Beiträge von Claude Serville

    <Jetzt bekommt dieser Hungerhaken auch noch eine Gehaltseröhung. Bald wird sie überschnappen und die Kaiserin mit Du anreden.>


    Den Korb hatte Serville, seiner Meinung nach, nicht verdient. Letztlich war er Bernadettes direkter Vorgesetzter, aber das hatte sie offensichtlich nie akzeptiert. Ausserdem hatte er gegen das Duo Valerie/Bernadette, keine großen Chance. Zu steif, zu sehr Soldat. Also nahm er es wie es kam und wechselte das Thema.


    Sie verließen den ersten Stock und gingen an diesem wundervollen sonnigen Tag in den streng bewachten Schlosspark.


    Wir sollten das was wie eben besprochen haben, einfach vergessen und einen ganz neuen Plan erarbeiten. Wer weiß wer das mitgehört hat! Monsieur le Ministre ich schlage vor, dass wir uns das mit dem Lockvogel noch einmal gründlich überlegen.

    Eingentich hätte Serville schadenfroh sein können, wenn sich so ein alter Fuchs wie Fouche einmal in die Nesseln setzt. Doch dazu bewunderte er Fouche zu sehr. Die Sache war zu ernst. Wer weiß wer zugehört hatte? Vermutlich genau die Herren, über die man hier sprach. Es wurde enger für Valerie. Er musste noch mehr Augen und Ohren um sich scharen, damit seiner Kaiserin nichts geschah. Bernadette stand nun ganz weit oben auf seiner "Einbindungsliste".


    Grinsend stand er neben ihr.


    Du weisst was eine PIK Bauer P229 ist? Oder ist Dir ein anderes Modell lieber?


    Zwinkernd warf er seine Bedenken ihr eine Waffe zu geben, über Bord.

    Sofort erhob Claude Serville Einspruch.


    Monsieur le Ministre sie haben doch nicht vor, ihre Majestät als Köder für diese Falle zu benutzen? Dagegen protestiere ich schärfstens!


    Claude war wirklich entsetzt. Ihm war das Risiko zu hoch!

    Das war es also. Ihre inneren Zweifel. Claude stellte sich neben seine Kaiserin und schaute ebenfalls zu Kaiser Eugene hoch. Leise und ohne sie anzusehen.


    Majestät, darauf kommt es nicht an! Es geht nicht darum, was der Kaiser gemacht hätte. Sie sollten nicht danach streben, die Kopie ihres Vaters zu werden. SIE sind die Kaiserin! Ihr Vater würde sagen: Du hast ein Kommando, dann kommandiere!


    So schnulzig, wie wahr.

    Claude hatte es nicht weit. Er brauchte nur vom gegenüberliegenden Büro über den Flur und schon stand er in Bernadettes Reich. Diese winkte ihn durch und flüsterte: Das Barometer steht auf Sturm! Serville nickte nur freundlich und war dankbar für den kleinen Tipp.


    Guten Morgen, Majestät.


    Die Kaiserin stand mitten in ihrem riesigen Arbeitszimmer und schaut zum Potrait ihres Vaters hoch. Sie schien in Gedanken zu sein.

    Das hatte Serville schon erwartet, dass Artemis Laroux keine Fragen haben würde. Dazu war sie einfach zu schüchtern oder, was bei der Kaiserin noch besser ankam, zu devot.


    Ich denke Sie werden nicht allzu viele Probleme mit ihrer Majestät haben. 


    Zumindest hoffte er das dem so war. Freudig lächelnd, schob er ihr die Mappe mit ihrem Arbeitsvertrag über den Schreibtisch.


    Hier ist ihr Gehalt aufgeführt, dass sich im Laufe der Zeit erhöhen wird. Zusätzlich werden Prämien für bestimmte Tätigkeiten und als Sonderbonus ausgezahlt. In der Regel steuerfrei. Für den Dienst im Palais Bariole steht Ihnen in der zweiten Etage eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung mit kleiner Küche und einem Bad zur Verfügung. Die Verpflegung ist inklusive. Vollpension, wenn Sie so wollen. Sie können entweder in ihrer Wohnung oder in der Kantine speise, so wie es die Zeit und vor allem die Kaiserin zulässt.


    Seine Unterschrift stand schon an der entsprechenden Stelle im Vertrag.

