Im Schatten des Kardinals Torsini

  • In Astor hatten sie ihn Dchejdschej genannt und der Herr, der derart geheißen wurde, hatte es gehasst, das Exil, aus dem er erst kürzlich entronnen, aber zu schätzen gewusst. Mit seinem Bruder, dem späteren Kaiser Eugene, hatte er kaum, nein gar keine Ähnlichkeit, teilte er doch nur die Mutter, kaum Interessen und keine Befähigung mit ihm. Dreizehn Jahre des Exils waren vergangen und viele, die ihn damals am liebsten tot gesehen hätten, waren es nun auch ohne sein Zutun, doch einfach seiner Nichte zu schreiben war nicht die Sache Jeromes und deswegen war er einfach heimgekommen. Doch warum werdet ihr euch fragen, lest ihr doch diese Zeilen aus dem Interesse statt aus Neugier obwohl auch diese bald gestillt werden würde, fast so als sei sie ein gieriger Säugling, nichts achtend, als der Blumigen Weitschweifigkeit dieser Zeilen.


    Er war jünger, natürlich, kaum dreißig, sah älter aus und suhlte sich in manchem Moment darin. So auch in diesem, denn der Mann in purpurner Robe der von oben auf ihn herabblickte war sein Vater, was allerdings nur wenige wussten. Geheiratet hatte der Kardinal Jeromes Mutter, Josephine de la Tascher nicht, obwohl jeder wusste, dass der kleine Bastard der allseits beliebten Saloniere kein Sohn des Kaisers war, waren sie doch geschieden, was aber zu anderen Zeiten wohl niemanden gestört hätte. Böse Zungen meinten stets, Jerome hätte Josephine getötet, doch wenn dem so war, so lag es nicht in der Absicht des Knaben bei seiner Geburt.

  • Claude glaubte nicht richtig zu hören, als ihm mitgeteilt wurde, das ein gewisser Jean-Jerome Reubell im Gebäude der Hauptwache warten würde. Mit einem Schlag, war er wieder mittendrin in den verworrenen Familienangelegenheiten der Beauharnais. Jean-Jerome war der Bruder des letzten Kaisers, also Valeries Onkel und somit Mitglied der kaiserlichen Familie. Das konnte er nicht missachten. Auch wenn er Jerome nur als Knaben gekannt hatte, bevor er ins Exil verschwand. Nicht sonderlich begeistert von dieser Wendung, nahm er seine Uniformmütze und begab sich zur Hauptwache.

    Als er Jerome sah, stellte er erneut fest, dass zwischen ihm und seinem verstorbenen Bruder, dem Kaiser, wirklich keine Ähnlichkeit bestand. Über die Gerüchte seiner wahren Herkunft, war Claude nur flüchtig informiert. <Er ist kaum älter als die Kaiserin und sieht trotzdem wesentlich älter aus!>.


    Serville grüßte militärisch-zackig und verbeugte sich knapp.


    Kaiserliche Hoheit! Was kann ich für Sie tun?

  • Jerome erinnerte sich gerne an die Zeit, als er irgendwo in Alqantara, zwischen den Vereingten Staaten von Astor und der damals noch grasoncische Exklave Monegasse auf Schmetterlingsjagd war und mit dem gleichen Blick, mit dem er damals einen türkisen Nöteschwerer gefangen hatte sah er nun den Mann mit Uniformmütze an, fast so als sei er ebenfalls ein Falter.


    Er ist?


    um nach der Pause von fast einer Sekunde


    Egal, bringe er mich zur Kaiserin, ich schulde Ihr noch eine Trommel.


    hinzuzusetzen. Die Geschichte der Trommel, damals als Kinder, naja, andere Sache, Serville hatte keine Chance es zu verstehen.

  • Colonel Serville, zu Diensten, kaiserliche Hoheit. Ich bin der Privatsekretär ihrer Majestät. 


    Etwas hatte er schon von seinem Bruder, das Herablassende.


    Gelangweilt schaute Serville auf seine Armbanduhr. Valerie war sicher noch in ihrem Büro und den nächsten Termin konnte man getrost verschieben. Zwar hatte Claude keine Ahnung, was Jerome mit seinem gedrechselten Satz sagen wollte, aber Lust es herauszufinden hatte er auch nicht.


    Wenn kaiserliche Hoheit mir bitte folgen wollen.


    Seine Zackigkeit hatte manchmal groteske Züge. Aber so war er nun mal, Offizier und noch mal Offizier.

