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21

Samstag, 11. April 2020, 21:06

Der Raum war leer, von unten her kalt und roch leicht süßlich nach Verwesung und Insektenbekämpfungsmitteln. Irgendwo war es verständlich, dass hier niemand schlafen wollen würde. Zu diesem Zeitpunkt ist es wohl an der Zeit, sich über den Schnitt der zweiten Wohnung Gedanken zu machen, bei der man nun wirklich nicht sehen kann, wo sie denn mal an welches Treppenhaus gegrenzt haben sollte, und die von der Form her der anderen Wohnung entsprechen müsste, wobei hier jedoch ein Raum fehlt. Der Überlegung zu Folge sollte sich der Ausgang neben dem Schlafzimmer befinden und der letzte Raum mit Balkon der Küche gegenüber.

Bei näherer Untersuchung findet man wohl auch die hinter einem verschiebbaren Regal befindliche Tür zum Treppenhaus, das jedoch zur Straße hin zugemauert wurde, aber den Einstieg in zwei der anderen Wohnungen ermöglich, daneben eine auf gleicher Etage, in der sich als einzig bewohnter Raum das Balkonzimmer zum Hof hin das richtige Schlafzimmer Marats befindet. In diesem steht ein großes, bequemes Bett, ein Schrank mit oft gelesenen Büchern (Krimis und Kunstgeschichte) sowie eine große Lüftungsanlage. Würde diese nicht ständig laufen, wäre es in dieser zweiten Wohnung wohl unerträglich heiß, denn hier unter ihr läuft die Abwärme des Kellers entlang und so ein eiskalter Raum erzeugt eine ganze Menge Hitze. Ein Plattenspieler mit Klassikschallplatten vervollständigt das Möbilar, das Boden wird von einem großen weichen einfarbigen Teppich belegt.

Die zweite begehbare Wohnung findet sich im Ergeschoss. Hier sind alle Räume voller makaber sortierter Gasvitrinen voll mit Diebesgut und besonderen Erinnerungsstücken. Es handelt sich um die Galerie der Toten und neben jedem Gegenstand findet sich ein Datum aus den letzten fünf Jahrzehnten. Im zweiten oder dritten Raum, je nach Reihenfolge der Suche findet sich auch die Spieluhr, welche Marat aus dem Hause des Senators entwendet hatte. Von dieser Wohnung aus gelangt man jedoch nirgendwohin und alle Fenster wurden zugemauert. Ohne das Licht der Lampen wäre der Ort zappenduster.

Der oben fehlende Raum ist jedoch nicht erreichbar, dort findet man nur eine massive Wand.
Künstler zeigen die Wahrheit durch die Lüge

Thierry Barras

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22

Montag, 13. April 2020, 20:24

"Leer. Nur dieser..."

Er musste ein leichtes Würgen unterdrücken und versuchte, seine Eindrücke dem Diktiergerät mitzuteilen.

"... dieser Gestank... ich muss... ich glaub..."

Um sich nicht zu übergeben, lief er rückwärts aus dem Zimmer zurück in den Flur und stolperte. Das Diktiergerät fiel ihm aus der Hand und er schaute entgeistert in den leeren Raum. Ihm war übel. Dieser Geruch verhieß nichts Gutes. <Sollten wir doch die Polizei rufen?> Nein, das war keine gute Idee. Glaubte er. Wirklich sicher konnte er sich nicht sein, weil die Geruchskombination ihm die Sinne vernebelte (im negativen Sinne).


Was Therese über diese Reaktion dachte, war ihm in diesem Moment scheißegal. Seine feine Nase war Fluch und Segen zugleich - Segen, weil er dadurch viele Gifte in Getränken bemerkte, ehe er sie versehentlich trank; Fluch wegen Situationen wie dieser hier (oder diesem einen Tag, an dem die Spülung im Parlament nicht richtig funktionierte und er sich kurz vor Feierabend noch einmal erleichtern wollte. Auf diese Idee waren offensichtlich viele Leute vor ihm gekommen).

Er blickte angestrengt von der Tür weg auf beide Seiten des Flures. Den Kopf an die Wand lehnend, wägte er ihre Optionen ab. Wie kämen sie diesem Geruch auf den Grund? Wie seltsam war diese Wohnung geschnitten?
Mühsam rappelte er sich wieder auf und lehnte sich gegen ein Regal, das unerwartet seinem durchschnittlichen Gewicht nicht standhielt und ein paar Centimeter seitwärts rutschte, wodurch es eine kleine Öffnung freigab. Mit großen Augen schaute er zu Therese. Hatte sie es mitbekommen?
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23

Dienstag, 14. April 2020, 00:10

Es war die sprichwörtliche"Suche nach der Nadel im Heuhaufen" nur ohne zu wissen, dass sie nach einer Nadel zu suchen hätten. Eben etwas, das helfen würde den Mord an Hortense aufzuklären, oder einfach nur ein Hinweis darauf, was dieser Marat eigentlich im Schilde führte. Wobei letzteres fast noch mehr Rätsel und Fragen aufwarf, als der Mord an Hortense. Würde der Zettel womöglich das erhoffte Licht ins Dunkel bringen? Nein, sicher nicht. Zumindest nicht sofort und deshalb seufzte Therese leise und enttäuscht klingend, als sie das Papierstück abfotografierte - so wie Thierry es wollte. Zu dumm, dass dieses Stück Papier nur scheinbar wirre Zahlen und Buchstaben enthielt anstatt eines unmissverständlichen Geständnisses, welches ihnen zweifellos weiter geholfen hätte. Da konnte leider auch der Kuss nicht viel ausrichten um ihre Stimmung zu heben, obgleich Therese die vertraute Nähe zu Thierry selbstverständlich sehr genoss.

Eher resigniert als motiviert folgte sie ihm also weiter, um einen eher nachlässigen Blick in das kleine Bad zu werfen, welches auch keine von den erhofften Hinweise preis zu geben schien. <Es ist sinnlos. Wir verschwenden hier nur unsere Zeit … >

Diese Erkenntnis wäre zwar bitter, aber sie entsprach wohl der Tatsache, dass sie bislang nicht wirklich viel aufschlussreiches hier gefunden hatten. Von dem Gemälde und dem Zettel mit den Zahlen ma abgesehen. …Doch hat! …was war das? Dieser Geruch, als sie den nächsten Raum betraten, ein süßlich abstoßender Geruch, der zweifelsohne nichts Gutes ahnen ließ. <Hier sind wir richtig!> Endlich! Oder sollte sie besser nicht so enthusiastisch reagieren, angesichts der Tatsache, dass Thierry sich beinahe übergeben musste angesichts des Gestankes, der langsam und unaufhaltsam in ihre Nasen kroch und schonungslos darauf hindeutete, dass sie wohl auf der richtigen Spur waren.

