• Valerie fand mehr und mehr gefallen an ihrem offiziellen Dienstsitz. Hier waren die Ministerien und die Entschieidungsträger gleich um die Ecke zu finden. Zudem fühlte sie sich der arbeitenden Bevölkerung näher, die auch selten von ihrem zu Hause aus arbeiten konnte. Majestät fuhren ins Büro!

    Nach dem Attentat hatte sie mehr Verständnis für die Sicherheitsmassnahmen die Fouche und Serville für sie trafen. Sie bestieg nicht einen ihrer Sportwagen um zur Arbeit zu fahren, sondern ließ sich brav in einer Limousine mit Fahrer und Leibwächter zum Palast bringen. Sie war etwas demütiger und ruhiger geworden, hatte mehr Verständis für diese Massnahmen. Mit ein Grund im TüTüLerien-Palast zu arbeiten. Hier war alles noch ein wenig strenger als in ihrem zu Hause. Hier legte sie sich selbst wesentlich mehr Disziplin auf, denn hier konnte sie nicht einfach durch den Park und weg. Trotzdem behielt sie ihre Arbeitsweise an und für sich bei. Starken Kaffee, Schuhe aus, Füße auf den Tisch, wenn sie alleine oder im kleinen vertrauten Kreis war.

    In dieser Sitzhaltung laß sie einen streng geheimen Bericht über die staatsfeindlichen Aktivitäten innerhalb ihrer Streitkräfte. Der Bericht war stammte aus dem Hause Fouche und war nicht mit den entsprechenden Einrichtungen des Militärs abgesprochen worden. Fouche hatte seinen Apparat ganz schön schwitzen lassen, blieb aber trotzdem vage. Es gab aber zwei Decknamen: Infidele und Imbecile = Brune und Friant! Kylian war vorsichtig wie immer. Aber er erklärte seiner Kaiserin, dass das Attentat nur ein dilettanisch ausgeführter erster Versuche war. Sein Bericht endete mit den Worten: <Es ist zu erwarten, dass die Fehler des ersten Versuchs ausgemerzt werden. Der nächste Versuch wird hinterhältiger und wesentlich raffinierter sein.>


    Müde legt sie den Bericht bei Seite und schloss ihre Augen.Dann starrte sie an die Stuckdecke. Einen kurzen Moment, dann setzte sie sich gerade hin, drückte auf den Knopf der altmodischen Gegensprechanlage. Bernadette, ich will die Herren Fouche und Serville auf der Stelle sehen.

  • Claude hatte es nicht weit. Er brauchte nur vom gegenüberliegenden Büro über den Flur und schon stand er in Bernadettes Reich. Diese winkte ihn durch und flüsterte: Das Barometer steht auf Sturm! Serville nickte nur freundlich und war dankbar für den kleinen Tipp.


    Guten Morgen, Majestät.


    Die Kaiserin stand mitten in ihrem riesigen Arbeitszimmer und schaut zum Potrait ihres Vaters hoch. Sie schien in Gedanken zu sein.

  • Kaiser Eugene war auf dem Gemälde sehr gut getroffen. Viel zu wenig Zeit hatte sie mit ihrem großen Vater verbringen dürfen. Viel zu wenig Zeit, um sich mit allen machtpolitischen Wässerchen zu waschen. Viel zu wenig Zeit, um eine wirkliche Kaiserin zu werden. Wenn Papa noch leben würde ... meistens war sie bei dem Gedanken den Tränen nahe. Davor bewahre sie ihr Privatsekretär.


    Morgen Serville.


    Wieder sah sie zum Gemälde ihres Vaters hoch. Das daneben auch ein Gemälde ihrer Mutter hin, versuchte Valerie zu ignorieren.


    Was würde Eugenne getan haben, Serville?


    Sie drehte sich zu Serville um und schaute ihm ernst in die Augen.

  • Das war es also. Ihre inneren Zweifel. Claude stellte sich neben seine Kaiserin und schaute ebenfalls zu Kaiser Eugene hoch. Leise und ohne sie anzusehen.


    Majestät, darauf kommt es nicht an! Es geht nicht darum, was der Kaiser gemacht hätte. Sie sollten nicht danach streben, die Kopie ihres Vaters zu werden. SIE sind die Kaiserin! Ihr Vater würde sagen: Du hast ein Kommando, dann kommandiere!


    So schnulzig, wie wahr.

  • Diese Worte ihres Privatsekretärs beruhigten sie. Das schafte Claude immer wieder. Claude kannte ihren Vater schon als sie noch nicht geboren war. Vielleicht stammte dieser Spruch tatsächlich von ihrem Vater. Er würde zu ihm passen.


    Wissen Sie, Claude, manchmal ist das mit dem kommandieren nicht ganz so einfach.


