Nach dem Frieden von Saint Felieu im Jahre 1764 ruhten die Waffen zwischen dem Empire Outremer und seinem östlichen Nachbarn, dem Guffmanischen Reich zwar und auch die mittleren Provinzen Morven, Moria und Igraine waren dem Reiche gewonnen, doch war der Unterschied zwischen dem gelobten Land Outremers mit seinen friedliebenden, nur manchmal mordenden und nur zu bestimmten Phasen Unzucht treibenden Bürgern und den meist in den Sandstürmen der Le Grand Peut Halbinsel (oqcianisch Grand’p’ut, empirisch Laconien), der sogenannten Streusandbüchse, zeltenden Staubschluckern zu unterschiedlich, um dauerhaft Frieden zu bedeuten. Zudem gab ein immerwährender Wanderungsdruck frenqischer Siedler in Richtung des östlich an Moria angrenzenden Gebietes gar machen Grund zum Zwiste die schließlich in den vierten isfahanischen Krieg zwischen den Guffmanen (wohlbekannter Weise ein Teilvolk der Isfahanen, was den der Empirischen Elite allerdings egal war. „Alles Kasemuffen“ sagt man ja schließlich noch heute im rotweintrinkenden Bildungsbürgertum) mündeten, in welchem die Satrapien Morgaine, Drangiane, Touraine und Sogdiane zusammen mit dem gesamten südlichen Ufer Laconiens nicht nur tributpflichtig, sondern mit den neue Provinzen Dreux und Evreux sogar Teil des Reiches wurden. Diese beiden Provinzen waren somit von 1808 bis 1879 Teil des Reiches, waren dann genau wie die Republik Berry (damals noch in Myrtille und Fraise geteilt) unabhängig aber tributpflichtig und werden erst bei einer erneuten hanebüchenen Gelegenheit in durchaus verbrecherischer aber vor allem burschikoser Weise annektiert. Erst durch den Einspruchs Nordhanges und vor allem Andros wurden die Pläne der Connetable Anielle Saint-Just, neben der Sogdiane, welche ohne jedes Interesse für hegemoniale Interessen war, der Provinz Dreux die zu 88,4 % frenqisch besiedelt war und einigen anderen, kleineren Gebieten, wegen denen niemand einen Panzer abstaubt, auch gleich den ganzen, zumindest marginal berechtigten Anspruch auf die anderen oben genannten Gebiete durchzusetzen, vereitelt. Selbst die Provinz Evreux, wurde nur besetzt aber nicht einverleibt, doch auch hier ist der Einfluss des Reiches im jetzigen Palatinat mehr als zu spüren.

  • Ursprünglich war das Gartenhaus von den alten Königen im Zeitalter des Rokoko als ländliche Idylle für die damals so beliebten Schäferspiele erreichtet worden. Später wurde es als Gästehaus genutzt. Es lag weit genug vom eigentlichen Palais Bariole entfernt, damit man ungestört bleiben konnte. Was viele Herrscher für ihre galanten Abenteuer nutzten, aber trotzdem nahe genug, um schnell wieder präsent zu sein. Romantisch verspielt, im damaligen idealiserten Bauernhofstil errichtet, war es ein gemüticher Bau aus einem Guss. Im Laufe der Jahre immer wieder modernisiert, aber kaum umgebaut. Hier gab es alles was ein Landhaus von heute ausmacht und das Flair einer romantischen Traumwelt. Für Serville also ideal, um es jeder der beiden Beauharnaisschwestern recht zu machen. Leonor war heraus aus ihrem renovierungsbedürftigem Flügel im Palais Bariole und für Valerie nicht zu weit entfernt um ihre neuentdecke Schwesternliebe mit Leben zu erfüllen..


    Im Moment war es idealerweise genau diese Lage, die Claude veranlasst hatte, dem Wunsch Prinzessin Leonors zu entsprechen und sie nicht in ihre eigenen Gemächer zu bringen. Sie wollte ihrer Schwester keinen weitern Anlass zur Sorge geben und so fuhr der Wagen dirket zum Gartenhaus.


    Kommen Sie, Leonor. Ich werde sie ins Haus tragen.


    Immer auf Gäste vorbereitet, waren die wenigen Zimmer im Haus sofort bezugsfertig. Im Salon legte Serville Leonor auf ein bequemes Sofa und warete mit ihr auf Doktor Beshir.

