Nach dem Frieden von Saint Felieu im Jahre 1764 ruhten die Waffen zwischen dem Empire Outremer und seinem östlichen Nachbarn, dem Guffmanischen Reich zwar und auch die mittleren Provinzen Morven, Moria und Igraine waren dem Reiche gewonnen, doch war der Unterschied zwischen dem gelobten Land Outremers mit seinen friedliebenden, nur manchmal mordenden und nur zu bestimmten Phasen Unzucht treibenden Bürgern und den meist in den Sandstürmen der Le Grand Peut Halbinsel (oqcianisch Grand’p’ut, empirisch Laconien), der sogenannten Streusandbüchse, zeltenden Staubschluckern zu unterschiedlich, um dauerhaft Frieden zu bedeuten. Zudem gab ein immerwährender Wanderungsdruck frenqischer Siedler in Richtung des östlich an Moria angrenzenden Gebietes gar machen Grund zum Zwiste die schließlich in den vierten isfahanischen Krieg zwischen den Guffmanen (wohlbekannter Weise ein Teilvolk der Isfahanen, was den der Empirischen Elite allerdings egal war. „Alles Kasemuffen“ sagt man ja schließlich noch heute im rotweintrinkenden Bildungsbürgertum) mündeten, in welchem die Satrapien Morgaine, Drangiane, Touraine und Sogdiane zusammen mit dem gesamten südlichen Ufer Laconiens nicht nur tributpflichtig, sondern mit den neue Provinzen Dreux und Evreux sogar Teil des Reiches wurden. Diese beiden Provinzen waren somit von 1808 bis 1879 Teil des Reiches, waren dann genau wie die Republik Berry (damals noch in Myrtille und Fraise geteilt) unabhängig aber tributpflichtig und werden erst bei einer erneuten hanebüchenen Gelegenheit in durchaus verbrecherischer aber vor allem burschikoser Weise annektiert. Erst durch den Einspruchs Nordhanges und vor allem Andros wurden die Pläne der Connetable Anielle Saint-Just, neben der Sogdiane, welche ohne jedes Interesse für hegemoniale Interessen war, der Provinz Dreux die zu 88,4 % frenqisch besiedelt war und einigen anderen, kleineren Gebieten, wegen denen niemand einen Panzer abstaubt, auch gleich den ganzen, zumindest marginal berechtigten Anspruch auf die anderen oben genannten Gebiete durchzusetzen, vereitelt. Selbst die Provinz Evreux, wurde nur besetzt aber nicht einverleibt, doch auch hier ist der Einfluss des Reiches im jetzigen Palatinat mehr als zu spüren.

  • Luxus pur, wie es sich einem der besten Hotels im ganzen Reich gehört. Die goldene Jugend und die, die das Schicksalsblatt wenden lassen wollen, sammeln sich hier um zu tanzen, zu intrigieren, zu flirten und sich verschiedenen Sünden zu geben.


    Leonor trug eine weiße Bluse aus dem fast durchsichtigen Chiffon, enge schwarze Hose und schwarze offene Schuhe mit einer saftig roten Sohle auf realtiv hohen Absätzen. Leonor hatte eine Figur dazu. Sie verzichtete bewußt von einem Minikleid oder von irgendwelchen teueren Sachen. Es war eher unscheinbar.


    Dass sie überhaupt in diesem Outfit rein durfte, war allein ihrem Gesicht zu verdanken. Beide S-Männer setzten sich ein wenig abseits, behielten Leonor jedoch im Auge.


    Lucien würde ich jetzt sehr gefallen. Aber er ist nicht da. Leonor haute auf den Tisch und bestellte einen Wodka mit Kirschsaft. Selber schuld sagte sie nach dem ersten Schluck.

