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Sonntag, 1. März 2020, 18:27

Rue de L'Albatros 17

In dieser bescheidenen Straße im Szeneviertel der Hauptstadt findet sich die noch dem breiten Publikum unbekannte, luftige und sonnige Dreizimmerwohnung des Monsieur Marat, Künstler in allen Bereichen des Leben, Menschenflüsterer und Liebhaber der schönen Oberflächen. Auf den ersten Blick verbirgt hinter der stabilen mit Stahl verstärkten Kiefertür nichts weiter als eine aufgeräumte, fein verzierte Wohnung, die von Geschmack und Kulturverliebtheit spricht. Lassen Sie sich einladen in ein Panorama des menschlichen Geistes. Der mit gemaserten hellem Holz gestaltete Flur, der hinter der Haustür diese mit Bad, Wohnzimmer und Arbeitsraum verbindet, zeigt an den Wänden gemalte Meisterwerke bekannter Künstler, die natürlich allesamt Kopien sein müssen, wenn sie auch äußerst gute sind, dafür, dass sie in einer einfacher Eingetumswohnung und nicht einer Villa eines Angebers hängen. Die Bilder sind offenbar nur für das private Interesse und nicht für Führungen gedacht. Ein wenig seltsam das, sie hängen da fast wie Trophäen an der Wand, so dreist, dass jemand sie sehen könnte, wenn denn nur hereinkommen würde. Sie springen einem fast ins Gesicht. Die Luft ist warm und trocken, die Bilder sind in kleine Glaskästen verpackt, wie man sie aus Museen kennt, in denen Kunst wertgeschätzt wird.

Der kurze Blick ins Bad - kaum Überraschungen, aber hier scheint auch diese Sorgfalt und Reinlichkeit zu herrschen. Vom Boden könnte man essen, so scheint es. Eine Wanne mit Dusche, in den Schränken Handtücher und Seifen aus Handproduktion, ein paar modernere Seifenmittel, ein wenig Haushaltschemie. Ein schmales Fenster zur Straße hin, allerdings derzeit verschlossen. Bei dieser Tristheit des Zimmer fällt wohl kaum jemand auf, dass die Wand des Hauses ein wenig dicker als die des Treppenhauses ist, nur so sieben Zentimeter. Doch sie ist auch lange nicht mehr angerührt worden, wohl zuletzt um sie zu mit weißen Kacheln zu bedecken.

Interessanter mag das Arbeitszimmer sein, mit Balkon zum Hinterhof. Es ist ein Paradies der Stoffbahnen, aus aller Herren Länder, in prächtigen Farben, mit und ohne Muster. In der Ecke eine Stafette, das Gemälde eines jungen Mädchens. Oh, nicht irgendeines Mädchens. Jeder kennt die junge Frau, zu dem dieses junge Mädchen wurde. Irgendwo mag dieses Bild noch hängen, doch gegen dieses Bild ist es sicher nur dilletantisches Erstlingswerk. Man mag glauben, das Mädchen mag gleich von der Leinwand herabsteigen. In de Schränken derweil die Werkzeuge eines Archivars, eines Zeichners, eines Handwerkers und eines Malers, eines Schlossers und eines Schreiners. Selbst geschreinert aus den besten Hölzern, mit manischer Detailliertheit und edlen Verzierungen gefertig, in diesem lichtdurchfluteten bunten Raum so jenseits fremder Augen. der Fußboden ist oft gereinigt und geputzt, das Holz durch die jahrelange Reinigung von Farbklecksen und Arbeitsrückständen trotz aller Politur und Pflege augebleicht. Der Hinterhof gespenstisch still, die Nachbarn sind schon lange verzogen, alle drei anderen angrenzenden Wohnungen leer, dunkel und verlassen. Ob ihre lauten Stimmen dereinst den Künstler aus seiner Konzentration gerissen haben mochten?

Lösen wir uns von diesem Gedanken und gehen wir zum Wohnzimmer, eingerichtet mit ähnlich edlen Möbeln, wenn auch wohl nicht aus eigener Fertigung. Es ist fast so, als hätte der Wohnungsbesitzer den Vergleich gesucht und die besten Möbelschreiner des Erdenkreises zur Gestaltung der Wohnung versammelt. Sicherlich wieder nur Kopien, aber die Vielzahl von Schränken, Bücherregalen und Stühlen, auf dem teuren chinopischen Teppich, sollte sich in Museen oder herrschaftlichen Häusern finden, um mit ihnen vor Publikum zu protzen, nicht in dieser stillen, hellen Wohnung. Die Decke ist mit Fresken verziert, so dass man fast den Eindruck einer seltsam geformten Kathedrale bekommen mag. Die Büchersammlung hinter den Gläsern der Schränke könnte sich auch in ehrbaren Bibliotheken sehen lassen, besonders die offenbar handschriftlichen Kopien irgendwelcher mittelalterlicher Originale aus der Anfangszeit Outremers. Dazu Reiseberichte aus der ganzen Welt und in den meisten international bekannten Sprachen.

Auf der anderen Seite des Wohnzimmers geht es in einen weiteren Flur - offenbar ist die Wohnung aus zwei kleineren zusammengesetzt worden - mit einem kleineren Bad, nur Dusche, zwei Schränke, Waschbecken und Klosett, ohne Fenster, aber mit einem modernen Lüfter, der großen hellen Küche, die aufgeräumt und sauber sowie gut im Kühlschrank mit frischem Obst und Gemüse ausgestattet ist. Es herrscht kein Mangel an Gewürzen und Abschmeckern, aber dafür an Fleisch und Fisch. Diese scheint der Bewohner nicht zu verspeisen, aus welchen Gründen auch immer. Am Kühlschrank hält ein einzelner Magnet einen Zettel fest, den wir nicht näher betrachten wollen. Nein, wir gehen zum letzten Zimmer - dem offenbar völlig leeren Schlafzimmer. Nun, es hätte das Schlafzimmer sein sollen, aber dieser Raum ist kahl, kalt und leer. Aber er riecht ein wenig . . . seltsam.
Künstler zeigen die Wahrheit durch die Lüge

2

Sonntag, 1. März 2020, 23:02

Nach einem etwas längeren Fußweg nach Hause, auf dem er noch ein paar Besorgungen gemacht hat und das Geld des jungen Toten für Butter, Brötchen und Kresse ausgegeben hat, vielleicht noch eine Flasche des richtigen Wassers, also Wasser, das er tatsächlich trinken würde, nicht die Plörre aus dem Hotel, tritt Marat in den Hausflur und lässt die Wärme und Stille auf sich wirken. Sein Geist entwindet sich, der Körper entspannt. Er legt die Verkleidung ab, verstaut sorgfältig die Kunst, transportiert Brot, Butter, Kresse und Wasser in die Küche und tritt dann zurück in den Flur und macht sich ans Putzen. Die Kleidung wird auseinandergezogen in Fäden, der mögliche Stoff nach Reinigung zur neuen Verwendung geschafft. Der Verlobungsring des Toten, nun, er wird später in die Galerie der Toten wandeln, die theoretisch außerhalb der Wohnung liegt. Neben dem leeren Raum. Nun, er ist sicher voller als das darüberliegende Schlafzimmer. Nur ein Scheusal könnte ihn als leer beschreiben. Aber es hilft nicht, daran jetzt zu denken. Nein, neue Farben und Mittel sind noch nicht zu mischen, also braucht es den leeren Raum jetzt nicht.