  • Hübsch mit einem hellblauen Kleid angezogen, saß Valerie hinter ihrem großen Schreibtisch. Seit einer guten Stunde setzte sie eine Unterschrift nach der anderen auf die Dokumente die in der edlen Unterschriftenmappe von Bernadette vorbereitet waren. Ordentlich sortiert und mit kleinen Notizen versehen. Bernadette war für Valerie inzwischen unersetzlich geworden. Diese Autogrammstunden gehörten nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der Kaiserin, trotzdem war sie sehr guter Laune. Dann brummte die altmodische Gegensprechanlage. Valerie drückte auf den entsprechenden Knopf.


    Was gibt es, Bernadette?

    Colonel Serville und ... und ein Gast, Majestät.

    Ein Gast?

    Ja, Majestät ... ein seltener Gast.


    Neugierig geworden, schmunzelte Valerie.


    Na dann, herein mit den beiden Herrn!


    Valerie erhob sich von ihrem Stuhl und ging um ihren Schreibtisch herum. Sie war gespannt, auf den Gast.

  • Er verwendet einen falschen Titel, ich bin keine kaiserliche Hoheit, aber nun gut ...


    korrigierte Jerome den Colonel, fast so als sei er ein Kammerdiener und folgte diesem erst einmal um ihn, kaum von Bernadette angekündigt, noch vor der Türe zu überholen um sogleich zu der sich erhebenden Kaiserin zu eilen um ihr prompt, und natürlich ungefragt, einen Kuss auf die Wange zu drücken, fast so als sei er ein Stempel und sie eine Urkunde.


    Lerie Cherie, die Zeit vergeht ja so rasch, es kommt mir wie gestern vor, als Du noch auf meinem Knie saßt. Ich war glaube ich 11...

  • Jerome? Das kann doch nicht wahr sein!


    Total überrascht schaute Valerie auf den gutaussehenden Mann , der stürmisch auf sie zu kam und ihr einen Kuss auf die Wange drückte. Nach dem ersten Moment der Überraschung, fiel sie ihm tatsächlich um den Hals und freute sich aus ganzem Herzen.


    DU bist es wirklich! Wie ich mich freue. 


    Valerie löste sich und nahm sein Hände in die ihren.


    Wie lange ist das her? Egal! Es war zu lange!

    • Offizieller Beitrag

    Genau.


    Beschloss er das Thema der vergangenen Jahre zu beschließen und grinste den Colonel kurz mit hinaussetzendem Blicke an.


    Ich bekenne mich schuldig und habe Dir auch etwas mitgebracht.

    Worauf er ihr ein kleines Holzkästchen theatralisch überreichte von dem Sie feststellen konnte, dass es mehrere Schmetterlinge enthielt die, würde sie das Kästchen denn öffnen, aus diesem zu entfleuchen gedachten, allein einen, auf eine Nadel gespießten und folglich toten Artgenossen zurücklassend.


    Das Sinnbild der Wiedergeburt und Unsterblichkeit für Dich, Ornithoptera Valeriae, von mir selbst gefangen und systematisiert.

  • Schmetterlinge?


    Diese Frage war im Grunde überflüßig weil er damals schon diese Leidenschaft hatte. Vorsichtig öffnete Valerie das Holzkästchen und freute sich das ein paar wundervolle Exemplare ihre wiedergewonnene Freiheit genossen. Bis auf den einen, der festgesteckt im Kästchen verblieb. Wunderschön anzusehen und er trug nun ihren Namen. Sie war gerührt, fast den Tränen nahe.


    Du hast diese Art nach mir benannt? Jerome ... ich weiß nicht was ich sagen soll ...


    Sie sagte auch nichts weiter, sondern bedankte sich mit einem innigen Kuss auf die Wange.

    • Offizieller Beitrag

    Was Du sagen sollst? Vielleicht, dass Du mir ein Schloss schenkst, mich zum Herzog machst, mich mit Schokolade überhäufst.


    Zog er sie mit gespielter Ernsthaftigkeit auf in die sich schon ein wenig Freude über ihre offensichtlich Freude und fast schon mehr Freude über das Entfleuchen des Colonels mischte.


    Doch froh wäre ich über eine Mahlzeit mit Dir und glücklich über eine Aufgabe, doch das können wir beim Essen besprechen wenn Du denn Hunger und die Zeit hast, sie mit einem Onkel zu vergeuden.


    Einer der Schmetterlinge hatte sich auf seine ausgestreckte Hand gesetzt und seine Flügel zusammengefaltet, spreizte sie aber erneut als er ihn anpustete.


