• Kein Double! Ich werde bei allen Veranstaltungen sprechen müssen. Das geht nicht mit einem Double. Ich will und kann das keinem überlassen, als Ersatz-Kaiserin die Zielscheibe zu spielen! Es gehört zum Job, das Risiko selbst zu tragen. Onkel Kylian es ist immer noch das selbe Spiel wie damals. Ich bin die Räubertochter und Du der Gendarme. Ich bin immer entkommen.


    Ihr herzhaftes Lachen war weit zu hören.

  • Bernadette beschloss einfach mal den Mund zu halten und klemmte sich die Anmerkung, man könne auch erst das Sümmchen draufschlagen und dann alles verdoppeln und es fiel ihr schwer genug, gelang aber schließlich doch. Die offene Hand hatte eigentlich Serville gegolten um eine Pistole in die Hand gedrückt zu bekommen, aber egal, auch die jetzt genannte Alternative war nicht von irgendeiner Kante zu stoßen. An ihren Schreibtisch zurückgekehrt begann sie mit einer Aktennotiz an alle Anwesenden in der sie alles verschriftichte, was sie über diese Stifte wusste.

  • Mit Serville und Fouche begab sich Valerie in den Park.


    Geben Sie ihr endlich diese Pistole, Serville. Wie man damit umgeht, wird sie wissen.


    Direkt neben dem großen Springbrunnen blieben sie stehen. Hier waren die Hintergrundgeräusche ausreichend um jede Übertragung einer Wanze zu stören.


    Wo waren wir?

  • Wir waren dabei Sie zu ermorden zu lassen, Majestät!


    Mit dieser Bemerkung machte Claude sehr deutlich, was er von diesem Plan hielt. Schließlich war Kylian Fouche einmal der Kaiserinmutter sehr zugetan. Es gab sogar böse Gerüchte. Wollte sich seine Kaiserin wirklich in die Hände des Mannes begeben, der im Verdacht stand einmal der Geliebte ihrer gehassten Mutter zu sein?


    Wir sollten diese Informationen im Raum stehen lassen und die Teilnahme ihrer Majestät an den genannten Veranstaltungen im letzten Moment absagen. Was die potentiellen Drahtzieher nervös machen wird. Da sie nicht wissen, wie weit wir ihnen auf den Fersen sind.

  • Kylian war wohl mit einem Plan zu ihr gekommen, doch der hatte sich gerade in Rauch aufgelöst. Valerie bemerkte, dass ihr Polizeiminister mit sich selbst haderte und ratlos erschien. Dazu musste ihr treuer Claude nicht auch noch Salz in die Wunden streuen. Vielleicht sollte Kylian wirkich in den Ruhestand verabschiedet werden, aber noch nicht! Noch brauchte sie ihren Polizeiminister.


    Ich will endlich Ruhe haben und vor allem wissen, wer in meiner Armee gegen mich ist und wer nicht.


    Immer schon hatte Valerie über Säuberungen nachgedacht, vor allem in der Armee. Aber ohne diese Armee, wäre ihr Vater nie Kaiser geworden. Das musste sie bei all ihren Plännen berücksichtigen.


    Ich will keine Opfer die andere für Helden halten! Ich will Beweise, gerichtliche Verfahren und ordentliche Urteile.  Einfangen, an die Wand stellen und PENG, geht leider nicht!

  • Fouche musste sich beim letzten Satz der Kaiserin ein Lachen verkneifen. <Das waren noch Zeiten>, dachte er und fand immer mehr gefallen an Valeries unbekümmerter Art, wenn sie dies auch nur im vertrauten Kreis zum besten gab. In der blutigen Phase der Revolution hätte sie eine erstklassige Jackobinnerin abgegeben. Was sicher ein wenig der sadistischen Ader ihrer Majestät geschuldet war.


    Wir werden darauf achten, dass alles nach Recht und Gesetz abläuft. Das sollten wir unbedingt beachten. Es sei denn, Sie wollen ihre Herrschaft auf die Macht der Bajonette stützen, Majestät.


    Bisher, und wer wusste das besser als Fouche, war es Valerie gelungen als Kaiserin vom Volk geliebt zu werden. Mit diesem Pfund sollte sie wuchern und sich nicht mit Blut besudeln. Dafür waren andere da.


    Allerdings kann man "Unfälle" und "Versehen" nicht ausschliessen.


