Festung und Staatsgefängnis Chateau When - Zelle Nummer 11

  • Antoine wusste so im Groben, was in der Zelle nebenan gerade los war und schrieb es auf ein Paier, welches er durch das Loch in der Wand schob.


    Das sind wahrscheinlich Urs und Beat gewesen. Beide sind taubstumm und können nur irgendeinen abstrusen Hinterwäldler Dialekt lesen, geschriebene Nachrichten haben also auch keinen Sinn. Deine Identität wird gerade überprüft, mach Dir schonmal Gedanken über den Preis.

  • Wütend schnaubte Valerie ein nicht druckreifes Schmipfwort. Mit aller Vorsicht aß und tranke sie, was nicht unfallfrei geschehen konnte. Kleckern war ihr zuwider. Doch mit der Zeit hatte sie heraus wie man mit Maske aß und trank.


    Als sie den Kassiber laß, wusste sie, wen sie zusätzlich auf ihre Todesliste zu setzen hatte.



    Ob taubstumm oder nicht, ich werde sie grillen!


    Einen Preis für meine Freiheit oder für Ratschläge wie man hier überlebt ohne das man durchdreht?




    Sollte es Antoine gelingen sie hier herauszubringen, dann wäre der Preis nicht nur seine eigene Freiheit, sondern viel mehr.

  • Antoine lächelte als er den Zettel las, ließ sich dann aber mit einer Antwort Zeit. Er musste durchdenken warum die Kaiserin, sollte sie denn die Kaiserin sein, hier war. Wenn es einen Putsch gegeben hätte, dann würde man das früher oder später erfahren, doch jetzt hielt er es erstmal für wahrscheinlich, dass diejenigen, die ihr diesen Aufenhalt spediert hatten, sich noch nicht sicher genug waren, um es offiziell zu machen.


    Wenn es Dir Freude macht tu es. Hier dreht man nur ohne Ziele durch, aber Du hast ja eines. Doch was ist die Freiheit wert, wenn andere Ziele nicht erreicht werden. Wir sollten also feilschen.

  • Noch nie in ihrem jungen Leben, hatte sie den Bruder ihrer Geliebten persönlich kennengelernt. Selbst Anielle hatte das Thema bisher vermieden. Bis vor ein paar Tagen zumindest. Als sie zum ersten mal eine Haftentlassung ihres Bruders erwähnte. Wohlgemerkt keine Begnadigung! Valerie war damals vorsichtig geblieben. Antoine Saint-Just hatte einen miserabelen Ruf. Galt als Bluthund. Neben seinem Freund Robespierre als Henker der Revolution. Aber er war auch ein Idealist und ein Denker. Seine Ideale und das was er daraus gemacht hatte, hatten ihn hierher gebracht.



    Ich habe Ziele:
    Ziel Nummer 1: hier rauskommen

    Ziel Nummer 2: meine Helfer fürstlich zu Entlohnen

    Ziel Nummer 3: an denen die mir das angetan haben, fürchterlich Rache zu nehmen.


    Feilschen wir:


    Was kannst Du dir, neben deiner Freiheit, vorstellen?



  • Antoine wusste, dass er freikommen konnte, würde er sich zumindest ein wenig kooperativ zeigen. Zumindest hatte das in all, nein nicht in all, doch zumindestens seit einigen Jahren gegolten doch jetzt war wohl,alles anders, sollte die Genossin nebenan die Wahrheit sprechen. Also schrieb er was sie hören wollte.


    Geld bedeutet mir nicht wirklich etwas, steigt und fällt sein Wert doch mit dem, was man damit bewegen kann. Auch Einfluss lockt mich nicht wirklich, doch kann ich einiges nennen an dem ch interessiert wäre. Dies wären, ohne als abschließende Liste zu gelten:

    • Den Kopf dreier Royalisten nach meiner freien Wahl
    • Ein Palais im Zentrum von Corinnis mit einer Apanage um es zu finanzieren
    • Die Rehabilitierung von neun Jakobinern nach meiner freien Wahl
    • Die Abschaffung der Pairskammer

    Er war versucht gewesen, einen Blowjob durch die Kaiserin mit auf die Liste zu setzen, unterließ es dann aber obwohl er gerne ihr Gesicht gesehen hätte wenn sie es las, doch das ging aus verschiedenen Gründen nicht.