Wieviele Häuser es doch in diesem Land gab, in deren Innern hinter falschen Mauern ganze Schicksale erzählt werden konnten. Barras ja, sicher war es Verdrängung, schließlich tötete Marat nicht, wenn es denn vermeidbar war. Leben ließen sich schlecht sammeln, weswegen man sie nur stahl, wenn man sie völlig übernehmen konnte, sie zu einem Teil von sich selbst machen konnte. Die Perfidität hinter diesem Netz von Leben und von Häusern erschütterte selbst Marat. Seit sieben Jahren hatte er nicht mehr von seinen . . . Machern gehört. Doch er würde nicht glauben, dass sie vergessen hatten. Niedere Menschen würden Kontrollieren durchführen, Sicherungen einbauen, Ersatz finden. Es war das wahre Grauen wenn jemand einem solche Freiheit ließ, in dem die Gedanken einen einsperrten. In der man merkte, wie man darin gefangen war, aber nicht in der Lage, sich davon zu befreien. Die Freiheit, deren Grenzen er nie erreicht hatte, aber von der er instinktiv glaubte, dass sie Grenzen besaß.

Ein Plan, der ein Leben umfasste und dann einfach losgelassen wurde, so als wäre der Ausgang nicht von Unwägbarkeiten bestimmt, sondern unsausweichlich. Ein Auto könnte ihn erfassen, er konnte an Krankheiten vergehen oder unfähig werden, ein . . . Konkurrent könnte schneller, klüger, stärker, kreativer sein. Dutzende, nein Hunderte Fehler, Unfälle und Unwegbarkeiten säumten den Weg. Und sie spielten keine Rolle für die Macher. Zeit war eine Sache für alle, der ultimative Rahmen für jede Existenz. Sie spielte keine Rolle für die Macher. Darin lag eine gewisse Kunst, die beeindrucken mag, aber Marat mit einem absoluten Grauen erfüllte. Entweder es war alles vorherbestimmt oder - was grauenvoller war - nicht spielte eine Rolle. All diese Investition in ihn, all die Arbeit, war möglicherweise unwichtig, nur ein Zeitvertreib. Und deswegen wähnte er sich gefangen. Für die Macher war die Zeit egal, die Menschen egal, alles Potential egal. Er musste ihrem Chaos Ordnung entgegensetzen. Darum hieß es weiter zerlegen, reinigen, neue anordnen und verwenden.
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3

Freitag, 27. März 2020, 22:31

Als Marat von seiner Verkörperung von du Lac mit Umweg über die Oper zur Entledigung seiner Verkleidung heimkommt, ist seine Stimmung ins Bodenlose gesunken. Also klettert er über die über den Übergang erreichbare leicht versteckte Leiter in den von der Straße nicht zu erreichenden Hof und tritt von dort aus in eine der verlassenen Wohnungen. Seine Hände zittern leicht, ihm klebt das Hemd mit kaltem Schweiß auf dem Rücken. Er knirscht wütend und angespannt mit den Zähnen. Der dunkle Raum ist abseits davon ruhig und still. Aus einem Schrank neben dem Eingang nimmt er einen schweren Mantel, dessen Außenseite seltsam fleckig ist, und zieht diesen geübt und schnell an. Dann verdeckt er sein Gesicht mit einer Gasmaske und bedeckt seine Ohren. Seine Schuhe tauscht er gegen schwere Stiefel mit Stahlkappen und Spikes. Zum Schluss kommen die zwei Lagen Handschuhe. Dann ist er bereit für die zweifache Verriegelung zum "leeren" Raum.

Als er die äußere Schleuse in Form einer Luke öffnet, entweicht ein Hauch eisiger Luft. Und natürlich der spezielle Geruch des Leeren Raumes. Hier, an der Seite in Reih und Glied aufgestellt, stehen die Kinderschuhe. Es sind allesamt handgefertigte Stücke, Erstarbeiten, nur das Beste vom Besten. Geschützt hinter Glas warten sie auf die Trägerin, die niemals kommen wird, weil sie nun erwachsen ist. Dann schließt er die Lucke und taucht den Raum in gespenstische Dunkelheit. Doch er kennt jeden Schritt, jeden Milimeter. Mit Absicht tritt er auf eine bestimmte Stelle und das helle, sorgsam aufgezeichnete Kinderlachen ertönt. Und dann öffnet er sorgsam die innere Tür und die Kälte von innen beschlägt seine Maske kurzzeitig völlig. Ohne Zögern tritt Marat hinein. Er weiß dass sie da stehen, die . . . Statuen, wartend um den freien Platz in der Mitte, der für das Mädchen gedacht ist. Ohne sie ist der Raum für ihn leer. Nun, wie beschrieben, kann nur ein Monster so denken. Denn leer kann man den Raum mit seinen sorgsam präparierten . . . Statuen nun nicht nennen, wie sie als Menge da um den leeren Platz herumstehen.

Marat war in seinem Leben an vielen seltsamen, unheimlichen und wunderlichen Orten. Und auch wenn für ihn der leere Raum vertraulich und heimelich ist, so kann es dieser Ort problemlos mit den düstersten von ihnen aufnehmen. Seine frühe Arbeit ist trotz aller Konservierung vom Verfall betroffen. Der Geruch nimmt langsam zu. Abgestanden, verwesend, elend. Er sucht diesen Ort in letzter Zeit zu oft auf, doch bald wird er sich von alledem verabschieden müssen. Und er konnte er nie ein Haar krümmen, auch wenn sie hier perfekt wäre. Hier angebetet von allen, perfekt als Prinzessin. Marat seufzt und geht, bevor die Luft knapp wird und er anfängt zu frieren. Sorgsam wird er alles wieder verschließen und die Kleidung ablegen. Dann wird es Zeit für ein Bad und eine kleine Mahlzeit, bevor er in das richtige Schlafzimmer geht.
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4

Montag, 30. März 2020, 01:03

Nachdem er sich beruhigt und eine Nacht darüber geschlafen hatte, wandte sich Marat dem versprochenen Portrait zu. Wenn man ein Gedächtnis für Details und Erinnerungsvermögen hatte, dann war keine Malerei unmöglich. Das aufgestaute und dann wieder abgebaute Adrenalin gab ihm einen unglaublichen Energieschub. Besessen arbeitete er vom frühen Morgen an bis in den späten Nachmittag mit Pausen zum Trocknen verschiedener Farbschichten an der Darstellung der neuen Abgeordneten. Trotz der Tatsache oder auch vielleicht gerade weil er dabei auf das Einziehen verstörender Elemente verzichtete, schien das vollendete Bild alle anderen Werke zu übertreffen, die er je für das Parlament angefertigt hatte. Therese Cabarrus wirkte darauf, als wollte sie aus dem Rahmen klettern und eine angeregte Diskussion führen wollen. In gewisser Weise war es auch ein guter Schluss seiner Karriere, denn er würde voraussichtlich keine weiteren Bilder mehr anfertigen. Neben diesem Bild verblasste das Gruselkabinett wie auch das bisher beste Werk von der jungen Prinzessin fast wie die Arbeit eines guten Laien. Das Portrait war damit im wahrsten Sinne der Bezeichnung Marats Meisterwerk. Seine anderen Werke hätten vielleicht teilweise sogar ausgestellt werden können, doch´dieses Werk war so vollendet, dass es über die nationale Kultur- und Kunstszene hinaus Anklang finden würde.

