In den Privatgemächern des Gastes

  • Julianus hatte den Abend mit der Kaiserin genossen. Fast war er so verlaufen, wie daheim in Reate, dem Stammsitz der Flavier. Dass ihm beflissene Beamte des Hofes selbst jetzt noch Dokumente unter die Nase hielten, auf dass er, eigentlich: Er!, sich mit ihnen befasste, bedarf wohl keiner Erwähnung mehr? Und so sichtet er und unterschreibt routiniert. Dann will er ganz Privatperson sein und signalisiert es durch ein leichtes Lächeln. Der Hof ist immer und überall ebenfalls routiniert und schleicht sich diskret.

    Julian entzündet eine kleine, bronzene Öllampe und verbrennt, auf einem kleinen Stück Holzkohle, etwas Weihrauch. Hätte er Beobachter, die er natürlich nicht hat, so würden diese sehen, dass ihm diese kleine Zeremonie äußerst wichtig ist. Wichtig und ebenso beiläufig kommt er seinen Pflichten nach, um sich dann Schlafen zu legen. Und er schläft augenblicklich ein. Ein tiefes Atmen verrät dies. Er schnarcht nicht, aber er atmet, im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen, im Schlaf nicht flach und beinahe lautlos, sondern durchaus hörbar. Tief und ruhig. Wäre hier ein anderer Mensch zugegen, er würde vermutlich aufgrund dieses ruhigen "Geräusches" ebenfalls in tiefen Schlaf fallen.

  • Frisch und gut erholt wacht der Gast auf. Ein kleiner Blick: Das Frühstück ist bereitet. Seinen Morgenkaffee würde er bekommen, sobald er am Früstückstisch saß. Caffee lacte, mit reichlich Milch. Ein kurzes Gebet am "Hausaltar", dann möge der Tag beginnen.

  • Es hatte eine Zeit gebraucht bis Bernadette die Botschaft davon überzeugen konnte, dass niemand geringes als die Kaiserin von Outremer den Wunsch hatte, Kaiser Honorius Flavius Julianus telefonisch zu sprechen. Diplomatischer als sonst hatte sie es doch erreicht, zumindest bis zum Adjundaten durchgstellt zu werden. Geduldig warte sie darauf das jemand abnahm.

  • Ladiner sind Direktverbindungen so gar nicht gewohnt. Sie "stöpseln" eben noch. Daher meldet sich der Adjutant Seiner Majestät erst recht spät. Die Kaiserin? Höchstselbst? Der Adjutant steht auf und verneigt sich - auch wenn die Kaiserin dies nicht sehen kann. Zudem wird er Hochrot. Erstattet dann aber tapfer seinem Kaiser Bericht. Dieser lächelt und winkt das Telephon zu sich. 


    "Guten Morgen, Valerie. Hast Du Deinen Caffeé schon genossen? So wie ich den gestrigen Abend?"


    Sein Schmunzeln kann man, wenn man denn möchte, hören. :)

  • Valerie saß schon an ihrem Schreibtisch im Bariole und bedankte sich bei Bernadette mit einem Kussmund, als diese ihr die zweite Tasse Kaffee brachte und dann das Arbeitszimmer verließ.


    Guten Morgen Julien. Ich habe schon den zweiten Kaffee vor mir stehen. Das brauche ich morgens immer. Eigentlich wollte ich mich nur für den wundervollen Abend bedanken.


    Für Valerie waren solche Abende selten genug.


    Bist Du gut nach Hause gekommen? Hat dich die Pressemeute in Ruhe gelassen?


    Valerie hatte schon in den Morgenzeitungen erste Kommentare zum Treffen der beiden Staatsoberhäupter gelesen und war erstaunt über den moderate und freundichen Ton, der Redakteure. Es wurde von Zusammenarbeit und Handelsbeziehung geschrieben. Klatschgeschichten kamen er in den TV-Magazinen und in den bunten Blättern. Darauf war sie wirlich gespannt, was dort wieder zurecht gesponnen werden würde. Das sorgte bei Valerie für extrem gute Laune.

