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Thierry Barras

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1

Freitag, 27. März 2020, 23:13

Ein mysteriöses Tuch

17:55 Uhr. Thierry hat nach Thereses SMS viel Zeit damit verbracht, seine heutige Garderobe sorgfältig auszuwählen. Leider verlor er dabei die Zeit aus dem Blick - und so musste heute ein schlichtes Hemd nebst schlichter Jacke letzten Endes einspringen. Für die extravaganteren Klamotten war keine Zeit mehr - die ging irgendwie auch für das Styling der Haare drauf.



Eilig frischte er noch sein Aftershave auf und begab sich zum Hotel Savoy Truffle. Er ließ Therese warten - unabsichtlich. Und stets fragte er sich, was es wohl mit diesem "Madras" auf sich hatte, von dem sie in ihrer Nachricht schrieb.

18:14 Uhr. Ankunft am Hotel Savoy Truffle. Durchatmen - und nach dem Tisch suchen, an dem Therese saß. Dabei stets alles im Blick behalten. Dass er jetzt Senator war, machte ihn nicht unverwundbar. Gerade nach dem Gespräch mit der Connetable ging er davon aus, dass er sehr bald auch etwas von Duroc hören würde - und das würde nicht gerade angenehm werden.
Wo saß Therese? Hatte sie ihn schon gesehen? War sie schon gegangen? Vorsichtig schaute er sich um.
Senator Thierry Barras
Herr des Palais Feutre
"Vous avais ma curiosité, mais maintenant vous avez mon attention."

2

Samstag, 28. März 2020, 01:10

Nach dem Treffen mit du Lac war Therese umgehend nach Hause gefahren, um zu duschen und sich um zu ziehen. Das Stoffbündel hatte sie natürlich mitgenommen und die ganze Zeit über grübelte Therese darüber nach, was es wohl mit du Lac´Mitbringsel auf sich haben mochte. Die Wahl ihres Outfits für das Treffen mit Thierry traf sie indes eher spontan, etwas schlichtes und dennoch elegantes, schließlich war das Hotels Savouy Truffle nicht irgendein verfallenes Hinterhofappartement, in dem sie es - vor nicht all zu langer Zeit - noch vergnügt getrieben hatten. So fiel die Wahl auf eben auf diesen Hosenanzug:


So gestylt saß Therese also an dem reservierten Tisch und wartete wieder einmal auf ihren "lieben Geliebten", mit dem sie eine lange und innige Freundschaft verband. Diese war sie jedoch drauf und dran zu kündigen, wenn Thierry nicht bald erscheinen würde:

<Elender Schuft, jedes Mal lässt er mich warten … >

Noch eben im Gedanken, schon erblickte Therese ihren Geliebten und winkte ihn zu sich heran:

" Du bist wieder mal zu spät. Habe ich es denn verdient, ewig auf dich zu warten?"

Mit diesen Worten zum Gruß (und einem versöhnlichen Schmunzeln zum Trotz) warf Therese die Aktenmappe auf dem Tisch, an dem sie saß und bereits seit geschlagenen 10 Minuten auf Thierry wartete.

"Hier …. Dieses Präsent übergab mir heute ein gewisser du Lac, bekannt als der amtlich bestellte Portraitmaler. Du kennst ihn nicht zufällig auch?"

Bei diesen einleitenden Worten beließ es Therese zunächst, während sie sich zurück lehnte und gespannt war, was nun überwigen würde: Die Neugierde nach dem Inhalt der Mappe oder die Begierde nach ihr …

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Therese Cabarrus
Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari
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Thierry Barras

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3

Samstag, 28. März 2020, 01:24

Therese sah einfach in allem gut aus, sogar in einem Hosenanzug, der eher geschäftlich als romantisch aussah. Aber er wusste, was sich darunter verbarg - und auch, dass seine langjährige Vertraute viele Gesichter hatte.
Glücklicherweise waren sie damit beide relativ légère gekleidet, aber nicht zu schlicht für das Hotel. Und er war sich seiner Schuld bewusst. Eine Frau wie Therese lässt man nicht warten, vor allem nicht mehrfach. Doch dieses Schuldbewusstsein konnte er bequem in eine der hinteren Ecken seines Verstandes schieben.
Mit einer galanten Verbeugung und einem Handkuss begrüßte er sie für seine Verhältnisse sehr übertrieben.

"Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari, verzeiht mir meine Verzögerung. Ich musste unterwegs noch einigen Waisenkindern etwas zu essen und ein paar Bücher kaufen."

Das würde sich gut in der Presse machen, auch wenn daran nur ein Detail stimmte: Unterwegs begegnete er Waisenkindern, die er jedoch konsequent ignorierte. Das war ein kleiner Fortschritt, denn hätte er mehr Zeit gehabt... naja. Andere Geschichte.

Thierry musste zugeben, dass er sich das Wiedersehen etwas anders vorgestellt hatte. Sie kam direkt auf den Punkt. Offensichtlich beschäftigte sie etwas sehr stark und sie wollte die Zeit nicht mit Smalltalk verplempern. Er konnte sie entweder durch unheimlich aufgesetzte Gespräche über Belanglosigkeit wieder an den Rand der Weißglut bringen oder...

"du Lac? Oh ja, der Name ist mir ein Begriff. Malt er nicht die Portraits im Parlament? Trencavel hat er unheimlich gut getroffen. Dieses falsche Lächeln, die schiefen Zähne... Aber warum diese Eile? Ich sitze ja noch nicht einmal."

Mit diesen Worten stellte er sich hinter sie, strich sanft über ihre Schulter, sog den Duft ihrer Haare ein und begann, sie sanft zu massieren.

"Ich habe den ganzen Abend und die ganze Nacht frei."

Diese Worte flüsterte er ihr ins Ohr - und sie konnte sicher auch mit dem Rücken zu ihm sein Zwinkern spüren. Die olle Mappe konnte noch einen Moment warten, die lief garantiert nicht weg...
Senator Thierry Barras
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4

Samstag, 28. März 2020, 20:52

Sie glaubte ihm natürlich kein Wort und das wusste er genau, schließlich kannten sie einander lange genug. So wusste Thierry auch sicher, dass sie ihm deswegen nicht böse war, auch wenn er im Gegenzug prompt eine schnippische Bemerkung zu hören bekam.

"Oooh, welch eine selbstlose und großmütige Tat von Euch. Ich bin beeindruckt Senator Barras! … Da will ich Euch auch gar nicht lange mit meinem Anliegen aufhalten. Umso schneller könnt Ihr zurück zu den Kleinen und ihnen noch eine Gute Nacht Geschichte vorlesen, wenn Ihr Euch schon extra den ganzen Abend und die ganz Nacht frei genommen habt. … Eigentlich schade, denn ich habe gehört, dass die Betten hier im Hotel um einiges bequemer sein sollen als irgendwelche alten Sofas in leer stehenden Hinterhäusern."

Mit einem gespielt unterkühltem Lächeln und förmlich gewählten Worten nahm Therese den Handkuss entgegen. Auch seine dezente Andeutung schien sie dabei völlig kalt zu lassen, indem sie ihm sozusagen die kalte Schulter zeigte - welche sie ihm gleichzeitig aber bereitwillig massieren ließ. Auch in dem Bewusstsein, dass die harmonisch wirkende Zweisamkeit zwischen Thierry und ihr nicht unbemerkt bleiben könnte - sei es nun in den Augen der Presse oder in denen einer ganz bestimmten Person, welche einen persönlichen Besitzanspruch auf sie angemeldet hatte.

Spontan erschien Anielle´s Engelsgesicht vor Therese´s geistigem Auge und noch einmal spielte sich die Szene auf dem Fischkutter ab, als die Connetable eine halbe Schiffsmannschaft im Alleingang aufgemischt hatte. Das war mitunter ein Thema, welches Therese heute ansprechen wollte, nur um Thierry zu warnen. Auch von dem Gespräch mit Duroc wollte sie ihm erzählen, doch hauptsächlich ging es um das mysteriöse Tuch.

