Museum für Moderne Kunst

  • Wie versprochen trafen sich Valerie und Julian im Foyer des im neoklassizistischen Stil erbauten Museums. Für die Anreise hatte man neutrale Fahrzeuge gewählt. Durch eine Seitentür wurde die Kaiserin und ihr hoher Gast unauffällig ins Gebäude gelassen. Der Direktor des Museums, Professor Ildephons Beuys, wartete bereits. Valerie hatte ein elegantes dunkblaues Kostüme, relativ flache Pumps in gleicher Farbe, eine hellblaue Bluse mit offenem Kragen gewählt. Ihr Schmuck war dezent. Eine kurze Perlenkette mehr nicht. Ganz unüblich trug sie ihre langen schwarzen offen.


    Professor Beuys begrüßte seine Gäste ziemlich formlos mit einer tiefen Verbeugung und einem freundlichen Guten Abend,  Majestäten.

  • Julien war in - man mag es kaum glauben! - in einen Hoody, darunter ein weißes T-Shirt, Bluejeans und Sneakers gekleidet. Er hakt sich bei Valerie unter und grüßt zurück.


    Tachchen, Herr Direktor. Freut mich!


    Dazu trägt er ein Honigkuchenpferd-Grinsen im Gesicht.


  • Fast wäre Valerie hinten über geschlagen. Mit diesem lässigen Outfit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Darin sah Julian noch jünger und vor allem attraktiver aus. Dagegen kam sich Valerie fast schon vor wie eine steife Modepuppe. Für sie waren die offenen getragen langen Haare schon der Gipfel an Lässigkeit den sie außerhalb des Palastes zeigen konnte. Aber egal ihr gefiel der junge Mann mit dem sie sich so gut verstand.


    Wir sind dann soweit.


    Professor Beuys war kein steifer Gelehrter, auch wenn die obligatorische Fliege das vermuten ließ. Er hatte einen guten Draht zu jungen Menschen. Lächelnd ging er in den ersten Saal voran gefolgt von den Majestäten und Maurice Valeries Chefleibwächter.

  • Im ersten Saal gab es Gemälde des Impressionismus des späten 19. Jahrhunderts. Vor dem Highlight dieses Teils der Sammlung, den berühmten "Strohblumen" von Vincent van Loch, blieb Professor Beuys stehen und ließ das Bild auf die Anwesenden wirken. Aber anstatt auf den Künstler oder das Kunstwerk einzugehen, erläuterte der Professor die Umstände des Erwerbs. Das ungewöhnlicher Weise auf Holz gemalte Bild wurde zufällig entdeckt, als ein kunstverständiger Wanderer bei einem Bauern übernachtete. Als er den Kleiderschrank öffnete diente das Holzgemälde als Rückwand eines Schranks. Das Bäuerlein wollte aber nicht nur die Rückwand hergeben, sondern nur den ganzenSchrank. Es wurde der teuerste Bauernschrank in der Geschichte Outremers.Der


    Valerie kannte diese Geschichte und Maurice Boule natürlich auch. Denn er begleitete seine Kaiserin gerne bei solchen Ausflügen in die Welt der Kunst.

  • Man schlenderte, unter der fachkundigen Führung von Professor Beuys, nicht von Gemälde zu Gemälde, man blieb stehen wenn ein Gemälde näher betrachten wollte. So blieb Valerie natürlich vor ihrem Lieblingsgemälde im Impressionistensaal stehen. Es handelte sich um Jacob Pizza-Rohs Gemälde "Der Boulevard Friedman in der Nachmittagssonne". Von diesem Gemälde konnte Valerie nie genug bekommen. Auch diesmal schaute sie verträumt und glücklich aus.


    Das Gemälde liebe ich. Es zeigt einen Teil Corinnis zu einer Zeit in der ich gerne gelebt hätte. Pizza-Roh hat es 1897 gemalt. 


    Es gab noch zwei andere Gemälde mit dem gleichen Motiv, aber zu anderen Jahres- und Tageszeiten.


    Dieser schöne Pizza-Roh wurde vor vier Jahren von ihrer Majestät angekauft und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.


    Das wollte Valerie eigentlich nicht ihrem Gast mitteilen. Verlegen schaute sie kurz auf den Boden, als Professor Beuys darüber sprach.



  • Julien ließ sich durch dieses Bild inspirieren. Er wirkte fast verträumt.


    Man wird geradezu in dieses Bild hineingezogen  und erhält einen Eindruck der Atmosphäre der Stadt.

    Du bist also eine Wohltäterin im Namen der Kunst. Also...was ich bisher sah, schon nach zwei Gemälden, lässt in mir einen Beschluss reifen. Ich werde zuhause Auslandsstipendien stiften. Damit unsere Jugend andere Kunsteinflüsse bekommen kann. Monsieur le proffesseur, würdet Ihr auch unsere Jugend unterrichten?

  • Sollte allerdings die Bemerkung des Professors Julien dazu veranlasst haben, seinen Vorschlag zu einem intensiven Kulturaustausch zu machen, dann hatte es sich schon gelohnt. Valerie sprang auf diesen Zug auf.


    Wir könnten ein Programm auflegen, dass unserer Jugend einen gegenseitigen kulturellen Austausch ermöglicht. Du stiftest diese Stipendien für dein Reich und ich mache das selbe für das meine. 


    Nun hatte man etwas, was man tatsächlich als Ergebnis der Gespräche der beiden jungen Monarchen veröffentlichen konnte ohne das sich die Regierung diese Feder an den Hut stecken konnte.

  • Wie gut! Kultureller Austausch. So etwas ging immer! Und das Parlament blieb da Außen vor. Dennoch würden, sollte darüber abgestimmt werden - was ausgeschlossen war - würden also die Nationaldemokraten und die "Kommunisten" ohnehin mit "Ja" stimmen. Sollte einer der Optimaten seinen Unmut äußern, so genügte es, die linke Augenbraue steil nach Oben schießen zu lassen. Ein Optimat würde sich nie den Unmut der Dynastie zulegen wollen. Alle anderen aber auch nicht.


    So machen wir es! Pacta, wie man bei uns sagt. Reisen bildet.

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