  • Claude war zu alt für diesen Club, hatte aber von dem Sonderauftrag ihrer Majestät bezüglich des Personenschutzes gehört. Die beiden inrede stehenden Herrn hatte er kurzerhand zu sich befohlen und ihnen ein paar gut gemeinte "Ratschläge" mit auf den Weg gegeben. Als selbsternannter Leibgardist der Prinzessin fühlte er sich verantwortlich dafür, dass nicht ein dummer Skandal die Kleine Beauharnais unmöglich machte. Die Herren hatten verstanden, so hoffte Serville zumindest. Und sollte einer auf den Gedanken verfallen sich selbst zu bedienen, wäre sein Zorn unermesslich.

  • Leonor langweilte sich. Die Musik war zwar nach ihrem Geschmack doch kein junger Mann machte Anstalten, sie zum Tanz einzuladen. Oder zu einem Drink . Lag es vielleicht an den Sicherheitskräften? Doch Marco und sein Partner waren zivil gekleidet, also keine Anzüge. Ihr Blick wanderte über den Club und seine Gäste. Nicht, dass ihre Augen groß und quadratisch von dem wurden, was sie entdeckt habe, aber fast. Cerville. Leonor stönte auf und kippte ihren Wodka-Kirsch-Gemisch mit einem Zug in den Hals.


    Lasziv ging sie auf den Mann zu und klopfte ihn auf die Schulter


    Serville, ich wußte nicht, dass Sie ihren Abend hier verbringen. Eine außerordentliche Vorliebe von Ihnen, wenn ich anmerken darf.


    Leonor mußte an den armen Mann näher kommen, um ihm die Worte fast ins Ohr zu flüstern. Ihr kastanienfarbenes Haar kitzelte sanft seine Haut.


    Lucien ließ mich sitzen. Cedric ist nicht in der Hauptstadt. Manchmal habe ich den Eindruck, Sie sind mein einziger Freund, der immer weiß, wo ich bin und was ich benötige. Ich benötige jetzt einen Wodka. Trinken Sie mit?


    Sie zog ihn an dem Ärmel in die Nische, wo die Musik leiser ins Ohr dröhnte.

  • 1.33 Uhr zeigte der Wecker in Servilles Schlafzimmer an, als sein Diensttelefon klingelte. Claude war Routinier und sammelte sich erst einmal. Fragte sich dann <Was ist passiert? Hat Valerie endlich ihre Anielle erschossen?>


    Grinsend ging nahm er den Anruf entgegen.


    Serville!


    Am anderen Ende war einer der beiden Personenschützer die er auf Wunsch seiner Kaiserin der kleinen Schwester zugeteilt hatte. Dieser berichtete, dass sich die kaiserliche Schwester volllaufen ließ und dabei war sich richtig, aber so richtig abzuschiessen. Schon stand Claude neben seinem Bett. Er schlief immer nackt.


    Er zog sich an, zivil natürlich, nahm seine Wagenschlüssel und die nötigen Ausweise mit und fuhr in diesen Nachtclub. Hier angekommen, war er schnell bei seinen Beamten und sah das Häufchen Elend das gerade ihren Kummer in einer Menge Alkohol zu ertränken suchte.


    Leonor. Ich denke es ist Zeit das wir hier verschwinden.


    Vollkommen ruhig erteilte er seine Befehle. Lieutenant Jordan sollte das bezahlen der Rechnung übernehmen und mit dem Wagen zurück zum Palast fahren. Marco sollte ihm bei dem Abtransport der sternhagelvollen kaiserlichen Hoheit helfen. Was bis zu Serviles neutralem Wagen auch gut funktionierte. Als kaiserliche Hoheit sich aber ein wenig sträubte in den Wagen zu steigen, packte Marco die junge Prinzessin wie ein Paket und verfrachtete sie liegende auf die Rückbank. Claude setzte sich neben sie und Marco ans Steuer. Um nicht aufzufallen, hielt sich Marco an alle Regeln und gelangte so ungesehen zum Palais Bariole.

