Wer ist Jean Custine?

  • Inzwischen liebte Valerie ihren offiziellen Amtsitz zwar nicht, aber sie hatte sich damit abgefunden hier zu arbeiten. Einen unbestrittenen Vorteil hatte dieser riesige Palast., er war halt wirklich riesig. Die Kaiserin liebte es manchmal ihre Mitarbeiter in deren Büros zu besuchen, was hauptsächlich mit dem Bewegungsdrang ihrer Majestät zusammenhing. Es waren schon ein paar Meter zu gehen, selbst wenn das Büro ihrers Privatsekretärs im Grunde gegenüber dem eigenen Büros lag. Sie musste durch ihr riesiges Arbeitszimmer, durch das geräumige Reich Bernadettes, über den breiten Flur in das Vorzimmer Servilles und schliesslch in sein großzügiges Büro. Seiner Vorzimmerdame und seinem Adjundanten schenkte sie ein Lächen und ein fröhliches Guten Morgen. Serville hatte sich daran gewöhnt, dass seine Chefin einfach hereinplatze, sich einen Kaffee nahm und dann in einem der Sessel vor seinem Schrebtisch frisch wie der Morgentau Platz nahm. Da man sich schon gesehen hatte, kam Majestät gleich zum Thema:


    Eigentlich müsste ich böse mit Ihnen sein, lieber Claude. Wie lange wollten Sie mir noch die Affäre meiner Schwester mit Jean Custine verheimlichen?


    Mit einen Lachen, nahm sie diesem Vorwurf gleich wieder die Spitze.


    Aber egal. Sie hat es mir Gestern selbst gesagt und bittet darum, ihn überprüfen zu lassen. Das will sie tatsächlich und wer bin ich, um es ihr zu verweigern?


    Nachdem sie am Kaffee genippt hatte schaute sie ihrem treuen Privatsekretär in Augen.


    Nun?

  • Die Zeiten wo er jedesmal zusammenzuckte, wenn der kaiserliche Wirbelwind in sein Büro fegte waren vorbei. Die beiden hatten sich einen ganz eigenen Stil der Zusammenarbeit angewöhnt. Daher war Serville nicht im mindesten überrascht, dass seine Chefin gleich mit der Tür ins Haus fiel. Er nahm auch den versteckten Rüffel gelassen zur Kenntnis.


    Majestät, ich bin keine Petze.


    Als wenn er es geahnt hätte, öffnete er ein Schublade seines Schreibtischs und holte eine dünne Mappe hervor auf der in großen roten Buschstaben SECRET zulesen war.


    Wie üblich bei Personen die Zugang zum Palast haben und der kaiserlichen Familie näher kommen könnten, habe ich auch für Jean Custine eine Sicherheitsüberprüfung einleiten lassen.


    Er reichte die Mappe der Kaiserin. Serville kannte seine Kaiserin. Sie laß zwar gerne was man ihr vorlegte, aber wenn sie es eilig hatte, war sie einem mündlichen Vortrag nicht abgeneigt. Daher legte Valerie die Mappe auf den Schreibtisch. Was Claude veranlasste Vortrag zu halten.


    Jean Armande Custine, Duc de Guagnano. Geboren am 18. Januar 1991 in Fleury. Ehemaliger Offizier der Infantrie zuletzt Captaine und Kompanieführer. Derzeit Abgeordneter des Konvents. Seine Eltern sind Louis Custine und Charlotte Montepierre. Der Vater war General der Infanterie und zuletzt Kommandeur der Gardedivision. Somit ein Mann dem ihr Vater vertraute, Majestät. Die Mutter Custines ist eine Schwester der Mutter von Robert Duroc. Somit sind die beiden Herrn Vettern ersten Grades. Die Mutter lebt noch, während der Vater am blauen Tod starb. Seine Militärakte ist makellos. Schnelle Beförderungen durch gute bis sehr gute Leistungen. Bei seinen Kameraden und seinen Untergebenen gleichermassen beliebt. Nach dem Militärdienst, versuchte er sich, wohl auf anraten Durcos, in der Politik. Er ist zwar Abgeordneter im Konvent, ist aber nicht sonderlich am polititschen Leben interessiert. Er verdient sein Geld mit der Verwaltung des nicht unbeträchtlichen Familienvermögens, das hauptsächlich aus Firmenbeteiligungen und Aktienanteilen besteht. Auch hier sind keine Auffälligkeiten festzustellen. Einzige Schwächen: schöne Frauen und schnelle Autos. Diese Leidenschaften brachten ihm in der Presse einigen Ruhm ein. Zuletzt die pressebekannte Beziehung zu Dolores del Monte, einem bekannten Modell. Kurz gesagt Majestät: Jean Custine ist ein junger Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht, sich versorgen kann, weiß was Ehre ist und bis auf die kleinen Schwächen, ein ganz normaler Mann ohne politsche Ambitionen und ohne Messer im Gewand ist. Es gibt nichts Nachteiliges zu berichten.


    Er endete mit einem wohlwollenden Lächeln, denn er fühlte sich auf eine merkwürdige Art Leonor und Jean verbunden.

  • Die Kaiserin fragte sich unwillkürlich, ob Claude Serville auch über ihre Nacht mit Robert Duroc unterrichtet war? Es wäre ihr schon ein wenig peinlich. Bisher war es ihr immer egal gewesen, ob Serville wusste mit wem sie das Bett geteilt hatte, da es sich immer um Frauen und kurze rein sexuell bezogene Affären handelte. Robert aber war ein Mann, genau wie Serville. Eifersucht konnte sie nun wirklich nicht gebrauchen


    Also kein Sicherheitsrisiko. War auch nicht zu erwarten. Diese Erkenntnisse sind wichtig. Denn Leonor hat wohl feste Absichten. Ich wünsche allerdings, dass Sie weitere Erkundigungen über seine Frauengeschichten einziehen. Ich will nicht das meine Schwester in eine Reihe mit seinen Gespielinnen gestellt wird, wenn diese Mädchen einen gewissen Ruf haben. Wir werden wegen dieser Liebe angegriffen werden, daher will ich vorher wissen, wie seriös seine Damen waren. Zudem möchte ich wissen, welche Firmenanteile er besitzt und wie groß der Einfluß bei diesen Unternehmen ist. Bestechlickeit will ich auf keinen Fall in meinem Umfeld haben! Weder dienstlich noch privat! Das was sie haben, Claude, geben Sie bitte meiner Schwester bekannt.

  • Ein Sicherheitsrisiko ist er nicht. Davon bin ich überzeugt. Aber selbstverständlich werde ich weiter suchen. Majestät wissen, dass er als Mitglied des Konvent über eine gewisse Immunität verfügt.  Ich werde entsprechend leise sein. 


    Er wollte es nur erwähnt haben. Diese weitergehende Überprüfung schrabbte haarscharf an den entsprechenden Gesetzen entlang. Instinktiv duckte sich Claude innerlich.

  • Zu gut gelaunt, um zu explodieren, lächelte Valerie.


    Bitte sehr leise und diskret. Und wo wir gerade bei vorsichtigen Ermittlungen sind, überprüfen Sie bitte meinen lieben Onkel Jerome. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er einen ganz bestimmten Teil unserer Geschichte wiederholen möchte. Und ich bin das Ziel. 


    Gelassen und vollkommen ruhig spielte sie auf einen Vorfall in der Geschichte Outremers an, in dem der eigene Onkel die Königin zur Ehe zwang, um so selbst König zu werden. Ein wenig hatte Valerie doch als Kaiserin gelernt.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!