Therese nahm eine Hand vor den Mund, was auch nicht viel half um diesen abscheulichen Geruch zu vertreiben. Wo kam dieser nur her? Hier in dem Raum war wieder nicht zu finden - es war zum verzweifeln.

Therese blickte fragend zu Thierry und als dieser (eher zufällig) gegen das Regal stieß und sich eine weiterer Weg offenbarte, wurde ihr ganz anders.

"Diese Wohnung ist ja ein wahres Labyrinth!"

Stellte Therese mit großen Augen und fast schon bewundernd klingend fest, als sie auf die Öffnung zu ging und diese in Augenschein nahm. <Sollten wir nicht besser an dieser Stelle abbrechen und es den Profis überlassen, diesen Ort hier bis in den letzten Winkel zu durchleuchten?>

"Ich glaube wir sind auf dem richtigen Weg. Sollen wir aufhören …oder sollen wir weiter machen? … Komm wir bringen das jetzt zu Ende, ich muss unbedingt wissen was dieser Irre hier versteckt hält ..."

Ihr Verstand neigte ganz deutlich dazu, an dieser Stelle abzubrechen, doch ihre Neugier war viel stärker und deshalb drängte Therese sogleich an den Durchgagn hinter dem Regal, um der Spur weiter zu folgen. ... egal wohin ...
Therese Cabarrus
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Thierry Barras

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24

Dienstag, 14. April 2020, 20:10

Er war kurz davor, aufzugeben, ehe er an das Regal stieß. Diese Wohnung bot bisher nichts, bis auf einen komischen Geruch und extreme Reinlichkeit. Doch ehe ihn der Mut verließ, erklang Thereses aufgeregte Stimme.

"Ein Labyrinth?" <Wohl eher unser Grab, wenn das so weitergeht...> [talkJa... Das passt wie die Faust aufs Auge![/talk]

Offensichtlich war Therese in ihrem Tatendrang nicht zu bremsen. Sie war von Anfang an geradezu besessen, diese Wohnung zu erkunden, ohne jedwede Vorbereitung, ohne Backup-Plan, ohne die Behörden zu informieren. Jetzt wäre genau der richtige Zeitpunkt, um das Ganze abzubrechen und einen schönen Abend mit viel Wein einzuleiten - weit weg von dieser Wohnung. Sicher würde Therese genau das gleich vorschl... <Verdammter Optimist, natürlich würde sie vorschlagen, weiterzumachen.>

Aber gut, sie hatte ihm die Wahl gelassen. Er würde die Stimme der Vernunft in dieser seltsamen Situation sein. Er würde das einzig Logische tun und so rational wie nur möglich handeln. Er würde ihr sagen

"Natürlich machen wir weiter, endlich haben wir etwas gefunden! Hilf mir hier mal bitte kurz..."

...naja. Kopf und Mund schafften es derzeit nicht sonderlich gut, miteinander zu kommunizieren. Gemeinsam mit Therese schob er das Regal beiseite und schaute in das Treppenhaus.

"Dunkel hier... Aber schau mal, da geht es direkt in eine weitere Wohnung. Los, die nehmen wir uns vor."
<Hoffentlich bleiben wir da von diesem Gestank verschont...>

Sein Diktiergerät komplett vergessend, öffnete er die Tür zur Wohnung auf der gleichen Ebene etwas zu schwungvoll und stand mitten in Marats Schlafzimmer, was er an dem großen Bett erkannte.

"Das Schlafzimmer! Hier ist es! Komm, hier müssen wir die Augen offen halten!"
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Thierry Barras« (20. April 2020, 15:03)


25

Dienstag, 21. April 2020, 15:21

Durch die geöffnete Schlafzimmerbalkontür konnte man die Leiter vom anderen Balkon nach unten zum Hof deutlich erkennen, so dass man vielleicht gar nicht mehr nach weiteren Spuren Ausschau halten mochte. Aber wer dennoch nach mehr suchen wollte, der konnte in einer langen Kiste unter dem Bett ein ganz anderes Meisterwerk finden: Eine vollständige Karte der Innenstadt von Corinnis mit all ihren versteckten Gassen, geheimen Durchgängen und verwunschenen Orten, akribisch gesammelt und genau gezeichnet durch Jahrzehnte der Recherche und Forschung, an die sich Narat so genau erinnert, dass er sie völlig vergessen hat. Neben der in Wachs geschlagenen Karte gibt es auch die zweite mit dem Wandelkeller, der durch die und unter der Kanalisation laufenden unteren Labyrinthstadt, voll mit tödlichen Fallen und toten Ecken, deren Wege nur die Wissenden nutzen können, um schnell und ungesehen durch die Stadt zu kommen. Und diese Karte hat eindeutig nicht Marat gezeichnet, dazu ist sie viel zu alt. Und sie scheint auch nicht unbedingt aus outremerischer Produktion zu stammen, dafür sind die Farben und Farbmischungen zu fremd und für das Alter der Karte fast zu modern. Auf dem Rand der Karte steht ein imperianischer Fluch, der jedem den Tod verspricht, der diese Karte sieht, ohne sie von den Trägern der letzten Lüge überreicht bekommen zu haben, oder weitergibt, ohne befugt zu sein. Diese Karte hatte Marat offensichtlich vergessen und wenn der Fluch der Wahrheit entsprach, waren sowohl er und auch die beiden Besucher in tödlicher Gefahr.

Im Kleiderschrank befindet sich eine Kiste mit einem halben Dutzend Pässe mit den unterschiedlichsten Namen aus anticäischen Staaten, mehrere Geldnoten aus diesen Staaten und ein paar Münzen, die wohl insgesamt ein paar Tausend wert sind.
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26

Mittwoch, 22. April 2020, 18:08

<Natürlich machen wir weiter!>

Wie hätten sie auch ausgerechnet jetzt aufhören können, nun da sich unverhofft ein weiterer Weg vor ihnen aufgetan hatte?! Und dieses Mal war die Spur eindeutig heiß! <Das Schlafzimmer! … Hier ist es!> wiederholte Therese stumm Thierry´s Worte, den Blick dabei fast schon ehrfurchtsvoll durch das Zimmer schweifend und mit einem zunehmend mulmigen Gefühl in der Magengegend.