  • Es sind mehrere Tage vergangen und mit jedem Tag fühlte sich Leonor besser. Sie zwitscherte schon und nahm an vielen öffnetlichen Auftritten teil. Besonders ihre Wohltätigkeit brachte ihr den größten Zuspruch der Bevölkerung. Sie besuchte Krankenhäuser, erfüllte Wünsche, unterschrieb tausende Autogramme. Cabriolet hat sie auch nicht vergessen. Sie bekam die VIP-Karte mit der Einladung zum Karneval. Eine Maskerade. Leonor fand es interessant. Ihr eingenes Gesicht bemalen zu lassen, das konnte Leonor nicht erlauben. Sie wählte ein Flamenco-Kleid und eine rote Maske, die aus der feinen Spitze bestand und nur ihre Stirn und die Nase bedeckte. Die untere Partie ihres Gesichtes blieb offen. Die purpurroten Lippen runden dieses Bild auf. Marco begleitete sie und drückte die Einladung jemandem in die Hand. Leonor lächelte ein paar Leute an, einige pfiffen ihr hinterher, die Figur für dieses enge Kleid hatte sie bestimmt.


    In einer Ecke fand Leonor endlich einen Platz und mit ienem Augenwinkel merkte auch Marco in ihrer Nähe. Sie bestellte Traubensaft und ließ ihn in einem Weinglas servieren.

  • Serville hatte von der Kaiserin den strikten Befehl erhalten, Leonor, auf keinen Fall zu begleiten und ihre Ausflüge ins Nachtleben der Hauptstadt nur mit einem ganz kleinen Sicherheitsaufgebot zu begleiten. EIN Leibwächter, KEINE Überwachung. Leonor sollte frei sein und machen was sie will, so lautete der Befehl, dem er schweren Herzens gehorschen musste. Er hatte eine unruhige Nacht.

  • Leonor war unruhig. Sie schaute immer und immer wieder um sich herum, suchend nach Servilles Augen. Sie vertraute ihrer Schwester, doch nicht Serville. Oder, seien wi ehrlich, sie vertraute doch nicht ganz ihrer Schwester. Doch sie fand nur Marco, in einem mächtigen Abstand von Ihr sitzend. Ein Mädchen neben ihm, wohl seine Bekannte. Keine weiteren Sicherheitskräften. Sie entspannte sich sichtlich. Der Kellner kam zu ihr und stellte eine Weinflasche, zeigt auf den Tisch mit Marco und flüsterte, dass diese Weinflasche ist von diesem Tisch. Also wußte Leonor, drin ist Traubensaft. Sie hat das mit Marco unterwegs beredet. Die Musik wicklete sie um. Gern hätte sie getanzt. Doch es war irgendwie so ein faules Gefühl, dass Leonor nicht wollte. Sie mußte dann aufstehen, ein paar Schritte machen... Sie fühlte sich irgendwie faul. Ihr Körper veränderte sich, wurde weicher. Die Nervosität verflüchtigte sich nach und nach. Ihre Augen beobachten die Tanzenden, die Tanzfläche. Der Fächer gehörte zu ihrer Kleidung und so lehnte sich Leonor zurück, leger, den Fächer haltend, hinter welchem Sie ihre Lippen versteckte.

  • Heute war Karneval, heute wollte er sich amüsieren. Jean hatte sich genug um Politik gekümmert und das in seinen jungen Jahren. Heute mittag gab es noch ein kurzes heftiges Gespräch mit Duroc, das wollte er aber nun schnell vergessen. Er hatte schon in einer kleinen Bar einen kurzen einsamen Drink genommen. Seit dem Ende seiner Beziehung zu Dolores begann er wieder aus seinem Mauseloch zukriechen. Jetzt oder nie, begab er sich in den Club Cabriolet. Mit Kostümen hatte er es nicht so, also musste die schwarze Maske vor seinem Gesicht als solches reichen. Wie üblich trug er einen schwarzen Massanzug mit einem weißen Hemd und offenem Kragen. Schlichte Eleganz.