Aber Eile mit Weile und eins nach dem anderen. Therese hielt sich mit weiteren Information und Fragen zunächst geduldig zurück bis Thierry die Schultermassage beendet- und ihr gegenüber Platz genommen hatte. Ihre blauen Augen ruhten auf seinem Gesicht und ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen:

" Vielen Dank für die wohltuende Massage, Senator.… An Euch ist ein wahrer Physiotherapeut verloren gegangen. … Und wie geht es Euch sonst so, in neuem Amt und Ehren? Gibt es viel zu tun?"

Thierry ging es zu schnell? Wegen ihr konnten sie auch erst ein bisschen plaudern, es war ja nicht so, dass Therese heute noch etwas vor hatte - geschweige denn auf der Flucht war. Die Aktenmappe mit dem Tuch legte sie deshalb erst einmal achtlos auf den Tisch während sie ihn weiter förmlich anredete, um ihn ein wenig zu necken.
Therese Cabarrus
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5

Samstag, 28. März 2020, 21:11

Er liebte diese Neckereien. Genau das machte die Dynamik zwischen den beiden aus - und genau das hinderte sie irgendwie auch daran, einen Schritt weiter zu gehen und eine Beziehung zu beginnen. Jetzt, da sie beide "in Amt und Würden" standen, würde das ohnehin noch einmal kritischer betrachtet werden. Die Presse lauerte geradezu darauf, die Politik in Misskredit zu bringen - und wenn sie es nicht tat, dann irgendwelche Schergen Durocs. So schaffte sie es auch sehr schnell, die Geliebte des Kardinals Pully allen bekannt zu machen und auf jedem noch so kleinen Fehler im Umgang mit der outremerschern High Society herumzureiten.

Irgendwie hatte diese Konversation etwas von einem Rollenspiel. Thierry hätte nie gedacht, dass dieser Aspekt ihrer stürmischen Beziehung tatsächlich eines Tages Realität werden würde. Die Erinnerung weckte direkt noch andere Gelüste in ihm, die er - zumindest zunächst - zurückstecken musste.

"Nun, meine werte herzallerliebste hochwohlgeborene Abgeordnete - um diese Zeit sollten die Waisen schon unlängst ihren Matratzenhorchdienst angetreten haben. Ich werde morgen nach dem Frühstück nach ihnen sehen."

Er nahm Platz und kam nicht umhin, ein gewisses Funkeln in Thereses Augen wahrzunehmen. Ihr Blick hatte ihn schon immer fasziniert, doch nun schlummerte hierin etwas, das er bisher nicht kannte. Darum verdrängte er es zunächst - Empathie war keine seiner Stärken und eine Frage danach, was sich wohl hinter dem Blick verbergen würde, wäre nur komplett falsch rausgekommen.

"Ach, du weißt ja selbst, wieviel man im Parlament so zu tun hat. Die Konventssitzungen sind ja öffentlich - und dieser fette Nichtsnutz Jussac hat sich mal wieder so richtig blamiert."

Er war zwar kein Freund d'Envers, aber wenn man ihm die Stirn böte, dann müsse man es schon richtig machen. Und "richtig" bedeutete garantiert nicht "schwitzend und stotternd". Doch aus den Konventsgeschäften hielt er sich soweit raus, wie es ihm möglich war - und soweit es nicht Therese betraf.