Behutsam und mit der üblichen Vorsicht stellte er es zum Trocknen auf. Am nächsten Tag würde er es unverkleidet mit ins Parlament nehmen und dort zum Aufhängen abgeben. Ja, dies würde Fragen nach sich ziehen und du Lac unbrauchbar machen, aber das war er nach den gestrigen Ereignissen sowieso schon. Und wenn er kein Geld mehr erhalten sollte - nun, dann musste es eben an das Ersparte gehen. Dies war dann eben nicht zu ändern. Vielleicht sollte er in der offiziellen Wohnung du Lacs noch einmal nach dem Rechten sehen, nicht dass er dort Spuren vergessen hatte. Die dortige Haushälterin wusste natürlich um die Täuschung, aber Jahrzehnte der Mauschelei hatten ihr trotz großzügiger Hilfen am Anfang mittlerweile klar gemacht, dass sie mit Marat untergehen würde, sollte sie nach so langer Zeit nun endlich den Mund aufmachen. Sie kannte immerhin Marats Adresse nicht.

Dann verbannte er strickt alle Gedanken daran und zog sich seine Trainingskleidung an, nahm den Sportrucksack und begab sich zum Laufen, an dessen Ende er zum Fitnessstudio gelangte, um sein Trainingsprogramm wie geübt durchzuziehen. Hinterher ging es unter die Dusche, dann enthaarte er den Körper gründlich, denn Haare waren immer ein Hindernis und ein Hygieneproblem in vielen Fällen, nur sein Haupthaar behielt er immer, da er mit Glatze zu auffällig wäre in diesem Viertel. Nach einer deprimierenden Betrachtung seines gealterten, wenn noch immer drahtigen Körpers, der zwar noch Kraft besaß, aber viel von seiner einstigen Definition verloren hatte, nahm er diverse Pflegeprodukte zur Hand. Schließlich ging es zu einem leichten Abendessen, dann noch einmal erfrischen, Zahnpflege, Nagelpflege und ins Bett. Ob er da morgen im Parlament Barras oder Cabarrus begegnen würde? Nun, das würde dann immer noch bewältigen.
Künstler zeigen die Wahrheit durch die Lüge

Thierry Barras

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5

Dienstag, 7. April 2020, 11:52

Unter sehr großer Anspannung erreichten Thierry und Therese die von Marat angegebene Anschrift, die Rue de l'Albatros 17. Der Senator schaute sich um - er wusste, dass es sich hier um ein Szeneviertel handelte. Umso mehr fragte er sich, was sich hinter den Türen verbergen würde.
Vor der schweren Kiefertür stehend, schaute er seine Freundin an, um sicherzugehen, ob sie das auch wirklich genau jetzt durchziehen wollte. Es war Wahnsinn, es war riskant, es war... aufregend.
Sollte er klopfen? Nein, das wäre bescheuert hoch zehn. Marat war nicht hier und wenn sich jemand anders in seiner Wohnung aufhielte, würde ihn das verschrecken.
Tief durchatmen...

"Okay. Wir ziehen das durch. Gemeinsam. Aber sollte es zu gefährlich werden, ergreifen wir sofort die Flucht, verstanden? Ich habe mein Leben und dich gerade erst wieder. Das gebe ich nicht leichtsinnig wieder her."

Mit diesen Worten zog er sie zu sich und küsste sie leidenschaftlich. Sollte dies ihr letztes gemeinsames Abenteuer sein? Er hoffte nicht. Und er würde sich in der Wohnung des Künstlers zunächst mit irgendetwas bewaffnen... Einem Küchenmesser vielleicht oder... einem Hammer. Irgendetwas.

Der Schlüssel befand sich in Thereses Händen. Gab es eine Selbstschussanlage? Konnten sie die Tür ohne Weiteres aufschließen? Beobachtete sie jemand?
Doch der Kuss beruhigte seine Paranoia ein wenig - zumindest kurzzeitig.
Senator Thierry Barras
Herr des Palais Feutre
"Vous avais ma curiosité, mais maintenant vous avez mon attention."

6

Dienstag, 7. April 2020, 12:04

Das Treppenhaus war bereits sehr ruhig, die anderen Wohnungen offensichtlich von Studenten bewohnt und alle lagen Richtung der Straße. Um diese Zeit waren sie wohl alle in der Universität oder bei Nebenbeschäftigungen. Um die Ecke saßen gealterte Künstler in einem Café und sie hatten wirklich schon alles gesehen, weshalb sie nicht mal aufschauten, als Barras und Cabarrus das Gebäude betraten. Zur Wohnung musste man dann noch zwei Treppenabsätze hinaufsteigen, aber abseits von der Türverstärkung ließ sich die Tür problemlos öffnen und gab den Weg in bereits beschriebenen Flur frei.
Künstler zeigen die Wahrheit durch die Lüge

7

Dienstag, 7. April 2020, 15:39

Mit jedem Schritt in Richtung des Zieles wuchs die innere Anspannung und zum x-ten Male fragte sich Therese, ob sie das Richtige taten. <Was, wenn dieser Irre dort irgendwelche Fallen aufgestellt hat?, was wenn wir dort die zur Fingerkuppe gehörende Person finden und diese nicht mehr unter den Lebenden weilt? Wir werden dort unsere Spuren hinterlassen und die Polizei wird am Ende noch uns beschuldigen. … Und welches grausige Geheimnis verbirgt sich womöglich im Keller?> Viele Zweifel, Ängste und offene Fragen plagten Therese und als sie endlich vor der Türe standen, pochte ihr Herz vor Aufregung bis zum Hals.

Sie war ja so froh, dass Thierry bei ihr war denn ansonsten wirkte das Haus völlig unbewohnt und dies verstärkte das ohnehin schon mulmige Gefühl in ihr noch mehr.

"Ja, wir ziehen das gemeinsam durch. Und keine Heldentaten, versprochen. … "

Nickte Therese bereitwillig und erwiderte den folgenden Kuss mit gleicher Leidenschaft und Verbundenheit. Am liebsten hätte sie Thierry gar nicht mehr losgelassen, denn ungewollt fühlte es sich wie ein Abschiedskuss an. Ausgerechnet an Abschied nehmen wollte Therese gerade am allerwenigsten denken, doch wie sollte sie diesen dummen Gedanken schnell wieder los werden.