Im Prinzip standen sie "nur" in einem Schlafzimmer, welches - auf den ersten und zweiten Blick - eben wie ein gewöhnliches Schlafzimmer aussah. Allerdings wussten sie beide, wem dieses Schlafzimmer gehörte: <Ich soll ich nicht über das Schlafzimmer oder den Hof nachdenken, außer ich sei mutig genug um in den Keller zu gehen …>

Erneut hallten Marat´s Worte in Therese´s Kopf und gleichzeitig fiel ihr Blick auf die geöffnete Balkontüre, durch die man deutlich den Balkon samt vorbeiführender Leiter erkennen konnte:

"Da! … Vor dem Balkon, … da ist eine Leiter! … Womöglich die Leiter, die in den Hof führt … und in den Keller?!"

Stieß Therese hervor, nach Luft schnappend und mit dem Finger darauf zeigend, als hätte sie soeben einen Geist erblickt. Ihr Herz schlug deutlich schneller angesichts der Ungewissheit, was sie dort unten erwarten würde - ebenso wie in diesem Raum - dem Schlafzimmer! <Wenn nicht hier, wo sollen wir dann noch suchen?> Nun gab es kein Halten mehr:

"Ja ja .. Ich weiß … wir wollten eigentlich keine Spuren hinterlassen, aber … ach egal … hier muss irgendetwas sein. … Hier im Schrank, was ist das? …und das hier?"

Allen Vorsichtsmaßnahmen und Belehrungen zum Trotz begann Therese nun wahllos sämtliche Schubladen und Schranktüren zu öffnen, um mit den Händen hastig darin herum zu wühlen - als hätten sie nur noch wenige Minuten übrig, um irgend etwas brauchbares zu finden.

Zunächst kam nicht viel aufregendes zum Vorschein, außer jenen Dingen, die man üblicherweise in Schlafzimmern verwahrte und entsprechend genervt schnaubte Therese durch die Nase. Doch dann fand sie endlich eine Kiste, deren Inhalt sie kurzerhand auf dem Bett ausstreute: <Eine Kiste voll mit Pässen und Münzen?? … was zum >:

"Was? … Wofür braucht dieser Irre nur all diese Pässe und Münzen? … Ist er etwa ein Spion oder Agent? … grrrrr"

Wütend schmiss Therese die Kiste auf den Boden und trat danach, wodurch diese mit Schwung unter das Bett schoss. Dort traf sie zufällig auf jene längliche Kiste, welche durch den Aufprall (den physikalischen Gesetzen folgend) verschoben wurde und nun halb unter dem Bett heraus schaute. Dies bemerkte Theres jedoch nicht, da sie immer noch damit beschäftigt war die Pässe und Münzen zu begutachten
Therese Cabarrus
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27

Mittwoch, 22. April 2020, 19:24

Er wusste nicht, warum - aber er musste lächeln. Für Therese schien dieses Haus wie ein Escape-Room zu sein. Oder wie ein Ort, an dem ein geheimnisvoller Schatz vergraben ist. Ihr Temperament beeindruckte ihn schon seit dem Tag ihrer ersten Begegnung. Doch ließ sie das unvorsichtig werden - mal wieder. Sie erneut zu mahnen wäre vergebens gewesen.
Mit einem leisen, ironischen Seufzen folgte er ihrem Vorbild und durchwühlte die Schubladen.

Sein Herz schlug höher, als Therese die kleine Kiste triumphierend durch den Raum trug.

"Mach schon auf! Komm!"

Was hatte er erwartet? Wahrscheinlich eine Todesliste, einen Abschiedsbrief, eine Vielzahl vorbereiteter Abschiedsbriefe verschiedener verschwundener oder verstorbener Leute. Vielleicht die Spieluhr - doch ihm kam die Kiste kein Stück bekannt vor.

Die Pässe und Münzen aber verwirrten ihn. Während Therese ihrem Frust freien Lauf ließ, betrachtete er sie näher. Es waren wirklich Pässe und Geld aus aller Welt. Turanische Tura, diese seltsamen livornischen Münzen, Rateloner Bramer, Astor-Dollar... Wie wandlungsfähig war dieser Kerl? Auf den meisten Passbildern erkannte er ihn nicht wieder, zumindest nicht auf den ersten Blick.
Er beschloss, ein paar der interessanteren Pässe einzustecken - die Pässe, die zu Personen gezhörten, mit denen er im Ausland angeblich Kontakt gehabt haben soll, die aber letzten Endes nur vorgebliche Mittelsmänner geschickt hatten. Und ein bisschen Geld sackte er sich auch ein - man weiß ja nie.

"Darüber machen wir uns später Gedanken. Machst du noch ein Foto?"

Weiterhin fasziniert von dem Fund schaute er sich unter dem Bett um. Eigentlich wollte er die Kiste näher untersuchen, doch er sah etwas viel Interessanteres - die lange Kiste, an die Therese die kleine Kiste gepfeffert hatte. Neugierig zog er sie unter dem Bett hervor und öffnete sie. Die darin enthaltene Karte rollte er auf dem Bett aus und sagte atemlos

"Wow, das ist der Wahnsinn..."

Während er versuchte, die Karte zu verstehen, kamen ihm kaum Worte über die Lippen. Nur einzelne Fetzen seines Denkprozesses schafften es, artikuliert und hörbar den Weg über seine Stimmbänder zu finden.

"Ganz Corinnis... Geheimgänge... Labyrinthe.... Wow...."

Die zweite Karte übersah er vollkommen.
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28

Donnerstag, 23. April 2020, 11:14

< Wer sind diese Leute da in den Ausweisen? … Hat Marat sie am Ende alle umgebracht? … Aber warum hat er ausgerechnet ihre Pässe aufgehoben?> schoss es Therese spontan durch den Kopf während sie die Namen und Fotos der betreffenden Personen abfotografierte: < Und warum - in aller Welt - steckt Thierry ein paar von den Pässen jetzt ein?> Mehr noch als das Vorhandensein der Pässe war die Reaktion von Thierry, als dieser wortlos und seelenruhig einige der Ausweise in seine Tasche schob. Soweit hatte sich das mit dem "Nur-keine-Spuren-hinterlassen" also erledigt.

<Na toll! Wollen wir jetzt Spuren verwischen, oder was soll das jetzt????> Der eindringliche und verständnislose Blick, den Therese ihm augenblicklich zu warf, vermochte ohne Worte zu formulieren, was sie dazu gerade dachte. Nur wenige Sekunden später war dies allerdings schon wieder Nebensache, als Thierry nun eine weitere Entdeckung unter dem Bett hervor zog.

Und diese Entdeckung war in der Tat der Wahnsinn! Therese trat direkt neben Thierry und betrachtete fasziniert die Karte. Sie war alles andere als eine Expertin im Kartenlesen, aber die Darstellung und die Bezeichnungen sagten ihr durchaus etwas, zumal Du Lac (alias Marat) ihr ja vor wenigen Tagen noch regelrecht davon vorgeschwärmt hatte.