    Wieder verkniff er sich ein Lächeln. Er war sich sicher, dass Valerie und auch Serville ihn gut verstanden hatten.

  • Serville gefiel es gar nicht, in welche Richtung sich dieses Gespräch entwickelte. Valerie verteilte schon das Fell des Bären, bevor dieser erlegt war. Und ausgerechnet der Polizeiminister stieß ins selbe Horn.


    Sollten wir nicht zunächst überlegen, die Herrschaften dingfest zu machen, bevor wir über ihre Aburteilung und die Strafen reden?


    Man konnte seinen unterdrücken Ärger, trotzdem heraus hören.


    Nach wie vor, bin ich gegen den Lockvogelplan! Nicht nur im Hinblick auf die Gefährdung ihrer Majestät, sondern auch wegen der Menschen die an diesen Veranstaltungen teilnehmen. Eine Bombe tötet, mit Verlaub Majestät, nicht nur die Kaiserin, sondern eine Menge Unbeteiligter. Noch schlimmer würde es werden, wenn Sie Majestät, ohne Schramme davon kämen und tote Kinder zu beklagen wären! Wollen Sie das wirklich riskieren?


    Als Advokat des Teufels, so sah sich Serville gerade selbst.

  • Dann, Colonel, bringen Sie mir die Männer die dahinter stehen! Verdächtigen Sie alle und jeden! Laßen wir den Geist von Robespierre aus der Flasche!

    Valerie hatte aufgehört, das Mädchen auf dem Thron zu sein. Sie übernahm Verantwortung! Eisig führte sie weiter aus.


    Ist es das was Sie wollen, Serville? Wollen sie die Zeit des Terrors wieder auflebenlassen? Denn das wäre die Alternative. Wenn es nicht anders geht, dann muss ich die Zielscheibe bieten! Ich will auf keinen Fall diese blutige Zeit zurückhaben. Selbst dann nicht, wenn sie einiges einfacher machen würde.

  • Gott bewahre, Majestät! Auf keinen Fall möchte ich diese Zeit wiederbeleben.


    Seine Familie gehörte zwar nicht zu denen, die unter diesem Regime besonders gelitten hatten, aber diese Zeit war schlecht für das Geschäft! Da konnte Serville nicht aus seiner Haut. Da war er Mitglied einer der reichsten Unternehmerfamilien des Reichs.


    Wenn Sie aber nicht mehr sind, Majestät, dann kann es verdammt schnell wieder zu solchen Umtrieben kommen. Es ist also nicht ganz uneigennützig, wenn ich Angst davor habe, dass der Attentäter Erfolg haben könnte.


    Von seiner fast schon an Liebe grenzenden Verehrung für seine Chefin, sagte er nichts.

  • Jetzt war es an Fouche einen seiner seltenen Lachanfälle zu bekommen.


    Mein lieber Claude, das glaube ich Ihnen sofort und unbesehen!


    Fouche hatte nicht nur diese Zeit unbeschadet überlebt, sondern auch die Zeiten danach, obwohl er an dem blutigen Geschäft nicht so unbeteiligt gewesen war, wie er es geschickterweise danach verkaufte. Einen solchen Ritt auf der Rasierklinge wollte er nicht mehr absolvieren.

  • Ganz persönlich würde ich mich für Roisy entscheiden.


    Pferderennen fand sie langweilig. Da wäre es, ironisch gemeint, schon fast eine Erlösung, wenn es sie dort erwischen würde.


    Aber den Gefallen werden sie uns nicht mehr tun. Vermutlich haben sie deine Pläne gehört. Also dann etwas neues! Kommende Woche halte ich eine Rede vor der Akademie der schönen Künste, mit reichlich Publikum und ein paar Tage später eine Rede vor der Internationalen Handelskammer. Mit sehr hochkarätigem Publikum. Ihr Vater wird auch dort sein, Claude.

  • Diese Termine habe ich deshalb nicht in Erwägung gezogen, weil die Vorbereitungszeit zu knapp wäre, Majestät.

    Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass die hohen Militärs den kaiserlichen Reden vor der Kunstakademie und der Handelskammer fernbleiben werden. Das ist bei Pferderennen und Automobilmessen schon anders. Vor allem beim Pferderennen in Roisy ist alles vertreten was Rang und Namen hat. Schaulaufen der Schönen, Reichen und Einflußreichen. Wenn dabei die Kaiserin ermordet werden sollte, war man selbst dabei, in der ersten Reihe sozusagen. Daraus konnte  Kapital schlagen. Legenden bilden die dem eigenen Ansehen nutzen würden.