"Jetzt aber los! … Ich will endlich wissen, was sich hinter dieser verdammten Türe verbirgt."

Therese nahm allen Mut zusammen und steckte den Schlüssel in das Schloss. Dann kniff sie die Augen zusammen und drehte ihn schwungvoll herum. Die erwartete Explosion blieb erfreulicherweise aus, nur die Verwunderung hielt an, dass der Schlüssel tatsächlich passte. Sogleich gab Therese der Türe einen Schubs, welche daraufhin weit aufschwang und einen ersten Einblick, auf den mit gemaserten hellem Holz gestalteten Flur preis gab.

Vorsichtig und wie in Zeitlupe bewegte Therese sich in die Wohnung hinein, die auf den ersten Metern wie viele andere Wohnungen wirkte. Das helle Holz und die Gestaltung des Flurs an sich - alles erstaunlich sauber und geschmackvoll. Um ehrlich zu sein hatte Therese keine Ahnung, was genau sie erwartete hatte zu sehen, doch das hier überraschte sie doch sehr:

"Naja, … der Kerl ist ganz geschmackvoll eingerichtet. Hättest du das erwartet? … Und wohin zuerst? … Hast du schon was entdecken können, was interessant sein könnte?"

Fragte Therese im Flüsterton während sie die im Flur aufgehängten Bilder betrachtete und gleichzeitig langsam in Richtung der nächstgelegenen Türe weiter ging. Bis jetzt hatte sie noch nichts entdecken können, was nicht in eine ganz "normale" Wohnung gehörte.
Therese Cabarrus
Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari
Seigneuresse de Château Lafite
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Thierry Barras

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8

Dienstag, 7. April 2020, 16:14

Die Kunstwerke im Flur und deren Präsentation überraschen Thierry genauso Therese. Er kam sich ein wenig so vor, als sei er in einer Art Ausstellung auf engem Raum gelandet. Einem Kunstprojekt. Einem Atelier?

In das Badezimmer warf er nur einen kurzen Blick, wobei er darauf achtete, die Türklinke nur mit dem Ellenbogen zu betätigen. Es erschien ihm stinknormal und langweilig, dort vermutete er nichts, nicht einmal in den Schränken. Die Reinlichkeit fiel ihm ins Auge - offensichtlich lag Marat sehr viel daran, die Wohnung sauber zu halten. Nicht ein Staubkorn verlor sich auf dem reinlichen Boden.

"Im Bad ist nichts Besonderes. Ich schau mal hier vorne rein."

Er öffnete die Tür zum Arbeitszimmer und schaute sich etwas gründlicher um. Stoffbahnen um Stoffbahnen, alle möglichen Stoffe - hier ein bekanntes vernisches Muster, dort ein verspieltes Muster wie man es in Ascaaron finden könnte... Doch sein Fokus galt einer kleinen Staffette in der Ecke oder vielmehr dem Bild darauf. Es handelte sich um ein kleines Mädchen mit strahlenden Augen und dunklen Haaren. Er kannte dieses Mädchen, oder vielmehr: Er hatte es erst neulich getroffen. Doch dieses Bild von ihr kannte er nicht.

"Komm mal bitte kurz..."

Er hatte nichts gefunden, was ihm mit seinem Fall weiterhalf, doch würde dieses Gemälde Therese ebenso fesseln wie ihn, da war er sich sicher.
Gut, im Vergleich zu Thereses Portrait merkte man ein wenig, wie sehr der Künstler sich weiter entwickelt hatte. Und doch kam er nicht umhin, beeindruckt zu sein.

"Das ist Prinzessin Leonor... Schau mal, die Grübchen, die Augen, die Nase - unverwechselbar, wenn du mich fragst."

Aber was machte das Bild hier? Warum hing es nicht im Palast oder irgendwo, wo es jeder sehen könnte? Und wie lange stand das Bild schon hier?

Barras musste zugeben, dass die relativ helle, bisher sehr unauffällige Wohnung ihn sehr beruhigte. Die Anspannung sank spürbar, dafür kam eine Spur von Enttäuschung auf. Er ging nicht davon aus, hinter der letzten vom Flur aus erreichbaren Tür etwas Besonderes zu fnden. War noch etwas im Arbeitszimmer, das für die beiden von Relevanz sein würde?
Senator Thierry Barras
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9

Dienstag, 7. April 2020, 16:29

Da der Balkon auf der anderen Seite des Arbeitszimmers lag und die Tür in der Regel geschlossen war, konnte man nicht vermuten, dass von diesem eine Leiter hinunter in den Hof führte. So schien alles in bester Ordnung zu sein. Außer man durchsuchte jetzt methodisch alle Schränke in der Hoffnung, irgendetwas zu finden. Wenn denn irgendetwas da sein sollte.
Künstler zeigen die Wahrheit durch die Lüge

10

Mittwoch, 8. April 2020, 12:08

Nachdem die erste Unsicherheit überwunden war, bewegte auch Therese sich etwas schneller vorn, den Blick dabei unablässig über die zahlreich vorhandenen Gemälde schweifend. Zweifelsohne war Marat ein Kunstliebhaber und Künstler, was sich zweifelsohne in seinem zweiten Ich, dem Maler du Lac, widerspiegelte. Nur warum diese Doppelrolle? Oder gab es derer "Rollen" am Ende noch mehr? Hatte Marat eine gespaltene Persönlichkeit? Das lag zumindest für Therese nahe:

<Wer war dann du Lac? Der Künstler! Der Verfechter der schönen Künste und der Kultur. Und Marat ist das Gegenteil, das Dunkle und Böse. … Das ergäbe einen Sinn, denn wieso hat er mir in meinem Büro ausgerechnet von all den schrecklichen Orten erzählt? … Aber was hilft uns diese Erkenntnis?>

Wie in der Wohnung eines wahnsinnigen Massenmörders sah es jedenfalls hier nicht aus. Gut möglich, dass in den Schränken, Kommoden und Schubladen sich weitere Indizien, Beweise oder gar schreckliche Dinge finden lassen würden, die Frage war nur: <Wo fangen wir bloß am besten an?>

Auf Thierrys Rufe hin, ging Therese ebenfalls in das Arbeitszimmer. Dabei warf sie einen flüchtigen Blick aus dem Fenster (ohne aber von dem Balkon oder der Leiter bewusst Notiz zu nehmen). Vielmehr wunderte sich über die vielen Stoffbahnen, ehe sie schließlich einen Blick auf das Bild warf, welches markant im Raum drapiert war. Sie kannte die Schwester der Kaiserin zwar nicht persönlich, aber vom sehen her und dieses Bild war einmal mehr ein Meisterwerk für sich und ließ keinen Zweifel, dass es von einem wahren Meister gemalt worden war:

"Ja ich sehe es. Das ist unverkennbar Leonor .… Mir scheint du Lac alias Marat hatte noch weitere Aufträge, außer ein Bild von mir zu malen. Vielleicht hat die Prinzessin oder die Kaiserin es persönlich in Auftrag gegeben. Ob eine von ihnen uns zu dem Bild oder zu Marat etwas sagen können?"

