Eine Fahrt zum Opferring

  • Cedric Junot war natürlich schlechter Laune, war doch Pahlawan nicht unbedingt ein Sprung auf der Karriereleiter und die Position eines Attache Secret auch das unterster Ende der Nahrungskette der outremerischen Diplomatie. Doch die Nachricht der Prinzessin die er gerade eben auf seinem Smartphone bekommen hatte und die den Text „Bin wohlauf, nur langweilig“ beinhaltete war nicht gerade das, was sein Herz gewünscht hatte. Das er, Sohn eines Herzogs, im Wahnsinn gestorben ob der Säbelhiebe die seinen Kopf im Laufe des jahrelangen Dienstes für die Kaiser zu einem Hauklotz haben verkommen lassen, das er, Sohn einer Frau die einst Hofdame der letzten Kaiserin gewesen war und die jetzt, nach dem Schreiben von Memoiren mit Hypothesen über die Herkunft des Kaiserhauses, im Exil lebte, nicht hoffen konnte der Prinzessin auch nur annähernd ebenbürtig zu sein, hatte man ihn deutlich wissen lassen. Obwohl er schon gern… aber lassen wir das.


    Nun eben Pahlawan, Inselkönigreich östlich des Reiches, für manche ein monsungetränktes Wasserrattenloch, für andere Paradies tigerdurchtränkter Dschungelträume. Und Cedric hatte sich damit arrangiert, hatte die Aufgabe wahrnehmen wollen weil müssen, sich das Schicksal schön geredet, halt wie ein Mann so denkt.


    Tengah, der Regierungssitz, war durchaus einer westlichen Stadt gleich und in den drei Tagen die er dort verbracht hatte genoss er den Auftrag, hatte er doch jeden Abend eine neue Schönheit zu sich gebeten die Leonor, der Prinzessin wenigstens ein wenig in Statur und Frisur ähnlich sah, und hatte sie dann in allen möglichen Lagen benutzt, Hauptsache er musste ihr Gesicht dabei nicht sehen. Doch nun ging es in den Moloch Pasaran, östliche Pferch der Begierlichkeiten und hier begann auch sein Auftrag der durchaus nicht friedlich war, sollte er doch einen ersten Kontakt mit der Subkultur Pahlawans knüpfen von der er annahm, dass sie genaus käuflich sei, wie die Wirtschaftskaste um Malik Umar Hayat Khan oder den Raja, den König Ali Bin Abdul Razak, der eine Lakai Buffets, des reichsten Mannes Outremers, der andere schleimiger Appendix der kaiserlichen Kolonialhierarchie. So hatte man es Cedric zumindestens dargestellt.


    Im Detail war sein Auftrag, Kontakt mit den Religionsführern Pahlawans aufzunehmen und hier ging sein Weg als erstes zur Cophta der Kaili, Hohepriesterin eines Glaubens der, so sagte man zumindest, Menschenopfer einer starken Göttin darbrachte wobei die zu Opfernden einen Ring trugen den sie nicht mehr abnehmen konnten. Aber das waren sicher Gerüchte, doch was sollte man tun auf einer Überlandfahrt von mindestens drei Stunden, mit einem Fahrer, keiner bekannten Sprache mächtig. Ohne jeden Empfang, nur durch die Satellitenortung oneway mit dem Heimatland verbunden.


    Sein Auftrag war einfach, er sollte sondieren und bestechen, sollte herausfinden wie mächtig die Coptha war, von der er nicht mehr wusste, als ihre dunkle Hautfarbe, ihr silberblondes Haar und ihre Sportlichkeit. So hatte es zumindest Anielle behauptet, und ob das alles so wahr war, konnte Cedric nicht beurteilen. Noch eine Stunde bis Sinth, dem Sitz der Cophta. So hatte man es ihm erzählt und Cedric las noch einmal das Dossier und versuchte dabei die Insekten zu verjagen, die ihn offensichtlich mochten.

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