Beiträge von Valerie Beauharnais

    Weihnachten war bei mir zwar nicht stressig, aber ich erlege mir für diese Zeit immer eine Art Online-Auszeit auf. Daher immer nur kurz gucken und dann wieder raus. Ich freue mich das es weitergeht in Outremer.

    Sie gingen weiter von der Kunst des späten 19. Jahrhunderts, zur der des 20zigsten. Von Pizza-Roh zu Pueblo Pikasso, zu Peter Klee und Wassily Kaminski. Das war Valeries Welt. Hier fühlte sie sich wohl, was man ihr auch ansah. Selten genug war sie hier, um diese Bilder zu genießen. Ein Großteil der Pizza-Roh Gemälde und der ein oder andere Klee oder Pikasso, war in ihrem Besitz oder im Besitz der Familie, Papa hatten den gleichen Geschmack, trotzdem war Valerie nicht so egoistisch diese Kunstwerke in einem ihrer Paläste zu verstecken. Alles sollte sich daran erfreuen, ohne das sie damit an die Öffentlickeit trat. Nur die wenigsten wussten, von ihrer hier ausgestellten Sammlung.

    Valerie ließ sich treiben. Sie schwamm auf ihren Gefühlen, die so ungewohnt und doch so vertraut waren. Versunken in eine Welt ausserhalb des real fassbaren. Eine Welt in der man auf Wolken zu schweben schien, in der man von eiskalten Fluten, in heiße Lava glitt, ohne zu erfrieren oder sich zu verbrennen. Robert schmeckte anders, roch anders, war ganz anders. Für Valerie tat sich eine neue, faszinierende Welt auf. Es gab kein halten mehr. Sie gab sich hin, ließ Robert gewähren. Love me like you do!

    Trübsal zu blasen und sich aufzugeben entsprachen nicht dem Naturell der Kaiserin. Die sehr kurzen Phasen in denen sie Tränen vergoss waren extrem selten. Sie fing sich schnell und lächelte zufrieden. <Das Leben ist ein Kompromiss!>, dachte sie als sie las das Antoine ihren Polizeiminister von seiner Liste gestrichen hatte. Nun musste ein Plan her. Wenn sie nur Kontakt zu Anielle oder Serville bekommen könnte, wäre es einfacher.



    Ein Kontakt zu deiner Schwester wäre hilfreich.



    Anielle hätte als Connetable d'Outremer alls Möglichkeiten sie hier zu befreien. Gleichzeitg kam ihr aber in Erinnerung, dass Anielle den sofortigen Tod gewisser Personen befohlen hatte, sollte ein Attentat auf die Kaiserin erfolgreich sein. Vermutlich gab es einen ähnichen Befehl zur Ermordung Valeries und Antoines, falls Jemand versuchen sollte die Kaiserin oder Antoine Saint-Just zu befreien. Trotzdem würde Valerie gerne mit der Frau sprechen, die geschworen hatte die Welt in Flammen zu setzen, sollte ihr etwas passieren.

    Sollte allerdings die Bemerkung des Professors Julien dazu veranlasst haben, seinen Vorschlag zu einem intensiven Kulturaustausch zu machen, dann hatte es sich schon gelohnt. Valerie sprang auf diesen Zug auf.


    Wir könnten ein Programm auflegen, dass unserer Jugend einen gegenseitigen kulturellen Austausch ermöglicht. Du stiftest diese Stipendien für dein Reich und ich mache das selbe für das meine. 


    Nun hatte man etwas, was man tatsächlich als Ergebnis der Gespräche der beiden jungen Monarchen veröffentlichen konnte ohne das sich die Regierung diese Feder an den Hut stecken konnte.

    Man schlenderte, unter der fachkundigen Führung von Professor Beuys, nicht von Gemälde zu Gemälde, man blieb stehen wenn ein Gemälde näher betrachten wollte. So blieb Valerie natürlich vor ihrem Lieblingsgemälde im Impressionistensaal stehen. Es handelte sich um Jacob Pizza-Rohs Gemälde "Der Boulevard Friedman in der Nachmittagssonne". Von diesem Gemälde konnte Valerie nie genug bekommen. Auch diesmal schaute sie verträumt und glücklich aus.


    Das Gemälde liebe ich. Es zeigt einen Teil Corinnis zu einer Zeit in der ich gerne gelebt hätte. Pizza-Roh hat es 1897 gemalt. 


    Es gab noch zwei andere Gemälde mit dem gleichen Motiv, aber zu anderen Jahres- und Tageszeiten.


    Dieser schöne Pizza-Roh wurde vor vier Jahren von ihrer Majestät angekauft und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.


    Das wollte Valerie eigentlich nicht ihrem Gast mitteilen. Verlegen schaute sie kurz auf den Boden, als Professor Beuys darüber sprach.