Bemerkte Therese laut denkend, doch sehr viel versprach sie sich davon nicht. Zumal sie im Augenblick sehr misstrauisch gegenüber allen andern Personen war, mit Ausnahme von Thierry.

"Puh! Ich fürchte wir müssen in jeder Schublade nachsehen, wenn wir etwas finden wollen. Doch wonach genau suchen wir eigentlich? Nach einer Tatwaffe? Einbruchswerkzeug? Weitere Körperteile?… Oder könnte es sein, dass das "Objekt", das Dokument, das Marat in deinem Haus gesucht hat noch hier ist? Dieser Mistkerl meinte doch, dass er durch den Mörder gestört worden ist und dadurch ein "unvollständiges Blatt" erhalten hat. Was kann er damit nur gemeint haben? Aber vielleicht hat er es ja mitgenommen und noch nicht weggeworfen, denn in deinem Haus scheint es ja nicht aufgefunden worden zu sein, oder?""

Laut zu denken war vielleicht die beste Lösung, um Hinweise, Fragen und mögliche Lösungsansätze miteinander auszutauschen. Machten das Kriminalbeamte nicht auch so, wenn sie am Tatort erste Analysen anstellten? Therese kam sich beinahe schon vor wie an einem Tatort, der allerdings nicht wie einer aussah. <Und der Keller, was genau hatte Marat gesagt?>

"Marat sagte doch zu mir, als er mir die Schlüssel zu warf: Ehm,... wenn mich nur die Kunst interessiert, dann? … Dann soll ich nicht über das Schlafzimmer oder den Hof nachdenken, außer ich sei mutig genug um in den Keller zu gehen. ….Ist Dir unten im Treppenhaus eigentlich ein Durchgang in den Hof oder eine Kellertreppe aufgefallen?"

Fragend aber auch ein wenig zuversichtlicher blickte Therese in Thierrys Augen. Als nächstes wäre wohl das Schlafzimmer das Naheliegendste, oder sollten sie erst nochmal nach unten gehen, um dort nachzusehen …
Therese Cabarrus
Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari
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Thierry Barras

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11

Mittwoch, 8. April 2020, 17:09

Ausnahmsweise hatte Thierry seiner Geliebten in diesem für ihn neuen Outremer etwas voraus - er hatte sowohl mit der Kaiserin, als auch mit ihrer Schwester schon das Vergnügen... wenngleich die Begegnung mit der Prinzessin dank Marat ziemlich kurz gehalten wurde.

"Ich denke nicht, dass die Prinzessin uns etwas wird sagen können. Schau mal, wie jung sie auf dem Gemälde noch ist... Und sie hatte Marat auf der Vernissage nicht wiedererkannt. Außerdem bespaßt sie gerade die Truppen Outremers in Urien, wenn man der Presse glauben darf."

Er hatte kein großes Vertrauen in den Wahrheitsgehalt der verschiedenen Printmedien. Die meisten waren auf Sensationen und Skandale aus, seriöse Recherchen musste man in der Regel selbst betreiben. Und auch ihr ging Marat durch. Nicht zuletzt war der Senator für einige von ihnen noch immer der Schwarze Witwer.

"Lass uns alle Schränke durchsuchen - aber... wir brauchen Handschuhe oder so etwas. Gerade hier dürfen wir nicht zu viele Spuren hinterlassen. Am besten saugen wir auch einmal gründlich durch, wenn wir hier fertig sind. Jede einzelne Hautschuppe, jedes einzelne Haar könnte uns mit dem in Verbindung bringen, was Marat hier tut - was auch immer das sein mag."

Er wünschte sich, für solche Gelegenheiten vorbereitet zu sein - doch Haarnetz, Mundschutz oder Handschuhe befanden sich nicht unter den Gegenständen, die er regelmäßig mit sich führte. Für normale Handschuhe war es zudem viel zu warm. Worauf hatten sie sich hier eingelassen? Gab es überhaupt Spuren davon, dass Marat hier je gewesen ist? Waren irgendwo seine Fingerabdrücke, Hautschuppen, Haare? Mit großen Augen sah er zu Therese. Was, wenn das alles eine Falle war, in die die beiden nur allzu dankbar getappt sind?

"Wir suchen alles, was uns irgendwie dabei hilft, Zusammenhänge zu verstehen. Warum führt sich Marat so auf? Was weiß er wirklich über Hortense, über den Orden, über den Attentäter? Vielleicht finden wir das Dokument. Vielleicht finden wir Waffen. Allerdings haben wir nicht genügend Zeit, um die Wohnung komplett auf den Kopf zu stellen... Wir müssen gezielt vorgehen.
Zieh deinen Ärmel über die Hand und öffne ein paar Schubladen und Schranktüren. Sollten wir hier nichts finden, gehen wir direkt ins nächste Zimmer. Und wir bleiben die ganze Zeit zusammen!
"


Ihm war die Ruhe nicht geheuer - und Thereses Gedankenspiele verwirrten seinen noch brummenden Kopf. Hielt sie sich für eine Ermittlerin? Da kam ihm eine Idee.

"Ich habe immer ein Diktiergerät in meiner Jacke dabei. Fuck, bei Marat habe ich mich nicht getraut, es einzuschalten... Aber wir können damit festhalten, was wir hier sehen und was uns auffällt. Vielleicht hilft das?"

Barras nahm das Diktiergerät aus der Innentasche seiner Jacke. Währenddessen rezitierte Therese die Aussage des Künstlers

"Ein Durchgang zum Hof? Eine Kellertreppe? Puh... Ich habe nicht darauf geachtet, muss ich gestehen."

Er ging zum Fenster, um ein bisschen Tageslicht zu spüren und zu prüfen, ob die Nachbarschaft irgendetwas merken würde. Doch außer der verschlossenen Balkontür, dem Balkon und ein paar Bäumen sah er nichts Auffälliges.
Senator Thierry Barras
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12

Donnerstag, 9. April 2020, 18:55

Beifällig nickend verwarf Therese den Gedanken wieder die Prinzessin oder die Kaiserin danach zu fragen. Auch wenn Eine von ihnen das Gemälde tatsächlich in Auftrag gegeben hatte, so dürften sie wohl kaum gewusst haben, dass der Künstler du Lac - der jahrelang die Portraits für das Parlament angefertigt hatte - in Wahrheit jemand völlig anderes war. Aber warum nur diese Maskerade, warum der ganze Aufwand? Um dann alles einfach aufzugeben und abzuschließen, nur weil er zufällig enttarnt worden war? Oder war alles von vornherein geplant, um …

<Um uns in eine Falle zu locken?> Daran hatte Therese auch schon gedacht, anfangs zumindest, allerdings hatte die Szene im Parlament für sie nicht danach ausgesehen, als hätte Marat vorgehabt sie hierher zu locken. <Und wenn doch, hätte er es doch einfacher und sicherer haben können, indem er mir die Schlüssel gleich zusammen mit dem Tuch hätte übergeben können. … Egal, darüber können wir auch später noch nach grübeln.>

