Audienz für die Royalisten

  • Als einer von drei Vertretern seiner Partei wartete der Herzog nun schon seit einer gefühlten Stunde, real vielleicht seit 10 Minuten und hoffte, er, als Vertreter der Pairskammer, würde zusammen mit seinen Kollegen aus Senat und Konvent Zeit und Ohr der verhassten Kaiserin erheischen ohne selbige dies und vielleicht weiteres spüren zu lassen. Er sah auf seine Uhr.


    Has Du die Zeit, Maurice?

  • Eigentlich war sein Name ja Moritz, doch der kam aus einer Zeit, in der er noch in einer anderen Welt gelebt hatte, damals in Trimontanien wie man es in Outremer nennt, ja lange ist es her und auf jeden Fall hasste er beide. Er hatte nicht so lange und erfolgreich im Militär gedient um von einem Pfau genutzt zu werden.


    Gedulde er sich, Fronsack

  • Es gab Termine im Leben der Kaiserin, die sie am liebsten ignoriert hätte. Was natürlich nicht ging. Wollte sie Kaiserin sein, so musste sie auch mit ihren Feinden reden. Diese Gespräche hatten immer etwas von großem Kino. Man mochte sich nicht, vielleicht hasste man sich sogar, aber man durfte es sich nicht unbedingt anmerken lassen. Unsicher war Valerie nicht, aber ein wenig gehemmt schon. Immerhin waren es wichtige Vertreter die für ihre Partei sprachen und damit hatten sie politisches Gewicht.


    Sie hatte die Herren absichtlich etwas warten lassen. In einem eleganten dunkelgrauen Kostüm mit einer weißen hochgeschlossenen Bluse und den unvermeindlichen Pumps bekleidet, stand die Kaiserin mitten in ihrem großen Büro. Als die Herren eintraten, ging sie höflichkeitshalber zwei Schritte auf sie zu. Sie konnte die kühle Distanz förmlich spüren.


    Meine Herren.


    Mit einer einladenden Handbewegung deutete sie auf die Sitzgruppe hin, von der man einen hervorragenden Blick auf das Gemälde ihres Vater hatte. Kaiser Eugene schaute somit auf die Vertreter der Roylisten herab.

  • Der Herzog hatte gesessen als die Kaiserin eintrat und erhob sich erst, als es gar nicht mehr anders ging, machte dann aber einen angemessene Verbeugung


    Wir danken für Eure Zeit, Ma..jestät

    fast hätte er Madame gesagt


    Darf ich gleich zur Sache kommen?

  • Nachdem die gottgewollte Ordnung ...


    begann Fronsac mit einer seiner Lieblingsfloskeln die bereits mehrfach von Handpuppen im Fernsehen persifliert wurde


    ... mit der Errichtung des Kaiserreiches zumindest in Ansetzen wieder hergestellt wurde, sind wir gekommen, euch unsere Unterstützung zuzusichern, solltet Ihr die alte Ordung im Allgemeinen und das Klassensystem im besonderen wiederherstellen wollen.


    Das dies einen Preis haben würde sagte er erstmal nicht.

  • Fast hätte Valerie gelacht. Denn sie kannte dies Floskel und fand sie in einer ihre Lieblingssendungen im Fernsehen so treffen nachgeahmt. Sie liebte dieser Satrie . Sie liebt auch die Handpuppe die ihr selbst nachempfunden war. Vor lauter schwarzen Haaren war das Diadem kaum zu erkennen. Der Schmollmund war überbetont und bei ihren Handpuppenauftritten trug die Kaiserin immer Diadem und Jogginganzug. Sie konnte herzhaft über sich selbst lachen. Aber Fronsac war im Original fast noch besser, als sein Handpuppenimage.


    Das lenkte sie aber nicht von dem Angebot ab, dass ihr Fronsac unterbreitete. Sollten die alten Eliten sich auf das neue Reich einlassen oder wollten sie nur das Beste für sich herausholen? Und zu welchem Preis würde diese Unterstützung gewährt werden? Wie weit würde sie gehen? Vielleich tat sich hier ein Weg auf, ihre eigenen Ambitionen voranzubringen. Ohne weiter auf die Offerte einzugehen und ohne eine Andeutung darüber, wie weit diese Wiederherstellung gehen sollte, schaute sie zunächst zu Sax und dann zu Fronsac.


    Nennt euren Preis!

  • Eine Erhöhung der Rechte der Pairs und einen Sitz im Kronrat.


    äusserte sich Trencavel, von allen der, mit der Familie des längsten Stammbaumes, das erste Mal da ihn das ganze hier zutiefst abstieß. Ja es war ein Pferdemarkt, und deswegen konnte man auch handeln wie auf dem selbigen.

  • Die Spannung stieg deutlich, als die Kaiserin die Sache auf den einzigen Punkt brachte, der Sinn machte. Auch wenn sich Fronsac in seiner Ehre gekränkt fühlen sollte, nur darum ging es, es ging nur um den Preis. Wie sie diese hochnäsigen alten Aristokraten verachtete. Als würden sie nur zum Wohle des Reiches handeln und das natürlich absolut uneigennützig. Verlogene Bande! Die knappe, jedoch sehr präzise Antwort Trencavels gefiehl ihr daher ausgesprochen gut.