"Diese …diese Orte … Du Lac, ehm ich meine Marat, hatte einige davon erwähnt. Ich hatte dir ja davon erzählt, dass er auf meine Frage nach den kulturellen Angeboten von Corinnis ausschließlich von diesen düsteren und verwunschenen Orten geschwärmt hatte …. Irgendwas muss an diesen Orten sein. Etwas besonderes, weshalb er so fasziniert davon ist. … Oder er ist einfach nur ein Spinner, … ein Irrer, der sich gerne an solchen Orten herum treibt. Ist da vielleicht noch etwas in dem Karton? Ein paar Notizen von ihm?"

Laut grübelnd wanderte ihr Blick über die dargestellten Orte und insgeheim überlegte Therese bereits: <Ob es wohl eine gute Idee wäre, diese Orte aufzusuchen? …>
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29

Donnerstag, 23. April 2020, 12:52

Thereses vorwurfsvollen Blick kommentierte er mit einem Schulterzucken.

"Um deine Spuren zu verwischen, müssten wir eh die Bude abfackeln. Wer weiß, was und diese Pässe noch für Hinweise liefern. Bitte mach ein paar Fotos - ich weiß noch nicht, was wir mit den Funden genau anfangen können und wollen... Aber die Geheimgänge in Corinnis möchte ich kennen.
"


Er hatte anhand ein paar der Wege, die er selbst vor gar nicht allzu langer Zeit genommen hatte, eine Ahnung dafür entwickelt, was auf dieser Karte alles eingezeichnet und vermerkt sein könnte. Und er war erstaunt, wie wenig er von Corinnis eigentlich kante, wenn er sich die Karte so genau betrachtete.

<Aber was bringt und das alles jetzt? Die Karte, die Pässe... Es ist kein Hinweis auf Hortenses Mörder, kein Hinweis auf Durocs Machenschaften...>

Die Frage, ob noch etwas im Karton sei, brachte ihm neue Hoffnung - und er sah die zweite Karte. Wie sie ihm vorher nicht auffallen konnte, verstand er selbst nicht, aber er breitete sie - in der Hoffnung, dass Therese schon Fotos gemacht hatte - über der ersten aus und runzelte die Stirn.

"Was soll das denn darstellen?"

Wie alt die Karte war, konnte er nicht erahnen. Wenngleich er sich in der Galerie als Connaisseur ausgegeben hatte, war er in puncto Kunstwissenschaften eine Niete, dem man auch gefälschte Bilder als Original hätte verkaufen können. Von Farben und Mischungen fangen wir gar nicht erst an.

"Und was steht da? Was sind das für Worte? Was sollen uns die Karten bringen?"

Allmählich keimte Verzweiflung in ihm auf. Hätte er verstanden, was diese Karte wirklich bedeutet, sähe es wahrscheinlich anders aus, doch so wurde er trotz der Funde immer mutloser.

"Was soll uns all das bringen? Wir haben was gefunden, aber es ist irgendwie... total nutzlos."
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30

Donnerstag, 23. April 2020, 14:47

<Was soll uns das alles bringen? … > Das war in der Tat eine:

"Gute Frage! … Womöglich hat Marat all diese Leute umgebracht und anschließend ihre Pässe gesammelt? … Wir können wohl nur weiter sammeln, was wir finden und hoffen, dass wir eventuell jemanden finden der uns später dazu mehr sagen kann … nur wer …"

Murmelte Therese schulterzuckend und ein wenig abwesend wirkend, da sie noch damit beschäftigt war alles abzufotografieren. Gleichzeitig grübelte sie mit zusammen gekniffenen Augen über der zweiten Karte, die nun vor ihnen lag und weitere Rätsel und offene Fragen enthüllte. Die Karte wirkte ungleich älter und sie schien ebenfalls eine Art Wegenetz, bzw. ein Labyrinth aus solchen, darzustellen. Allerdings konnte Therese keinerlei Bezug zu den Orten auf der ersten Karte erkennen. Das Geschriebene hingegen konnte man durchaus entziffern, sofern man über altsprachliche Kenntnisse verfügte, wenngleich nicht unbedingt wortwörtlich oder gar dem ursprünglichen Sinn korrekt entsprechend:

"Also wenn ich das hier richtig interpretiere, dann steht auf der Karte so etwas wie eine Warnung oder Drohung. … In etwa: "wer diese Karte besitzt, ohne sie von einem … einem ..mmmh Träger von von Lüge, oder so ähnlich, … überreicht bekommen zu haben, der hat, … der ist … also, der ist so gut wie … tot""

Im ersten Moment realisierte Therese gar nicht, was sie da soeben übersetzt hatte. Aber auch beim zweiten- und dritten Mal drüber lesen konnte sie das Geschriebene nur mäßig "schocken". Schließlich konnte man vieles auf ein Stück Papier kritzeln und abgesehen davon waren sie hier allein. Wer also hätte diese Drohung je in die Tat umsetzen sollen?

"Tja, vielleicht sollten wir die Karte besser hier lassen und aufpassen, wem wir das Foto zeigen das ich eben davon gemacht habe. Oder was hältst du davon?"

Therese war selbst erstaunt wie gelassen sie jetzt blieb. Aber nachdem diese Wohnung bis jetzt nichts sonderlich aufregendes oder gar gefährliches für sie bereit gehalten hatte, wiegte sie sich sozusagen in Sicherheit. Blieb also noch die Leiter und die Andeutung von Marat mit dem Hof und dem Keller.

"Bist du schwindelfrei? … Dann sollten wir vielleicht noch einen Blick darauf werfen, wohin diese Leiter führt. … Marat hatte von einem Hof und einem Keller gesprochen. Was kann uns wohl da erwarten? … Noch mehr gesammelte Kunstwerke? Altes Zeugs? …Ratten?" <So lange die Viecher nicht größer sind als der Chihuahua meiner Großtante mache ich mir mal keine Gedanken>

Mit wenigen Schritten war Therese auch schon auf dem Balkon, wo sie - über die Brüstung gebeugt - einen prüfenden Blick nach unten warf …
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31

Donnerstag, 23. April 2020, 15:31

Da auf diesem Balkon keine Leiter war, sondern bei dem gegenüber, also dem Balkon vor dem Atelierzimmer, stellte sich die Frage, ob Therese und Thierry einen todesmutigen Sprung auf die sehr harten Platten des Innenhofes hinlegen wollten. Aber vielleicht war es einfacher, zum anderen Balkon zurückzugehen. Oder vorher im Treppenhaus noch die untere Wohnung zu durchsuchen.
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Thierry Barras

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32

Donnerstag, 23. April 2020, 20:21

"Oder es sind weitere Identitäten, die Marat angenommen hat - so wie die des du Lac zum Beispiel... Das werden wir herausfinden. Aber nicht jetzt."