    Auf dem Weg in sein Büro hatten die beiden kein Wort miteinander gewechselt. Daher gab er Artemis noch einen Augenblick diese neuen Eindrücke zu verarbeiten. Nicht viele kamen der Kaiserin so nahe. Das muss für eine junge Frau ein bleibender Eindruck gewesen sein. Zudem schien Valerie sich im Zaum gehalten zu haben. Ohne weiter zu fragen, stand Claude noch einmal auf. Er ging zu einer Kommode nahm ein Glas und eine kleine Flasche Miniralwasser. Vor Artemis abgestellt, öffnete er die Flasche und schenkte ein.


    Jetzt trinken Sie erstmal etwas.


    Dann nahm er wieder auf der anderen Seite des Schreibtisch Platz. Artemis saß auf genau dem Stuhl, auf dem Valerie saß, wenn sie ihn heimsuchte. Er lächelte bei dem Gedanken.


    Kommen wir zum Wesentlichen. Ich nehme an ihre Majestät hat schon angedeutet, dass sie auf Distanz und Respekt großen Wert legt. Zudem ist sie es gewohnt, dass alles sofort beziehungsweise zügig erledigt wird. Langes warten ist nicht ihr Ding. Ebenso wie Verstöße gegen Regeln oder Gewohnheiten. Da kann ihre Majestät richtig aus der Haut fahren.


    Mit Details wollte Claude Artemis nun nicht belasten.


    Grob umrissen hat ihre Majestät einen ziemlich genau geregelten Tagesplan. Sie steht um 5 Uhr 30 auf und läuft ihre 5 Kilomter. Gegen 6 Uhr ist sie zurück und duscht. Das erste was dann auf Ihrem Plan steht, ist das  Frühstücks um Punkt 6 Uhr 30. Das sie meistens alleine und noch ungestylt zu sich nimmt. Somit ist das ihr erster Einsatz, Madmoiselle Laroux. Um 7 Uhr zieht sie sich für den Tag an, auch da werden Sie ihrer Majestät zur Hand gehen. Ab 8 Uhr ist die Kaiserin dann "Auf Arbeit", wie sie es selbst nennt. Wenn keine Auswärtstermine anstehen, erwartet sie um 10 Uhr ein kleines Frühstück mit schwarzem Kaffee und einem Joghurt. Mittagspause zwischen 12 Uhr 30 und 14 Uhr. Einschliesslich einer kurzen Entspannung. Sie werden dann erst wieder um 19 Uhr benötigt, wenn Sie das Abendessen servieren. Hier kann es vorkommen, dass Majestät Gäste hat. Aber das wird Ihnen rechtzeitig mitgeteilt. An normalen Tagen geht ihre Majestät nicht vor 23 Uhr zu Bett. Da wäre dann auch ihr Dienst vermutlich beendet.


    Claude wollte nicht zuviel auf einmal mitteilen. Zudem hatte Valerie sicher eigene Vorstellungen, wann, wie und was Madmoiselle Laroux zu tun hatte.


    Diese Zeiten sind für einen ganz normalen Bürotag ihrer Majestät. Wenn wir Auswärtstermine oder Auswärtsspiele haben, wie ihre Majestät es nennt, dann sieht es natürlich ganz anders aus. In der Regel müssen Sie ihre Majestät nicht zu solchen Terminen begleiten, dass macht die Hofdame, Jeanne de la Fontaine. Wenn wir aber eine oder mehrerer Übernachtungen einplanen, fahren Sie mit und versorgen unsere Herrscherin auch bei Auslandsbesuchen. Aber ich denke das werden Sie wissen. Zudem will ich Sie nicht zu sehr auf eine bestimmte Schiene setzen und in eine Richtung führen. Valerie wird Ihnen bestimmt noch die Details erklären. Wichtig ist nur noch, dass Sie sich die wichtigsten Gesichter und Namen einprägen. Vor allem das Gesicht der Schwester ihrer Majestät, Prinzession Leonor, dann noch das der ersten Hofdame, Jeanne de la Fontaine und .... das von Anielle Saint-Just!


    <Du wirst Dich wundern, Artemis! Sehr wundern!>


    Sie dürfen fragen stellen, Madmoiselle Laroux.


    Freundlich lächelnd lehnte sich Claude zurück.

