• In einem Palast wie dem Bariole blieb nichts lange geheim, wenn es sich um die persönlichen Umstände der Kaierin handelte. So war Valerie ziemlich schnell davon unterrichtet worden, dass ihre Schwester wieder zu Hause ist. Ihrem Drang, gleich hinüberzugehen um sie zu begrüßen, konnte sie widerstehen. Es gab zwar eine Menge zu berichten, aber das hatte Zeit, bis sich Leonor in der Lage fühlte, sich bei ihr zu melden. Valerie übte sich in ungewohnter Geduld.

  • Es sind drei Tage vergangen. Oder Vier? Leonor telefonierte mit Jean, hing ihren Gedanken hinterher und fühlte, dass dieses Verhalten ihr nur noch schadet. Doch etwas innerliches verbat ihr, Valerie aufzusuchen. Ungewohnt war dieses Gefühl nicht. Doch jetzt ist alles anders. Sie bekämpfen einander nicht. Sie wurden Schwester. Es war Freitag. Ein Tag, wo Valerie ei bißchen weniger als sonst zu tun hatte. Leonor folgter einfach ihrem Gefühl und wußte selbst nicht, wie sie vor der Tür stand, welche zu ihrer Schwester führte. Noch ein Schritt und... Doch Leonor hat mindestens eine halbe Stune gebraucht, um die Hand zu heben und die Tür zu öffnen.


    So stand sie vor Valerie mit den Händen um ihren eigenen Hals gelegt und flüsternd...


    Ich habe dich vermisst.

  • Also Leonor plötzlich vor ihr stand und ihr gestand, dass sie ihre Schwester vermisst habe, war Valerie den Tränen nahe. Ohne zu zögern umarmte sie Leonor.


    Ich habe Dich auch sehr vermisst.


    Sie küsste ihre kleine Schwester auf die Stirn.


    Ich habe Dich lieb.


    Dann nahm Valeries Leonors Hand und zog sie zum Sofa, setzte sich nach dem Leonor Platz genommen hatte und legte ihre rechent Arm um die Schultern der kleinen Schwester.


    Aber neurgierig bin ich auch ... und wie. Erzähl, wie geht es Dir?


    Die Auszeit hatte ihr gut getan, ganz so zerbrechlich wirkte sie nun nicht mehr. Trotzdem waren Valeries Sorgen um Leonor nicht weniger geworden.






    Lächelnd überspielte Valerie ihr

  • Leonors Augen strahlten. Die Umarmung war innig wie noch nie. Leonor ist nun erwachsen geworden. Sie war kein Kind mehr. Jean hat aus ihr eine Frau gemacht, die glüchtig war. Die Figur berkam ihre Rundungen, die schlanken Beine bewegten sich graziös und sie hielt ihren Kopf mit Würde und selbstsicher. Eigentlich hätte Valerie ihre Frage sparen können.


    Mir geht es blendend. Die Ferien waren wundervoll und erholsam. Doktor war mit mir geduldig. Ich behaupte sogar, dass seine Geduld mit mir der Geduld meines geliebten Beichtvaters verglichen werden klann.


    Über Jean sprach sie kein Wort.


    Ich weiß nicht, wie Doktor das anstellte, aber es gab keine Besucher.

    Und wie geht es Dir? Valerie, Du siehst blendend aus, wenn nicht deine Nase da wäre. Sie veräät, dass du wenif Schlaf in letzter Zeit hattest.

  • Du siehst wirklich gut erholt aus. Trotzdem möchte ich das Du dich noch etwas schonst. Lassen wir es langsam angehen. Deine Stiftung ist vorübergehen in den guten Händen von Constance Montmorency. Hast Du einen Wunsch, den ich Dir erfüllen kann? Willst Du etwas anderes machen?