Offensichtlich konnte Therese erheblich mehr mit der Karte anfangen als er. Über die niedergeschriebene Drohung musste er lachen.

"Ah ja. Der Träger der Lüge. So gut wie tot war ich schon ein paar Mal - man gewöhnt sich an diesen Zustand. Ein paar geschmierte Worte auf einer seltsamen Zeichnung - naja. Was soll man schon davon halten."

Beinahe abfällig schaute er noch einmal kurz auf die Karte, ehe er Thereses Vorschlag nickend zustimmte.

"Naja, Marat würde ich die Fotos sowieso nicht zeigen - und Duroc auch nicht. Aber ich wäre auch vorsichtig, was diese Saint-Just angeht... egal, was da zwischen euch ist oder war oder wird - ich traue ihr nicht. Das ist so ein Bauchgefühl."

Er wollte Anielle eigentlich nie wieder erwähnen, hielt es in diesem Zusammenhang aber für notwendig. Therese schien ihr zu vertrauen, warum auch immer. Das könnte noch zu einem großen Problem werden - und je weniger sie mit dem Zeug, das sie hier fanden, anfangen konnten, desto eher würde er das Thema ausführlicher behandeln wollen - einfach um Dampf abzulassen.

"Was für eine Leiter? Ich sehe keine Leiter... Lass und lieber zurück ins Treppenhaus gehen, unten ist bestimmt noch etwas. Irgendwoher muss doch dieser komische Geruch, den wir vorhin gerochen haben, herkommen. Ich bin nicht scharf darauf, die Quelle der Übelkeit zu finden..."
Bei dem Gedanken an den Geruch spürte er ein leichtes Grummeln in der Magengegend...
"Aber vielleicht wäre das wenigstens etwas, das wert ist, gefunden zu werden..."

Allmählich wurde es deutlich, dass ihm diese Sucherei nicht gerade viel Spaß machte und er Therese insgeheim einen unausgesprochenen Vorwurf daraus machte, dass sie so Hals über Kopf hierher aufbrechen wollte.

"Na komm. Packen wir die Karten zurück und gehen wir runter. Die paar fehlenden Pässe und Münzen werden ihm nicht auffallen."

Und er begann, die Karten wieder in den Ursprungszustand zu versetzen - etwas unsauber, da er mittlerweile die ganze Chose schnell hinter sich bringen wollte.
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33

Donnerstag, 23. April 2020, 21:51

Es war gut möglich, dass Marat noch mehr Identitäten verkörperte, wie Thierry vermutete, nur welche und warum? <Weil Marat ein Dieb ist, mit einem Faible für Kunstobjekte für die er die halbe Welt bereist, um sie in seinen Besitz zu bekommen. Und seine Schätze trägt er in dieser Wohnung zusammen, um am Ende alles aufzugeben, indem er Thierry und mir das Leichentuch von Hortense zu kommen lässt, deren Mord er nur rein zufällig beobachtet hatte? …. Das macht doch irgendwie keinen Sinn>

So sehr Therese die bislang gefundenen Puzzleteile dieses Rätsels auch hin und her schob, ein rechtes Bild wollte daraus einfach nicht entstehen und gefühlt kamen sie kaum einen Schritt weiter, obwohl sie bereits einen Großteil der Wohnung erkundet hatten. Kein Wunder, dass Thierry so langsam die Lust an der Suche verlor, … oder warum tat er so, als ob er die Leiter nicht sähe.

"Was für eine Leiter? … " <Bist du blind?>

Therese blickte kurz über die Schulter zu Thierry, ehe sie noch einmal über die Brüstung gebeugt dem Lauf der Leiter nach unten folgte, die auf der gegenüberliegenden Fassade angebracht war. <Der Balkon gegenüber muss zum Atelierzimmer gehören, wenn ich mich nicht irre und von da aus gelangen wir nach unten. Naja, der Hof sieht ziemlich leer und unspektakulär aus, aber irgendetwas muss da unten sein. … Puh! Also den ganzen Weg zurück>

Therese war fest entschlossen so lange weiter zu machen, bis sie endlich einen stichhaltigen Beweis fanden, oder … bis die Sache zu gefährlich werden würde, denn lebensmüde war sie keinesfalls.

"Wenn der werte Sherlock sein Augenmerk mal auf die gegenüberliegenden Fassade richten würde, dann könnte er dort die Leiter sehen, die an dem Balkon vorbeiführt, der offenbar zum Atelierzimmer gehört."

Mit einem Augenzwinkern griff Therese zärtlich nach Thierry´s Kinn, um ihn daran mit leichtem Druck in die besagte Richtung blicken zu lassen.

"Und? … Möchtest du immer noch die Treppe nach unten nehmen? Oder sehen wir gemeinsam nach, wohin die Leiter führt?"

Erneut ergriff Therese die Initiative, nur dieses Mal rauschte sie nicht einfach los, sondern forderte mit sanftem Nachdruck dazu auf ihr zu folgen. Allerdings ließ ihr entschlossener Blick keinen Zweifel daran, dass sie zur Not auch alleine da hinab steigen würde - jetzt sofort.
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34

Donnerstag, 23. April 2020, 22:35

<Frauen...>
Thierry hatte die Leiter am Atelierzimmer nicht bemerkt - und er fragte sich, wie scharf Thereses Augen sein müssten, dass sie sie gesehen hatte. Jetzt auch noch eine Leiter in den Hof herunterklettern? Für wieder nichts und wieder gar nichts? Er wurde langsam so müde vom Suchen, so folgte ein Vorschlag, den er anfangs ausgeschlossen hatte.

"Wir teilen uns auf. Ich schau mal, was es hier die Treppe runter gibt - und du kletterst die Leiter runter. Wie voll ist dein Handyakku? Wir bleiben über die Freisprecheinrichtung in ständigem Kontakt. Aber vorher..."

Er kam ein Stück weit mit - bis er in der Küche stand und zwei sehr scharfe Messer nahm.

"Nicht ohne Waffen. Auch wenn bisher überhaupt nichts Spektakuläres oder Gefährliches auf uns gelauert hat - man weiß ja nie."

