Beiträge von Leonor Beauharnais

Nach dem Frieden von Saint Felieu im Jahre 1764 ruhten die Waffen zwischen dem Empire Outremer und seinem östlichen Nachbarn, dem Guffmanischen Reich zwar und auch die mittleren Provinzen Morven, Moria und Igraine waren dem Reiche gewonnen, doch war der Unterschied zwischen dem gelobten Land Outremers mit seinen friedliebenden, nur manchmal mordenden und nur zu bestimmten Phasen Unzucht treibenden Bürgern und den meist in den Sandstürmen der Le Grand Peut Halbinsel (oqcianisch Grand’p’ut, empirisch Laconien), der sogenannten Streusandbüchse, zeltenden Staubschluckern zu unterschiedlich, um dauerhaft Frieden zu bedeuten. Zudem gab ein immerwährender Wanderungsdruck frenqischer Siedler in Richtung des östlich an Moria angrenzenden Gebietes gar machen Grund zum Zwiste die schließlich in den vierten isfahanischen Krieg zwischen den Guffmanen (wohlbekannter Weise ein Teilvolk der Isfahanen, was den der Empirischen Elite allerdings egal war. „Alles Kasemuffen“ sagt man ja schließlich noch heute im rotweintrinkenden Bildungsbürgertum) mündeten, in welchem die Satrapien Morgaine, Drangiane, Touraine und Sogdiane zusammen mit dem gesamten südlichen Ufer Laconiens nicht nur tributpflichtig, sondern mit den neue Provinzen Dreux und Evreux sogar Teil des Reiches wurden. Diese beiden Provinzen waren somit von 1808 bis 1879 Teil des Reiches, waren dann genau wie die Republik Berry (damals noch in Myrtille und Fraise geteilt) unabhängig aber tributpflichtig und werden erst bei einer erneuten hanebüchenen Gelegenheit in durchaus verbrecherischer aber vor allem burschikoser Weise annektiert. Erst durch den Einspruchs Nordhanges und vor allem Andros wurden die Pläne der Connetable Anielle Saint-Just, neben der Sogdiane, welche ohne jedes Interesse für hegemoniale Interessen war, der Provinz Dreux die zu 88,4 % frenqisch besiedelt war und einigen anderen, kleineren Gebieten, wegen denen niemand einen Panzer abstaubt, auch gleich den ganzen, zumindest marginal berechtigten Anspruch auf die anderen oben genannten Gebiete durchzusetzen, vereitelt. Selbst die Provinz Evreux, wurde nur besetzt aber nicht einverleibt, doch auch hier ist der Einfluss des Reiches im jetzigen Palatinat mehr als zu spüren.

    Hat er Traualtar gesagt? Leonr konnte ihren Ohren nicht trauen. Und das war auch nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Ihr Körper und ihre Empfindungen fanden einen besseren Anreiz als dieser Gedanke. Der Rausch wollte und wollte nicht abbeben. Egal wie oft und wie intensiv. Bis an die Grenzen des Möglichen. Es wurde nach und nach dunkler. Beide konnten voneinander nicht genug bekommen und verlangen mehr und mehr voneinander auch ab. Bis Leonor mit ihrer ganzen Willenskraft die Hände gegen seine Brust stämmte.


    Ich will meinen Pflaumenmus und zwar jetzt! Sonst sterbe ich an Hungersnot.


    So süß hat ihn keiner um das Essen gebeten. Leonor lag unter seinem Körper und war glücklich. Ihre Stimme gab dieses Gefühl weiter, an Jean. Sie strahlte und machte ihn unersättlich. Leonor zu besitzen, sie seins zu nennen.Leonor schien diesem Vorhaben keine Hürden zu stellen.


    Auf jeden Fall außer Hunger hat Leonor keine Einwände geäßert. Ich muß Marco anrufen und ihm sagen, es geht mir gut. Ich will nicht, dass er meinet... unseretwegen Schwierigkeiten bekommt.


    Ihr Gesicht war besorgt. Marco war bloß einer der Leibwächtern. Das war sein Job. Sie fragte Jean nicht, doch Leonor wollte sich erklären. Plötzlich bekam sie diesen Bedürfnis zu spüren. Es gelang ihr ein wenig ungelenkig, denn sie tat es noch weniger als selten. Fast nie.