  • Julien lachte in sich hinein.


    "Der Dank liegt ganz bei mir. Der Abend war tatsächlich wunderbar. Ich selbst flegele mich gerade im Morgenmantel und nehme den ersten Caffeé."


    Er nimmt sich einen Schluck, dieweil die Kaiserin die beiläufig gesprochenen Worte hören kann:


    "Die Ernennung zur Fürstin? Aber ja."


    Er unterzeichnet und, ebenso beiläufig:


    "Siegel."


    Um dann...


    "So, jetzt bin ich ganz wieder für Dich da. Die Pressemeute? Eigentlich ganz pflegeleicht. Wenngleich ich das so gar nicht gewohnt bin. Bei uns würde sich niemand ein solches Blitzlichtgewitter wagen."


    Erklärt er äußerst gut gelaunt. 

  • Entspannt und froh das Gespräch nicht als Videokonfrenz zu führen, legte sie ihre Füße auf den Tisch und trank genüßlich an ihrer Tasse Kaffee.


    Ich weiß schon gar nicht mehr, wie das ist ohne Kameras vor die Tür zu gehen. Zumindest nicht, wenn ich offiziell unterwegs bin. Man gewöhnt sich dran. Im Urlaub und wenn ich mal inkognito unterwegs bin, fehlen mir diese Kameras allerdings auch nicht.


    Sie nahm sich einer der Zeitungen.


    Zudem hat uns die Presse mit Wohlwollen überschüttet. Es wird von neuen Handeslvereinbarungen und einer engeren Zusammenarbeit gesprochen. Hmm da haben wir wirklich darüber gesprochen?


    Valerie bremste ihr Lachen, weil es sonst bei Julian zum Platzen des Trommelfell gekommen wäre.

  • Laut Hofamt ist das für den Empfang nach der Krönung vorgesehen. Laut Protokoll muss ich dabei auf dem Thron in der Residenz in Karamarq sitzen und in vollem Ornat die Geschenke entegennehmen.


    Valerie kicherte.


    Hoffentlich geht das gut und ich verliere das Monstrum von Krone nicht.


    Papas Krone wog schwer und das im doppelten Sinne.

  • "Ah. Sehr gut. Du musst die Geschenke nicht direkt in Empfang nehmen? Denn eines der Geschenke wiegt immerhin ein..."


    Er wende sich an seinen Adjutanten mit der Frage "Was ist ein ladinisches Pfund in metrischen Maßen?"


    "Ich höre gerade, eines der Geschenke wiegt 328 g. Also ein ladinisches Pfund. Klingt nicht viel, aber zum Gewicht der Krone addiert...Du wirst schon sehen. Hoffentlich gefällt es Dir."


    Er schmunzelt - und das kann man hören. :)


    "Und lerne Deine Worte auswendig. Denn wenn Du den Text ablesen musst, könnte das Ablesen Dir das Genick brechen. Die Krone bliebe womöglich an ihrem Ort, aber Dein Genick, nun ja..."


    Wieder diese hörbare Heiterkeit.

  • Valerie wusste nicht was für ein Geschenk sie von Julian bekommen würde, aber das sie eine gute Figur machen würde, war ihr klar. Schliesslich hatte sie schon eine Zeit mit der Korne auf dem Kopf geübt. Nur zu tief vorbeugen ging halt nicht.


    Ich werde das schon hinbekommen. Bisher ist mir das Ding erst einmal vor die Füße gefallen. Das war kurz vor meiner ersten Krönung.


    Sie versuchte sich nicht daran zu erinnern.

  • Julien lachte. Aber freundlich.


    "Hoffentlich hat dies niemand mitbekommen. Aber Du machst das schon. Á la bella figura, wie die Novaren sagen würden.