    Fragend schaute er sich um. Mit seiner Ex war er sehr oft hier, weil er gerne tanzte. Noch war hier nicht viel los, dass würde sich aber bald ändern. Dann sah er diese kleine Frau einsam an diesem Tisch sitzen. Sie trug ein rotes Flamencokleid und eine hübsche Maske, die aber ahnen ließ, dass die Trägerin eine Schönheit war. Gebannt schaute er von seinem Platz an der Bar zu diesem Wunderwesen hinüber. Würde sie seine Blicke bemerken?

  • Leonor sah die umschlungenen Paare, sie sah, wie sie sich streichelten, küssten, sie hörte das Lachen, die Musik und fühlte sich erstaunlich lebendig in ihrer Abstinenz. Bis sie diesen alten Hit hörte. Wer das bestellt hat, wußte Leonor nicht. Die Musik begann ihren Rhythmus und die Scheinwerfer fielen in ihre Richtung. Sie hatte einfach keine andere Wahl.


    Antonio Banderas - el gato con botas - Morena de mi Corazon
    un pequeño video que hice (demasiado tiempo libre)..a mi hija y a mi familia les encanto !
    www.youtube.com


    Langsam stand sie auf, ihre Arme nach oben klatschend. Das Kleid unterstrich diese zierliche schlanke Figur, ein Dreh, noch ein Dreh, die Füsse begannen den Rhythmus nachzumachen. Die Röcke wickeln sich um die Beine und dann zurück, bildeten einen Kreis um sie.


    Leonor war keine begnadete Tänzerin, doch sie nahm ihre Balett- und Tanzstunden sehr ernst. Und Ihre Tanzlehrerin hatte diese Musik im Blut. Tanze mit dem Herz, lass deinen Körper dich führen. Das waren die heimlichen Tanzstunden.


    Die Tanzfläche gehörte nun mal ihr. Schnelle Bewegungen, willenstarkes Klatschen und Steppen der roten Schuhe. Dann wieder langsam, lasziv. Die Arme strecken sich, die Finger locken andere, der Tänzerin anzuschließen, bis sie ruckartig nach dieser Bewegung den kalten Rücken zeigt.


    5 Minuten dauerte der Tanz, bis die letzte Note flöten gegangen ist. Leonor atmete schwer. Sie hat schon seit langem nicht getanzt. Der Tanz hat ihr viel Kraft gekostet. Der Scheinwerfer schien sie freizugeben. Leonor hörte noch das Klatschen, doch sie wollte in ihre Kuschelecke, weit von den neugierigen Augen. Bloß gut begann das nächste Lied und die Aufmerksamkeit wurde durch das Neue abgelehnkt.


    Ihre Hände zitterten leicht, sie versuchte die Weinflasche zu öffnen, doch es war ihr nicht gelungen. Die Hände waren zu warm und der Deckel wurde zum Feind Mummer eins.


    Damné! Diese verfluchte Flasche!

  • Man sah der kleinen Frau an, das sie gerne tanzte. Jean sah aber auch das sie erschöpft wirkte nach diesem Tanz. Er war irgendwie fasziniert von der unbekannten Schönen, fasste sich ein Herz und ging zu ihrem Tisch. Er hörte ihren leisen Fluch.


    Darf ich Ihnen behilflich sein?


    Ohne Hintergedanken, meinte er dieses Angebot ehrlich. Er sah nämlich wie sie zitterte und wirklich keine Kraft hatte diese dumme Flasche zu öffnen. Ganz Kavalier alter Schule, erwachte sein Beschützerinstinkt und nicht nur das, er fühlte zum ersten Mal seit Dolores wieder einen sanften Herzschmerz. Die kleine Frau erwckte ihn wieder zum Leben.

  • Leonor schwankte, warf einen Blick zu Marco, doch entweder kannte er diesen Mann oder war noch nicht der Meinung, sich einzumischen. Leonor's Finger kringelte unschlüssig vor dem Mund, sie biss darinund nickte. Ihr Finger zwickte die Unterlippe, zog sie leicht nach unten und öffnete einen Spalt. Irgendwie war das sinnlicher als eine kokette Geste. Wichtig war jedoch, dass die junge Dame nickte. Die rote Maske ermöglichte zwar einen Blick auf den Mund, den runden Kinn, die schlanken Wangen, man könnte in den Schlitzen der Maske die haselnußbraunen Augen sehen, mit langen Wimpern, doch es war trotzdem schwierig, ein gesamtes Bild zu machen.