    Es ..wird nicht lange dauern. Er ist ein guter Leibwächter, weißt Du. mmh.. ich.mmh.. ich rechtfertige mich nicht, ich will dir mich nur erklären wie du es wolltest.


    Leonor war es unangenehm. Sehr unangenehm aber nur aus einem einzigen Grund. Sie wußte nicht, sich richtig in dieser Situation zu verhalten.

    Als er über die Pferde sprach, leuchteten ihre Augen mit Begeisterung. Leonor kuschelte sich in die Decke, dann an ihn. Jede Geste sprach Bände. So ausdrucksvoll ihr Gesicht, ihre Gesten zu nutzen, das war Leonors beste Seite. Jede Bewegung trug den Sinn und die Sinnlichkeit, die sogar Leonor nicht bewußt war und dadurch sehr natürlich aussah. So sprach man über eine geborene Eleganz.


    Ich liebe Pferde! Ich liebe auch schnelle Autos, nur erlaubt meine Schwester nicht, schnell zu fahren. Ich liebe Blumen und Kleider, ich liebe feiern, weil es jedes Mal ein Abenteuer war, sich aus dem Palast zu schleichen. Serville kann ein Lied singen und die Leibwächter wechselten sich eine Weile fast jeden Tag. Aus diesem Grund schätze ich Marco so sehr. Er ist ein treuer Wächter geworden. Wir verstehen uns sehr gut. Allerdings..


    Leonor blickte auf Jean und seufzte, ihr Blick wurde traurig und nachdenklich.


    Jede Person, die mich näherte, gibt den anderen die Möglichkeit, mich auf Druck zu setzen. Serville hat mir gedroht, Maroc zu entlassen. Das war meine letzte Aktion, den Palast zu verlassen.
    Irgendwann habe ich sogar aufgehört, mich zu bewegen. Ich hatte zwei Freunde. Cedric bekam eine gefährliche Mission uns ist verschollen. Der andere.. Lucien, sprechen wir nicht darüber.


    Ich kann aber sehr gut lächeln


    Leonor hob sich leicht und lächelte ihm entgegen. Ihre Augen, ihr Gesicht strahlen die sanfte Macht und Nachgiebigkeit. Man wollte diese Frau bewundern, sie schien plötzlich so nah zu sein. Hätten beide die Nacht nicht verbracht, hätte er Leonor als seine Schwester umarmt.


    Ich liebe den Palast zu erkunden. So viele alten Gänge, die nur ich kenne. Ich habe alte Pläne ergattert. Und.. Du bist meine erste Erfahrung. Und... Du bist auch der erste, der nach mir mir, Leonor fragte.


    Leonor schaute zur Seite und flüsterte leise.


    Ich hoffe, ich habe dich nicht enttäuscht.

    Das Gartenhaus gefällt mir. Doch ich verstehe, dass für meinen Stand dieses Haus zu klein ist. Serville, das brauchen Sie mir nicht zwei Mal sagen. Ich habe Sie sehr gut verstanden und stimme Ihnen zu.


    Es war hochnässig gesagt, vielleicht für andere. Serville wußte all zu gut, wie gehässig und hochnässig Leonor sein kann. Diese worte könnte man sogar als ganz friedlich und freundlich bezeichnen.


    Ich will Sie weiter von Ihren Pflichten und von Ihrer Arbeit nciht abhalten.


    Leonor stand auf. Schon fast an der Tür blieb sie stehen.


    Ihren geliebten Cognac... Ich bin nicht geboren, etwas schenken zu können. Ich weiß nicht, wie es geht..also... Ich habe es für Sie gekauft und .. ich akzeptiere kein Nein. Und... ich lasse Ihnen die Flasche bringen.


    Sie hat es wirklich nicht gerlernt. Doch dieses Stottern war mehr wert als gut gewählte Worte.Sie wartete nicht auf seine Antwort oder Reaktion. Leonor schloß nicht einmal die Tür hinter sich und ging einfach weg.

    Leonor öffnete halb verschlafen noch die Augen. Sie hörte seine Worte über die Liebe nicht. Schlafgetrunken kuschelte sie sich an seinen Körper und das war die zärtliche Nähe, die an seinem Herzen kratzte.