"Womit beginnen wir den Abend? Ich schlage einen halbtrockenen Weißwein vor, zur Vorspeise einen gemischten Salat dionyscher Art und als Hauptgericht Fisch, wie es an einem Freitag Brauch ist. D'accord?"
Er hasste die Oliven im dionyschen Bauernsalat. Mochte Therese sie noch? Oder wieder? Oder überhaupt?
Währenddessen schaute er mit dezenter Neugierde auf die Mappe. Für einen kurzen Moment streckte er die Hand in ihre Richtung aus, nur um sie kurz darauf wieder zurückzuziehen und freundlich zu lächeln. Er hatte die Fassade fallen lassen - sollte die Presse doch schreiben, was sie wollte. Er konnte damit umgehen.
Therese war da meistens zurückhaltender. Aber spätestens nach dem Wein sollte auch sie wieder etwas lockerer werden. Die Einladung für den weiteren Verbleib nach dem Essen war schließlich sehr eindeutig gewesen.
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6

Samstag, 28. März 2020, 23:46

"So lange Du alles bezahlst, darfst du gerne über die Speisekarte bestimmen … und was den restlichen Abend und die Nacht betrifft, … tja , das hängt ganz davon ab, ob ein Senator wie Du sich die Präsidentensuite leisten kann. "

Entgegnete Therese augenzwinkernd auf die Frage nach dem Essen. Was der spätere Abend und die Nacht noch bringen würde, lag noch in weiter Ferne, doch meistens endeten die Treffen mit Thierry genau dort, wo er sie wahrscheinlich auch heute Nacht haben wollte. Sie kannte ihn schließlich gut genug, oder sollte es heute anders laufen als noch vor wenigen Wochen, als sie sich auf dem durchgesessenen Sofa bis zur Erschöpfung geliebt hatten? Nun, zumindest der Anlass ließ nicht vermuten, dass sie am Ende im Bett landen würden und abgesehen davon gab es mittlerweile eine weitere Person in Therese´s Leben. Und diese eine Person wäre sicherlich nicht sehr amused, wenn Therese einfach so mit einem alten Bekannten …

Wobei es heute ja nicht darum ginge - zumindest nicht primär. Vielmehr war die Frage, was es mit diesem Bündel auf sich hatte, welches Therese in der Aktenmappe verstaut hatte. Die Neugier schien Thierry längst gepackt zu haben, auch wenn er immer noch so tat als ginge es momentan nur um das Essen.

" Du darfst im übrigen gerne einen Blick auf das Bündel werfen, welches mir du Lac - der Portraitmaler - heute Vormittag mitgebracht hat. Eigentlich kam er nur wegen eines Termins, zwecks einem Portrait von mir vorbei, doch plötzlich zog er dieses Päckchen hervor und meinte nur, dass er es mir von einem gemeinsamen Bekannten namens Madras - oder so ähnlich - übergeben sollte. Seltsamerweise war ihm der Name aber entfallen. Ein komischer Kautz übrigens, der mir fast ein wenig Angst macht. … Aber gut, dieser du Lac meinte jedenfalls, dass ich das Päckchen mit dem Mann teilen sollte, der meinem Herzen am nächsten ist. … Und wer könnte meinem Herzen wohl näher stehen, außer Dir? … Aber bilde Dir mal bloß nichts darauf ein, du alter Charmeur."

Nachdem Therese bemerkt hatte wie Thierry neugierig auf die Mappe geschielt hatte, kam sie ohne Umschweife auf das Stoffbündel zu sprechen, schließlich beschäftigte sie selbst brennend, was es wohl damit auf sich haben würde. Und somit schob Therese die Mappe samt Bündel noch ein Stück näher zu Thierry. Das zuletzt Gesagte beruhte im übrigen rein auf der Tatsache, dass Therese eine sehr innige (wenngleich auch sehr spezielle) Beziehung mit Thierry verband --- sofern man überhaupt von einer Beziehung sprechen mochte.
Therese Cabarrus
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7

Sonntag, 29. März 2020, 00:07

Seine ausgestreckte Hand stutzte. Der Mann, der Thereses Herzen am nächsten stand? Meinte dieser Maler das wörtlich oder metaphorisch-körperlich? Wusste er etwas über ihn und Therese, was beiden verborgen war? Oder hatte dieser alte Mann - so wurde du Lac ihm jedenfalls immer beschrieben - da einfach nur eine wilde Fantasie?
Diese Ansprache machte Thierry noch neugieriger. Therese hatte in der Vergangenheit mit vielen Männern zu tun, einflussreichen Männern. Und doch verband sie ihn damit, dass er ihrem Herzen am nächsten sei. Was mochte sich in dieser Mappe verstecken?