    Das sie Jean nicht erwähnt hatte, amüsierte sie. Leonor musste wissen, dass ihre Schwester wusste, dass sie einen Freund hatte. Aber egal. Es war Leonors Entscheidung. Da sie es ehrlich meinte, erwähnte sie die geplante Verfassungsänderung und die damit verbundene Ausrufung zweier neuer Königreiche mit keinem Wort. Das Valerie ihre Schwester für eine der beiden Kronen vorgesehen hatte, erst recht nicht.

  • Constance erwartet ein Kind. Ich kann ihr zu viel Arbeit jetzt und auch später nicht zumuten. Ihr Gatte wird mich dafür hassen und er ist immerhin einen der wichtigsten Minister unseres Reiches.


    Leonor wollte es geschickt umspielen und das tat sie auch. Sie setzte sich neben Valerie und legte ihren Kopf auf die Schulter der Ältesten.


    Laß uns einfach so.. ein wenig sitzen. Ich fühle mich gut und ich möchte nicht in die Watte gepackt zu werden. Doktor Beshir ist ein guter Arzt, doch ich bin kein dreijähriges Kind.Es fehlt nur noch eins, dass er mir einen Lolly anbietet.


    Leonor fragte nicht nach Mutter. Das war irgendwie seltsam und doch beruhigend für Valerie.


    Die Stiftung wurde lange ohne mich geführt. Ich will auf jeden Fall den jungen Fachkräften ermöglichen, eine Stellung nach ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten zu finden und vor allem die begabten Stundenten und Forschungen zu fördern. Ich habe vor, den Schulen anzubieten, erwieterte Unterrichststunden in vielen wissenschaftlichen Bereichen einzuführen. Die Gedanken habe ich genug und die Kraft auch. Ich werde auch die Auftritte übernehmen. Ich weiß, wie ungern Du eine Samariterin bist. Und ichbin gut in dieser Rolle. Ich werde Dich in allem unterstützen, Valerie.


    Leonor konnte nicht einmal ahnen, was in ihrer Swester hervorging, als Prinzessin "Valerie" mit ihrer leisen sanften Stimme aussprach. Wärme, Hoffnuing und Gefühle strömten in die Tonlage.


    Ich weiß, dass du weißt, dass ich einen Freund habe. Ich weiß auch, dass du ihn auch geprüft hast. Ich denke,. er liebt mich wirklich, Valerie. Ich möchte, wenn es Dir auch passt, ich möchte..ihn Dir vorstellen. Ich weiß nur nicht, ob es passend wäre


    Sie wurde rot und ihre Wangen glühten. Die Schulter ihrer Schwester spürte dies.

  • Es tat so gut sie wieder zu spüren. Leonor hatte Valerie gefehlt. Ihren Kampf gegen ihre Depressionen und Selbstzweifel, aktiv unterstützt in dem sie sich herausgehalten hatte. Die Wochen der Ruhe hatte Leonor gut getan. Und nicht nur Doktor Beshir wird daran seinen Anteil gehabt haben. Sie wusste von Jean und was er für Leonor auf sich genommen hatte.


    Er heißt Jean Custin und ist der Vetter von Robert Duroc. Deine Liebe bleibt in der Familie. Weißt Du noch wie Du als Teenager von dem feschen Robert begeistert warst?


    Sie umarmte ihre Schwester erneut und lächelte dabei als sie an die Zeit zurück dachte, wo Leonor rote Wangen bekam, wenn Duroc mal zu Gast war.


    Heute sind wir beide erwachsen genug um Liebe von Schwärmerei zu unterscheiden. Ich will ehrlich sein, Serville hat mir von deinem Jean nichts erzählt. Ich sage Madame Chantal. Sie wäre keine echte Friseurin, wenn sie nicht über jeden Klatsch im Palast informiert wäre.


    Das lächeln wurde breiter. Nicht umsonst genoss Valerie die morgendliche halbe Stunde bei Madame Chantal. Hier gab es nicht nur die richtige Frisur, sondern auch den neuesten Klatsch und Tratsch.