    Leonor wachte langsm auf, streckte sich und öffnete nun endlich die augen. Sie sah dieses schöne Gesicht eines Mannes, dem sie sich geschenkt hatte. Und da kam die Zicke. Interessant, hat Jean solche Worte erwartet?


    Du hast mir den Pflaumenmus versprochen.


    Und dieser vorwurfsvolle Blick, als ob er einen Wortbruch begangen hätte.Leonor fröstelte und zog die Decke bis zur Halskerbe. und dann klagevoll.


    Kalt.


    Es war ihr nicht peinlich, diese Nacht. Es war ihr nicht peinlich, ihre Nacktheit. Sie konnte nur damit nicht umgehen. Man könnte sie mit einem Mann nach einem one-night-stand vergleichen, der nicht weiß, was er der Dame sagen soll. Doch dann...


    Was für ein Mensch bist Du? Erzähle mir von Dir. Pflaumenmus kann dann warten.


    Leonor zog sich zu ihm näher und legte ihren Kopf auf seinen Bauch, als sei es ihr Kissen.

    Ich muß offen sagen, die Gespräche mit Doktor haben mir gut getan. Er ist verschwiegen und ich vertraue ihm, dass er für sich behält. Ihre Frage, Serville, ist berechtigt. Daran habe ich gar nicht gedacht. Sagen Sie, Doktor hat mir was von der Praxis auf dem Palastgelende erzählt. Wie weit sind die Umbauten?  Das Gartenhaus besitzt zwar mehrere Zimmer, doch es ist trotzem für 3  Personen klein. Ich bin in einem stabilen Zustand, denke ich, dass ich keine 24-Stunden-Bewachung von einem Arzt brauche.


    Leonor hat es von einer ganz anderen Seite gesehen. Dass die Tatsache, dass sie mit dem Arzt in einem Haus zusammen lebt, ihren Ruf ruinieren könnte, oder falsche Gerüchte entstehen, daran hat sie nicht einmal einen Gedanken gehabt.


    Doch, Colonel


    anscheinend wieder eine Bitte oder ein Auftrag...


    sprechen SIE mit dem Doktor darüber. Für mich ist es unpassend und wird für ihn beleidigend, dieses Thema aufzuschneiden. Schließlich bin ihm für seine Opferung verpflichtet.

    Wir verschweigen die Einzelheiten dieser Nacht, es war mehr geliebt als geredet. Besser gesagt, es war gar nicht geredet. Bis beide vor Erschöpfung einschliefen.


    Zersaust, Makeup über die Bettwäsche verschmiert, was von Jean nicht aufgegessen oder weggeleckt wurde. Ihre Nase stubste in seinen Oberarm und er spürte den gleichmäßigen Atem dieser Frau an seiner Seite.


    Leonor spürte eine Bewegung.


    Noch nicht, Chloe.. schla...


    Und wieder die Stille. Das Licht der Morgenstunden zauberte in ihrem Haar goldene Strähnen und sogar in diesem unordentlichen Look war sie nicht weniger begehrenswert als gestern. Ihr sanfter blumiger Duft kitzelte seine Nase und hat sich wohl im ganzen Bett eingeniestet. Sie roch nach ihm auch. Er fühlte seine unsichtbaren Spuren auf Leonors Haut. Dolores sah anders aus. Ein Zauber? Ist das die Liebe, welche die Sicht ändert? Leonor schien nicht aufwachen zu wollen.

    War sie bereit? Sie spürrte, wie die Erregung ihren Körper übermannte, doch ihr Geist war wach. Sie bekam Angst vor dieser Veränerung. Ihr Körper fröstelte und glühte zugleich. Das leise Stöhnen war eher wie ein Hilferuf. Diese Haselnusaugen, fast im demselben Ton wie das seidige lange Haar blickten zu ihm kurz und schloßen sich. Leonor spürte diese aufsteigende Lust mit jedem Millimeter ihrer Haut. Leonor. Er hat sie so genannt, nicht Ella. Leonor, sie war und ist Leonor. Ihre Arme wickelten sich um seinen Körper und pressten sie an ihn. Es war kein Entkommen mehr, für beide.