    Ziemlich nervös hatte Servillle vor dem kleinen Salon gewartet. Sichtlich erleichtert, dass seine Kaiserin ihre neue Zofe nicht gleich zerrissen und verspeist hatte. Mit einem freundlichen Lächeln führte der Colonel Artemis wieder in sein Büro zurück. Sie musste noch den Vertrag unterschreiben und vor allen musste Claude sie einweisen, damit sie nicht gleich auf die kaiserlichen Tretminen trat. Er bat sie wieder vor seinen Schreibtisch und setzte sich, höflich wie immer, erst als Artemis auf ihrem Stuhl saß.


    Wie ist denn Ihr Eindruck, Madmoiselle Laroux? Ich weiß eine solche Frage gehört sich nicht, aber es ist für mich wichtig, ob sie sich riechen können. Also ob Sie meinen, dass Sie mit der Kaiserin zurecht kommen können oder ob sie den Vertrag erst gar nicht unterschreiben mögen.


    Letzteres wagte Claude gar nicht zu denken, dann würde er nämlich von Valerie zerrisen und verspeist.

    Das hört sich doch ganz vielversprechend an, Madmoiselle Laroux. Dann wissen Sie ja schon wie es im persönlichen Dienst zugeht. Ihre Majestät ist da nicht viel anders. Sie würden nur für die Kaiserin da sein und das ist nicht so ganz einfach, weil ihre Majestät nicht einfach ist. Doch bin ich überzeugt, dass Sie genau die Richtige sind.


    Er legte die Mappe weg und sah der schüchternen jungen Frau ins Gesicht. Sie würde gut zu Valerie passen, ruhig und still, das Gegenteil ihrer zukünftigen Chefin.


    Putzen werden Sie nicht müssen, auch nicht kochen. Sie sind ganz dazu da die kleinen Dinge für ihre Majestät zu erledigen. Keine schwere Aufgabe, wenn Sie sich auf die Kaiserin einlassen. Alles andere wird sich zeigen, auch wenn ihre Majestät gewisse Eigenarten hat. Doch will ich Sie nicht erschrecken. Valerie kann auch ganz nett sein.


    Er nahm den Telefonhörer in die Hand und wählte die Nummer der Kaiserin.


    Wir wären dann soweit, Majestät.


    Dann legte er genauso rasch wieder auf.


    Die Kaiserin würde Sie nun gerne sehen. Wollen wir?

    Colonel Serville, zu Diensten, kaiserliche Hoheit. Ich bin der Privatsekretär ihrer Majestät. 


    Etwas hatte er schon von seinem Bruder, das Herablassende.


    Gelangweilt schaute Serville auf seine Armbanduhr. Valerie war sicher noch in ihrem Büro und den nächsten Termin konnte man getrost verschieben. Zwar hatte Claude keine Ahnung, was Jerome mit seinem gedrechselten Satz sagen wollte, aber Lust es herauszufinden hatte er auch nicht.


    Wenn kaiserliche Hoheit mir bitte folgen wollen.


    Seine Zackigkeit hatte manchmal groteske Züge. Aber so war er nun mal, Offizier und noch mal Offizier.

    Claude glaubte nicht richtig zu hören, als ihm mitgeteilt wurde, das ein gewisser Jean-Jerome Reubell im Gebäude der Hauptwache warten würde. Mit einem Schlag, war er wieder mittendrin in den verworrenen Familienangelegenheiten der Beauharnais. Jean-Jerome war der Bruder des letzten Kaisers, also Valeries Onkel und somit Mitglied der kaiserlichen Familie. Das konnte er nicht missachten. Auch wenn er Jerome nur als Knaben gekannt hatte, bevor er ins Exil verschwand. Nicht sonderlich begeistert von dieser Wendung, nahm er seine Uniformmütze und begab sich zur Hauptwache.

    Als er Jerome sah, stellte er erneut fest, dass zwischen ihm und seinem verstorbenen Bruder, dem Kaiser, wirklich keine Ähnlichkeit bestand. Über die Gerüchte seiner wahren Herkunft, war Claude nur flüchtig informiert. <Er ist kaum älter als die Kaiserin und sieht trotzdem wesentlich älter aus!>.


    Serville grüßte militärisch-zackig und verbeugte sich knapp.


    Kaiserliche Hoheit! Was kann ich für Sie tun?