     Ich habe ihn auch nicht überprüfen lassen? Warum auch? Ich habe versprochen, mich nicht mehr in dein Leben einzumischen! Daran halte ich mich. Und wenn Du dich stark genug fühlst die schwangere Constance ein wenig zu entlasten, dann bitte. Auf die ersten gemeinsamen Auftritte mit Dir freue ich mich auch. Wir geben ein wundervolles Paar ab. Würde es Dir passen, wenn wir die Pferderennen in Roisy gemeinsam besuchen?


    Sanft strich sie über das weiche Haar ihrer Schwester und fühlte sich tatsächlich geborgen. Ein Gefühl, dass sie nicht einmal bei Anielle hatte.

  • Aber nur, wenn ich am Rennen teilnehmen darf. Jade stand zu lange im Box und hat zu lange meinen Prinzessinnenarsch auf sienem Rücken nicht gespürt. Ich wette, dass er keinen außer Marcel nah an sich ran ließ. Ist ja mein Jade!


    Mit Stolz und Bravour entgegnete sie ihrer Schwester.


    Jean weiß noch nicht von mienen guten Reiterkünsten. Doch ich habe eine bessere Idee, Wie wäre es vor dem Rennen einfach unseren Bestand an edlen Exemplaren zu zeigen? Mit einem kleinen Parcour? Es ist immer anziehend, wenn sich junge Offiziere oder adlige Frauen so zeigen.


    Dann schwieg sie und distanzierte sich ein wenig von Valerie. Sie wollte das Gesicht seiner Schwester sehen.


    Meinst Du, dass meine Schwärmerei für Duroc ein Hindernis sein wird? Du hast noch nichts dazu gesagt, ob ich ihn Dir als dem Oberhaupt unserer Familie vorstellen darf. Meinst Du, ich bin zu voreilig?


    Leonor war sich plötzlich nicht so sicher.


    Ich will, dass Serville ihn überprüft.


    Das widerum war laut Ton in der Leonor's Stimme ihr voller Ernst.


    Vielleicht sollst Du die Überprüfung der Haarkünstlerin überlassen?


    Giftig mit Wut auf sich selbst knurrte Leonor.Danach wurde sie rot.


    Eigentlich kenne ich ihn nicht. Wir reden gar nicht über die Vergangenheit und wir beide wissen, wie sich die Menschen verstellen können, nur um an ihr Ziel zu kommen.


    Ob Leonor jetzt im allgemienen oder Valerie, oder sich selbst oder gar ihre Maman meinte, war nicht zu verstehen

  • Der Vorschlag das Leonor ihr Pferd selbst beim Rennen ritt, war für Valerie überraschend. Hier war sie wieder die große Schwester, die Angst hatte.


    Du weißt dass deine Konkurrenten Prpfijockeys sind? Zudem bist Du lange nicht mehr geritten. Nur kurz Überlegte Valerie. Aber es würde sicher aufregend werden. Von mir aus, wenn Du dich fit genug fühlst.

    Der nächste Wunsch Leonors konnte Valerie natürlich mit Leichtigkeit erfüllen. Die Frage war nur, ob sie es wollte.


    Dein Jean soll überprüft werden? Um Himmelswillen, dass würde ich nicht mal wollen. Jean Custin ist Mitglied des Konvents, Vetter des Seneschalls. Nein, Schwesterherz, das würde ich nicht wollen. Ein wenig Risiko und Abenteuer gehören zur Liebe dazu. Er weiß sicher auch nicht alles über Dich. Lassen wir ihm seine Vergangenheit. Das fände ich fair. So habt ihr Gelegenheit selbst herauszufinden, welche Geheimnisse der jeweils andere hat. Finde ich viel spannender.


    Valerie kannte sich bald selbst nicht mehr. Vor ein paar Wochen noch hätte sie nicht nur Jean auseinandernehmen lassen, sondern ihn vermutlich auf irgendeine Mission ins Ausland geschickt. Sie war sanfter geworden.


