Doch nein…


    Das war 1704 und Gilderoy wurde damals tatsächlich König anstelle der Königin wie er sich das erträumt hatte. Dann stürmte die Garfe den Palast und wollte ihn töten, doch der Primas schritt ein und drohte allen, die die Waffe gegen den König richteten mit der Exkommunikation. Das wirkte. Keiner wandte sich mit der Waffe gegen ihn, sie legten nur den langen Tisch den du aus dem alten Bankettsaal kennst auf ihn um dann allesamt auf den Tisch zu steigen. Es kann also nur besser werden.


    Robert öffnete die Wasserflasche, goss Jeans Glas ein und hätte sich jetzt schon gerne weiter betrunken.


    Reden. Also reden wir.


    Er begann nach seinem Handy zu suchen.

  • Jean rollte mit den Augen. So ganz konnte Robert nicht aus seiner Haut.


    Egal wie oft oder nicht. DU bist der Beste für diese Stelle! Wir müssen es nur hinbekommen, dass die beiden Schwestern UNS wollen. Bei Leonor bin ich mir da absolut sicher. Bei unserer Kaiserin aber nicht. Vielleicht bekommst Du sie mit ... sagen wir mal ... Verführung hin. Du kokettierst damit, dass deine Familie Namensgeber einer Schweinerasse ist. Gut ... dann sollten wird dem Namen alle Ehre machen! Männer sind Schweine, nach der Meinung vieler Damen. Dann sei eines! Lass den Macho raushängen und bagger was das Zeug hält!


    Er hatte es nie nötig gehabt, dem weiblichen Geschlecht auf diese Weise sehr nahe zu kommen. Jean war eher der charmante nette Junge der die Mädchen zum lachen brachte und nicht der "komm-her-Süße-Typ". Aber vielleicht war das genau der passende Ansatz bei einer Frau wie Valerie. Aus beruflichen Gründen kühl und unnahbar. Positionsbedingt dominant. Vielleicht wollte sie einmal nicht dominant sein.

  • Robert war sich nicht sicher ob er das konnte, doch es war einen Versuch wert obwohl, konnte man von Versuch sprechen, wenn man nur einen hat? Derart sinierend und ohne irgendwie weiter nachzudenken fand er sein Handy, entsperrte es und klickte auf den Authenticator der das regierungsinterne Chat-Programm sicherte. Dort klickte er auf die Krone. All dies geschah fast nebenbei


    Ich bin aber kein Schwein. Meinst Du ich schaffe es so zu tun?


    Ebenso nebenbei tippte er einige Worte

    Ich habe hier zwei Namen notiert, der eine Mann wäre dem potemqinsche Prinzgemahl. Er ist andersweitig gebunden und sicher dazu bereit obwohl ich ihn nicht wirklich gut kenne. Der andere steht loyal zu euch und würde lieber sterben als euch zu verraten.

    "Mir würde auch ein Name reichen. Können wir reden?"

  • Valerie saß an ihrem Schreibtisch und laß einen Bericht über die neuen Waffensysteme mit denen die Marineführung die Zerstörer der "Neuf-Anjou"-Klasse optimieren wollte. Wenn es um "ihre" Marine ging, war sie immer sehr interessiert. Dann summte ihr Handy. Eine Mail des Seneschals. Ein Schmunzeln umspielte ihren Mund. Sie wusste sofort worauf Duroc anspielte.


    Sie tippte:


    "Zwei Namen: Della Scala und Duroc".


    Damit folgte sie dem Vorschlag ihres Seneschalls. Der eine sollte der Beistellgatte werden, der zweite war der Wunschkandidat zur Gründung einer Dynastie.


    Eine weitere kurze Mail:


    "Tütülerien. Bin noch im Büro!".

  • Das habe ich auch nicht gesagt, dass Du ein Schwein bist. Aber wenn Valerie etwas versautes suchen sollte ... könntest Du temporär die Sau rauslassen.


    Jean fand das lustig. War es bestimmt nicht, aber es war gesagt.


    Du bist auch immer im Dienst wie mir scheint. Bricht unser Reich zusammen?


    Es ärgerte Jean ein wenig, dass er mit seinem Handy beschäftigt war, er fand es unhöflich.

  • War es auch, aber es war halt eben der Moment, an dem Duroc beschloss, das Wappen seiner Familie, welches er sich noch ausdenken würde, mit einer Parole zu versehen und er hatte sich für


    Le Premier suit Le second


    entschieden. Das erste folgt dem zweiten. Wer auch immer es verstehen sollte, der würde es verstehen.


    Gut, dann folge ich Deinem Rat und fahre zum Palast. Ich werde Dich anrufen und danke für alles.


    Er war aufgestanden, schickte Valerie nichts als eine Glympse und umarmte den Vetter und Freund.

  • So hatte er seinen Cousine noch nie erlebt. Nervös, fahrig, nicht der souveräne Senechal. Grinsend dachte er <Wo die Liebe hinfällt, da wächst kein Gras mehr!>.


    Von nun an würde es turbulent werden. Gerade war er still und leise von einem längeren Urlaub mit seiner Leonore zugekommen und schon stand ihre Schwester wieder mitten im Raum. Fröhlich dachte er an eine Doppelhochzeit! <Wenn das mal alles gut geht!>


    Er griff zum Telefon und rief seine Prinzessin, seine Traumfrau an.