    Leonor wartete erst, bis ihr Retter im Not die Flasche öffnete und ihr den Saft schenkte, der wie Wein aussah. Erst dann hörte er leise das Wort


    Danke Ihnen


    Oha.. sie ist also aus der Gegend. Dem Kleid urteilend zumindest vermögend.

    Leonor blickte auf den Mann. Er sah attraktiv aus. Sie wußte, die Einladung sollte von ihr ausgehen. Das wußte Leonor, doch sie zögerte. Dann verzogen sich ihre roten Lippen zu einem Lächeln.


    Wenn es auch Ihr Wunsch ist, mir Gesellschaft heute zu leisten, dann überlasse ich Ihnen diese Entscheidung.


    Sie wollte einfacher wirken, doch es gelang ihr nicht. Es gelang ihr nicht, wieder ein Partymädchen zu werden.


    Ihre Finger wikeln sich um das Glas und Leonor nahm gierig ein paar Züge.

  • Die junge schöne Frau machte einen etwas unbeholfenen Eindruck, obwohl sie eindeutig aus gutem Hause kam. Das machte Jean neugierig. Vermutlich hatte sie in ihren jungen Jahren schon viel erleben und erleiden müssen. Es war aber trotzdem kein Mitleid das er empfand. War es zunächst Interesse, so war es nun schon ein wenig mehr. Sie musste etwas besonders sein, denn wenn man schon Traubensaft in eine Flasche edlen Weines umfüllen lassen konnte, ist man kein Bauernmädchen aus der Provinz. Zumal ihn der fragende Blick zu dem Paar an einem der Nachbartische nicht verborgen geblieben war. Sie wurde gecovert. Hinter ihr Geheimnis zu kommen, das reizte ihn jetzt um so mehr.


    Wenn ich einen Wunsch habe, dann den Ihnen heute Gesellschaft zu leisten.


    Er nahm das als Einladung und setzte sich ihr gegenüber. Mal sehen, wie sich der Abend entwickelte. Ungewöhnlich hatte er begonnen, wohin er enden würde, das war die Frage.

  • Haben Sie nur einen Wunsch? Das wäre unrealistisch. Doch ich gedenke Ihnen zu glauben.


    Ihre Lippen entblößten weiße Zähne. Das Lächeln war wie aus einem Glanzmagazin über Prominente und ... Nein, Promis lächelten breit. Die Mädchen aus dem bürgerlichen Haus lächelten auch anders. Doch hinter diesem Lächeln verbarg sich ein Wesen, das weder noch war.


    Auf jeden Fall konnten Sie eine Entscheidung treffen. Das rechne ich Ihnen hoch.


    Leonor wollte ihm schon vorschlagen, sich zu dutzen, doch sie zog es noch nicht durch.


    Für einen Maskenball sind Sie recht einfach angezogen. Haben Sie nicht genug Zeit, sich vorzubereiten? Oder keine Lust, sich zu verkleiden?


    Sollte sie auf seine Initiantive warten? Leonor war in einer ironischen Laune.

  • Sie war so anders, als alles was er an weiblichen Wesen bisher kennengelernt hatte. Das machte die kleine Frau interessant. Er fragte sich wer sie war, weil sie ihm bekannt vor kam. Aus dem Fernsehen vielleicht?


    Entscheidungen muss man treffen, wenn man mehr als eine Option hat. Die hatte ich nicht, Sie ließen mir keine Wahl.


    Jean war etwas aus der Übung im flirten, aber er bemühte sich.