    Wenig später traf Fouche ein. Valerie bat die Herren zu opulenten Sitzguppe mit den weichen Polstersitzen. Kaum hatten die beiden Männer Platz genommen, platzte es aus Valerie heraus.


    Dein Bericht Kylian ist beängstigend! Warum stellen wir Brune und Friant nicht einfach an die Wand? Wenn das nicht geht, warum lassen wir Sie noch in ihren Funktionen, statt sie sprichwörtlich in die Wüste zum Sandkornzählen abzukommandieren?


    Eine kleine Pause.


    Ich weiß! Du brauchst nicht zu antworten! Wir sind trotz allem ein Rechtsstaat! Ohne Beweise geht nichts! Dann besorg mir endlich diese Beweise!

  • Mit der Gelassenheit seiner 40 und mehr Dienstjahre überhörte er den kaiserlichen Ausrutscher. Ebenso gelassen referierte er aus dem Kopf.


    Brune und Firant werden lückenlos überwacht. Noch haben sie keine Fehler gemacht. Bei General Friant ist das sicher nur eine Frage der Zeit. Irgendwann wird er sich verraten, im Gegensatz zu Marschall Brune.


    Er lehnte sich zurück. <Wo war die Zeit gelieben? Wo war die kleine goldige Valerie geblieben? Die mit dem süßen kleinen Sprachfehler und dem sonnigen Gemüt. Valerie war erwachsen geworden!>


    Wir können warten bis dieser Fehler eintritt oder nehmem Einfluss auf den Ablauf der Dinge und stellen eine Falle auf!

  • Fouche beugte sie vor, faltete seine Hände und lächelte.


    Kompliment Colonel. So hatte ich es mir gedacht. Ihre Majestät wäre der Köder! Natürlich gibt es ein Risiko, aber ein sehr kontrolliertes. Die Operation muss geheim bleiben, darf nicht zu aufwendig werden und muss vor allem einen unwiderstehlichen Reiz auf die poteniellen Attentäter ausüben.


    Er sah die schöne junge Frau an, die er als Kind so goldig fand und die nun seine Kaiserin war.


    Valerie, ich weiss was ich da von Dir verlange.

  • Ich habe deine Termin für die nächsten vier Wochen durchgesehen. Da gibt es drei Termine die man ins Auge fassen kann. Der Große Preis von Outremer auf der Galopprennbahn von Roissy, die Eröffnung der Automobilmesse in Brossin und das Galakonzert beim Corinnis Bluesfestival. Bei allen Veranstaltungen sind eine Menge Leute um Dich herum. Was deinem Schutz dienlich sein kann, weil wir genügend Leibwächter um Dich herum versammeln können, ohne das es auffällt. Für einen Attentäter ein wahres Fest, weil er ebenfalls in der Menge untertauchen kann. Aber zum Attentat selbst, lassen wir es nicht kommen. Wir schlagen vorher zu. Dann ist es deine Entscheidung, ob sie ordnungsgemäß abgeurteilt und hingerichtet werden, bis an ihr Lebensende im Chateau When dahin vegitieren oder Selbstmord begehen.


    Die Entscheidung, was mit Brune, Friant und ihren Spießgesellen geschehen sollte, überließ er gerne der ehemals goldigen Valerie.

  • Bernadette hatte noch ein wenig Kaffee gebracht und wollte schon gehen, als sie plötzlich wie angewurzelt stehen blieb als sie diesen komischen Werbekugelschreiber in Fouches Hand sah der sie an etwas erinnerte. Als sie ein Praktikum im Kriegsministerium gemacht hatte, da hatte sie sich schon über eine Palette mit diesen Stiften gewundert und vor allem, dass diese in einem besonderen Raum offensichtlich zusammengebaut worden waren. Etwas dicker als normal, er hätte also auch zu Servile gepasst, aber das war nicht das Thema. Sagen konnte sie nichts, doch von einer kleinen Affäre mit einem Militärattachee wusste Sie, dass die Dinger bei Feuchtigkeit gerne ausfielen und so hielt sie das Tablett schief worauf der heisse Kaffe sich auf den Tisch ergoss, genau dort, wo gerade noch Fouches Hand gewesen war. Der Stift schwamm in der schwarzen Suppe und einige Papiere waren versaut, aber das würde sich geben.


    Verzeihung.


    und ein Finger an den Lippen während ein anderer auf den Tisch deutete waren ihr einziger Kommentar.

  • Das liebte sie an Bernadette, sie wusste immer wann es Zeit für einen Kaffee war. Noch nie hatte die Kaiserin erlebt, dass sie das kostbare Nass verschüttete. Ihre Handbewegung deutete an, dass etwas nicht stimmte und dass dieses schlabbern mit Absicht geschehen war. Valerie war stolz auf ihre Vorzimmerdame.