  • Es dauerte relativ lange, bis er eine bekannte Stimme hörte. Sie war nett, zärtlich und doch etwas in seinem Inneren sagte Jean, dass etwas nicht stimmt. Er konnte diesen Funken in der Stimme nicht halten, es war eher ein Gefühl in seinem Magen.


    Jaaaaaaaaaaaaa? Jean, Du verwöhnst mich auch nach unserer Ankunft. Was wird, wenn ich mich daran zu sehr gewöhne? Willst du mich von Dir wohl komplett abhängig machen?


    Wr das ein Scherz? War das ein Besorgnis? Bei Leonor konnte Jean auf alles befasst sein. Es hätte auch ihr voller Ernst sein können.

  • Leicht amüsiert reagierte Jean gelassen und zog sie in ähnlicher Weise auf.


    Manchmal bin ich versucht, Dich einfach über das Knie zu legen und dir deinen wundervollen Hintern zu versohlen, mein schöner Engel.


    Gut das Leonor sein Feixen nicht sehen konnte. Ob es ernst gemein war oder nicht, ließ Jean offen.


    Hast Du dich schon mit deiner Schwester getroffen?


    Ihm war nicht wohl dabei, dass Valerie wieder in Leonors Nähe und ihre Mutter wieder in Reichweite war. Leonor war noch nicht über den Berg und ihre beiden Gesichter hatte sie noch nicht im Griff. In Watte packen, wollte er seinen Engel.

  • Nein.


    Es klang traurig und leise.


    Ich.. ich will zurück in unsren Traum.


    Und wieder eine Pause.


    Leonor konnte sich ohrfeigen, dass sie es gesagt hat. Jean kannte seinen Engel schon eine Weile und er wußte, dass sie das Gesagte schon bereut hatte. Die nächsten Worte waren einfach zu hastig gesagt.


    Es ist nicht so, dass ich mich nach meiner Schwester nicht sehne. Ich liebe sie einfach so sehr und wir steht uns auch sehr nah. Ich habe das Gartenhaus und Chloe vermisst und den Garten, und die Tauben auf dem Dach und M...


    Sie wollte Mutter sagen und brach es nicht über die Lippen.


    Mein Hintern wackelt schon allein bei der Erwähnung deiner Hand.


    Leonor kam endlich auf den Gedanken, das Thema zu wechseln.


    Ich vermisse Deine Berührungen.


    Es war relativ neu, dass Leonor ihm direkt solche Worte sagte. Meistens verständigte sie sich mit kleinen Geschenken oder Zettelchen, wenn sie die Liebe und Sehnsucht packten.


    Ich habe deinen Namen als Freund der Familie eingetragen. Du kannst jetzt jede Zeit ein und aus, ohne Termine. Haha -ha ha, das klingt komisch. Ich werde mit dir einen Termin vereinbaren, zum Vög...


    Leonor lachte kurz auf und schüttelte sich. Ihre Gedanken kreisten um Jean, seine Nacktheit und Vorstellungen, was er mit ihr anstellen kann.


    Ich habe Valerie noch nicht zu Gesicht bekommen. Ich denke bestimmt zu viel.


    Er hörte kleine Angstnoten in ihrer Stimme.

  • Das er wieder, der Zweifel von dem sein kleiner Engel voll war. Jedesmal berührte es sein Herz, wenn er bemerkte wie sein Engel litt.


    Es waren traumhafte Wochen, mein Engel. Wir sollten das unbedingt wiederholen. Vor allem das gegenseitige Berühren und zwar jetzt auf der Stelle.


    Was er damit meinte, war eindeutig. Die Vorstellung seinen Engel wieder und wieder glücklich zu machen, steigerte sein Verlangen. Eigenlich wollte er ihr nur von Robert berichten, der wohl gerade auf den Knien vor seiner geliebten Kaiserin lag, aber das konnte warten. Warten konnte eine bestimmt nicht, seine geliebte Leonor.


    Ich werde Dir heute Nacht unseren Traum zurückbringen.


    Wieder war er froh das sie nicht sehen konnte wie er lächelte, glücklich lächelte. Die Nacht würde lang werden.


    Vergessen wir die Welt um uns herum. Ich liebe Dich, mein Engel.



  • tuut tuut tuuut


    Leonor schaltete ab. Sie war glücklich und doch beunruhigtem seine worte ihr Gemüt. Es war wunderschön, diese Worte zu hören. Sie genoß es. Zu sehr genoß sie das. Seine Worte waren wie ein Schatz und den Schatz muß man allein betrachten, in der Einsamkeit. Jean wunderte sichschon lange, warum sie plötzlich wegging und erst nach iener halben Stunde oder sogar viel später wieder zu ihm zurückkam.


    Wenn er nur wußte, wie Leonor zu seinen Worten und Taten stand, wäre er verdattert und schockiert. Zumindest dachte Leonor so. Aus diesem Grund erzählte sie ihm das nicht und diesmal legte auf.


    Sie wählte wieder seine Nummer, nach geschlagenen 15 Minuten.


    Jean? Ich liebe dich auch.


    Leicht zitterte ihre Stimme. Sie konnte immer noch nicht ohne Röte und ohne Scham diese Worte auszusprechen. Leonor wußte zu gut, dass sie damit Ihren Feineden und vor allem den Feinden ihrer Schwester ein Mittel zur Erpressung gab.


    Dann sehen wir uns. Und laßdich von meiner Schwester nicht erwischen. Du bist immer noch nicht offiziell vorgestellt.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!