Es konnte kein Zweifel daran bestehen, dass Thierry die Idee, sich zu trennen, immer noch total bescheuert fand - aber es war effizienter. Und so skurril die Situation auch war - er konnte nicht anders, als Therese tief in die Augen zu blicken und sie leidenschaftlich zu küssen, ehe er sich in Richtung der unteren Wohnung aufmachte. Vorher noch einmal ganz tief durchatmen, Augen schließen, Puls beruhigen... Und nicht an die Gerüche denken, an denen er gerade erneut vorbeigegangen ist.
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Donnerstag, 23. April 2020, 23:45

<Männer … >
Therese blinzelte leicht irritiert als sie Thierry´s Vorschlag hörte und sie konnte es kaum glauben, dass er sie allen Ernstes alleine die Leiter runter klettern lassen wollte. Hatte er vorhin nicht ausdrücklich darauf bestanden, dass sie zusammen blieben? Und jetzt? <Jetzt lässt dieser Schuft MICH tatsächlich allein die Leiter runter klettern, während der werte Herr bequem die Treppe nach unten nimmt?!>

Therese musste angestrengt die Lippen zusammen pressen, damit ihr kein falsches Wort zur unrechten Zeit entfleuchte, doch andererseits hatte sie es ja nicht anders gewollt. Oder hatte Thierry sie nur necken wollen? Nein, er meinte es in der Tat ernst. …So ernst, dass er ihr tatsächlich das Messer in die Hand drückte und sie noch einmal leidenschaftlich küsste. Ein Kuss, den Therese sehr genoos obgleich er sich anfühlte, als wäre es ein Abschiedskuss für immer - von wegen:. <" …auch wenn bisher überhaupt nichts Spektakuläres pder Gefährliches auf uns gelaueert hat - man weiß ja nie" … Hallo?>

"Keine Sorge, mein Akku ist voll! …Vorausgesetzt ich werde da unten Empfang haben. … Aber mit dem Messer wird mir schon nichts passieren." <Du Schuft! … pass bloß auf dich auf! >

Rief Therese ihrem Freund noch leicht verschnupft nach, ehe sie sich - mit Messer und Handy bewaffnet - alleine in der Küche wieder fand. Im Grunde war sie Thierry nicht böse und gleichzeitig hatte sie doch eine Wut auf ihn, dass er sie ausgerechnet jetzt alleine ließ. Aber gut, niemand zwang sie diese Leiter hinunter zu klettern und am allerwenigsten würde Thierry ihr einen Vorwurf machen, wenn sie es nicht täte. Sei´s drum! Therese war immer noch entschlossen heraus zu finden, was Marat mit seinen Worten anzudeuten versucht hatte.

Im Arbeitszimmer angekommen, öffnete Therese die Balkontüre, inspizierte kurz die Leiter um sich schließlich - mit einem beherzten Schwung - an dieser fest zu klammern. Ihr Herz pochte wie wild und doch schaffte sie es irgendwie - Zentimeter für Zentimeter - nach unten zu klettern, wo sie (nach einer gefühlten Ewigkeit) endlich ankam. Nach einer kurzen Orientierungsphase glaubte Therese eine Tür oder einen Abgang erblickt zu haben, der womöglich in den Keller führen würde und so nahm sie ihr Handy zu Hand und sprach:

"Thierry?! ..Ich bin jetzt im Hof angelangt. Ich glaube ich habe einen Weg in den Keller gefunden. Und du? Wo bist du gerade?"

Während sie noch auf einen Antwort wartete, schritt Therese langsam auf den besagten Weg in den Keller zu, wobei sie sich alle paar Sekunden nach allen Richtungen umsah …
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36

Freitag, 24. April 2020, 09:51

Nach dem Kuss zückte Thierry sofort sein Handy und steckte sich sein Bluetooth-Headset an. Eine absolut unsichere Verbindung, die leicht zu manipulieren und abzufangen war. Doch er brauchte seine Hände frei und sein Handy sicher in der Jackentasche.
Das Messer fest umklammernd, ging er die Treppe hinunter, während er sich immer fragte, ob seine Idee, sich aufzuteilen, wirklich so klug war. Nicht, dass er Angst hatte - er machte sich einfach unheimlich Sorgen um Therese. Sie konnte auf sich aufpassen, ja. Aber was lauerte hier noch auf die beiden? Von dem Monster, als das er Marat zuletzt betrachtet hatte, war noch keine große Spur. Den Verwesungsgeruch hatte er bereits verdrängt.

Zu seinem Erstaunen befand sich im Erdgeschoss eine weitere Wohnung. Die Tür war nicht verschlossen - was ihn erstaunte. Totale Dunkelheit kam ihm entgegen. Schnell suchte er den Lichtschalter und war von dem Anblick absolut überrascht, so dass er zunächst keine Worte fand und Therese auch nicht antworten konnte.

<Was ist das hier?>

Die Glasvitrinen wirkten auf ihn wie ein Trophäenzimmer. Mit den darin ausgestellten Stücken konnte er nichts anfangen, teilweise konnte er nicht einmal feststellen, was er da sah.

Nachdem Therese ein zweites oder drittes Mal seinen Namen ins Telefon gesagt hatte, fand er seine Sprache wieder.

"Im Erdgeschoss ist noch eine Wohnung. Zappenduster, Fenster zugemauert. Ich sehe keine Möbel, nur... Glasvitrinen. Darin stehen... Sachen. Dinge. Hier ist ein Ring oder sowas, neben dem ein Schild steht - "24. September 1981" steht darauf. Oder hier - eine Art... Kette? Und wieder ein Schild... 23.05.1971... Was sind das für Dinge?"

Es war schwer, Sachen zu beschreiben, die man selbst nicht erkannte. Einige Stücke sahen aus wie Kunstwerke. Therese hätte sicher eine der Skulpturen erkannt oder den Ring nicht als bloßen Ring beschrieben. Doch für die filigrane Handwerkskunst dahinter und die historische Bedeutung hatte Thierry keine Augen.

"Hier sind sauviele verschiedene Sachen. Alles fein säuberlich angeordnet, bei allem mit einem Datum... Was bedeutet das? Ich verstehe es nicht..."

Doch Thierry verstand, als er den nächsten Raum betrat und die Spieluhr entdeckte, neben der ein Datum stand, das er so schnell nicht vergessen würde:
"Hortenses Todestag... Nein... Das... Therese, ich fass es nicht! Ich erkenne es wieder... Da steht die Spieluhr, die Hortense unbedingt haben musste und die sie immer hütete wie einen Schatz..."

Er musste schlucken und wusste nicht, wie er reagieren sollte. Sollte er sie einstecken? Den Dieb bestehlen? Gehörten all diese Sachen verstorbenen Personen? Hatten all diese Daten etwas gemeinsam?