    Im ersten Saal gab es Gemälde des Impressionismus des späten 19. Jahrhunderts. Vor dem Highlight dieses Teils der Sammlung, den berühmten "Strohblumen" von Vincent van Loch, blieb Professor Beuys stehen und ließ das Bild auf die Anwesenden wirken. Aber anstatt auf den Künstler oder das Kunstwerk einzugehen, erläuterte der Professor die Umstände des Erwerbs. Das ungewöhnlicher Weise auf Holz gemalte Bild wurde zufällig entdeckt, als ein kunstverständiger Wanderer bei einem Bauern übernachtete. Als er den Kleiderschrank öffnete diente das Holzgemälde als Rückwand eines Schranks. Das Bäuerlein wollte aber nicht nur die Rückwand hergeben, sondern nur den ganzenSchrank. Es wurde der teuerste Bauernschrank in der Geschichte Outremers.Der


    Valerie kannte diese Geschichte und Maurice Boule natürlich auch. Denn er begleitete seine Kaiserin gerne bei solchen Ausflügen in die Welt der Kunst.

    Fast wäre Valerie hinten über geschlagen. Mit diesem lässigen Outfit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Darin sah Julian noch jünger und vor allem attraktiver aus. Dagegen kam sich Valerie fast schon vor wie eine steife Modepuppe. Für sie waren die offenen getragen langen Haare schon der Gipfel an Lässigkeit den sie außerhalb des Palastes zeigen konnte. Aber egal ihr gefiel der junge Mann mit dem sie sich so gut verstand.


    Wir sind dann soweit.


    Professor Beuys war kein steifer Gelehrter, auch wenn die obligatorische Fliege das vermuten ließ. Er hatte einen guten Draht zu jungen Menschen. Lächelnd ging er in den ersten Saal voran gefolgt von den Majestäten und Maurice Valeries Chefleibwächter.

    Wie versprochen trafen sich Valerie und Julian im Foyer des im neoklassizistischen Stil erbauten Museums. Für die Anreise hatte man neutrale Fahrzeuge gewählt. Durch eine Seitentür wurde die Kaiserin und ihr hoher Gast unauffällig ins Gebäude gelassen. Der Direktor des Museums, Professor Ildephons Beuys, wartete bereits. Valerie hatte ein elegantes dunkblaues Kostüme, relativ flache Pumps in gleicher Farbe, eine hellblaue Bluse mit offenem Kragen gewählt. Ihr Schmuck war dezent. Eine kurze Perlenkette mehr nicht. Ganz unüblich trug sie ihre langen schwarzen offen.


    Professor Beuys begrüßte seine Gäste ziemlich formlos mit einer tiefen Verbeugung und einem freundlichen Guten Abend,  Majestäten.

    Alle Gedanken kreisten um ihre Rache und ihre Überlegungen für die Zeit nach der Befreiung. Damit war Valerie so beschäftigt, dass sie den letzten Kasieber verdrängt hatte. Der hatte es aber insich. Scheinbar saß eine Frau an ihrem Arbeitstisch die man für Valerie hielt! Leonor konnte es nicht sein. Sie waren zwar Schwestern, was man sah, wenn man genau hinschaute, aber sie waren keine Zwillinge. Blieb nur ein Double! Das Ganze muss von langer Hand vorbereitet gewesen sein. Kurz entschlossen schrieb sie zurück. Ohne Wut.



    Natürlich habe ich meine Krone angefasst. Zum üben setze ich sie mir immer selbst auf, damit sie beim gehen nicht vom Kopf fällt. Das mag in deinen Augen Verwerflich sein, aber so ist es nun mal.


    Wer immer da aus meiner Tasse trinkt oder an meinem Schreibtisch sitzt, muss gut sein. Sie muss mir sehr ähnlich sein. Denn sonst hätten es Jeanne, Bernadette oder Serville sofort erkannt. Mit den Dreien bin ich Tag für Tag zusammen, Die kennen mich besser, als ich mich selbst. Die echte Valerie Beauharnais sitzt in deiner Nachbarzelle.



    Was Valerie am meisten verstörte, war die Tatsache das es von ihren Verwandten, Vertraueten und engen Mitarbeitern niemand bemerkt haben sollte. Was ist mit Leonor, Jeannne, Bernadette? Was ist mit Serville? Was ist mit den beiden Menschen zwischen denen ihre Gefühle hin und her schwanken, was ist mit Anielle Saint-Just und was ist mit Robert Duroc? Fällt es niemandem auf, dass dort nicht Valerie die Jähzornige sitzt?


    War sie eben noch gut gelaunt und voller Tatendrang, überkam Valerie nun das Gefühl einer tiefen Niedergeschlagenheit. Sie warf sich auf ihr unfassbar bequemes Bett und heulte hemmunglos. Wurde sie nicht vermisst?

    Zu gut gelaunt, um zu explodieren, lächelte Valerie.


    Bitte sehr leise und diskret. Und wo wir gerade bei vorsichtigen Ermittlungen sind, überprüfen Sie bitte meinen lieben Onkel Jerome. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er einen ganz bestimmten Teil unserer Geschichte wiederholen möchte. Und ich bin das Ziel. 