  • Ich stand da und wartete. Armes Kind. Ich war nie so nah der kaiserlichen Familie gestanden. Doch dieser Fall änderte alles. Die Klinik, wo ich arbeite, die Kollegen, zeigten sich neidisch. Alle wollten wissen, was passierte. Ich wußte, dass ich auspienoiert wurde. Doch die Art und Weise übertraf meine Vorstellungen. Mein Arztzimmer, meine Sachen waren durchsucht, mehrmals. Mein Computer, mein Handy. Es war schwierig, das Geheimnis zu bewahren. Doch diese junge Frau, meine Patientin, ihr Gesundheitszustand hat mir alles entschädigt. Die kaiserliche Majestät durfte ich auch kennenlernen. Eine edle Frau. Sie steht wohl ihrer Schwester sehr nah. Und noch dieser Serville. Ein Mann mit Ehre und Pflicht in den Augen. Ich bin schon seit langem gewohnt, dass mich meine Patienten und deren Angehörige wie einen Gott ansehen. Sie glauben daran, dass ich ihre Liebsten vom Tod befreie. Hier sah es anders aus. Es gab kein Flehen. Die junge Prinzessin ist noch in einem instabilen Zustand. Serville hat mich angerufen und hierher bestellt. Die Wachen brachten mich sofort in diese abgelegene Ecke des Gartens. Ohne sie hätte ich den Weg nicht gefunden. Ich brauchte auch nicht all zu lange zu warten. Beide, er und Prinzessin, kamen auf mich zu und die junge Frau machte keinen guten Eindruck. Zu fragen, was ist passiert, war nicht nötig.


    Legen wir Prinzessin auf das Bett. Ich brauche warmes Wasser.


    Ich half Serville, diesen fast gewichtlosen Körper auf das Bett zu legen. Das bleiche Gesicht und die blutleere Lippen waren besorgniserregend. Der Puls war aber ruhig und sprang nicht. Dann braucht sie nur Vitamine und Ruhe.


    Keine Sorge. Prinzessin braucht nur Vitamine, Energie und Ruhe. mindestens 3 Tage Bettruhe. Ich werde gern diese Nacht bei der Prinzessin verbringen. Prinzessin ist jung. Es werden keine Komplikatiionen entstehen oder Folgen am Herzen. 

  • Serville war froh, das Doktor Beshir so schnell kommen konnte. Ihm war klar, dass ein Wunsch des Palastes ihm kaum eine andere Wahl ließ, als sofort die Prinzessin aufzusuchen. Trotzdem war er über sein schnelles Erscheinen froh.


    Wenn Sie wollen, Doktor, dann werde ich eines der Gästezimmer für sie herrichten lassen. Das Wasser wird gleich gebracht werden.


    Er fragte sich, wie weit das alles hier geheim bleiben konnte und ob es das überhaupt noch war. Es ging Claude nicht um die Überwachung der beiden jungen Frauen, aber es ging ihm sehr um ihre Sicherheit und um den Ruf des Hauses Beauharnais in der Öffentlichkeit. Fischvergiftung kennt jeder, aber wenn die kaiserliche Prinzessin auch nur den Hauch eines Porblems mit Alkohol oder Tabletten hatte, war es eine Gefahr für das Haus. Sollte es eine Art Anschlag auf das Leben Leonors gegeben haben, dann erst recht.

    Allerdings glaubte Serville nicht, dass Doktor Beshir auch nur eine Silbe über diese Tage hatte verlauten lassen. Er vertraute ihm als Mann von Sachverstand und Ehre. Da traf aber nicht auf sein Umfeld zu. Auch ein Krankenhaus ist voller Spione. Nicht jeder kleine Krankenschwester ist, so lieb wie sie aussieht. Wie hatte seine Oma immer gesagt: Der Teufel ist ein Eichhörnchen! Den Satz lebte Claude.


    Vielleicht ergibt sich dann auch die Gelegenheit für ein nettes Gespräch, zwischen Ihnen und mir, bei einem guten Rotwein.