    Den Plan den sein Freund entwickelte barg eine Menge Risiken und Unwägbarkeiten. Wollte er wirklich seine kleine Prinzessin dieser Gefahr aussetzen? Denn inzwischen hatte Claude etwas wie väterliche Gefühle für Leonor Beauharnais entwickelt. Und er kannte ihre Mutter! Nach einer kurzen Zeit des Überlegens, musste er wohl oder übel Julian recht geben.


    Deine Vorschläge sind überzeugend und vermutlich die einzige Chance die beiden Schwestern nachhaltig zu schützen. Vor Attentätern und politischen Feinden kann man die Kaiserin und ihre Schwester ganz gut schützen, aber vor dem Feind aus der eigenen Familie, vor allem, wenn die Feindin noch die eigene Mutter ist?


    Claude machte eine kleine Pause, bevor er weiter sprach.


    Ich kenne Eleonor Beauharnais. Ich war eine Zeit Adjutant ihres Mannes, bevor er zum Kaiser wurde. Eugene Beauharnais war ein gradliniger Mann, mit Visionen. Streng, aber gerecht. Kein Mann der Intrige! Das überließ er seiner schönen Frau. Eleonor ist ganz anders als ihr verstorbener Mann. Hinterhältig, verlogen und eine wahre Meisterin der Intrige. Sie hat ziemlich wirkungsvoll ihrem Mann der Rücken freigehalten. Menschen die ihm Weg standen, waren plötzlich aus der Öffentlichkeit verschwunden. Kalt gestellt, oder kalt gemacht! Die Fäden im Hintergrund zog Eleonor, in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen und heutigen Polizeiminister, dem guten Bürger Fouche.


    Er beugte sich vor und sprach sehr leise weiter.


    Wenn wir deinen Plan verfolgen und ihn wirklich zum Erfolg bringen wollen, können wir nicht vorsichtig genug sein. Der Kreis der Wissenden sollte daher klein bleiben. Du, ich und die Kaiserin! Es geht schließlich auch um ihren schönen Hals und ohne die Rückendeckung ihrer Majestät, würde es noch schwerer werden. Zudem hasst Valerie ihre Mutter, auch wenn sie das nie direkt zugeben würde. Die nächsten Schritte sollten wir uns genau überlegen. Den ersten Köder hast Du ja schon ausgeworfen. Sehen wir mal, ob der Hecht im Karpfenteich den auch schluckt!


    Claude sah nun tatsächlich die Chance Elenor zu bändigen.

    Der Freund legte ihm seinen Plan vor und Serville fand diesen Plan überzeugend. Eleonore Beauharnais musste in die Schranken gewiesen werden. Claude wusste, dass Valerie mit an diesem Strang ziehen würde, nur wie würde Leonor reagieren, wenn sie letztlich ihre eigene Mutter vernichtet?


    Ich kann Dir sehr gut folgen, Julian. Es ist ein guter und sehr durchdachter Plan. Ich muss gestehen, dass ich mir vor ein paar Monaten keine großen Gedanken über Leonor gemacht habe. Sie war damals noch nicht so eng mit der Kaiserin verbunden. Die beiden mochten sich nicht sonderlich. Eifersucht war sicher auch ein Thema. Daher habe ich Leonor, bis zur Versöhnung mit Valerie, als potentielle Gefahr für der Kaiserin gesehen. Ich habe meine Meinung über Leonor gründlich geändert. Sehe sie nicht mehr als Gefahr, sondern vielmehr als Opfer im Kampf zwischen der Kaiserin und ihrer Mutter. Wie bei Dir, verehrter Freund, ist mir die kaiserliche Prinzessin sehr ans Herz gewachsen. Daher will ich Leonor beschützen und die treibende Kraft, Madame Mere, an die Kette legen. 


    Er trank etwas.


    Ich werde Dich in allem unterstützen. Gemeinsam werden wir es schaffen, dass die beiden Schwestern von der Last ihrer Mutter befreit werden. Im übrigen hat unsere kleine Prinzessin seit kurzem einen Freund! 


    Serville lächelte und war voller Anteilnahme.


    Jean Custine, alte Familie, Politiker und .... Cousin des Seneschalls, Robert Duroc.


    Er ließ die Worte wirken.


    Offensichtlich tut er ihr gut. Seit sie ihn kennt, lasse ich die Überwachung und den Schutz Leonors auf das unbedingt nötige herunterfahren. Ich will ihr zartes Glück nicht gefährden. Was allerdings nicht bedeutet, dass ich Madame Mere laufen lasse! Wir werden sie gemeinsam, bekämpfen, Du und ich.