    Dein Vorschlag ihm vor dem Rennen unsere Pferde zu zeigen, ist hervorragend. Bei der Gelegenheit, kannst Du ihn mir gerne vorstellen. Ob eher zufällig oder offiziell, das lege ich in deinen kleinen Hände. Wir würden uns Zufällig auf dem Gestüt treffen, zum Beispiel im Stall oder auf einem Ausritt. Ich bin ja nicht zu übersehen, wenn ich auf Henry reite.


    Lachend setzte sie das Gespräch fort.


    Dann könnte ich beim Rennen, ein paar Tage später, sogar offiziell Jean kennenlernen. Und mach Dir mal keine Sorgen wegen deiner damaligen Schwärmerei. Wer weiß das denn schon außer uns beiden? Also kein Problem, denn weder Jean noch Robert haben eine Ahnung davon.

  • Wenn Valerie es nicht bemerkt hat, so hat es Leonor bemerkt und auch ausgesprochen. Auf ihrte eigene Manier.


    Schwester, Du bist zu gut zu mir und zu ihm. Ich wollte mit dieser Bitte nur eins. Uns und mich vor dem Schlimmsten zu bewahren. Auch wenn ich Jean liebe, werde ich niemals unser Reich damit gefährden.


    Und um zu zeigen, wie weit ihre GFedanken zu Jean gehen...


    Ich werde ihm vorschlagen, unseren Familiennamen zu übernehmen. Das wird eine Bedingung unserer Heirat. Oder unsere Kinder werden unseren und nicht seinen Namen tragen.


    Mein Jade ist zwar nicht so ein hoher Ross wie dein Henry, doch er ist schnell und ein guter Springer. Jedes Pferd hat seine Vor- und Nachteile. Und ich werde Dir meinen künftigen Mann bestimmt nicht zwischen Pferd und Stall vorstellen.


    Da waren wieder die Mutters Noten in der Stimme. Wenn Leonor eine Entschiedung gefasst hat, wird keiner sie davon abbringen.


    Wir trinken gemeinsam Tee und lernen uns kennen. Danach nehmen wir alle drei ein paar Termine wahr. Danach kann man die Verlobung bekanntmachen. Was hälst Du davon?


    Leonor hat ihren Willen laut und deutlich deklariert.

  • Da war Valerie schon wieder überrascht und wusste nicht ob sie lachen oder sich ohrfeigen sollte. Valerie konnte von ihrer kleinen Schwester lernen. Valerie meinte ihre Mutter zu hören. Zum ersten Mal war sie darüber nicht einem Wutanfall nahe, sondern fand es faszinierend, wie dominant Leonor sein konnte.


    Einverstanden. Mit allem! ER muss unseren Namen übernehmen und er wird überprüft! 


    Sie gab nicht klein bei, sondern war stolz auf Leonor. Im Grunde genommen hatte Leonor ihr die Gelegenheit gegeben gütig zu sein und trotzdem wurden die Interessen der Familie und des Reichs gewahrt ohne das sich die Schwestern gegenseitig verfluchen konnten. Sie zogen an einem Strang.


    Dann ist es beschlossen. Ich werde Jean ganz offiziell kennenlernen und deine Verlobung nach ein paar Wochen bekannt geben. 


  • Leonor erschrack vor eigener Mut, doch sie war eine Beauharnais. Das Sprichwort über Blut und Adel und Pflichte und Rechte war ihr gerecht.


    Sie blickte auf ihre Schwester mit einem sanften Lächeln. Doch für jeden wäre es besser, diese sanfte Art nicht zu unterschätzen.


    Ich hoffe nur, dass etwas, was mit einer Maskerade anfing nicht wie eine Maskerade endet.


    Das war ein Hinweis auf die Umstände ihrer Bekannschaft.


    Doch wir srepchen wieder nur über mich. Schwester, wie ist Dir in dieser Zeit ergangen?