"Fuck... Das müsstest du sehen... Das ist unsere Spieluhr. Und auf dem Schild... steht der Tag, an dem Hortense ermordet wurde. Gilt das für alle diese Sachen hier? Sind das alles... Sachen von Toten? Sind die Daten alle... Todestage? "

Und hatte Marat hier ein Alarmsystem eingebaut, das losginge, wenn er versuchte, sich etwas herauszunehmen?

Dass weder Thierry, noch Therese aufgefallen war, dass in der Wohnung, von der aus sie ins Treppenhaus gelangten, ein Raum fehlen musste, würden sie vielleicht später noch bemerken.
Senator Thierry Barras
Herr des Palais Feutre
"Vous avais ma curiosité, mais maintenant vous avez mon attention."

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Freitag, 24. April 2020, 11:56

Im Vergleich zu Barras, der sich lediglich mit einer Galerien herumschlagen musste, war die Aufgabe der Cabarrus weitaus grimmiger. Der sonnige Hof, bei dem jemand auch die ehemaligen Blumenbeete und Baumstandorte überdeckt und zugekachelt hatte, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, wie die letzte Wohnung eher wie ein Locheingang in ein Grab wirkte. Dort befand sich auf dem Boden eine stählerne Tür, mit Riegeln und Ventilen wie eine Tür in den Maschinenraum eines Unterseebootes als Eingang in besagten Keller. Daneben ein Schrank mit den schweren Schutzkleidungen. Und Türen, die einmal zum Abluftsystem führten und zum Anderen zur Kühlanlage. Außerhalb des Tageslichtes blieb einem auch nur das Licht kalter Lampen. Und sollte man die Stahltür ohne Maske öffnen so dürfte der süßliche Geruch sicher stark genug sein, um den Magen zu entleeren.

Und unten sollte man aufpassen, wo man hintrat, da sonst das bekannte Kinderlachen erklang.

Der Eingang zum Hof ist offen, hier hatte Marat wohl beim letzten Mal vergessen, die beschlagene Holztür zu schließen.
Künstler zeigen die Wahrheit durch die Lüge

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Samstag, 25. April 2020, 16:15

Natürlich wäre Therese auch alleine herunter gestiegen, wenn Thierry versucht hätte sie aufzuhalten. Deshalb war Therese auch keineswegs böse oder gar eingeschnappt. Es fehlte ihr einfach nur der unternommene Versuch seinerseits, damit sie sich wiederum hätte besser fühlen können, weil sie dann genau das Gegenteil von dem hätte tun können, was wiederum er von ihr gewollt hätte. So aber kam der Vorschlag mit dem aufteilen von ihm und nicht von ihr und deshalb … aber genug, das würde an dieser Stelle wohl zu weit führen und tut nichts zur Sache.

Therese stand also unten im Hof, "bewaffnet" mit einem Messer und sie lauschte gebannt den Beschreibungen, die Thierry ihr über das Handy zu kommen ließ. Das passte ja wieder mal perfekt! Ausgerechnet jetzt war Thierry auf etwas interessantes gestoßen und …<Und Ich? … Ich steh hier unten im Hof herum. >

"Die Spieluhr? …Du meine Güte, …ja … das wäre gut möglich, dass er die Sachen von Toten gesammelt hat." <Aber wenn Marat Hortense nicht umgebracht haben will, wie passt dann diese Spieluhr und ihr Tod zu den andern Sachen? Ist sie etwa durch "Zufall" in seine "Sammlung" geraten?>

Therese vermied es Spekulationen über Hortenses Tod laut auszusprechen da sie an Thierry´s Stimme erkannte, wie aufgewühlt er im Augenblick war. Sollte sie zurück nach oben klettern? Therese warf einen flüchtigen Blick nach oben und verwarf den Gedanken wieder, da sie die Kletterei nicht unbedingt umsonst wiederholen wollte.

"Thierry, bitte beruhige dich! Und schick mir bitte ein paar Fotos von den Sachen auf mein Handy. Ich sehe mich noch ein bisschen hier um und komme dann zu dir"

Therese wollte unbedingt mit eigenen Augen sehen, was Thierry dort oben gefunden hatte und vielleicht fiel ihr ja etwas zu den Sachen ein, deren Bedeutung er nicht zuordnen konnte. Gleichzeitig wollte sie aber endlich wissen was hinter der Türe lag, die wie ein höhlenartiger Zugang zu einer Gruft wirkte. <Soll ich da wirklich rein gehen?> haderte Therese´s Vernunft mit der Neugier und wie so oft siegte die Neugier und Therese trat mit pochendem Herzen durch den Eingang und fand sich in einem höchst gruselig anmutenden Raum wieder. Ein kalter Schauer lief ihr augenblicklich über den Rücken als sie die im Boden eingelassene eiserne Luke, mit den vielen Riegeln und Ventilen, erblickte und instinktiv krampften sich ihre Finger um den Griff des Messers.

Wie in Zeitlupe bewegte sich Therese in dem diffus erleuchteten Raum langsam vorwärts und sie musste allen Mut zusammen nehmen, um den Schrank und die angrenzenden Türen zu öffnen. Die Schutzkleidung im Schrank verstärkte das unangenehme Gefühl nur noch mehr, doch hatte sie keine Ahnung wofür diese tatsächlich gut sein sollte. Da in den beiden Räumen mit der Abluftanlage und dem Kühlsystem soweit nichts ungewöhnliches zu finden war, blieb als letztes Geheimnis nur noch die eiserne Luke übrig.

Allein dieser gruselige Anblick hätte eigentlich schon ausreichen müssen um davon die Finger zu lassen, doch erneut siegte Thereses Neugier und so begann sie mit zitternden Fingern an den Riegeln herum zu hantieren, bis die Luke tatsächlich einen Spalt weit aufsprang.

Anschließend ging alles ganz schnell denn der bestialische Gestank, der augenblicklich durch den Spalt drang, ließ Therese regelecht rückwärts aus dem Raum und zurück in den Hof stürzen, wo sie erst einmal auf alle Viere fiel, um würgend nach Luft zu schnappen. Gleichzeitig starrte sie mit aufgerissenen Augen auf den Boden, wo sich ihre Spucke sammelte und erst jetzt realisierte sie so recht, dass Marat mit seinen Andeutungen über den Hof und dem Keller keinesfalls untertrieben hatte. Was auch immer da unten sein mochte, sie würde da ganz sicher nicht hinunter steigen. Weder allein noch mit Thierry noch mit Schutzanzug … nun waren sie an einem Punkt angelangt, an dem wohl besser die Polizei weiter machen sollte.