    Sie schloss die Augen, lehnte sich in ihrem Sessel zurück, nur um dann mit ihren großen schwarzen Augen in die Riege der Altenherren zu schauen. Mild lächelnd.


    Das ist doch mal ein Wort! Ich danken Ihnen Monsieur Trencavel. Damit läßt sich etwas anfangen. Ich nehme ihr Angebot nicht nur zur Kenntnis, sondern werde es ernsthaft in Betracht ziehen.


    Wie in der Kirche faltete Valerie die Hände und setzte ein ausdruckloses Gesicht auf.

  • Schön, dass wir das klären konnten.


    Ergriff de Vignerot mit einem Ton wieder das Wort, der seine Annahme, die Kaiserin würde genau das tun was seine Partei forderte, nicht nur unterstrich sondern auch mit einem Ausrufezeichen versah.


    Unser zweites Anliegen ist heikler. Es geht um die Prinzen von Geblüt. Sowohl die Geschwister Capet, als auch ihr und eure Schwester sind unverheiratet. Wir halten es für das beste zur Versöhnung des kaiserlichen mit dem königlichen Lagers wenn …

  • Aus den Alarmglocken, wurde eine Alarmsirene. Da war er wieder der Plan Leonor oder Valerie mit diesem degenerierten Capte zu verheirateten. Beides kam für die Kaiserin nicht in Frage. Leonor hatte sie versprochen, diese Ehe zu verhindern und sich selbst hatte sie geschworen, sich nicht zur Marionette des alten Adels machen zu lassen. Sie überhörte den ersten Satz. Das dem noch nicht so war, würde de Vignerot noch früh genug bemerken.


    Mein lieber Fronsac. So reizvoll dieser Gedanke für gewissen Leute im Reich wohl ist, für meine Schwester und mich  selbst, schließe ich diese Art der Verbindung der beiden Häuser aus. Für eine Ehe ist es noch zu früh. Die wilden Zeiten des Reichs sind noch nicht so lange her und gewisse Gräben sind immer noch offen. Vielleicht sollten wir auf die Befindlichkeiten der Bevölkerung ein wenig Rücksicht nehmen. Denn zu den beiden Lagern, die Sie nannten, würde mindestens ein drittes hinzukommen, dass der Republikaner!


    Valerie wusste wie sehr sie ihn mit der Anrede traf. Daher unterstrich sie diese verbale Spitze mit einem arroganten Lächeln. Er konnte ruhig wissen, das Capet und seine Verrückte Schwester bei Valerie auf keine Gegenliebe stießen.

  • Es würde in der Tat helfen, endlich Klarheit zu haben. Doch denke ich, das wir zunächst prüfen sollten, ob es neben den Brienne noch andere Familien mit Ansprüchen gibt.


    Valerie hoffte, dass damit das Gezänk zwischen den Familien zunehmen würde und sich diese Zwietracht ausnutzen ließe. Damit hätte sie Zeit gewonnen. Die Macht ihres Vater beruhte zum großen Teil auf den Bajonetten seiner Truppen und nicht auf Abstammunglinien die eher an einen Fantasyroman erinnerten. Dafür fehlte Valerie jedes Verständnis. <Möge die Macht mir Dir sein!>, kam ihr in den Sinn.

  • Ich halte das in der Tat für eine gute Idee und ich sage das mit Überzeugung und kann mir dabei keinerlei selbstsüchtige Motive vorwerfen...


    sein Seitenblick auf Trencavel war hier nur unzureichend kaschiert


    ... da meine Familie dafür in keiner Weise in Frage kommt. Bis dahin, also bis zur, wie soll ich sagen, bis zur Aufforstung der Prinzen von Geblüt könnte man überlegen wie man als Ausgleich die Macht der Pairskammer stärken kann.


    Als Ausgleich für was sagte er allerdings nicht.

  • Valerie spürte das sie hier zu etwas verführt werden sollte, was sie nicht mehr überschaute. Instinktiv fühlte die Kaiserin wie der Zug in dem sie augenblicklich zu sitzen schien, Fahrt aufnahm und vielleicht nicht mehr rechtzeitig zum stehen kam. Sie suchte der Griff für die Notbremse. Wie sagte Ridefort immer so schön: <Die Kaiserin muss niemals etwas sofort entscheiden!>


    Meine Herren, sie verstehen, dass ich Ihnen hier und heute keine Entscheidung mitteilen kann und werde. Für solch weitreichende Maßnahmen benötige ich ein wenig Zeit.


    Vor allem musste sie ihren Stab um Rat fragen, Ridefort, Duroc und zum Ausgleich Montmorency.


    Für mich ist der Punkt erreicht, an dem ich unsere Sitzung lieber vertagen möchte. Wenn Sie mich also entschuldigen wollen.


    Wieder kam das filmreife Lächeln einer Diva zum Vorschein. Sie nahm nicht an das sie damit punktete, aber es unterstrich so herrlich das Ende der Veranstaltung.

  • Natürlich entschuldigen wir, ich schlage aber einen wöchentlichen Jourfix vor, damit wir gewonnene Gemeinsamkeiten weiter ausloten können, was meint ihr Majestät?


    Was hätte er auch sagen sollen. Seine wahren Gedanken sah man dem Politiker nicht an.

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