    Gelassen und vollkommen ruhig spielte sie auf einen Vorfall in der Geschichte Outremers an, in dem der eigene Onkel die Königin zur Ehe zwang, um so selbst König zu werden. Ein wenig hatte Valerie doch als Kaiserin gelernt.

    Valerie schmunzelte über das Verhalten ihrer kleinen Schwester und setzte sich auf das Sofa. Sie nahm ihr Glas mit Rotwein und entspannte sich. Mit Genuss trank sie das Glas aus. Immer noch den Gedanken hinterher hängend, wie sie sich gegenüber Leonors Freund verhalten sollte. Sie würde ihre Versprechen nicht brechen, soviel war klar. Aber wir soll sie sich beim ersten Treffen geben? Liebevolle große Schwester, kritisches Familienoberhaupt oder majestätisch? Valerie lächelte, trank den letzten Schluck Wein und beschloss einfach Valerie die Unvoreingenomme zu sein. Zufrieden und müde ging sie zu Bett.

    Wir haben noch soviel Zeit über alles zu reden. Ich denke wir sollten wirklich ausschlafen. Vort allem nach der letzten Nacht.


    Damit spielte Valerie auf die Liebesnächte an, die sie getrennt von einander, erleben durften.


    Ich bittte Dich nur um einen Gefallen, sei bitte vorsichtig und höre auf deine Sicherheitsleute.


    Wieder nahm sie Leonor ins den Arm und drückte sie sanft an sich. Für Valerie war Leonor der einzige Mensch um den sie sich wirklich sorgte. Anielle konnte auf sich selbst aufpassen und ihre Mutter ... die auch!

    Wenn Onkel Fouche von deiner Ankunft wusste und davon kannst Du ausgehen, dann wird es so gewesen sein. Sichtbarer Schutz der Familie hatte ich ihm sogar aufgetragen.


    Trotzdem war Valerie nervös. Seit sie wusste, dass nicht alle hohen Offiziere hinter Anielle und vor allem nicht hinter der Kaiserin standen, entwickelte sie ein gesundes Misstrauen gegen ihre eigene Armee.


    Wir haben nur den Attentäter. Nachdem Kylian ihn vernommen hatte, war zumindest klar, dass er nicht alleine steht. Der junge Mann sitzt in der Festung Lanrodec und wartet. Von ihm weiß jeder, daher kommt nur ein ordentliches Gerichtsverfahren in Betracht. Zudem will ich noch nicht zuschlagen, solange ich nicht weiß, WER wirklich Verantwortlich ist. Doch wenn wir das wissen, werden wir die Gelegenheit nutzen, ein wenig aufzuräumen. 


    Diesmal konnte die Kaiserin ihr sadistisches Grinsen nicht unterdrücken.


    Für manche wird es keinen schnellen Tod geben. Zudem wird zu entscheiden sein, was wir mit den Angehörigen machen, da hast Du recht und ich bin deiner Meinung. Serville wird wieder moderate Möglichkeiten vorschlagen, damit nicht noch mehr Hass entsteht. Vielleicht wird es eine Mischung aus beidem, härte und verzeihen. Nur haben will sich sie alle und bei manchen bin ich versucht selbst Hand anzulegen. Beim Verhör, wie bei der Hinrichtung.


    Ihr Blick wurde eisig.


    Dein Lieblingsonkel, wird mir das aber mit Sicherheit ausreden wollen. Damit mein Ruf als beliebte Kaiserin erhalten bleibt und das Volk weiterhin hinter dem Thron steht.


    Manchmal bereute sie es zu spät geboren zu sein.

    Nach dem Attentat hat Onkel Kylian Ermittlungen angestellt. Dabei stellte er fest, dass es hohe Offiziere in meiner Armee gibt, die ein anderes Reich haben wollen. Ich bin diesen Herrschaften vermutlich zu selbstständig geworden. Daher hatte ich mit ihm und meinem treuen Claude zunächst die Sicherheitsmassnahmen für uns und unsere Residenzen besprochen. WIe Du sicher bemerkt hast, sind die Wachposten an unseren Palästen verstärlt worden. Ich habe sogar versucht eine Schutzweste zu tragen. Aber da war etwas im Wege.


    Grinsend fasste sich Valerie mit beiden Händen an ihre vollen Brüste. Die Kaiserin wurde wieder ernst.


    Das am Flughafen verstärkte Streifen mit Hunden eingesetzt werden, ist mir allerdings neu. Ich kann mir aber vorstellen, das Onkel Wouche es wieder zu gut gemeint hat.


    Es gab aber auch eine andere Möglichkeit.


    Waren das Soldaten oder Polizisten?


    Diese Frage war wichtig. Soldaten = Marschall Brune, Polizisten = Polizeiminister Fouche. Feind oder Freund?