Thierry hatte recht. Die Zeit drängte und sie würden kaum die ganze Wohnung auf den Kopf stellen können, noch dazu ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Nun hätte es sich eventuell ausgezahlt, zuerst in sein Büro zu gehen um nach der Fingerkuppe zu sehen. Vielleicht wäre ihnen dann früher eingefallen, dass Handschuhe eventuell hilfreich gewesen wären um nicht überall Fingerabdrücke zu hinterlassen. Nur:<Wenn mich mein bescheidenes Wissen aus den TV-Krimiserien allerdings nicht täuscht, werden wir hier zwangsläufig Spuren hinterlassen, egal wie sehr wir auch aufpassen werden, also … am besten saugen wir auch einmal gründlich durch, wenn wir fertig sind … meint Thierry das jetzt ernst?>

Ungewollt musste Therese kurz kichern als sie sich das eben bildhaft vorstellte. Allerdings war hier nicht der Ort und die Zeit für Scherze und deshalb sah sie Thierry sogleich schuldbewusst und errötend an, während sie sich auf die Unterlippe biss. Angestrengt versuchte sie das Bild, von ihrem staubsaugenden Freund, wieder aus dem Kopf zu bekommen, nur um bei diesem Versuch ein weiteres mal zu kichern:

"Bitte verzeih mir, ich … ich weiß, dass das alles hier nicht zum lachen ist. Aber ich stelle mir gerade vor, wie du mit einem Staubsauger in der Hand aussehen würdest."

Es war Therese sichtlich peinlich und doch musste sie noch zwei- dreimal kichern, ehe sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren konnte.

" Das mit dem Diktiergerät ist im übrigen eine gute Idee, Thierry. Wir müssen alles fest halten was uns einfällt und was uns hier seltsam vorkommt. .. Zudem können ein paar Fotos sicher nicht schaden."

<Handy! Genau!> Prompt kramte Therese ihr Handy aus der Handtasche, um sogleich einige Bilder von dem Gemälde, den Möbeln und den Stoffbahnen anzufertigen. <Wo waren wir gerade? Ach ja, Thierry kann sich auch nicht erinnern, ob es unten zum Hof oder in den Keller geht. Na gut, dann …>

"Ich mach dann mal im Schlafzimmer weiter! … "

Sprachs und rauschte auch schon an Thierry vorbei zum Schlafzimmer. Marat hatte explizit das Schlafzimmer erwähnt, also musste es dort irgendetwas geben. Dass Thierry eben noch "wir bleiben die ganze Zeit zusammen" gesagt hatte, entfiel ihr dabei spontan, ebenso wie die Vorsichtsmaßnahme mit dem Ärmel. Stattdessen drückte Therese volller Neugier die Klinke zum Schlafzimmer herunter und stieß die Tür schwungvoll auf …
Therese Cabarrus
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Thierry Barras

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13

Donnerstag, 9. April 2020, 19:08

Sie kicherte. Ernsthaft. Sie kicherte. In dieser Situation, mit all der Anspannung und bei allem, was sie zu beachten hatte - kicherte sie. Thierry starrte sie mit offenem Mund an, stimmte dann aber mit ein.

"Ein nie gesehenes Bild, hm? Wenn du einen Staubsauger findest, sag mir Bescheid - dann haben wir immerhin etwas, bei dem wir wissen, wonach wir Ausschau halten sollten."

Seine Laune besserte sich. Thereses Idee mit dem Handy war hervorragend und er sah froh, dass sie fleißig Fotos machte, während er versuchte, seinen Ärmel über die Hand zu ziehen und Schränke oberflächlich zu betrachten. Hätte er etwas gefunden, wenn er einen tieferen Blick reingeworfen hätte?

Er schaltete sein Diktiergerät ein.

"Therese Cabarrus und Thierry Barras. Wir befinden uns in der Rue de l'Albatros, nachdem Ferdinand Marat uns seine Schlüssel hierzu gegeben hatte. Wir wissen nicht, wonach wir suchen und was wir noch finden können. Die Wohnung ist sehr reinlich, fast schon steril. Im Flur befinden sich diverse Gemälde, von denen Therese Fotos mit ihrem Handy gemacht hat. Das Badezimmer ist langweilig. Gerade stehe ich in einem Raum, der wohl eine Art Arbeitszimmer ist. Hier sehe ich sehr viele Stoffbahnen. In einer Ecke steht ein Gemälde einer sehr jungen Prinzessin Leonor. Wer hat es in Auftrag gegeben? Wie lange hat der Künstler daran gemalt? Hat die Prinzessin oder die Kaiserin selbst ein Exemplar erhalten?"

Er schaute sich weiter im Zimmer um und versuchte, mehr Details zu ergründen, als...

"Therese und ich bleiben die ganze Zeit zusammen, damit wir... Oh, nein, doch nicht... Sie hat beschlossen, auf eigene Faust ein anderes Zimmer zu erkunden. Oh Mann..."
Er seufzte deutlich hörbar ins Diktiergerät.
"Na gut... Ich folge ihr mal... Leider hat sie auch meinen Ratschlag vergessen, dass wir möglichst wenige Spuren hinterlassen sollten. Ihre Fingerabdrücke sind jetzt an der Türklinke und sie steht offenbar im Schlafzimmer."

Barras stellte sich nah hinter sie und hauchte ihr in den Nacken.

"Na, wie war das mit dem 'die ganze Zeit zusammenbleiben' und dem 'möglichst wenige Spuren hinterlassen' nochmal, ma chère?"

Doch er klang nicht böse, sondern leicht schelmisch, während er ihr sanft über die Schulter strich.
Senator Thierry Barras
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14

Donnerstag, 9. April 2020, 19:35

Wie der geneigte Leser bereits wusste, führte die dritte Tür mitnichten in ein Schlafzimmer, sondern in das große Wohnzimmer, in dem die meisten geraubten Kunstgegenstände einschließlich wertvoller Möbel und Teppiche unter der Freskendecke. Besonders hervorzuheben die sehr alten und wertvollen Bücher. Wenn die beiden richtig überlegt hätten, wäre ihnen auch die fehlende Küche aufgefallen und da es absolut unlogisch wäre, diese an ein Schlafzimmer angrenzen zu lassen, auch wenn der Besitzer ein Monster war, so war es mehr als offensichtlich, dass die letzte Tür des Flurs keinesfalls das Schlafzimmer sein konnte.
Künstler zeigen die Wahrheit durch die Lüge

Thierry Barras

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15

Donnerstag, 9. April 2020, 20:42

"Wie ein Schlafzimmer sieht das nicht wirklich aus, meine Liebe."
Therese hatte offensichtlich etwas ganz anderes erwartet. Er selbst hatte nur gehört, wohin sie gehen wollte und sprach ins Diktiergerät.