    Nicht vergessen, Leonor hatte immer diesen Drang zum gehobenen Stil.


    Eigentlich wollte Leonor schon nach ihrer Mutter fragen, doch sie wußte nicht, wie sie dieses Thema ansprechen sollte. Stattdessen...


    Weißt Du, wie es Onkel Fouche geht? Ich habe versucht, ihn zu erreichen, doch er nahm mein Telefonat nicht entgegen. Ich schrieb ihm eine SMS und auch diese Mitteilung ließ er ohne Antwort. Vor meiner Abreiche habe ich ihn in einer süßen Bar getroffen und er sah müde und erschöpft aus. Etwas belastete ihn auf jeden Fall. Ich mache mir einfach Sorgen, Valerie.


    Sie nannte ihre Schwester sehr selten mit ihrem Vornamen. Vor ihrer Versöhnung war das meistens Eure Hochheit oder Eure Majestät. Jetzt kam die Bezeichnung als Schwester. Mit dem Vornamen sprach Leonor nur dann, wenn sie um etwas sehr wichtiges und persönliches bat oder fragte.

  • Wie es mir geht?


    Diese Frage kam überraschend. Danach fragte eingentlich niemand. Aber Leonor war ihr Schwester und inzwischen war man das nicht nur auf dem Papier. Valeries Gefühle für Leonor waren schwesterlich.


    Gute Frage. Das ist nicht mit zwei Worten gesagt. Körperlich bin ich topfit, alles Bestens. Das macht mir keine Sorgen. Es ist eher die Frage was noch kommen mag. Ich mache mir Sorgen um uns, unsere Familie. Nach dem Attentat ist Onkel Fouche dabei die Hintergründe zu untersuchen. Das ist sicher der Grund, warum er sich nicht bei Dir meldet. Mir macht es Kopfzerbrechen warum man mich umbringen wollte? Wer dahintersteckt? Was noch kommen mag und ob Du nicht ebenso im Fadenkreuz stehst? Oder unsere Mutter.


    Valerie machte ein sehr besorgtes Gesicht. Zum erstenmal machte sie sich Sorgen um ihre Mutter. Aber sie war nicht nur eine echte Beauharnais, sondern auch die Tochter ihrer Mutter. Das hatten die Gegener vielleicht unterschätzt und würden es noch zu spüren bekommen, wie es ist wenn man das Raubtier in der Kaiserin reizte. Sie zeigte der Welt die Zähne.


    Das wird mich aber nicht davon abhalten, für unser Reich zu sorgen und den Menschen zu helfen, die der Hilfe bedürfen. ich werde kämpfen. Und meine Widersacher dort packen, wo es richtig weh tun wird.


    Dann wurde sie wieder melancholisch.


    In Dingen der Liebe bin ich derzeit eher auf Eis gelegt. Anielle ist mit ihrem Krieg beschäftigt und das entfernt mich zunehmend von ihr. Dafür geht ein anderer Stern auf. Du wirst es nicht glauben, aber unser schöner Robert, Robert Duroc, scheint sich in mich verguckt zu haben und das besondere.... ich genieße es. Er ist in letzter Zeit immer nervös und nicht bei der Sache, wenn er mit mir dienstlich zu tun hat. Wie ein Schuljunge.


    Verlegen schaute sie auf den Teppichboden und lächelte genauso verlegen. Hier war sie nicht die Kaiserin, hier war sie eine junge Frau, die sich zu verlieben begann.


    Er hat noch nichts gesagt und schon gar nichts gemacht. Aber ich freue mich, wenn ich ihn sehe.

  • Leonor lauschte der Stimme ihrer Schwester. Sie sortierte ordentlich die Nachrichten und Ereignisse.


    Ich glaube nicht, dass unsere Mutter hinter dem Attentat steht. Nach den jüngsten Ereignissen war sie zu sehr in den Schatten gestellt und Du hast ihr die Zügel weggenommen. Sie ist eine Tigerin doch ohne Zähne und ohne Krallen. Mein Gott, dass ich derart über unsere Mutter spreche.