    Mein Name ist Jean, Jean Custine. Was meine sparsames Kostüm angeht, so mag ich es einfach aber geheimnisvoll. Als Musketier oder Cowboy, selbst als Harlekin, würde ich mir nicht gerecht werden. Eine einfache Maske ist oft wirkungsvoller als ein Draculakostüm, alleine schon wegen der künstlichen Zähne.

  • Ich lasse mich auch nicht beißen.


    erwiderte Leonor. Jean. Wenn sie ein wenig nachgedacht hätte, hätte sie vielleicht seine Identität erraten. Doch sie wollte nicht nachdenken. Die Musik, ein hübscher Mann und außer Marco keinen Wachhund.


    Und ich lasse Sie nicht an diesen Platz fesseln. Vergessen Sie so schnell Ihren Wunsch? Sie können gehen und Sie können bleiben. Bereuen Sie schon Ihre Entscheidung? Bitten Sie mich darum, Ihnen zu erlauben, Ihr Tun zu überdenken und anders zu entscheiden?


    Sie saßen nebeneinander, Körper zueinander gewendet, Augen schauen in die Augen des anderen. So nah. Er könnte ihr die Maske mit einer Bewegung entreißen. Doch es war Leonor, die bei diesen Worten plötzlich ihre Hand auf seine legte. Ihre Hand war zierlich, mit langen feingliedrigen Fingern, die wie auch ihr Lippenstift rotlackiert waren.


    Sie haben einen wichtigen Punkt übersehen. Ich will nicht Ihnen die Möglichkeit zum Rückzug zu gewähren.


    Was danach passierte, hat Jean bestimmt nicht erwartet. Die Unbekannte streckte ihren Körper zu ihm und die roten Lippen pressten sich an seine in einem Kuss. Er war fordernd, leidenschaftlich.

  • Überascht ließ Jean es geschehen, das ER geküsste wurde und nicht umgedreht, wie er es gewohnt war. Er drückte sie an sich und gab ihren Kuss mit Leidenschaft zurück.

    <Das wird noch eine tolle Nacht> dachte er und löste sich von ihrem Mund.


    Saft nahm er ihre Hand und begann jede Fingerspitze einzeln zu küßen.


    Laß es mich so sagen: Ich will auch nicht wieder weg. Ob mit oder ohne Fesseln.


    Jetzt erst recht nicht, er war nicht nur überrascht von ihrer offenen Art sich zu nehmen was sie wollte. Es gefiel ihm sogar.

  • Leonor war reifer geworden, besonders durch die Ereignisse letzter Wochen. Sie öffnete ihren Mund seiner Zunge entgegen und ihr Körper schmiegte sich an seinen, bis er sich von ihr löste aber nur, um ihre Hand zu ergreifen. Sie ließ es gewähren.


    Sind meine Finger süßer als mein Mund?


    Leonor bewegte ihre Finger leicht und strich mit den Fingerkuppen seine Lippen. Sie lachte, es war ein leises Lachen, doch die Stimme war hell, jung, nicht verraucht. Mit der anderen Hand und dem Fächer baute sie eine Barriere zu diesem Genuß. Nur die Augen, obwohl sie im farbigen Licht der Bühne glänzten, sahen den Mann ohne Lächeln, einschätzend an. Es war kein Blick voller Begierde oder Anzüglichkeit. Das war eher eine Wertschätzung.


    Meine Mutter nennt mich Nora, obwohl mein zweiter Name ... nein, besser nicht, Du wirst lachen. Es ist peinlich! Dann besser meinen dritten Vornamen. Meine Ur-Urgroßmutter hieß Estella. Ich wurde nach ihr genannt. Ein schockierendes Geheimnis. Wäre es Dir genehm, mich Estella oder Ella nennen?


    Er sah ihre Lippen nicht, doch Jean konnte sich bestimmt gut vorstellen, wie dieses Beast lächelte.


    Ein Piratenkostüm würde Dir gut stehen. Ich kann meinen Kuss nur einem Piraten schenken.