    Er dachte an einen dieser alten Filme die seine Kaiserin so liebte und die er "zwangweise" mit angesehen hatte, wo ein Held dem anderen sagte: Vielleicht ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

  • In dieser Zeit habe ich alle notwendigen Prozeduren durch. Serville war kein Hindernis. Der Mann schien seine Stellung sehr gut verstehen. Nicvht viele können das. Das soll ich ihm gebühren. Doch ich vertraute ihm nicht. Zu viel stand auf dem Spiel und nicht als letztes mein Leben. Als ob ich das nicht gewußt hätte! Was? Ich lächle? Das Lächeln fiel aber echt schräg ein wenig. Was soll's. Er muß damit leben, mir zu vertrauen. Haben wir beide eine Wahl? Nein. Mein Blick wanderte über das junge Ding. Prinzessin. Hübsch, nein, eine wahre Schönheit. Nur noch nicht aufgeblüht. Mein Geschmack war eher Frauen ab 30 bis 40. Ich hatte nie Kinder und versuchte zu meinen Patienten keinen persönlichen Kontakt aufzubauen. Doch dieses Kind litt nicht nur physisch. Soll ich es ansprechen?


    Mr. Serville, liebend gern nehme ich Ihre Einladung ein. Doch eher zum Tee als zu einem guten Tropfen Wein. Dienst ist Dienst. In Einem haben wir eine große Ähnlichkeit, Mr. Serville. Wir bewahren einen nüchternen Kopf wegen unseres Berufes.


    Ich muß noch ein Paar Besorgungen machen. Für unsere Patientin. Sagen wir mal um 20:00 Uhr? Es ist zwar zu spät auch für einen Tee jedoch nicht für ein gutes Gespräch.


    Ich wollte schon fast gehen, als mir eingefallen war....


    Haben Sie vielleicht einen kleveren Burschen, der mich begleiten könnte? Allein finde ich das Gartenhaus nimmer.


    Und das war reine Wahrheit.


  • Claude fand diesen Arzt sehr sympathisch. Er schien das gleiche Pflichtbewusstsein zu haben, wie er selbst. Vielleicht waren die Gründe und die Ausrichtung anders. Hier der Arzt der sich aufopfernd um seine Patienten kümmerte, hier der Offizier aus gutbetuchtem Haus, der sich ganz der Familie Beauharnais verschrieben hatte. Doch Beide wollte das Beste für ihre Schützlinge.


    Gerne Doktor Beshir. Es wird keinen Alkohol geben, das kommt mir sehr entgegen. Und ich werde gleich einen kleveren Burschen anweisen, ihnen zu helfen.


    Grinsend verabschiedete er sich von Doktor Beshir.


    Er wies einen jungen Leutnant seines Garderegiments an, sich in Zivil Doktor Beshir anzuschliessen und ihm in allem Folge zuleisten. Dieser junge Leutnant war ein Vertrauter Claudes und absolut Vertrauenswürdig.


    Pünktlich wartete Claude Serville in einem der kleinen Salons des Gartenhauses auf Doktor Beshir. Auf der kleinen Anrichte, waren nur alkoholfreie Getränke aufgestellt worden.

  • Ich mußte den Tropf einrichten. Es war für Leonor wichtig, das Medikament direkt ins Blut zu bekommen. Ich war nie der Freund der Fachbegriffe. Was wird dem Patienten nutzen, wenn ich ihm in mienem Latein erkläre, was ich vorhabe. Das Gute daran war, keiner störte mich. Keiner fragte, was ich mache und warum ich es tue. Ich war hier der Alleinentscheider. Der Bursche half mir alles zu kaufen, dann zu bringen und dann aufzustellen. Ohne ihn wäre ich nicht so schnell fertig. Nun sehen wir mal, was mir das Gespräch mit Serville bereiten wird.


    Mr. Serville, einen Moment bitte, ich wasche nur die Hände. Eure Empfehlung war sehr hilfreich. Mit ihm war ich doppelt so schnell fertig.


    In dieser Zeit wusch ich mir schon die Hände und nahm eine beqeme Position in einem Rattansessel. Die Dinger sind wirklich sehr bequem. Nur die Farbe war mir zu grün-rosig.


    Ich habe einen Vorschlag, bevor wir ein Gespäch anfangen. Wir beide sind in einem Alter, wo Andeutungen nicht unbedingt fördernd wären. Ich werde Ihnen zutiefst verpflichtet, wenn Sie direkt Fragen stellen. Ich gelobe diese auch direkt und ohne Umschweife beantworten. Was halten Sie davon?