  • Saint-Just war immer noch der Alte. Keine Spur von Reue, keine Läuterung und das nach all diesen Jahren im Chateau When! Das nötigte der Kaiserin Respekt ab. Sie konnte mit all diesen Punken persönlich gut leben. Vor allem mit dem ersten genannten Punkt. Seit dem Auftritt der Alt-Herren-Riege, dem getarnten Versuch aus ihrem Reich, wieder ein Reich der Capets zu machen, war Valerie auf die Roylisten nicht sonderlich gut zu sprechen. In manchem den Jakobinern näher als man von einer Kaiserin erwarten würde, hätte sie alles andere als ein Problem damit, Roylisten den Kopf abschlagen zu lassen. Einzig mit der Abschaffung der Pairskammer, tat sich Valerie schwer. Hier war der einzige Punkt über den sich feilschen ließe.



    Mit den Punkten 1 bis 3 bin ich einverstanden.


    Nur die Abschaffung der Pairskammer wäre mir derzeit ein zu großes Risiko. Damit setze ch mich zwischen die Stühle. Das kann ich mir derzeit nicht leisten. Vor allem dann nicht, wenn man drei Anhänger Capets dem Fallbeil überantwortet. Allerdings ließe sich über eine Beschneidung des Einflusses der Pairs nachdenken.


  • Ungewohnt für Valerie war das Nichtstun. Entspannt lag sie auf ihrem unfassbar bequemen Bett, die Händer hinter dem Kopf verschränkt und tat das, was man in solche Situationen meistens machte: nachdenken! Brune und Firant! Das war ihrer Meinung nach aber nur die Spitze des Eisberges. Da muss noch mehr hinterstecken. Die alten Eliten? Gemeinsam mit dem Militär? Sie hatte ihre Streitkräfte nie vernachlässigt. Sie bekamen alles, was sie wollten Geld, Aufmerksamkeit, Anerkennung. Bis vor kurzem hatte sie die Berichte ungelesen beiseite gelegt, unterschrieben was zu unterschrieben war, ohne nachzufragen. Bis zu dem Moment, wo sie den geheimen Bericht Fouches in der Hand hatte, in dem er ihr darlegte, wie es in der Truppe tatsächlich stand. Hier wurde ihr bewusst, das man in gewissen Kreisen hoffte, das Valerie zum Unterschriftenautomaten degenerierte. Es wurde ihr klar, dass sie genauso benutzt wurde, wie ihre treue Connetable. Valerie fragte sich, wie weit der Einfluß Anielles beim Militär tatsächlich reichte. Ihre längstfällige Ernennung zum Marschall hatte sie noch nicht unterschrieben, damit wär sie den allmächtigen Marschällen gleichgestellt gewesen. Vielleicht lag hier der wahre Grund, warum sie nun auf diesem unfassbar bequemen Bett lag und grübeln konnte.

  • Antoine hatte mit voller Absicht einige Stunden nicht geantwortet, sondern stattdessen recherchiert. Die Kaiserin erschien nicht in den Medien, was auch gar nicht so verwunderlich war, stand doch nichts besonderes an und er hatte auch gar keine Chance die Geschichte von nebenan zu verifizieren, er musste schlicht abwarten was der Test der Fingerabdrücke ergab doch eigentlich glaubte er ihr bereits. Die Geschichte war zu abstrus um erfunden zu sein. Gegen Abend schrieb er erneut.


    • Dann sieben
    • Ok
    • Dann neunzehn
    • Ok
    • Und eine Zeitung

    Und er wusste welche sieben und welche Neunzehn.

  • Valerie hatte tatsächlich geschlafen. Es war schon spät. Trotzdem versuchte sie, mittels Strohhalm, den Kaffee zu trinken, den man ihr hingestellt hatte als sie schlief. Dabei las sie die Nachricht von Antoine. Ein boshaftes Grinsen hätte man sehen können, wenn sie nicht diese elende Maske getragen hätte.



    Sieben ist ein schöne Zahl, gefällt mir


    Neunzehn war ich auch mal


    Und Zeitungen lese ich gerne



    Nun hoffte die Kaiserin, dass Antonie verstand, dass sie mit allem einverstanden war. Auch wenn eine Zeitung unter seiner Regie, gefährlich für sie werden könnte. Erst einmal hier raus und dazu brauchte sie vermutlich Antoine. Eines nahm sie sich auf jeden Fall vor, egal wie das mit seiner Zeitung ausgehen würde und wen er rehabilitieren wollte, die sieben Köpfe würde sie ihm auf einem silbernen Tablette servieren, vielleicht noch um einen oder zwei Köpfe erweitert. Ein Bonus!

  • Die Tasse wurde, in einer Plastiktüte verpackt, zu einem Mittelsmann geschafft, der sie über den Freund der Cousine Bareres zum Onkel von Maurice Duplay brachte, der einst der Vermieter von Robbespierre gewesen war. Dort wurde sie von der achtjährigen Tochter eines kleines Angestellten einer Sicherheitsbehörde angeholt, der die Fingerabdrücke allein schon deswegen nahm, weil er und Barere ihre Welpen aus dem gleichen Wurf bezogen hatten. Das Resultat war negativ und hätte für die wahre Valerie sicher zu Problemen geführt, hätte der nun schon zum dritten Male erwähnte Barere nicht mit dem Denken begonnen. Das Resultat würder er noch heute Saint-Just mitteilen. Ihm. Nicht Ihr.