    Das ist nicht weiter schlimm, Bernadette. Am besten wir überlassen dem Hauspersonal das Büro und gehen in den Garten. Es ist ein herrlicher Tag.


    Unverzüglich erhob sich Valerie und ging zur Tür. Sie blieb dabei kurz vor Bernadette stehen, neigte ihren Kopf vor und flüsterte leise. Danke.

  • Heeee .... Brummte Fouche wütend über den Fauxpas. Dieses dürre Mädchen hatte aber das Vertrauen der Kaiserin, deshalb blieb er ruhig. Bis zu dem Moment, wo Bernadette Durendal andeutete, dass etwas mit seinem Kugelschreiber nicht zu stimmen schien. Hatte er sich wirkich über den Tisch ziehen lassen? War da tatsächlich ein Mikrofon verborgen? Mit einem mal fühlte er sich wie ein Tölpel, irgendwie alt. Ohne weitere Wort folgte er der Kaiserin zu Tür und gönnte dem blonden Mädchen ein anerkennendes Lächeln.

  • Eingentich hätte Serville schadenfroh sein können, wenn sich so ein alter Fuchs wie Fouche einmal in die Nesseln setzt. Doch dazu bewunderte er Fouche zu sehr. Die Sache war zu ernst. Wer weiß wer zugehört hatte? Vermutlich genau die Herren, über die man hier sprach. Es wurde enger für Valerie. Er musste noch mehr Augen und Ohren um sich scharen, damit seiner Kaiserin nichts geschah. Bernadette stand nun ganz weit oben auf seiner "Einbindungsliste".


    Grinsend stand er neben ihr.


    Du weisst was eine PIK Bauer P229 ist? Oder ist Dir ein anderes Modell lieber?


    Zwinkernd warf er seine Bedenken ihr eine Waffe zu geben, über Bord.

  • Ich gedenke nicht unter dem Rang einer Herzogin zu sterben weswegen ER…


    Vergolten sie ihm seinen vertraulichen Ton mit einer vielleicht ernsthaften, aber auf alle Fälle ernsthaft vorgetragenen Bemerkung und nickte zugleich und hielt die Hand auf.


    … die Anrede nochmal üben sollte.

  • Mit dem Titel kann das noch etwas dauern. Dazu muss ich meine Regierung fragen. Aber als kleines Trostpflästerchen verdoppeln wir erstmal ihr Gehalt und legen noch ein hübsches Sümmchen oben drauf. Als Vorschuss gedacht.


    Sanft schlug sie in die offene Hand ihrer Vorzimmerdame und wusste das Serville innerlich kochte. Da wollte er mal kumpelhaft sein und schon ging es in die korrekt gebügelte Uniformhose.

  • <Jetzt bekommt dieser Hungerhaken auch noch eine Gehaltseröhung. Bald wird sie überschnappen und die Kaiserin mit Du anreden.>


    Den Korb hatte Serville, seiner Meinung nach, nicht verdient. Letztlich war er Bernadettes direkter Vorgesetzter, aber das hatte sie offensichtlich nie akzeptiert. Ausserdem hatte er gegen das Duo Valerie/Bernadette, keine großen Chance. Zu steif, zu sehr Soldat. Also nahm er es wie es kam und wechselte das Thema.


    Sie verließen den ersten Stock und gingen an diesem wundervollen sonnigen Tag in den streng bewachten Schlosspark.


    Wir sollten das was wie eben besprochen haben, einfach vergessen und einen ganz neuen Plan erarbeiten. Wer weiß wer das mitgehört hat! Monsieur le Ministre ich schlage vor, dass wir uns das mit dem Lockvogel noch einmal gründlich überlegen.

  • In Gedanken und immer noch über sich selbst verärgert, ging er den anderen voran. Im Park angekommen, holte er tief Luft. Grandios vorgeführt und an seinem eigenen Anspruch zweifelnd, war er kurz davor seinen Rücktritt anzubieten. Doch da kam ihm das kleine, tappsige Mädchen mit den langen schwarzen Haaren und dem wundervollsten Sprachfehler der Welt in den Sinn. Immer noch hatte die Kaiserin etwas von diesem kleinen Mädchen, dass sich so standhaft weigerte das W richtig auszusprechen. Er musste grinsen, als er daran dachte, wie sie immer Onkel Wusch-he zu ihm sagte. Inzwischen sprach sie alles richtig aus und hatte eine tragende Stimme. Aber goldig war sie immer noch. Er verwarf seinen Rücktrittsgedanken und wollte lieber sterben, als die Kaiserin alleine zu lassen.


    Nein, Colonel! Wer immer da mitgehört hat, kennt unsere Pläne. Von mir aus! Wir ändern nur ein paar Details. Wir werden ein Überraschungsmoment einbauen und überlegen ob wir ihre Majestät nicht noch zusätzlich durch ein Double ersetzen.

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