  • Nachdem Claude seinen Gast stehend begrüßt hatte, saß er ihm entspannt gegenüber. So entspannt, konnte er nur sein, wenn er mit jemandem auf Augenhöhe sprach oder ihre Majestät mal wieder einfangen musste, wenn sie zu sehr Majestät gespielt hatte. Er lächelte.


    Ich bin Ihnen sehr dankbar für alles was für die kaiserliche Prinzessin getan haben und für ihre Diskretion.


    Er hob sein Glas PerryAir-Wasser und prostete seinem Gegenüber zu.


    Wir sprechen die selbe Sprache, Doktor. Daher gleich meine direkte Frage: wurde Leonor vergiftet oder war es wirklich eine Art Unfall?

  • Das war eine Frage, die ich nicht sofort antworten konnte. Meine Hand griff nach dem Kinn, um ein wenig Zeit zu gewinnen.


    Es waren eindeutig Tabletten, die in einem aufgelösten Zustand durch das Wasser in den Körper gelangen. Da ich rechtzeitig gerufen wurde, kann ich die Tatsache bestätigen, dass meine Patientin davon nicht wußte. In erster Linie ist es sehr schwierig, völlig unmöglich, diese Substanzen ohne Rezept zu erwerben. Ich habe den Mageninhalt im Labor testen lassen. Hier sind die Ergebnisse. Sie besagen nur eins. Es waren keine reinen Substanzen. Es war die Zusammensetzung der psychotropen Präparaten, die wir, also Ärzte zur Bekämpfung der Unruhe, Schlaflosigkeit und Depression verschreiben. Die Menge der Tabletten..


    Konnte ich jetzt schätzen? Mit diesem Mann kann ich und muß ich mit offenen Karten spielen.


    Ich kann es nur einschätzen. Gesund war das nicht. Wissen Sie, was besonders gefährlich war? Davor Alkohol zu sich zu nehmen. Die Tatsache beschleunigte die Wirkung der Substanzen.


    Um Ihre Frage besonders präzise beantworten zu können, betrachten Sie diesen Fall von einer anderen Seite.


    Nehmen wir an, es war die Prinzessin. Erstens soll sie die Tabletten beschaffen, diese zu einem Pulver zermahlen. Das ist schon allein ein Aufwand. Es gab keine Klumpen. Der Pulver war sehr fein. Außerdem war die Dose tödlich. Jetzt frage ich Sie, Mr. Serville. Hatte Prinzessin Suizidgedanken? Und wenn ja, hätte sie nicht einen leichteren Weg gefunden, das Leben zu beenden?


    Denken Sie an eine Überdosis als Kick? Ich enttäusche Sie in diesem Fal auch. Eine Extasy ist viel leichter zu bekommen als diese Arzeimittel, die verwendet werden.


    Anfang des 20. Jahrhunderts waren verschiedene Zirkel bekannt, die Seherinnen und Medium wurden salonfähig. Man beschwörte Toten und Geister. Wie meinen Sie? Was passierte dabei? Es wurden eine bestimmte Menge Heroin, Methadon verabreicht. Ohne, dass die Anwesenden es gewußt haben. Am Ende standen sie unter Hypnose und konnten den Menschen töten, wenn dies ihnen ins Gedächtnis eingeprägt wurde.


    Doch all das sind meine Geschichten. Ich bin kein Kriminalist.


    Doch ich war überzeugt, dass jemand versuchte, Leonor's Gedanken zu manipulieren. Ich habe keine Abhängigkeit gefunden, doch ich bin überzeugt, dass kleine Mengen verabreicht wurden. Soll ich das erzählen? Ich behalte es besser für mich.

  • Claude lehnte sich zurück. Ein schlimmer Verdacht kam auf.


    Kennen Sie die Familie Beauharnais? Ich meine nicht die Offizielle, die aus den Klatschblättern und dem Fernsehen. Ich meine die echten, die realen Personen. Kaiserinmutter, die Kaiserin und ihre kleine Schwester, die Cousine der beiden und die Schwester von Madame Mere? Ich verrate kein Staatsgeheimnis, wenn ich Ihnen sage, das die Damen nicht einfach sind. Kurz, es besteht in der Tat der begründete Verdacht das Leonor Opfer einer Beinflussung oder einer Vergiftung sein könnte. Hier geht es um Geld, Macht und Ohnmacht. Alles was einen Roman ausmacht.