    Du...bist...mein Pflaumen...mus..


    stöhnte Leonor zwischen seinen Küssen.

    Sie erwiderte seinen Kuss. Ihre Lippen waren weich und... sie küsste gut, doch das war nicht seine erste Frau, die er geküsst hatte. Irgendetwas stimmte nicht. Sie gab zu schnell nach. Er erinnerte sich an ein Mädchen, an seinen ersten Kuss. So ungelenk war das auch nicht, jedoch dieses Gefühl blieb. War das etwa ihre erste Erfahrung? Denkt ein Mann darüber überhaupt nach? Leonor dachte nicht. Sie genoß seine Dominanz und seine Küsse, seine Hände über ihren Körper. Ihre mackellose Haut schimmerte errötet in diesem gedämmten Licht. Sie war einfach zu klein für das große Bett.


    Es ist eine Gewohnheit. Niemend kennt Geheimgänge des Palastes besser als ich. Oft stand ich hinter der Geheimtür und lauschte erst, ob jemand im Zimmer ist. Und dann schrie Mutter die Bediensteten an, wo ihre Lieblingspralinen geblieben sind.


    Sie kicherte leise.


    Alles hat seinen Grund.


    Ihr Gesicht war so nah an seine Lippen.

    Ich heiße Leonor. Das ist mein Rufname.


    Seine Hand fühlte sich so warm, so besitzergreifend. Fieberte Leonor solch einer Beziehung nicht entgegen? Was ist denn jetzt plötzlich los? Sie war zurückhaltend und doch zauberte sich dieses kecke Lächeln, selbstsicher, als ob sie ein Geheimnis kannte.


    oder Deine kleine Zicke. Ich habe nichts dagegen. Pfkaumenmus ist mein Favorit. Die Konfitüre erinnert mich an den späten Sommer, an die Wärme, an duftende Luft. Schon allein damit wirst Du mich glücklich machen. Ich bin verzogen, Jean. Und ich bin mir noch nicht sicher, wen ich mehr mag, einen Piraten doer einen Mann, der mich glücklich machen will.


    Warte.


    Als Jean die Tür öffnete, zog Leonor ihn leicht zurück. Dann schon sie ihren Kopf rein und blickte nach rechts und links, dann machte sie einen riesengroßen Schritt als erste in die Wohnung und wedelte kurz mit der flachen Hand vor dem hals, um dann erleichtert aufzuatmen.


    Danach dreht sich Leonor zu Jean und ihr Lächeln wurde zum triumphierenden Grinsen


    Willkommen! und keiner außer uns da.

    Neugierig , wie eine Katze, die zum ersten Mal die Wohnung betrat, schnüffelte Leonor überall und hinterließ ihren Parfümduft. Ihre Bewegungen waren elegant auch in diesem Kleid mit grellen Farben.

    Serville, das überlasse ich Ihnen, er muß nicht wissen, dass ich mit Ihnen darüber geredet habe. Seine Braut ist aber süß. Ich habe schon ein Geschenk für das Paar. Ach ja... Wenn beide in der Palastkapelle heiraten wollen... erlauben Sie das ihnen. Ich werde mit Padre sprechen, damit er einen würdigen Geistlichen für diese Trauung empfielt.


    Leonor lachte leise.


    Ich habe beide beim Shopping erwischt. Haben Sie mal gesehen, wie Marco rot wird? Ich schon. Serville, wenn wir schon so ein Gespräch führen... Wenn Sie was mir sagen wollen, sagen Sie jetzt.

    Sie blickte auf den Doktor und versuchte zu lächeln.


    Ich will nichts essen, mir ist schon übel, wenn ich an das Essen denke. Was ich will, ist zu trinken, als ob ich ein Loch im Magen hätte.


    Ich will keine Umstände Ihnen, meiner Schwester bringen. Ich fühle mich so elend, so nutzlos, Doktor. Ich wünsche mir einfach die Augen schließen und einschlafen, so für 100 Jahre ungefähr. Oder wach werden, irgendwo, wo mich keiner kennt, wem ich mich zu nichts verpflichtet fühle.

    Bin ich ....psychisch labil?