    Die großen Punkte erinnerten mich an Deine Augen als Du noch ein staunendes Kind warst. Du hast Dich prächtig gemacht.

  • Er war schon als junger Mann voller Charme. Immer wieder brachte er sie als Kind und junges Mädchen zum lachen. Daran hatte sich nichts geändert, wie es schien. Tatsächlich erinnerten die Punkte des Schmetterlings an große Kinderaugen. Wieder hatte er ihre Fantasie angeregt, eine kindliche Fantasie, die sie in den fünf Jahren ihrer Herrschaft verloren zu haben schien. Es tat so gut.


    Ich war neugierig und bin es heute noch. Manchmal vielleicht nicht neugierig genug und dann wieder  zu neugierig. Je nach Auslegung.


    Valeries Lächeln war ein wenig müde. Eine große Pause würde nichts schaden.


    Wer bin ich denn, dass ich eine Einladung meines Onkels ablehnen würde? Also wohin gehen wir? Ich freue mich und bin so dankbar, dass Du wieder da bist.


    Freudig hackte sie sich bei ihrem Onkel unter und legte ihren Kopf an seine Schulter.


    Dann können wir über Titel, Bleibe und Aufgabe reden. Nur über die Schokolade nicht. Das ist meins, alles meins!


    In Valeries Gesicht ging die Sonne auf und ihr lachen, klang weniger laut, dafür aber herzlich.

    • Offizieller Beitrag

    Nach circa einer Stunde saßen sie tatsächlich in der Küche im ersten Untergeschoss wo Reubell seine anderen Mitbringsel abgegeben hatte als er angekommen war, schließlich konnte er ja nicht alles in die oberen Räumlichkeiten schleppen. Versprochen hatte er ein besonderes Mal, ja etwas, was die Kaiserin noch nie erlebt, geschweige denn gegessen hatte und sein Plan, es zusammen mit ihr zuzubereiten war vielleicht nicht der beste, aber zumindest innovativ gewesen. Jetzt musste er ihn ihr nur noch beibringen.


    Wie ich Dir ja schon erzählte, war ich nach meiner Abreise noch auf einen Abstecher in Nerica, genau genommen in Bechar. Falls Du mal eine Safari machen möchtest, ich kann Die einen Anbieter nennen der unbedingt zu vermeiden ist.

  • Als er Valerie in die Küche führte, überlegte sie, ob diese Idee wirklich gut war. Denn die Kaiserin war überzeugt davon, dass bei ihr selbst Wasser anbrennen würde. Mit Küche und kochen hatte es Valerie nicht. Doch sie vertraute Jerome. Sie dachte an die Zeiten, als sie noch ein Kind war und da hatte sie ihm immer vertraut. Vielleicht würde sie auch nur zusehen dürfen.


    <Er wird schon sehen was er davon hat! Gut das wir versichert sind!>


    Du weißt doch, dass ich es mehr mit dem Meer habe. 

    • Offizieller Beitrag

    Zwiebeln zu schneiden war jetzt nicht das aller innovativste, doch es war nunmal nötig um sie anzubraten weswegen er sie zwar rasch und durchaus geübt schnitt, Scally aber durchaus ob seiner eher bescheidenen Fähigkeiten zum Lachen gebracht hätte. das es in einer hinteren Ecke rumpelte schien er nicht zu bemerken.


    Dann fahren wir mit eine.Schiff hin, nur Du und ich…


    er stutzte, schnitt sich und ignorierte es.


    Wir kennen uns ja kaum und ich rede hier, gibt es jemanden in Deinem Leben den Du mitnehmen würdest? Du hast die freie Wahl, wir können.ihn unterwegs auch von Bord werfen.


    Wieder rumpelte es und er begann die kleinen Tomaten zu schneiden wobei das Blut gar nicht auffiel.

  • Sollte sie nun Anielle nennen, was ihren Onkel sicher gleich zu den richtigen Schlüssen bringen würde oder sollte sie eine falsche Fährte legen? Sie entschied sich für die falsche Fährte.


    Jean-Pippin della Scala


    Er hatte sie fasziniert und schien den Posten des Prinzgemahls ganz gut auszufüllen. Sein Ding was das Spiel und nicht die Liebe. Genau das suchte die Kaiserin. Diese Reise würde vielleicht der Einstieg in ein Geschäft sein von dem beide etwas hätten. Vielleicht sogar der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Jerome wäre als Onkel nur eine mehr sehr gute Anstandsdame, sollte jemand von dieser Reise erfahren.