    Es tat gut einmal Klartext über die verrückten Weiber von Bariole zu reden. In Julian Beshir fand er einen integeren Mann, der wusste dass dies alles nur für seine Ohren bestimmt war.


    Seit sie die kaiserliche Prinzessin behandeln, sind sie Teil dieses Ränkespiels geworden, so wie ich und alle die direkt mit den Beauharnaisdamen zu tun haben. Sind ihnen in letzter Zeit Dinge, Merkwürdigkeiten aufgefallen, die es bis dahin nicht gegeben hat? Ich frage deshalb, weil Sie nun ein Ziel sind, das ausspioniert und bei diskrediert werden wird, sobald bestimmte Damen des Hauses Beauharnais es für ihre persönlichen Intrigen benutzen können. Für mich steht der Schutz der Kaiserin und ihrer Schwester im Vordergrund. Madame Mere oder ihre Schwester Anais de Haute-Puy stehen da eher auf der anderen, der feindlichen Seite. Sie verstehen, Doktor?


    Serville trank sein Wasser aus und schenkte sich sofort nach.

  • Brauchte ich diese Einzelheiten? Es war mir nicht gerade genehm, so tief involviert zu sein. Doch in einem hatte dieser Mann Recht. Ich muß mich entscheiden.


    Im Prinzip wollen Sie nur eins sagen. Ich habe keine andere Wahl. Wir beide befinden uns in einem langen Tunnel. Zurück können wir nicht, die Tür ist schon zu und verriegelt. Wollen Sie wissen, ob ich dem Kaiserlichen Haus treu werde? Ich bin ein Arzt und habe meinen Schwur geleistet, keinen Schaden meinen Patienten zu tun. Das Gespräch in dieser Richtung weiterzuführen wäre eine Beleidigung für mich und keine Ehre für Sie. Seit ich bemerkt habe, dass mein Kabinett und meine Geräte mehrmals durchsucht wurden, war mir klar, dass diese Situation eine Entscheidung verlangt.


    Ich soll wohl miene Gedanken offen legen.


    Wenn es so weiter läuft, kann ich über die Sicherheit der Daten nicht garantieren. Mein Vorschlag ist, machen sie mich zum Palastarzt. Hier finden sich bestimmt ein paar Bauten, die sich für eine Arztpraxis eignen. Alle, die im Palast dienen, werden ihnen dankbar. Andererseits wird die Sicherheit in Ihren Händen liegen. Der andere Vorteil ist, dass eine direkte Belieferung mit Arzneimitteln in diesem Fallmöglich wäre. Ich habe eine gute Krankenschwester. Ich werde ihre Daten zur Prüfung zeitnah senden. 20 Stunden wöchentlich im städtischen Krankenhaus wird meine Deckung sein. Für eine Praxis benötige ich einen Block mit 7 Zimmern.


    Nun spielte ich den Ball Serville zu.


    Ach ja. Das Verhältnis zwischen den Damen des Kaiserlichen Hauses ist mir unbekannt. Ich werde die Interessen meines Patienten immer bewahren.

  • Im Stillen hatte Claude drauf gehofft, dass Beshir die Idee des Palastarztes aufgriff. Innerlich musste er lachen, als Doktor Beshir das Gespräch auf die Damen des Hauses Beauharnais brachte und wohl meinte, dass ihn das nichts anginge. Er kannte die Damen halt noch nicht.


    Ich habe Sie nur grob informiert. Was Sie im Dienste ihrer Majestät erwartet, wird Ihnen schnell klar. Einen Vorgeschmack haben Sie ja bereits bekommen. Zufällig, durchsucht niemand ihre Räume. Das war gezielt. Aber dem werden wir einen Riegel vorschieben. Ich bin dankbar, dass Sie selbst den Vorschlag gemacht haben, Sie zum Palastarzt zu machen. Letztlich entscheidet das ihre Majestät, aber das dürfte eine Formsache sein. Sie kennt Sie, Doktor und hat Vertrauen zu Ihnen.