    Sie stellte diese Frage und er sah ihr Lächeln, abgrundtief traurig .


    Ich will aber leben, den Willen habe ich, doktor. Ich habe gerade meine Schwester gefunden. Vielleicht durch sie auch mich selbst. Was mir die Kirche nicht geben konnte, mag meine Schwester mir geben, so denke ich. Halte ich zu große Erwartungen?


    Warum denke ich so viel darüber nach? Warum beunruhigt mich diese Situation?


    Leonor trank hastig die Flüssigkeit aus dem Glas und gab Beshir das Glas zurück.

    Mit Marco fühle ich mich auch sicher, Serville. Vielleicht mindert die Aufgabe, mich zu schützen, seine Stellung, doch ich fühle mich mit ihm wirklich sicher.


    Diese mehrmalige Bestätigung. Leonor wußte zu sehr, wie sie für ihre Leute einsetzen sollte.


    Colonel, wäre es meinerseits vermessen, eine Gehaltserhöhung oder eine Würdigung seiner Dienste bei Ihnen als seinen Vorgesetzten zu fordern?


    Oha, es gibt wohl jetzt eine Abstufung. Colonel, wenn sie was will.

    Und plötzlich sah er eine junge Frau, die sich süß errötete. Sie war sich nicht mehr so sicher. Sie war nervös. Die kleine Zicke, wie er Leonor nannte, mutierte plötzlich zu einem unsicheren Kätzchen. Leonor versuchte es zu verbergen, doch er sah, wie ihre Finger zitterten. Bis zum Fahrstuhl war sie eine Sirene, eine bewußte Frau und jetzt... Bis zum Fahrstuhl spürte er sogar ein paar Fäuste schlagen, auf seine Schulter und jetzt... Leonor war aufgeregt, noch mehr, es war ihr bewußt, was sie macht und was passieren könnte. Sie zeigte es am anfang auf eine sehr subtile Art diese Aufregung. Es war schon interessant, diese Körpersprache zu beobachten. Das Gesicht zeigte die Selbstsicherheit, die Augen die Selbstbeherrschung, die Hände, der Körper die Aufregung, Zweifel und Unentschlossenheit. Und dann sagte Leonor etwas banales, nur um etwas zu sagen und dieses Schweigen brechen und vor allem sich selbst schützen.


    Eine Tasse Kaffee wäre es ausgezeichnet. Hast Du Pflaumenmus?


    Sie wendete ihren Kopf von Jean ab, damit er nicht sehen konnte, wie Leonor in ihre Unterlippe biss. Doch die glatten Wände der Fahrstuhlkabine wiederspiegelten Prinzessin von allen möglichen Seiten.

    Leonor verstand all zu sehr, was er sagte, doch ihr fehlten die Grundrisse, die Geschichte dazu. Eins wußte Leonor genau. Wenn Serville sagt, wird er auch so tun.


    Serville, Sie wissen genau auch ohne mich, wer das will. Ich habe meine Mutter verloren, Valerie und Sie gewonnen. Doch er... er ist mehr als meine Mutter, Serville. Ich werde Ihrem Rat folgen und mit meiner Schwester darüber sprechen. Geben Sie mir rechtzeitig das Zeichen. Im Übrigen, Doktor Badhir ist ein guter Arzt. Ich fühle mich gut, so gut, dass ich die jährliche Maskerade im "Cabriolet" besuchen werde. Ich nehme Marco mit und somit werde ich gut beschützt. Ich verspreche, kein Trinkgelage zu veranstalten und nicht halbnackt auf der Tanzoberfläche stehen. Sind Sie mit mir zufrieden, Colonel?


    Oha, Leonor nannte ihn Colonel. Wir d Serville es überhaupt merken? Sie hat ihm sogar über ihre Pläne erzählt... In einem waren beide identisch. Jeder stand zu seinem Wort. Leonor war noch loyaler zu denen, die sie in ihr Herz schloß, bis zum Selbstschaden. Das war Serville all zu sehr bekannt.

    Leonor überlegte nicht lange. Es war ihr wichtig, die Bitte von Onkel Fouche durchzusetzen. Es war ihr auch wichtig, Serville zu prüfen.