"Thierry? ..:Thierry!! … Du …ich …in dem Keller! ..Es …es stinkt da bestialisch …wir …wir müssen unbedingt die Polizei rufen! … Dort unten muss etwas furchtbares sein …ich …ich, bitte ruf die Polizei"

Während Therese immer noch atemlos in ihr Handy sprach, fing sie unbewusst zu weinen an angesichts der Vorstellung von dem, was diesen Gestank wohl verursachen mochte.
Therese Cabarrus
Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari
Seigneuresse de Château Lafite
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Thierry Barras

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Wohnort: zuvor Balbeq, nunmehr Corinnis

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39

Samstag, 25. April 2020, 20:09

Sprachlos stand der Senator weiterhin in der Galerie und schaute sich um. Er konnte sich keinen Reim auf all das machen. Erst durch Thereses Handlungsanweisung kam er auf die Idee, diverse Fotos der Gegenstände zu machen - wobei er stets noch ein Detailfoto der zugehörigen Karte machte.
Das war leichter gesagt als getan, denn natürlich begann er mit der Spieluhr und seine Finger zitterten. Er brauchte bestimmt sechs Anläufe, um ein halbwegs brauchbares Foto hinzubekommen. Alles zu fotografieren wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Also machte er noch ein paar Aufnahmen in der Totale und stellte dabei fest, dass er den dritten Raum noch gar nicht gesehen hatte.

"Es sind verdammt viele Sachen hier, Therese. Ich werde nur ein paar davon fotografieren können. Das musst du dir ansehen, das glaubst du sonst nicht... Es ist... seltsam."

Und irgendwie kam es ihm auch gespenstisch vor. Hatte Marat tatsächlich insgesamt vier Wohnungen angemietet und so umgebaut, dass diese Galerie nur eingeweihten Leuten bekannt war? Was war das neueste Objekt hierin? Würde er das überhaupt in der Kürze der Zeit herausfinden können? Und kam ihm hier noch etwas bekannt vor?

In all diesen Überlegungen wurde er - tief in Gedanken - jäh herausgerissen, als er seinen Namen in einem sehr beunruhigenden Ton durchs Handy hörte. Er erschrak geradezu und ließ das Handy fallen. Fluchend und leicht panisch hob er es wieder auf - das Display war im Eimer. Na toll.

"Therese, bleib wo du bist. Ich bin sofort bei dir!"

Fuck. Warum hatten sie sich aufgeteilt? Offensichtlich hatte Therese das Highlight der Wohnung gefunden - das stinkende, kriminelle Highlight des Ganzen.
Thereses Wunsch war klar, aber jetzt die Polizei anrufen? Was sollten sie ihnen sagen? "Ja hi, wir haben den Schlüssel zu dieser Wohnung bekommen und... naja, da stinkt es. Schauen Sie mal nach dem Rechten. Oh, und die Unordnung war vorher schon so. Wirklich."
Er schüttelte den Kopf, auch wenn das niemand sehen konnte, steckte das Handy ein und umfasste das Messer etwas fester, ehe er die Treppe hoch, durch den Geheimgang, weiter durch die Flure zurück zum Atelierzimmer ging. Gut, dass sie die Leiter nicht direkt erblickt hatten - sonst wäre ihnen diese seltsame Galerie ebenso entgangen wie die Pässe und Münzen.

"Ich komme jetzt die Leiter herunter."

Er legte nicht auf. Nicht, ehe er bei Therese war.

Der Anblick schockierte ihn fast noch mehr als ihr Tonfall. Zwar hatte er Therese schon öfter auf allen vieren gesehen - aber doch in ganz anderen Situationen und ohne Tränen in den Augen. Das Messer fallen lassend stürzte er zu ihr und half ihr auf die Beine, wobei er darauf achtete, nicht in ihrer Spucke zu knien.

"Therese, ich bin hier. Was... was ist da los? Was hast du gesehen?"

Dass er die Polizei nicht gerufen hatte, konnte sie sich wahrscheinlich denken. Schließlich hatten sie permanent die Telefonverbindung gehalten.
Senator Thierry Barras
Herr des Palais Feutre
"Vous avais ma curiosité, mais maintenant vous avez mon attention."

40

Samstag, 25. April 2020, 23:27

<Bleib wo du bist …> Nichts anderes hatte Therese vor und zu nichts anderem war sie im Augenblick fähig, da ihr Magen immer noch rebellierte. So blieb sie für´s Erste auf dem Boden knien während sie noch ein paar Mal von Würgereizen geschüttelt wurde. Unfassbar, welch ein Gestank da aus diesem Loch geströmt war und noch viel unfassbarer war jeglicher Gedanke, was wohl der Grund dafür wäre. Therese wollte es gar nicht wissen, obgleich vor ihrem geistigen Auge gerade bildhaft einige "Horrorszenarien" abliefen, welche ihre Vorstellungskraft auf eine harte Probe stellten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte Therese endlich Thierry´s Stimme wieder und dieses Mal kam sie zum Glück nicht aus dem Lautspecher ihres Handys …

"Oh Thierry …"

Erleichtert und dankbar ließ Therese sich von ihrem Freund aufhelfen, um ihm sogleich schluchzend um den Hals zu fallen. Sie war bei weitem nicht zart besaitet, doch angesichts des Geruchserbenis eben wurde ihre Selbstbeherrschung auf eine harte Probe gestellt. Nein - eine abgebrühte Superheldin war sie auf keinen Fall, auch wenn sie ansonsten meist selbstbewusst und sicher auftrat … im Moment war Therese eigentlich nur Eines, nämlich:

"Ich bin so froh, dass du da bist. "

Hauchte Therese erleichtert und gleichzeitig drückte sie ihm einen dicken Kuss auf die Wange, ehe sie ihr Gesicht an seiner Brust vergrub. Sie zitterte am ganzen Leib, deutlich spürbar und es dauerte einige Sekunden, ehe sie auf seine Frage antworten konnte:

"Gesehen? …Gesehen habe ich eigentlich nichts, … außer einem Schrank mit Schutzanzügen und zwei Räumen …und …und dieser Luke, die …oh mein Gott … Ich habe noch versucht sie zu öffnen, doch dann … dann …uhmmmm … dann kam da dieser bestialische Gestank haraus geströmt der mich regelrecht umgehauen hat."

Therese rang gleichermaßen um Worte der Erklärung wie um Luft, die ihr immer noch weg blieb angesichts dieses widerlich süßlichen "Duftes", der immer noch in ihrer Nase hing.

"Ich glaube man kann da nur mit dieser Schutzkleidung hinunter, die ich zuvor in dem Schrank entdeckt habe, aber …aber ich denke wir müssen jetzt die Polizei einschalten, denn …was auch immer diesen Geruch verursacht, …es muss etwas furchtbar schreckliches sein …"
Therese Cabarrus
Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari
Seigneuresse de Château Lafite
Membre de la Convention Nationale

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