    Das stimmte ohne Einschränkungen. Sein schnelles Handeln und seine Kompetenz hatten die Kaiserin überzeugt. Sie hatte schon angedeutet, dass es bessere wäre, wenn Doktor Beshir eine Art Leibarzt ihrer Schwester werden würde. Aber das würde vielleicht aufsehen erregen. Die Idee des Palastarztes ist unauffälliger.


    Die Räume haben wir. Zwar gibt es in der Gardekaserne eine Sanitätsstation, aber das wäre zu weit weg und auch zu öffentlich. Im Palast selbst ist leider kein Platz, aber ich kann Ihnen die ehemaligen Stallungen anbieten. Sie werden seit Jahren nur noch als Lagerraum genutzt. Groß genug um ihre Praxis einzurichtem, weit weg von der Kaserne und sehr nahe am Palast.Trotzdem liegt ihre zukünfige Praxis im Hochsicherheitsbereich des Palais Bariole. Also perfekt. Der Umbau würde dann nach ihren Vorstellungen erfolgen, wobei sie nicht auf die Kosten zu achten brauchen.


    Wenn man von einem Vorteil des "Blauen Tod" sprechen kann, dann waren es die übervollen Staatskassen die es nach der Überwindung dieser Seuche gab. Davon waren das Budget der Kaiserin nicht ausgenommen, es quoll über.


    Wenn Sie, wie sie vorschlagen, auch noch als Nebentätigkeit in einem normalen, zivilen Krankenhaus stundenweise aushelfen, ist die Tarnung perfekt. Die Palastpraxis sollte aber nicht nur die Kaiserin und Prinzessin Leonor behandeln, das wäre zu auffällig. Wären Sie damit einverstanden, einen Teil des Personals zu behandeln? Rein aus Tarnungsgründen.

  • Er will mich in eine Richtung lenken, in die ich nicht bereit bin zu gehen.


    Mein Name ist Julian. Darf ich Ihnen anbieten, mich zu dutzen? Das vereinfacht unsere Konversation. Wir sollten auf unsere künftige Zusammenarbeit unbedingt anstoßen. Doch nciht heute. Die Sicherheit des Areals überlasse ich Ihnen. Ich bin kein Fachmann in diesem Bereich. Wenn Sie das Personal selbst rekrutieren wollen, habe ich nichts dagegen. Es wäre allerdings noch eine Krankenschwester nötig. Außerdem benötige ich von Ihnen einen Namen aus Ihrem Personal, an wen ich mich wenden kann, wenn ich eine Hilfe außerhalb meiner ärztlichen Kompetenz benötige. Sei es einfach Pakete bringen oder etwas reparieren. Sie sind nicht immer allanwesend.


    Ich überlegte noch kurz. Soll ich das ansprechen? Eine andere Möglichkeit werde ich vielleicht nicht bekommen.


    Ich bin nur ein Arzt und werde hier ausschließlich und nur als Arzt tätig. Ich hoffe, dass ich mit diesem Satz meine tiefste Befürchtung ausspreche.


    Nun sehen wir mal, ob der gute Mann diese Andeutung verstanden hat.


    Was die ehrenwerte Prinzessin angeht, ich werde erst abwarten, bis ihr physischer Zustand stabil wird. Dann werde ich ein paar Gespräche und Tests führen, um sie besser kennenzulernen.


    ihren geistigen Zustand eigentlich wollte ich sagen...

  • Ich nehme das Du gerne an, mein Name ist Claude.
    Was die Auswahl des Personals angeht, so überlasse ich das deiner Fachkompetenz. Ich bin Laie, schreib einfach eine Aufstellung was oder wen Du als Personal benötigst und der Rest erledigt sich dann für Dich, wie von selbst. Wer letztlich eingestellt wird, ist dann auch Deine Sache. Wenn Du magst stelle ich Dir gerne den jungen Leutnant wieder zur Verfügung. Er ist ein ziemlich pfiffiges Kerlchen.Das wird schnell geklärt sein.

    Was mit mehr Sorgen macht ist der Zustand der Prinzessin  ... ich mache mir Sorgen, dass ihr geistiger Zustand labiler sein könnte, als es den Anschein hat.