"Schlafzimmer... Nun, da stehen wir gerade nicht. Es ist mehr ein Wohnzimmer, sehr edel eingerichtet. Ich sehe einen großen Teppich - der kommt mir ein bisschen renzisch vor, vielleicht chinopisch. Therese dürften die Möbel interessieren. Und... wow! Guck dir die Decke an, Therese! Das ist..."

Für einen kurzen Moment vergisst er das Diktiergerät.

"Das ist noch beeindruckender! Hat er das selbst gezeichnet? Ist die Wohnung eigentlich gekauft oder gemietet? Es wäre eine Schande, wenn er das vor der Wohnungsübergabe wieder entfernen müsste. Wow!"

Mit einem Pfeifen durch die Zähne machte er einen Schritt in den Raum hinein. Die Tür auf der anderen Seite des Raumes fiel ihm noch nicht auf, zu sehr beeindruckte ihn die Möblierung.
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16

Freitag, 10. April 2020, 13:48

"Aber wir bleiben doch die ganze Zeit zusammen. … Du musst mir nur immer brav folgen, Liebling."

Entgegnete Therese schmunzelnd und augenzwinkernd nebenbei zu Thierry, als dieser sie dezent neckend an ihre Vereinbarung erinnerte. Die innere Anspannung war etwas gewichen, nachdem die erwarteten "Schockerlebnisse" ausgeblieben waren, welche Therese im Vorfeld in ihrer Fantasie ausgemalt hatte. Zumindest vorerst. Aber das war natürlich keine Garantie, dass nicht irgendwo noch "böse Überraschungen" oder "Horrorszenarien" auf sie warteten. Diese vermutete Therese nun entweder im Schlafzimmer oder im Keller und deshalb hielt sie für eine Sekunde die Luft an, als sie das vermeintliche Zimmer betraten.

"Oh, nur das Wohnzimmer. Oder wohl eher ein Lagerraum für Kunstobjekte, wie mir scheint."

Klang es fast enttäuscht aus Therese´s Mund. Ihr Blick schweifte unentschlossen im Raum umher, gefolgt von ihrer Handykamera mit der sie munter Bilder von der Einrichtung machte.

"Ja, die Decke ist wirklich beeindruckend und auch das Mobiliar und die vielen Kunstwerke. Ob das alles Originale sind? Wie Fälschungen sehen sie für mich nicht aus"

Ziellos wanderte Therese durch den Raum, betrachtete mal dieses und mal jenes Bild, überflog einige von den Büchertiteln und fuhr mit den Fingern flüchtig (und ohne an die Spuren zu denken) über einige der Möbelstücke. Therese´s Vorgehen war alles andere als systematisch noch mit der Arbeit echter Ermittler zu vergleichen, aber hier schien es wieder nichts zu geben was ihnen bei der Beantwortung der vielen Fragen helfen würde. Oder doch?

"Unser "Freund" scheint offenbar ein begnadeter Künstler und ein wahrer Kunstliebhaber zu sein. Am Ende gar ein Kunstdieb? Die Sachen hier könnten doch gestohlen sein, nicht wahr? Und womöglich hat er in deinem Haus ebenfalls nach einem bestimmten Kunstobjekt gesucht. Eines das zu einer bestimmten Serie gehört, … oder von einem bestimmten Maler stammt. Und genau das wollte er unbedingt haben. … Doch dann hat der Zufall es gewollt, dass er in Deinem Haus auf den Mörder Deiner Frau stieß und dabei ist dann das Kunstwerk beschädigt oder gar zerstört worden …. Wäre alles möglich, nur irgendwie klingt es für mich nicht logisch …"

Dachte Therese weiterhin laut darüber nach, warum Marat ausgerechnet in Thierry´s Haus eingebrochen war. Zu dumm, dass Thierry sich nicht mehr daran erinnern konnten, ob und was genau gefehlt hatte. Aber nach so langer Zeit und angesichts seines damaligen emotionalen Zustandes war es ihm auch nicht zu verdenken, schließlich ging es damals um den Mord an Hortense - einen parallel agierenden Einbrecher hatte damals wohl niemand erwartet.

Die Tür am anderen Ende des Raumes hatte Therese mittlerweile entdeckt und langsam schritt sie darauf zu.

"Wo mag es da wohl hingehen? Das Schlafzimmer kann es doch nicht sein, oder? … Küche? Abstellkammer? … Ein weiterer Flur? … Diese Altbauwohnungen waren ja früher oft über die gesamte Etage verbunden, sofern die Bewohner es sich leisten konnten. Zudem wohnten die Bediensteten nicht selten bei ihrer Herrschaft. In kleinen Kammern oder Einliegerwohnungen. Viele der Durchgänge wurden später einfach wieder zugemauert oder zugestellt."

Wahrscheinlich erzählte Therese ihrem Freund nichts Neues über die alt-outremerische Architektur, aber daran hatten sie ja nocht gar nicht gedacht: Dass es irgendwo noch weitere Türen oder Durchgänge geben könnte - ob nun zugemauert oder lediglich hinter einem Schrank oder einer Stellwand verborgen.
Therese Cabarrus
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17

Freitag, 10. April 2020, 18:18

"Therese! Du... Hrrrnnggggh!"

Eloquent wie eh und je kommentierte er Thereses Ansage. Es gab Situationen, in denen er es sehr genoss, wenn sie den Ton angab - das gerade war keine davon. In seinen Augen wurde sie übermütig, ja geradezu leichtsinnig. Sie tatschte alles, wirklich alles an - und das nicht einmal immer, um etwas zu suchen, offenbar manchmal einfach nur aus Jux und Dallerei.

"Wenn wir die Spuren, die du hier gerade hinterlässt, verwischen wollen... Tja Liebling, dann müssen wir die Bude wohl abfackeln, wenn wir hier raus sind."

Er konnte sich nicht erklären, wieso - aber irgendwie war ihm dieser Gedanke nicht einmal sonderlich unsympathisch. Ein Sturmfeuerzeug war in seiner Jackentasche, woran es ihn gerade durch sein nicht sonderlich hohes, aber doch spürbares Gewicht erinnerte. Und so vertraute er sich wieder dem Diktiergerät an, wobei er sicherging, dass jede anwesende Person im Raum seine Worte verstehen könnte.

"Therese hinterlässt überall Fingerabdrücke. Sie scheint sich so sehr für die Einrichtung zu interessieren, dass sie unsere Aufgabe vergisst. Das Wohnzimmer bietet allerdings auch nichts, was einen irgendwie daran erinnern würde, dass wir gerade in der Wohnung eines Irren sind. Im Gegenteil - es ist sehr geschmackvoll und unterstreicht die Tatsache, dass Marat alias du Lac nicht bloß wahnsinnig war, sondern ein Mensch von immensem Kunstverstand."

Seufzend schaltete er das Diktiergerät aus und durchmaß den Raum mit wenigen Schritten, um zur zweiten Tür zu kommen. Es kam ihm seltsam vor, dass vom Flur aus nur Arbeits-, Bade- und Wohnzimmer erreichbar waren. Hatte diese Wohnung überhaupt eine Küche und ein Schlafzimmer? Mit klopfendem Herzen und einem Taschentuch in der Hand öffnete er die Tür, um erstaunt den zweiten Flur zu betrachten. Schnell schaltete er das Diktiergerät wieder ein.