    Aus er die Nachricht erhielt war er zuerst erbost, schrieb sie dann aber auf ein Blatt nachdem er sie komplett gelesen hatte, um es seiner Nachbarin zu senden.


    Zitat:


    Mein Freund, die heute von der Kaiserin genommenen Fingerabdrücke sind nicht identisch mit denen, die Du mir gesendet hast, weswegen ich als erstes dachte, dass dies ja ganz natürlich ist. Ist es aber nicht, zumindest nicht vollumfänglich, denn eine genauere Analyse des Glases, und vor allem der Speichelreste, deutet daraufhin, dass die "Kaiserin", deren Fingerabdrücke wir heute genommen haben, vor nicht allzulanger Zeit mit einem Betäubungsmittel (Chalqe Zero) in Berührung gekommen ist. Dies lies mich nicht ruhen und ich habe mit Eric gesprochen, der die Ericodien verwahrt und er hat die Krone die von der Beauharnais bei der Krönung getragen wurde, auf Spuren untersucht. Dort fanden sich nur Fragmente und wir reden von Wahrscheinlichkeiten, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die von Dir übersendeten Fingerabrücke einer Person gehören, die die Krone zumindestens berührt hat ist >90%. Ich denke mir meinen Teil. Bertrand


    Den Vorschlag Bareres, die Beauharnais hier verrotten zu lassen, schrieb er geflissendlich nicht auf das Blatt.

  • <Hoffentlich treibe ich nicht den Teufel mit Belezbub aus!>

    Beide Fraktionen konnten mit dem Kaisertum nicht viel anfangen. Im Moment brauchte sie Antoine Saint-Just und die seinen. Ein Spiel mit dem Feuer und ein Spiel um ihren Kopf! Sie musste in ihrem Reich die Waage halten, besser gesagt, mit mehr als zwei Bällen gleichzeitig jonglieren. Dabei durfte sie ihr eigenes Ziel nicht aus den Augen verlieren, die Erbmonarchie. Vor allem aber, durfte sie keine der Seiten zu mächtig werden lassen. Hier ein Köpfchen, dort ein Köpfchen könnte die Lösung für ihre Zukunft sein, man musste das ja nicht wörtlich nehmen. Valerie begann sich für Politik zu interessieren, es ging um mehr als nur eine Krone, es ging um ihren hübschen Kopf!

  • Da er noch keine Antwort bekommen hatte setzte Antoine einen Kopfhörer auf auf dem zwar keine Musik erschall, der ihn aber vor der nun anbrandenden Musikopulesque zu schützen bereit war, legte er doch einen seiner LIeblingsongs in geradezu putzablösender Lautstärke auf

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  • Mit Wucht wurde Valerie aus ihren Träumen gerissen, als sie ein ihr sehr bekanntes Fingerschnippen und dann die unverwechselbare Stimme Freddys hörte. DAS war die Lautstärke die ihr den Bass so richtig in den Unterleib hämmerte. Woher wusste Antoine das Valerie dieses Lied liebte und das ihr Spitzname beim Spezialkommando eben genau KILLER QUEEN war? Auch wenn es sich blechern anhören musste, die Kaiserin sang mit.

  • Nach dem Ende des Liedes kehrte erstmal Stille ein, doch dann wurde diese von sanfter Embalomusik ausgelöst in deren Klängen Antoine seine Feder in Blut tauchte, begann er doch eine Liste derer aufzusetzen, die sterben sollten. Sicher waren sowohl Fouche, der immer noch amtierende Polizeiminister, als auch der ehemalige Außenminister Talleyrand keine Royalisten, doch Antoine hasste Wendehälse und hielt beide dafür. Deswegen wollte er beide zusätzlich auf einem Tablett und schrieb sie auf einen Zettel den er durch die Öffnung schob.

  • Nachdem die laute Musik zu ende war und Valerie sich wieder erhob, schaute sie sofort nach, ob es eine neue Nachricht gab. Es gab sie und sie schockierte die Kaiserin. <Talleyrand von mir aus, aber Onkel Fouche?> Kylian Fouche war ihr in letzter Zeit zu einem treuen Freund geworden. Ein wichtiger Berater. Um sein Leben wollte sie feilschen.



    Talleyrand von mir aus.

    Fouche auf keinen Fall.