    Claude formulierte sehr vorsichtig. Er hatte immer noch nicht vergessen, was alles passiert war, seit Leonor im Palast wohnte und ihre große Schwester begann ihr zu vertrauen. Oft kam es ihm vor, als ob zwei Menschen in der kleinen zierlichen Frau steckten. Schizophren, war wohl der Fachausdruck, den Claude natürlich nicht ausprach.


    Das Ansinnen aus den Intrigen herausgehalten zu werden, nahm Claude zu Kenntnis und reagierte nicht mehr darauf. Er verstand Julian.

  • Ich war Arzt, kein Scharlatan. Claude hat DU angenommen. Es war mir einfacher, auf diese Art mit ihm zu sprechen. Zumindest keine Läuse im Kopf.


    Den jungen Leutnant nehme ich gern. Er hat mir sehr geholfen. Allerdings kann ich nicht ausschlagen, dass er ein paar Informationen mitbekommt, die unser Vorhaben erschweren können. Ich nehme an, er wird dementsprechend instruktiert.


    Leonor.. Es ist jetzt zu schwierig für mich Deine stumme Frage zu beantworten. Es gibt zu diesem Zeitpunkt zu viele Reize für die Prinzessin. Diese Reize können nicht einmal für sie oder für uns sichtbar sein. Was in einem normalen physischen Zustand uns nicht beunruhigt, könnte uns im geschwächten Zustand beeinflüssen.


    Versteh mich richtig. Ich will damit nicht sagen, dass Prinzessin drogenabhängig ist. Die letzte Menge hätte sie umgebracht. Es gibt nur ein Aber. Nicht, wenn diese Substanzen ihr in kleinen Mengen auch früher verabrecht wurden. So klein dosiert, dass sie keine Abhängigkeit jedoch einen Widerstand des Organismus hervorgerufen haben. Sie ist am Leben aus zwei Gründen. Rechtzeitige Hilfe und die Gewöhnung. Schlüsse zu ziehen überlasse ich Dir. Es ist schwierig, eher unmöglich, meine These zu beweisen. Außerdem wird solch eine Untersuchung Prinzessin nur mehr weh tun. Sie soll erstmal auf die Beine kommen. Dann können wir weiter sprechen.


    Ich bin kein Hellseher, kein Orakel und kein Scharlatan, Claude. Es liegt nicht in meinem Wesen, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Vielleicht spricht auch mein Alter aus mir. hahahahahaha

  • Claude hatte Julian verstanden. Er bestätigte andeutungsweise seine schreckliche Vermutung das Leonor, tatsächlich über Jahre hinweg, leise und unauffällig, unter den Einfluss einer Droge gesetzt worden war. Wer das war, lag ebenso klar auf dern Hand, wie es schockierte.


    Ich danke Dir für deine klaren Wort. Wir werden alles tun, damit Prinzession Leonor, wieder auf die Beine kommt. Ihre Majestät hatte schon mit ihr den Gedanken entwickelt, für ein paar Tage zu verschwinden und einen ruhigen Urlaub irgendwo auf dem Lande oder an der Küste zu verbringen. Natürlich nicht ohne ärztlichen Rat.


    Serville würde schon etwas einfallen, diesen Urlaub öffentlichkeitswirksam zu verkaufen.


    Leutnant Colbert wird sicher verschwiegen sein. Er ist zwar erst ein Jahr bei mir, aber einen besseren Adjundanten hatte ich noch nie. Verschwiegen, effizient und treu. Genau der Richtige, wenn Du mich fragst.

    Meine Schlüsse werde ich ziehen und sie mit der Kaiserin besprechen. Denn nur wenn sie mitzieht, wird die Prinzessin genug Ruhe und Frieden finden. Aber da bin ich sehr zuversichtlich, das ihre Majestät voll und ganz hinter uns stehen wird.

    Und was das Alter angeht, es macht tatsächlich weiser, das kann ich bestätigen.



  • Ach ja, Claude, wenn ein Urlaub vorsteht, dann miete für mich ein kleines Häuschen in der Nähe. Ich werde nicht stören, doch es wäre zum Vorteil, schnell an der Stelle zu sein. Wichtig ist jedoch, Leonor nciht wie eine Kranke zu behandeln. Man muß ihr die Sicherheit geben. Mehr nicht. Alles andere werde ich in den Gesprächen mehr erfahren.