    Für Fouche als war aber noch ein anderer Aspekt von Reiz: Kollateralschäden! Man konnte nie wissen, was bei einem solchen Einsatz "schief" gehen konnte.

  • Die männlichen Servilles würde allesamt dort sein. Sein Vater als Ehrenvorsitzender der Internationalen Handelskammer, sein Bruder als Vertreter der Group Serville und er ... und er als Privatsekretär ihrer Majestät. Was seinen Vater nach wie vor störte. Er hätte seinen jüngern Sohn lieber in der Geschäftsführung seines großen Unternehmens gesehen. Valerie musste nicht wieder Salz auf diese Wunde streuen. In letzter Zeit überlegte Claude allerdings, ob er nicht tatsächlich in das Familienunternehmen einsteigen sollte. Da bliebe dann die Frage zu klären, wer als Boss angenehmer war, Valerie d'Outremer oder sein eigener Vater? Claude hing an seiner Kaiserin, weil sie so ist wie sie ist. Er war halt der treue Serville. Somit waren ihm die Ausführungen des Polizieiministers extrem suspekt.


    Ich denke wir waren vom Pferderennen weg? Es muss doch noch eine andere Möglichkeit geben? Eine Möglichkeit, wo man ihre Majestät keinen zu großen Gefahren aussetzt. 


    <Wollte Valerie nun zum Heldenweib werden, wie ihre Freundin?> 


    Claude war entsetzt.

  • Claude sorgen Sie dafür das mein Personenschutz entsprechend verstärkt wird. Zudem will ich das Sie mir eine Schutzweste besorgen die nicht auffällt. Egal wer nach meinem Leben trachtet, er oder sie sollen wissen, dass wir uns vorbereiten. Ich will das man deutlich sieht, dass ich die Bedrohung ernst nehme. Gepanzerte Autos, mehr Leibwächter, etwas weiter weg von der Menge, schwerbewaffnete Doppelposten an den Toren zu meinen Residenzen, Streifen und Drohnenüberwachung des Geländes. Rufen Sie ruhig öffentlich eine höhere Sicherheitstufe für die Kaiserin aus. Selbst wenn es so aussieht, als ob ich Angst hätte. Einfach werde ich es meinen Feinden nicht machen. Ich bin sogar bereit, auf liebgewonne Aktivitäten zu verzichten, aber eines geht auf gar keinen Fall: Verkriechen! Jeder Termin wird wahrgenommen, wirkich alles und selbst eine Rede vor dem Kaninchenzüchterverein.


    Valerie wollte endlich Kaiserin sein. Dem Volk zeigen, dass sie da war, wenn es brenzlig wurde. Ein Charakterzug aller Beauharnais war der Mut und davon hatte ihre Majestät reichlich. Sie war die Tochter ihres Vaters!

  • <Respekt!>


    Eine Entscheidung mit der Fouche in dieser Form nicht gerechnet hatte. Sie stimmte allem zu, was man vor ein paar Tagen nicht einmal andeuten durfte. Schutzweste? Wie lange hatte Serville versucht ihr eine schmackhaft zu machen? Panzerwagen, statt Sportwagen? Drohnenüberrwachung der Residenzen? Valerie schränkte ihre eigene Freiheit ein. Er war stolz auf Valerie. Ihr flippiger Regierungstil würde wohl mit diesen Maßnahmen ein Ende haben. Was die Regierungsgeschäfte betraf, war das schon länger so. Sie beschäftigte sich mit dem was sie vorgelegt bekam. Sehr zum Missfallen einiger Herrschaften. Fouche musste wachsamer sein!

  • Claude traute seinen Ohren nicht. Die Chefin forderte das, was er schon seit ihrem Regierungsantritt gefordert und Valerie immer abgelehnt hatte. Jetzt hätte er sagen können, wer hats erfunden? Doch wollte er nicht nachkarten. Er konnte nun das volle Programm abrufen und die vorbereiteten Erlasse in Kraft setzen lassen.


    Jawohl, Majestät!


    Er hatte mehr erreicht, als er gehofft hatte. Selbst wenn er mal wieder von Bernadette als Glucke bezeichnet worden wäre, hätte sie dem Gespräch beigewohnt. Auch mit dem Begriff Jammerclaude konnte er gut leben.

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