    Leonor flirtete, wie sie es nur konnte. Eigentlich war es ihr egal, was er denkt, wie er denkt. Die dunkle Erregung brodelte in ihrem Körper, wollte die komplette Umgebung sprengen. Plötzlich klingelte ihr Handy im kleinen Stofftächchen. Die Atmosphäre platzte wie eine Luftblase...


    Lucien? Endlich hast du bemerkt, dass Du mich ganz allein gelassen hast? Ich soll Dir verzeihen? Nur, wenn der Krebst auf dem Berg zu pfeiffen beginnt.Wütend wäre noch leicht gesagt. Es ist schlimmer. Mir ist es gleichgültig.


    ... Und sie drückte den Knopf mit dem roten Hörer. Sie hielt das Handy vor seinem Gesicht und schaltete das Gerät komplett aus.


    Es war schon interessant zu merken, wie der Blick ihrer Augen von überrascht über wütend zum eiskalt gleichgültig mutierten.


    Verzeih für diese Unterbrechung. Wie kann ich das gutmachen?


  • Ella ist doch ein schöner Name. Er passt zumindest zu deinem Kostüm. Vielleicht bin ich ein Pirat.


    Was sie dem Anrufer sagte, war schon sehr deutlich und es beruhigte ihn etwas. Schliesslich wollte er kein Lückenfüller sein.


    Ein Pirat der anderen törichten Männern die Frau stiehlt.


    Jean nahm die schöne Ella in den Arm und küsste sie leidenschaftlich. Sein Adrinalinspielgel stieg. Jean war sich bewusst, dass er nicht der Einzige war, dass beflügelte seine Sinne. Er wollte besser sein, als dieser Lucien. Die Jagd war eröffnet und als Tophäe winkte diese schöne und geistreiche Frau. Er begann sich zu verlieben und er wehrte sich nicht.


    Ein sehr langsamer Song wurde gerade gespielt. Einer bei dem Mann und Frau sich so richtig nahe kommen konnten.


    Ein Tanz mit Dir, wäre eine Wiedergutmachung und ein Traum gleichzeitig.


    Ich stand auf, nahm ihre Hand und zog sie sanft zu Tanzfläche. Ebenso sanft und mit ausgesuchter Zärtlichkeit nahm er sie in den Arm und bewegte sich langsam und rhytmisch zu den Klängen der Musik. Sein Herz stand bereits in Flammen, zum löschen war es zu spät. Liebe auf den ersten Blick? Er hatte nicht daran geglaubt, bis jetzt.

  • Sie erwiederte den Kuss und er war süßlich und voller Verlangen. Ihre Hände schlossen sich um seinen Hals und die Lippen flüsterten in sein Ohr.


    Du bist der einzige Kandidat. Es gibt keinen Mann, der mich vermissen wird. Außer meinem Onkel und meinem Beichtvater. Ein Pirat, welcher die Schlacht schon gewonnen hat, ohne anzufangen zu kämpfen.


    Die Musik umspielte beide mit sanften Tönen. Er verlangte von ihr mit ihm zu tanzen. Was oder wer konnte dagegen sagen oder tun? Er war bestimmend. Leonor war sich bewußt, welches gefährliche Spiel mit der Begierde sie spielte. Das übertraf schon einen leichten Flirt und sie führte nicht. Die Anonymität brachte die pikante Note in den Tanz, in die Unterhaltung. Leonor spürte, wie gut er ihr tat. Sie konnte sich an ihn anlehnen. Die Musik und der Tanz trugen beide in diesen Traum von einer Nähe.


    Leonor ließ sich einfach von seinen Berührungen tragen. Hätte er jetzt ihr vorgeschlagen, in ein Zimmer hochzugehen, so hätte sie vielleicht sogar ja gesagt.


    Leonor hob ihren Kopf zu ihm hoch, ihre Finger fuhren über seine Wange, zärtlich strichen sie über die Haut von oben zum Kinn und über die Lippen, kitzelnde Spuren hinterlassend.


    Ich genieße dich.


    Und es war nicht mehr zu verstehen, wer wen gewählt hatte.

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