    Gut, dann weiß ich über den Zeitpunkt schon mal Bescheid. Was eure Presse so schreibt würde mich doch sehr interessieren. Was steht denn so drin? Das politische hast Du ja schon erwähnt..."

  • Oh es steht noch nicht viel drin. Denn das sind die Tageszeitungen, die berichten nur über Politik und Wirtschaft. Die sogenanntren Bunten Blätter sind viel mehr an meinem oder am Privatleben anderer vermeintlich wichtiger Personen interessiert und sagen wir mal, sie nehmen es nicht so ganz Ernst mit der Wahrheit. Hauptsache die Schlagzeile stimmt.


    Sie setzte sich gerade hin.


    Aber in der Tagespresse geht es vor allem darum, dass wir beiden, also Du und ich, uns vor allem über wirtschaftliche Fragen unterhalten und verständigt haben. Handelshemmnisse sollten beseitigt werden und die Wechselkurse der Währungen angepasst werden. Hmm, haben wir darüber gesprochen?


    Lachend sprach sie weiter.


    Das riecht sehr nach meiner Presseabteilung. Das wir uns glänzend Verstanden und Unterhalten haben, steht da zwar auch drin, aber halt Staatstragend. Aber das ist ja nicht richtig wichtig, meinen die Presseprofis. Dabei finde ich es wesentlich wichtiger, wenn sich zwei Staatsoberhäupter persönlich gut verstehen.

  • "Da hast Du Recht. Wenn die "Großkopferten" sich verstehen, senkt das zumindest das Risiko von Mißverständnissen.

    Und pflichtbewusst, wie wir ja nun mal sind, haben wir uns fast ausschließlich über Handelsusancen unterhalten. 

    Ich kann, unter uns, sagen dass unsere Regierung, die noch nicht im Amt ist, darum bestrebt ist, einen neuen Wirtschaftsraum zu schaffen, in dem Zölle wegfallen würden. Beispielsweise. Die Regierung Ihrer Majestäten weiß das zwar noch nicht, aber das kommt noch. Natürlich werden mein Bruder und ich nur das verlesen, was Unsere Regierung will."


    Offiziell mischt sich die kaiserliche Familie nicht in die Politik ein. Inoffiziell jedoch...Aus Juliens Worten klingt erneut große Heiterkeit. Und auch das "Unsere",  groß geschrieben, hört man ebenfalls heraus. So jung der Kaiser ist, so jung beide Kaiser sind, so verstehen sie dennoch das Geschäft. Wie vorteilhaft  das doch ist: Sollte etwas schiefgehen, waren es immer die Parteien, nie die Dynastie. Und wenn alles gut geht, ist jedem klar: Da hat die Dynastie die Fäden gezogen. ;)

  • Aha.


    Lachte Valerie.


    Sie war aber nicht wie ihr Vater und das wusste Valerie zu gut. Zudem waren die Umstände in ihrem Reich anders. Es gab zuviele unterschiedliche Interessen, die alle in gewisser Weise berücksichtigt werden mussten, wenn sie auf ihrem Thorn bleiben wollte. Deshalb blieb ihr nur das Versteckspiel.


    Bleibt es bei heute Abend?


    Valerie spielte auf den geplanten Besuch im Museum für moderne Kunst an.

  • Wenn Du es mir erlaubst oder besser gesagt, dein Protokoll  es erlaubt, würde ich Dich gerne abholen. Am liebsten mit meinem eigenen Wagen, aber das geht nicht. Da würde mein Protokoll wahnsinnig werden, wenn ich mit einem Sportwagen vor deiner Botschaft vorfahren würde.


    Lachend malte sich Valerie aus, wie sie mit ihrem Morsche 822 VB Special durch die Innenstadt donnerte und mit quietschenden Reifen vor der Botschaft hielt.


    Ich werde Dich ganz gediegen und standesgemäß abholen. Wenn Du magst.

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