    Und noch etwas. Verschone mich mit den öffentlichen Auftritten. Die Krankenschwester, Michelle Lerox ist eine Dame in unserem Alter. Doch sehr rüstig und alleinstehend, kinderlos. Ihre Akte werde ich aber erst in zwei Tagen Dir mailen.


    Wenn Du keine weiteren Fragen hast, werde ich gern nach der Ptrinzessin schauen und dann schlafen gehen.


    mmmmm


    ich schaute um mich herum.


    Läßt Du mir ein Plaid bringen? Und ein Kissen? Und ein paar gute Bücher? Wie Du siehst, aus einem Wunsch können sehr schnell mehrere werden. HAHAHA

  • Claude lachte und war froh Juian hier zu haben. Er würde seine Meinung und seine Vorgaben befolgen.


    Die Sicherheitsmassnahmen für Leonor, werden überarbeitet werden. Die Maximale Freiheit, mit einem Minimum an sichtbarer Sicherheit. Das wird sich machen lassen. Zudem werde niemandem über den Zustand der Prinzessin berichten, somit besteht kein Grund, warum sie von den Menschen mit denen sie zu tun hat, als Kranke behandelt werden wird. Ihre Majestät, macht das schon gar nicht.


    Er ttrank sein Glas leer.


    Ich denke ich werde noch alles bekommen, was Du brauchst. Die Frage ist nur, was verstehst Du unter guten Büchern.


    Dabei musste Claude grinsen. Er liebe Krimis und Abenteuer mit historischem Hintergrund. Jeder war da anders.

  • Laß mich kurz überlegen. Gordon Collin hat vor kurzem sein neues Buch veröffentlicht. Seine Krimis gefallen mir gut. Er selbst ist ein Mediziner und hat nicht umsonst einen Gerichtsmediziner zum Titelheld gemacht. Zumindest lache ich nicht über seine Beschreibungen.


    Und weißt Du, es ist auch nicht verkehrt, immer wieder die Klassik zu lesen. Man entdeckt dabei immer was neues.


    Und wenn Du keine Bücher für mich schickst, dann habe ich immer mein mediziniesches Lexikonbuch zum Einschlafen. Eignet sich auch sehr gut als Kissen.


    Meine Patientin wartet und dann habe ich noch ein wenig Zeit zum Schlaf. Du benötigst eine Erholung auch.


    Es gab nichts mehr zu sagen. Ich war erstaunt, wie gut wie uns verstanden haben. Mal sehen, ob dies nicht zu einer Enttäuchung führt. Doch wer weiß, vielleicht habe ich auf das richtige Pferd gesetzt.

  • Erholung ist gut.


    Lachte Claude.


    Unsere geliebte Kaiserin hat es gerne wenn man 24/7 für sie da ist. Nun ja, meine Freiräume nehme ich mir trotzdem. Wandern, einsame Berghütten bevorzugt in Funklöchern. Da kann ich ganz runter kommen. Aber im Moment geht das nicht.


    Er stand auf.


    Ich werde alles nötige veranlassen. In der Tat bin ich etwas müde. Es trifft sich gut, das ich als Kommandeur des Regiments drüben in der Kaserne eine Dienstwohnung habe. Selten genutzt, aber manchmal sehr nützlich. Dann wünsche ich Dir eine gute Nacht.


    Claude reichte Julian die Hand.


    Wir sind schon ein gutes Team.

  • Ich hörte, wie Leonor in ihrem Schlafzimmer leicht stönte. Die Zeit die Zeit...


    Auf jeden Fall.


    so war meine Antwort. Mit den schrillenden Damen hätte ich mich gern weniger zu beschäftigen.


    Wenn es nicht notwendig sein wird, würde ich auch auf die Besuche unserer ehrenwerten Kaiserin verzichten. Selbstverständlich stehe ich jede Zeit zur Verfügung. Doch ich denke, Du wirst es besser wissen, wie dosiert die Informationen sein sollten. Und für welche Ohren was bestimmt ist. Ich denke, am Anfang werden wir genug miteinander zu tun haben.


    Gehab Dich wohl.


    Ich lächelte, als ich diesen Abschiedsgruß wählte. Dann verließ ich schon das Zimmer und begab mich zu Leonor.

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