    Leonor bekreuzigte sich dabei und seufzte.


    Duroc hat gegneüber Jean einen großen Vorteil. Er kennt unsere Familie. Ihr habe Jean gar nichts erzählt. Er ahnt vieles, doch nur oberflächlich. Ich vermute, dass dieser Attentat eher eine Äußerung der Hoffnungslosigkeit war. Du hast zu deiner Krönung keine Amnestie, die auf alle Sträflinge fiel. Andererseits sind wir nicht die einzigen vom königlichen Blut. Capets schlafen nicht und sie haben genug Gefolgschaft.


    Es war früher so selten, dass sich Leonor zu irgendwelchen politischen Anlässen äußerte, dass einige dachten, sie sei eine runde Null in der Politik. Sogar Valerie dachte, dass Leonor nicht die Fähigkeiten besitzt, zu regieren. Seitdem beide sich näherten und Leonor sich immer mehr ihrer Schwester gegenüber öffnete, verstand Valerie, dass dies nicht der Fall war.


    Duroc hat die Zeit. Jean hatte diese Zeit nicht.


    Sie lachte und zwinkerte.

  • Nun musste Valerie doch schmunzeln. Leonor hatte ihre Schwester wohl gründlich missverstanden.Sanft nahm Valerie ihre Schwester in den Arm.


    Nein, das glaube ich auch nicht, das Mutter hinter dem Attentat steht. Du hast mich bestimmt falsch verstanden. Ich meinte das auch alle anderen Beauharnais, Du, Mutter und unsere Cousine gefährdet sind. Da mache ich mir wirklich Sorgen. Für mich stecken entweder die Roylisten um Antoine Capet oder ein Teil meiner eigenen Armee dahinter. Wobei ich Antoine das nicht zutraue. Dazu ist er zu dumm, aber die Herren die hinter ihm stehen sind gerissener. Mein Verdacht geht aber in eine andere Richtung. Es scheint wohl einigen hohen Militärs nicht zu passen, dass ich lese was ich unterschreiben und auch mal nachfrage oder nachfragen lassen. Vielleicht habe ich da dem einen oder anderen Marschall auf die Füße getreten. Aber egal, Onkel Wouche wird das schon herausfinden.


    Sie nannte Kylian Fouche so wie sie ihn als kleines Kind nannte, als sie ihre ersten Worte sprach und kein F aussprechen konnte. Dann nahm Leonors Hand und streichelte sie zärtlich.


    Weißt Du das du mich im Moment sehr stolz macht? Es ist das erste Mal das wir über Politik reden. Wir sind wohl beide erwachsener geworden.


    Was dein Jean angeht, er wird es überleben, wenn Du ihm von unserer Familie erzählst, von den verrückten Weibern von Bariole. Sollte er es wirklich ernst meinen, wird er alle deine Bedingungen akzeptieren. Das wird jedem Mann so gehen, der Dich oder mich mal heiraten wird. Die Herren werden immer in der zweiten Reihe stehen.


    Breit lächelnd sah sie ihrer Schwester ins Gesicht.


    Und das finde ich extrem gut!

  • Du weißt, die Politik


    Leonor seufzte.


    Du warst die Politik. Ich war das Mädchen, welches hübsch und süß aussehen durfte. Zumindest hatte ich bessere Kleider aus Du.


    Sie lachte und zeigte ihrer Schwester die Zunge.


    Ich denke übrigens nicht, dass die ältere Generation unserer Familie gefährdert ist. Beide haben keinen Anspruch auf das Kaiserreich. Die Attentat auf zwei alte Weiber wird keinem Punkte bringen, egal, wer das ist. Also bleiben nur wir beide. Zu deiner Beruhigung werde ich alle Termine mit einer doppelten Sicherheit nehmen.Ich werde Ricardo darum bitten, alle anderen Sicherheitskränfte zu informieren und zu instruktieren. Was Onkel Fouche angeht, so sende ich ihm eine SMS, dass mit mir alles in Ordnung ist. Ich lasse ihn dann seine Pflicht tun.