    Ich will mit Ihnen direkt sprechen, Serville. Ich brauche Ihren Rat und deswegen bin ich ganz offen mit Ihnen. Ich will sowohl Anielle als auch meiner Schwester was Gutes tun. Es geht um ihren Bruder. Was sagen Sie dazu? Wir können ein wenig nachhelfen. Meinen Sie, es wäre... eine gute Tat?


    Leonor saß vor ihm und ihr Blick war nicht von einer Intrige betrübt. Sie erwartete tasächlich von ihm eine Antwort. Sie wollte tatsächlich einen Rat von ihm.


    Meinen Namen will ich im Schatten lassen. Valerie liebt diese Frau. Ich will beide glücklich sehen.

    Was sagen Sie nun dazu, Serville?

    Sie schwieg, sie strampelte nicht. Ihr Fliegengewicht drückte weich auf seinen Körper. Ihre Zustimmung oder Erlaubnis gab Leonor dem Piraten stumm, indem sie ihre Hände um seinen Hals wickelte. Ihr warmer Atem kitzelte seinen Hals und die Lippen hinterließen die Lippenstiftspuren auf seinem Kragen.


    Pirat


    funkelte sie ihm zu. Doch Leonors Stimme lachte und das Zeichen an Marco war eindeutig. Der Leibwächter sah ihr glückliches Gesicht und setzte sich am Steuer seines Autos, um beide zu folgen.


    Ich bin keine Zicke.


    Leonor mußte ihren Blick von ihm abwenden, um den Ausdruck ihres Gesichtes und die Röte zu verbergen.


    Sie sah den Abdruck ihrer Lippenstift auf seiner Wange, streckte sich zu ihm im Auto von ihrem Nebensitz und leckte mit er flachen Zunge darüber. Sie erschrack sogar ein wenig von dieser Dreistigkeit, zog ihren Kopf lin die Schulter und schob ihren Körper schnell wieder auf ihren Platz.

    Du bist enttäuscht.


    Nein, sie war enttäuscht. Er will sie loswerden. Fast hätte Leonor heulen können. Ihre Augen glänzten verräterisch.


    Du bereust.


    Nein, sie hat es nicht bereut, doch sie hatte Erwartungen in ihr Herz eingelassen. Das waren keine Fragen, das war eher eine Behauptung. Ihr Blick war auf ihn gerichtet.


    Es war nicht meine Absicht, Dich zu täuschen. Nicht meine Absicht, dass Du unter dieser Maske eine Prinzessin Leonor triffst.


    Sollten wir wirklich gehen? ja. sollten wir. Deine Sorge um Paparazzi ist berechtigt und logisch. Wir ..wir danken Ihnen für unsere Rettung. Meine Schwester wird davon unterrichtet. Machen Sie sich keine Sorgen. Mein Leibwächter ist verschwiegen. Den Weg finden wir allein. Wir wollen Ihnen keine Unannehmlichkeiten mehr bereiten. Unser Dank gilt Ihnen für diesen Abend.


    Es war so offiziell, so distanziert, als ob er eine andere Frau vor sich hatte.


    Marco, begleite mich nach Hause. Ich bin unendlich müde.


    Ihre Stimme war traurig, als letzte Flamme dieser jungen feurigen Frau, die Jean in seinen Armen hielt.

    Sie kannte Serville gut genug, um seine Gesten lesen zu können. Leonor lächelte und nahm den Platz, zeigte ihm auf seinen Stuhl und fuhr fort.


    Serville, seit einer geräumten Zeit ist meine Einschätzung Ihrer Person anders geworden und ich mag dieses Gefühl, mit Ihnen direkt zu sprechen. Ich will diese Besonderheit zwischen mir und Ihnen gern aufrechterhalten. Ich habe die Idee gehabt, zur Krönung eine Amnestie aufzurufen. Dabei dachte ich an eine generelle Amnestie, doch meine Schwester hat Recht, es wird unangebracht. Sie hat mich mit ihren Argumenten überzeugt. Doch ich würde gern politische Häftlinge unter diese Amnestie nehmen. Besonders die, die eine beachtliche Zeit schon abgesessen haben. Sagen wir mal alle, die mehr als 10 Jahre ihrer Strafe verbüßt haben. Ihre kaiserliche Majestät hat mich beauftrag, mit Ihnen darüber zu sprechen. Ich weiß, Sie haben genug zu tun, doch diese Amnestie ist ein wichtiger Stein in der Versöhnung beider Seiten. Außerdem denke ich, so eine Liste aller politischen Häftlinge, die eine Hälfte ihrer Strafe schon verbußt haben, ist leicht zu erstellen. Was sagen Sie dazu?