  • Also della Scala


    sinierte er während er zu den Paprika überging wo es ebensowenig auffiel.


    Du kennst deren Wappen? Ich hoffe Du bist nicht nur seine Karriereleiter.


    Eine kleine Tomate warf er hoch in die Luft und schnappte sie fast mit dem Mund auf, zerbiss sie dabei aber was eine Grenzsauerei gab, ihn aber nicht verdross.


    Ob wir ihn über Bord werfen sagst Du mir dann noch? Ich hoffe Du magst Steppenschaf? ODer zumindest seine Milch? Dahinter im Regal scheint ein passender Topf zu stehen.

  • Erfreut schien er nicht zu sein. Warum sollte er auch? Valerie war auch nicht sonderlich davon angetan, einen Mann heiraten zu müssen. Jerome war ich Onkel und vielleicht der sollte sie ehrlicher zu ihm sein.


    Selbst wenn ich seine Karriereleiter wäre, er würde besser zu mir passen, als ein Ausländer oder ein x-belibiger hiesiger Kandidat. Scaly ist ein Spieler. Von mir aus kann er das gerne sein. Hauptsache er ist ein vorzeigbarer Beistellgatte. Mehr will ich nicht von ihm.


    Wie selbstverständlich nahm sie sich eine Tomate vom Tisch und biss hinein.


    Am liebsten würde ich ganz auf dieses Schauspiel verzichten. Am liebsten würde ich aus Liebe heiraten ... nur wäre das kein Mann!


    Jetzt war es raus. Hunger hatte sie nun keinen mehr. Dafür waren zuviele Ameisen im Bauch unterwegs.

  • Ginge mir exakt genauso ...


    scherzte er und war in keiner Weise überrascht


    und ich maße mir mal an, Dir etwas zu raten. Du brauchst ein Kind wenn Du die Dynastie sichern willst obwohl Outremer ja ein Wahlkaisertum ist. Falls Dir das allerdings, burschikos gesprochen "am Arsch" vorbeigeht, dann heirate wen Du liebst. Wenn es nicht vorbei geht, dann hole alle an einen Tisch. Sei es der Staffageehemann, der fürs Bett und auch Deine liebste. Jeder muss wissen woran er ist damit keine unerfüllbaren Hoffnungen wachsen und jeder weiss woran er ist. Doch egal ob Dur Dich an meinen Rat hälst oder nicht, so wäre es nun wichtig das Schaf zu melken. Denn, so sagt man zumindest in Alcantara, wer ein Steppenschaf melken kann, der kann alles auf der Welt. Es gibt eine ähnliche Idee bei der ein Handtuch eine Rolls spielt, doch das spränge jetzt den Rahmen, erzählt ich davon. Ich möchte auch eine Tomate.


    worauf er den Mund weit auf machte.

  • Eine kleine Tomate fand den Weg in ihre Hand und mit einem erleichterten Lächeln, hielt sie ihrem Onkel diese Tomate hin. Diesen Rat hatte sie schon von Anielle und Duroc bekommen.


    Für mich ist es schon wichtig eine Dynastie zu gründen. Auch wennn ich ständig zu hören bekomme, Wahlkaisertum! Es gibt keine Nachfolge durch Geburt! Aber genau das ist mein Ziel. Daher muss ich wohl einen Mann heiraten, aber einen der weiß wohin er gehört. Da wäre della Scala der beste Kandidat. Auch wenn es ein sehr teurer Spaß werden wird.


    Mehr in Gedanken als bewusst, reichte sie ihrem Onkel eine weitere Tomate.


    Allerdings soll er nicht der leibliche Vater meiner Kinder werden, sondern nur auf dem Papier. Er muss akzeptieren, dass ich für den Akt der Zeugung jemand anders im Auge habe. Della Scala wird für sein Einverständnis ein Vermögen erhalten und eine Drohung für den Fall das er die Klappe nicht halten kann. Glücklicherweise hat der potentielle Vater schon zugestimmt. Es geht mir nur um die Zeugung, nur um diesen Akt! Ohne Liebe, rein geschäftlich. Mein Herz bliebe somit da wo es schon immer war, bei der Frau die ich liebe.


    Sie nahm zwei Gläser aus der Halterung, griff zum Dekanter und goß beide Gläser voll. Eines davon hielt sie Jerome hin.


    Auf uns!


    Valerie hoffte nun, dass Jerome seinen Preis nennen würde. Das war nicht einmal böse gemeint, denn sie wollte ihn an ihrer Seite haben und mit einem Posten belohnen, der beiden gerecht wurde.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!