    An die Kette legen, dass wäre in Ordnung. Gerne mit einer harten Hand am anderen Ende dieser Kette. Aber niemals würde ich Fouche hinrichten lassen.



    Entspannt schlürfte Valerie mit dem Strohhalm ihren kalten, bitteren Kaffee. Trotzdem tat dieses Gebräu ihr gut. Sie rollte das Papier zusamme und schob es zurück zum Absender.

  • Ihre Zelle war geräumig, nur Valerie fehlte die Bewegung. Also begann sie, wie eine Tigerin im Käfig, hin und her zu gehen. Eingesperrt zu sein, war soweit in Ordnung, wenn man so komfortabel untergebracht war, wie Valerie, aber es war Gift für ihren Bewegungsdrang. Sie versuchte sich abzulenken.


    <Was wäre wenn sich alles ändern würde, natürlich nicht ihr Kaisertum, aber das drumherum? Was wäre, wenn Valerie I. offiziell nur noch als Grüßtante fungieren und der Einfluss auf die Politik eher durch die Hintertür erfolgen würde? Was wäre wenn es zwei gewählte Kammern geben würde und nur noch einen gewählten Reichskanzler? Dahingehend würden die Ämter des Kanzlers, des Senechalls und des Contetable überflüßig und abgeschafft werden. Eine parlamentarische Monarchie! Natürlich mit einer Kaiserin die nicht gewählt, sondern zur Stammmutter einer Dynastie werden würde. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Verantwortung hat die Regierung und sie hätte ihre Erbmonarchie. Ist die Gelegenheit nicht günstig? Nach ihre Rückkehr würde jeder verstehen, dass sie aufräumte und zwar nachhaltig. Es würden mehr Köpfe rollen als es sich ihr Zellennachbar vorstellen konnte und dann ... dann kam das Reich von Valerie, demokratisch und trotzdem monarchistisch!>


    Sie nahm noch einen kräftigen Schluck kalten Kaffee und setzte ihre Wanderung durch die Zelle fort.


    <Klar müsste ein Ausgleich her. Duroc wird geheiratet und als Prinzgemahl fungieren. Anielle würde ihren Marschallsstab bekommen und das Amt des Großkammerherrn. Ridefort könnte man als Vorsitzenden des Obersten Reichsgerichts etablieren und Montmorency könnte sich als Rektor einer Eliteuni wiederfinden oder sich als Reichskanzler zur Wahl stellen. Leonor wurde Königin und der Reichdepp König. Antoine von nebenan, könnte sich aussuchen was er machen will. Mehr Demokratie wagen und die eiserne Faust im Samthandschuh. Ein Traum, ein schöner Traum.>

  • Alle Gedanken kreisten um ihre Rache und ihre Überlegungen für die Zeit nach der Befreiung. Damit war Valerie so beschäftigt, dass sie den letzten Kasieber verdrängt hatte. Der hatte es aber insich. Scheinbar saß eine Frau an ihrem Arbeitstisch die man für Valerie hielt! Leonor konnte es nicht sein. Sie waren zwar Schwestern, was man sah, wenn man genau hinschaute, aber sie waren keine Zwillinge. Blieb nur ein Double! Das Ganze muss von langer Hand vorbereitet gewesen sein. Kurz entschlossen schrieb sie zurück. Ohne Wut.



    Natürlich habe ich meine Krone angefasst. Zum üben setze ich sie mir immer selbst auf, damit sie beim gehen nicht vom Kopf fällt. Das mag in deinen Augen Verwerflich sein, aber so ist es nun mal.


    Wer immer da aus meiner Tasse trinkt oder an meinem Schreibtisch sitzt, muss gut sein. Sie muss mir sehr ähnlich sein. Denn sonst hätten es Jeanne, Bernadette oder Serville sofort erkannt. Mit den Dreien bin ich Tag für Tag zusammen, Die kennen mich besser, als ich mich selbst. Die echte Valerie Beauharnais sitzt in deiner Nachbarzelle.



    Was Valerie am meisten verstörte, war die Tatsache das es von ihren Verwandten, Vertraueten und engen Mitarbeitern niemand bemerkt haben sollte. Was ist mit Leonor, Jeannne, Bernadette? Was ist mit Serville? Was ist mit den beiden Menschen zwischen denen ihre Gefühle hin und her schwanken, was ist mit Anielle Saint-Just und was ist mit Robert Duroc? Fällt es niemandem auf, dass dort nicht Valerie die Jähzornige sitzt?


    War sie eben noch gut gelaunt und voller Tatendrang, überkam Valerie nun das Gefühl einer tiefen Niedergeschlagenheit. Sie warf sich auf ihr unfassbar bequemes Bett und heulte hemmunglos. Wurde sie nicht vermisst?

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