    Leonor kräuselte ihre Nase und seufzte leise. Ihre Hand legte auf die Hand von Valerie und streichelte leicht über den Händerücken.


    Wie.. wie geht es unserer Mutter?

  • Letztlich konnte sich Mutter genauso wählen lassen, wie Leonor. NOCH war Outremer ein Wahlkaisertum. Aber sie wollte nicht wie Ridefort klingen und einen Vortrag halten, sondern sagte ... nichts.


    Denn da war sie, die Frage auf die Valerie gewartet hatte. Inzwischen hatte sich ihr Verhältnis zu ihrer Mutter nicht gebessert, aber seit sie ihre Mutter quasi kaltgestellt hatte, war es erträglicher geworden. Zudem war sie über jeden ihrer Schritte informiert. Madame Mere war immer noch da, aber weit weg.


    Mutter geht es soweit gut. Sie hat sich, freiwillig, ich betone, freiwillig in die Privatklinik von Professor Cassel zurückgezogen. Sie hat selbst gemerkt, dass sie mal wieder Zeit für eine Entziehungskur war.


    Es nagte innerlich an Valerie, jedoch weigerte sie sich Mitleid zu zeigen oder gar zu fühlen. Dazu waren die Gräben zwischen ihr und ihrer Mutter zu tief. Aber Valerie wusste auch, dass es in Leonor anders aussah. Für Valerie kam ein Besuch bei ihrer Mutter nicht in Frage, selbst wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen sollten. SIe wollte und konnte es aber Leonor nicht verbieten.


    Wenn Du magst, dann kannst Du sie dort besuchen. Natürlich sollte dieser Besuch diskret erfolgen. Es muss nicht jeder wissen, dass unsere Mutter Alkeholikerin ist.

  • Leonor hörte am Anfang ruhig an, doch ihre Reaktion bei dem Besuchsangebot war erschreckend. Valerie sah, wie Leonor einfach bleich und fast ohnmächtig wurde, als die Worte wie Klink, diskreter Besuch und Alkoholikerin fielen. Ihre Augen zeigten Angst, Ablehnung, Mitleid und Scham. Prinzessin wich von der Seite ihrer Schwester gedemütigt durch diese Gefühle. Sie konnte nur ein Wort ächtzen.


    Nein.


    und brauchte eine Weile, bis sie wieder zu sich kam. Valerie verstand zuerst nicht, wem diese Furcht gehörte, ihr oder der Mutter. Erst später verstand sie, welche Macht Madame über Leonor hatte und immer noch hat. Leonor blickte auf Valerie und seufzte leise.


    Verzeih, ich habe dich erschreckt wahrscheinlich. Ich kann immer noch nicht ruhig an Mutter denken. Bitte, sei nachsichtig mit mir.


    Sie lächelte tapfer ihrer Schwester entgegen. Valerie wurde für Leonor eine Person, in derer Anwesenheit sie sich frei fühlte. Was wiederum zu solchen Offenheiten führte.

  • Wie gut sie ihre Schwester verstehen konnte. Valerie drückte ihre Schwester an sich. Noch nie hatte sie es so deutlich gespürt wie in diesem Moment, so nahe war sie ihrer Schwester noch nie gewesen. Es gab nur Leonor auf die sie sich wirklich verlassen und der sie wirklich vertrauen konnte. Endlich!


    Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Leonor. Ich kann Dich sehr gut verstehen und ich freue mich wirklich, dass wir uns endlich vertrauen können. Du mir und ich Dir. Mutter hat uns beiden nur geschadet. Lassen wir es dabei und reagieren nicht.


    Wieder war Valerie den Tränen nahe.