    Serville kam es vor, als ob Julian Beshir sich bei der Auswahl von Leon Borax als medizinischer Begleiter der kaiserlichen Prinzessin nicht mehr so ganz sicher war. Oder ob es der Botendienst zur Kaiserinmutter war? Letzteres war akuter.


    Madame Mere ist mit allen Wassern gewaschen. Eine Expertin der Intrige und absolut Skrupellos, wenn es um die Durchsetzung ihrer ganz persönlichen Wünsche geht und da ist ihr jeder Verbündete recht, so lange man ihn braucht. Da ihr Borax unbekannt sein dürfte, wird sie ihn nicht einschätzen können. Wenn sie ihn nicht gleich rausschmeißt, wird sie versuchen ihn auszuhorchen. Ich hoffe er ist schlau genug, nicht alles zu erzählen.


    Er trank genüsslich.


    Wie weit traust Du ihm?

    Geduldig gab Serville das Gewehr an Jusac zurück und nahm dem ein wenig überforderten Gendarmen die sich mit Schlägen und Tritten wehrenden Kaiserin ab. Er zog sie in das Büro des Gutsverwalters und drückte seine Chefin in den Sesssel. Die aber sprang sofort wieder auf und wollte in den Flur zurück.


    MAJESTÄT, BITTE!


    Serville erhob seine Stimme selten und schon gar nicht gegenüber seiner Kaiserin. Es waren ihm einfach zu viele Zuschauer im Flur, als dass er das Raubtier in Gestalt der Kaiserin auf den Attentäter loslassen wollte. Zu gut kannte er seine Chefin, so das er wusste, dass die Überlebenschance für den Mann der sie umbringen wollte, nicht sonderlich hoch waren, wenn sie noch mal in seine Nähe kommen würde.


    Geben Sie mir bitte ihre Waffe, Majestät. Überlassen Sie den Rest dieser Angelegenheit den Profis, Bitte!


    Wieder war Colonel Serville die Ruhe in Person.

    Claude laß was Juilan ihm schrieb und war nicht ganz seiner Meinung. Zwar war seine Gedanken und Gründe an und für sich, richtig, aber ausgerechnet den jungen Borax in die Höhle des alten Drachen zu schicken, erschien ihm gewagt. Er behielt seine Gedanken jedoch für sich, er wollte seinen Freund nicht beunruhigen. Julian kannte Eleonor Beauharnais nicht! Serville schon!


    Er schrieb zurück:


    Danke der Nachfrage, lieber Freund. Der Cognac ist hervorragend und ich werde mich revanchieren.


    Ich finde deine Analyse zutreffend. Nach dem was mir bekannt ist, kommt zu den starken Antidepressiva noch eine Menge Alkohol. Letzteres führte dazu, dass Madame Mere Ausfallerscheinungen hat und ihre Hände zu zittern beginnen. Höchste Zeit sie auf Entzug zu schicken. Doch ich kenne Eleonor Beauharnais schon so lange, dass ich weiß, wie sie auf dieses Ansinnen reagieren würde.

    Daher bin ich Dir dankbar für deine Änderung und die sanfte Entwöhnung zumindest von ihre Medikamentensucht.


    Den zweiten Aspekt deiner Änderungsmassnahmen, begrüße ich aus vollem Herzen. Den Grund brauche ich Dir auch nicht zu erläutern.


    Wir sollten uns wieder auf ein Glas Miniralwasser treffen.

    Schnaufend schlitterte Serville in den Flur des Gutshauses und zerriss sich dabei seine Uniformhose. Atemlos berichtete der Colonel das jemand durchs Unterholz strich. Er wusste nicht wer es war, nur das er bewaffnet war.


    Apropos Waffe!


    Wieder bereute Serville es, dass er keine Waffe hatte.

    Sie kennen die Dame besser! Dann kommen Sie mir nach. Hier wird jeder gebraucht.


    Serville hatte keine Zeit zu Fragen, warum Junot sich bedeckt halten wollte. Das zu klären, war später noch Gelegenheit.


    Die Leiter hatte er schnell genommen. Er vermutete die Kaiserin immer noch im Gutsgebäude. So schnell er konnte überquerte er den staubigen Hof und erreichte, schwitzend und hinter Atem, den Eingang.