"Hinter dem Wohnzimmer gibt es einen weiteren Flur. Vielleicht führt der uns ja zum Schlafzimmer. Die Türen sind verschlossen, wir schauen uns um."

Das gleiche Taschentuch weiter benutzend, öffnete er willkürlich unsystematisch irgendeine Tür. Es war die Tür, die zur Küche führte. Seufzend schaute er zu Therese.

"Küche. Na gut... schnell durch und dann das Schlafzimmer suchen. Bleib bitte jetzt bei mir!"

Zwei, drei entschlossene Schritte in die große, helle Küche, und er stand vor dem Kühlschrank, an dem ein einzelner Magnet mit einem Zettel dran hing. Neugierig schaute er sich den Zettel an. War das ihr erster Hinweis?
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18

Freitag, 10. April 2020, 18:59

Auf besagtem Zettel stand eine Mischung aus Zahlen und Buchstaben, die sich nach genauerer Überlegung als Koordinaten herausstellen und wenn man ein Mobilfunkgerät bediente, so bezeichneten sie einen Ort knapp außerhalb der Stadt an der Landstraße zum östlichen Vorort Sombreville - wahrscheinlich ein Bauerngehöft.
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19

Freitag, 10. April 2020, 22:38

Thierry´s dezenter Rüffler war unschwer zu überhören, nachdem er ihn zur Sicherheit ein zweites Mal auf Band sprach. Therese warf ihm einen gespielt eingeschnappten Blick zu während sie gleichzeitig beschwichtigend beide die Hände hob:

"Ach, ich vergesse also unsere Aufgabe? Würde Sherlock mich dann bitte nochmal aufklären, was genau unsere Aufgabe hier ist? … Nur für´s Protokoll, aber bitte dieses Mal mit Uhrzeit und Datum, so viel Zeit muss sein! … Und bitte tausend Mal um Entschuldigung, dass ich meine Hände nicht unter Kontrolle habe. Ich lasse Dir natürlich gerne den Vortritt und weiche Dir ab sofort nicht mehr von Deiner Seite."

Es hörte sich schnippischer an als es im Grunde gemeint war, aber nach so langer Zeit sollte Thierry eigentlich wissen, wann sie wirklich eingeschnappt war und wann sie ihn nur necken wollte. Entsprechend versöhnlich streichelte Therese kurz seinen Arm, als er die Türklinke vorbildlich mit Tuch öffnete und sie so in einen weiteren Flur gelangten, von dem nun endlich die Küche abzweigte. Alles in allem wieder eine Enttäuschung, oder sollte dieser unscheinbare Zettel mit den wirren Zahlen und Buchstaben gar eine heiße Spur darstellen, der da ganz unscheinbar am Kühlschrank hing?

Neugierig stellte sich Therese direkt an Thierry Seite und hakte sich ganz vertraut bei ihm unter, den Kopf leicht schief haltend und die Zahlen auf dem Zettel studierend. Irgendwo hatte sie einen solchen Zahlen-Buchstaben-Mischmasch schonmal gesehen - auf ihrem Handy … <Zeigte es mir solche Zahlen nicht letztens an, als ich auf dem Stadtplan nach dem Mique Tsao gesucht habe?> An eine konkrete Koordinatendarstellung dachte Therese jedoch in der Sekunde nicht, weshalb sie ahnungslos fragte:

"Was sind das für Zahlen? … Glaubst du das hilft uns weiter? … Und wo - verdammt nochmal - finden wir endlich das Schlafzimmer und den Keller. Marat hat beides explizit erwähnt. So langsam bin ich der Meinung, dass wir hier nur unsere Zeit verschwenden. Dieser Mistkerl! …Wir hätten ihn niemals gehen lassen dürfen."

Geduld war noch nie eine von Therese´s Tugenden gewesen und deshalb schnaubte sie genervt, was natürlich nicht Thierry galt. Aber wo und wie sollten sie weiter machen?
Therese Cabarrus
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20

Samstag, 11. April 2020, 19:04

"Gleicher Tag, gleiche Uhrzeit, nur ein bisschen später. Ich wurde darum gebeten, unsere Aufgabe genau zu erläutern. Wir sind in der Wohnung eines Irren, der zufällig meine Wohnung hinsichtlich eines seltenen Kunstgegenstandes oder Dokuments oder so auf den Kopf gestellt hat, wobei ihn leider der Mörder Hortenses störte, den er wiederum nicht von seiner Tat abhielt. Die Wohnung des Mannes, der mir anschließend außer Landes half und mir kürzlich über Therese Hortenses Leichentuch, die Mordwaffe und die Fingerkuppe des offenbar kasemuffischen Täters zukommen ließ.
Der Irre, der die Prinzessin während der Vernissage mit einer Scherbe bedrohte, der unheimliche Kenntnisse über den Orden und unheimliche Orte hat und uns den Schlüssel zu seiner Wohnung übergab.
Was also ist unsere Aufgabe?
"


Er schloss kurz die Augen, atmete durch und fixierte dann Therese mit einem leichten Lächeln.

"Keine Ahnung. Wir suchen irgendwas und hoffen, dass wir es finden. Irgendwas, das uns hilft, Marat besser zu verstehen. Irgendwas, das uns vielleicht noch mehr Hinweise auf Hortenses Mörder liefert. Irgendetwas. Vielleicht ja dieser Zettel. Therese, machst du bitte ein Foto?"

Wie könnte er sinnvoll das, was er auf dem Zettel las, diktieren? Ein Foto würde deutlich mehr helfen. Und Thereses Berührung half auch enorm, seine gestiegene Anspannung zu lockern - zumindest ein kleines bisschen.

"Mit den Zahlen beschäftigen wir uns in Ruhe. Wir lassen den Zettel hier auch hängen, das würde sonst zu sehr auffallen. Wir öffnen einfach alle anderen Türen, die von diesem kleinen Flur abgehen und betrachten nur das Schlafzimmer. Komm mit."

Mit diesen Worten hauchte er Therese einen Kuss auf die Wange und zog sie - das Einhaken genießend - mit sich zurück in den Flur. Das Tuch erneut zur Hand, stieß er schnell die übrigen Türen auf - zunächst die zum kleinen Bad mit Dusche, was er mit einem enttäuschten Grunzen kommentierte. Die zweite Tür musste es sein, es gab keine andere Möglichkeit. Oder war diese Wohnung noch verwinkelter als gedacht? Die Tür öffnend, war er zunächst enttäuscht, kein Bett zu sehen. Nein! Es sollte doch das Schlafzimmer sein! Vorsichtig ging er hinein. Der Geruch... Wonach roch es hier? Und warum hatte er diesen Geruch nicht schon im Flur wahrgenommen? Er tastete an der Wand - unvorsichtig, ohne Tuch, ehe er den Lichtschalter fand und mit zitternden Fingern umlegte...
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