    Weißt Du Leonor, ich habe es satt immer nur zu funktonieren, immer nur zu tun, was man von mir verlangt. Ich kann mir vorstellen, was passieren wird, wenn bekannt wird, das Du Jean Custine heiraten willst. Vor ein paar Tagen waren die hohen Herren der royalistischen Fraktion bei mir und verlangten tatsächlich von mir, dass einer von uns beiden Antonie Capet heiraten sollte. Damit die Versöhnung der Gegensätze stattfinden konnte. Den Herrn habe ich ordentlich Bescheid gegeben! Es rundweg abgelehnt auch nur darüber nachzudenken!


    Darauf war Valerie immer noch stolz.


    Daher werden wir ordentlich Gegenwind bekommen., aber das weißt Du sicher.


    Breit lächelnd schaute sie Leonor in die Augen.


    Du wirst deinen Jean bekommen, wenn Du ihn willst und ich werde euch beiden den Weg freiräumen, versprochen. Ehrlich gesagt, freue ich mich auf die Gesichter der anderern. Die bekommen die Valerie die sie verdienen, die Jähzornige.


    Das Valerie inzwischen auch in ihren Regierungsgeschäften ähnlich verfuhr und manchen hohen Damen und Herren mit Nachfragen auf die Zehen trat, gehörte zu ihrem neuen Selbstverständnis als Kaiserin. Hier, in Sachen Hochzeit, war sie aber mehr als nur die Kaiserin, hier war sie auch noch die große Schwester und vor allem das Oberhaupt der Familie Beauharnais.

  • Leonor umarmte ihre Schwester und lächelte.


    Ich bin mir sicher, dass Mutter ihre Finger dabei im Spiel hatte. Wir sollten allen zu verstehen geben, dass es nur Beauharnais gibt und kein anderes königliches Geschlecht ist berechtigt, diese Krone zu tragen. Was Capet angeht, so bin ich sogar bereit, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Es gibt immer noch den Artikel im Strafgesetzbuch über den Hochverrat. 


    Die Royalisten sollen die Sicherheit des Reiches über idealisierten Ilysionen stellen. Wenn sie es nicht können, so gibt es genug Stricke, um sie zu verstummen.


    Ein Schatten der Madame kroch aus Leonor hervor. Valerie mußte drei Mal blinzeln, um sich zu vergewissern, dass es tatsächlich Leonor sprach.


    Capets sollten nicht einmal unsere entfernte Verwandte als Braut bekommen. Es wird keine Versöhnung geben. Sobald Capets mit unserer Familie vereinen, wird es einen Bürgerkrieg geben.


    Jetzt sprach sie wie Fouche.


    Und ich bin stets an deiner Seite, Valerie. Außerdem ist Jean ein Adleiger und zumindest kein Fitnesstrainer.Somit erfülle ich die Voraussetzungen für den Mann in meinem Bett.


    Da war wieder Maman in Leonor.


    Im Prinzip, Valerie, sind wir nicht von Bedeutung. Unsere Kinder sind es. Egal, wer uns schwängert. Und da wir nicht von Bedeutung sind, können wir tun und lassen, was wir wollen


    Das war Leonor selbst, für die die Freiheit das wichtigste Gut war.


    Ich treffe morgen Jean und berichte ihm über unser Gespräch. Er wird sich freuen. Ich habe ihm zugesehen, wie besorgt er war. Ich denke, er hat Angst vor Dir. Trotzdem erlaube ich dir nicht, ihn zu beißen. Er ist nur für mich zum Anbeißen da.


    Das war auch Leonor selbst mit ihren nicht gerade reinen Scherzen.


    Laß uns heute betrinken.


    Leonor schnappte eine Flasche Wein und warf sich auf das Sofa. Sie öffnete den Mund und ließ die rote Flüssigkeit in ihren Rachen fließen.


    Es war eine Ewigleit. Und Cabernet Sauvignon von den Weinbergen des Südens schmeckt noch besser.

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