    Über den Auftrag von Onkel Fouche hat sie noch nicht gesprochen.

    Ihr Oberarm schmerzte, doch seine Worte und dass er schneller als Marco war, hat sie beeindruckt, dass sie den Schmerz vergaß.


    Laß uns gehen.


    Halb bittend, halb befehlend sprach Leonor. Marco Ging trotzdem hinter den beiden her. Als sie die Halbdunkelheit des Clubs verlassen haben, schmerzten Leonors Augen vom Tageslicht der Lampen des Hotels. Ungewollt hat Sie die Augen mit der Hand verdunkelt, um dann im nächsten Moment ferstzustellen, dass ihre Maske fehlte. Sie seufzte und anstatt sich zu verstecken, nahm sie ihre Hand ab. Nun stand Leonr vor Jean. Vielleicht haben sich beide mal auf irgendeinem Empfang getroffen, wer weiß. Doch die Bilder aus den Zeitschriften kannte er bestimmt bereits.


    Leonor konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten.


    Die Masken sind gefallen, vielleicht sogar früher als notwendig. Enttäuscht? Meine ersten drei Vornamen lauten Leonor Frederike Estella. Die nächsten 12 sind unwichtig. Nachname Beauharnais. 


    Sie machte sogar einen Reverance dazu. Eher zu ihren eigenen Namen als zu ihm.

    Seine Liebeserklärung überrollte Leonor. Sie war nicht daran gewohnt. Sie ließ eh nur an sich vorbei ziehen, solcher Regung aus dem Wege zu gehen. Und hier... Dieser Abend war wie ihr Kleid, feuerig.

    Doch wenn der Pirat seine Liebe bekundet hatte, war Leonor zwar von ihm fasziniert, doch verliebt war sie nicht. Es war eine Neugier, eine Begierde. Oder sie kannte noch ihre Gefühle nicht.


    Seine Küsse waren auch.... Feuer, Verlangen, Zärtlichkeit. Diese nicht zu erwidern, war eine Sünde. Sie tauchte in diese Gefühle, kämpfte dagegen nicht. Seine bestimmende Art gefiel ihr. Sie fühlte sich zum ersten Mal wie es ist, begehtr zu sein. Begehrt als Frau. Die Frage kitzelte ihre Zungenspitze. Weiß er überhaupt, wen er da küsste?


    Die Zeit kam auf ein Uhr nachts zu. Um halb eins sollten die Masken fallen. Leonor vergaß die Zeit und ihr Vorhaben, wie Aschenputtel rechtzeitig den Ball zu verlassen. Sie kuschelte sich an Jean, erzählte ihm über Pferde und er sah, wie ihre Augen lebendiger werden. Er erfuhr vom kleinen Cafe, wo sie oft Kaffee trank, er erfuhr, warum sie oft dort aufkreutzt. Er erfuhr über die Weinkellerei. Leonor sprach nicht von ihrer Familie, nicht von ihren Eltern, sie sprach von sich selbst, was sie mag.


    Leonor hörte seine Geschichten, nur über die Liebe sprach sie nicht mehr und seine Bemerkung ließ sie kommentarlos. Sie trank kein Alkohol. Die Flasche mit Traubensaft erschien wie verzaubert auf dem kleinen Tisch.


    Ich hoffe, wenn ich zurückkehre, verschwindest du nicht wie ein Traum in einer Sommernacht.


    Leonor lächelte, stand auf und ging Richtung Ausgang. Sie erreichte schonfast dfie Tür. Plötzlich spürte sie, wie sie grob am Oberarm gepackt wurde und sah einen Betrunkernen in einem Musketier-Kostüm. Er murmelte ein paar Worte, dass er dieses Pralinchen unbedingt abbeißen wollte und zog sie an sich, um zu küssen.