"Hast du mich gerade wirklich "alt" genannt, ma chère?"

Noch schaute er schelmisch drein. Doch Thereses Einladung folgte er sofort. Er griff die Mappe, zog sie zu sich und schaute Therese erneut an, um sicherzugehen, dass es wirklich in Ordnung war.
Offenbar war sie selbst so neugierig wie er selbst.
<Madras... Madras... Wer kann das sein?>


Als er die Mappe öffnete, wurde er mit einem Schlag kreidebleich. Er schaute ungläubig auf das Leichtentuch seiner Frau, von dort zu Therese und wieder auf das Tuch. Mit einer plötzlichen Bewegung knallte er die Mappe zu. Sein eben noch so schelmisches Gesicht wurde zu einer Mischung aus Furcht, Zorn, Unglauben und Trauer.

"Soll das ein Scherz sein?"


Er starrte Therese geradezu an. Hatte sie auch nur die geringste Ahnung, was sie ihm gerade im edelsten Hotel am Platz mitten auf dem Tisch hingelegt hatte? Wusste sie auch nur ansatzweise, was damit für eine Botschaft verbunden war?

Langsam erhob er sich, schmiss die Mappe auf den Tisch und stützte sich mit den Händen an der Tischplatte ab. Ihm war schwindelig. Er brauchte unbedingt frische Luft. Aber noch dringender brauchte er Antworten. Nicht merkend, dass er seine Stimme erhob, sagte er zittrig "Ist das dein Ernst?"
Senator Thierry Barras
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8

Sonntag, 29. März 2020, 15:28

"Selbstverständlich … Aber falls es Dich beruhigt, ich mag "ältere Männer" mit … viel, … mit seeehr viel Erfahrung."

verteidigte Therese zunächst noch gut gelaunt und verschmitzt grinsend ihre Aussage. Welche Erfahrungswerte sie genau meinte, ließ sie offen aber Thierry konnte sich denken worauf sie anspielen wollte. Sie liebte dieses anzügliche Spiel mit ihm und sie konnte auch nicht anders, schließlich hatte sich fast ihr ganzes Leben Männern schöne Augen gemacht. Nur bei Thierry war es anders, bei ihm musste sie sich nicht verstellen oder ihm gar etwas "vorspielen" (außer sie spielten beide gerade offen irgendwelche Rollen) - mit ihm war es stets etwas besonderes …

Die gute Laune verschwand jedoch schlagartig und statt eines genüsslichen Grinsens zeigte Therese nun ein besorgtes Gesicht. Was war denn plötzlich in Thierry gefahren? <Ich habe es ja gewusst, mit diesem Päckchen stimmt etwas nicht> Das ungute Bauchgefühl hatte sie also nicht getäuscht.

"Thierry? … Aber, …was…was ist denn? Du bist ja kreidebleich … "

Therese starrte verwirrt zurück und für einen kurzen Augenblick wirkte Thierry auf sie, als wolle er ihr gleich an die Gurgel gehen. <Denkt er, dass ich das mit Absicht getan habe?>

"Beruhig dich bitte … Thierry! … Was ist denn nur los? Ich habe keine Ahnung was in diesem Bündel ist. … Ich wollte es nur nicht alleine öffnen und deshalb habe ich es mit gebracht."

Beschwichtigend hob Therese die Arme und als Thierry vom Tisch aufsprang tat sie es ihm gleich, um mit zwei schnellen Schritten auf seine Seite zu eilen.

"Thierry, es tut mir so leid. … Es war eine dumme Idee von mir das Päckchen hierher zu bringen. … Bitte bitte verzeih mir! … Aber sag mir doch endlich, was du darüber weißt … "

Während Therese weiter redete, versuchte sie ihre Hände an seine Schultern zu legen um ihm irgendwie Halt und Trost zu geben. Das hatte sie wirklich nicht erwartet - noch gewollt - und demensprechend hilflos und verzweifelt war sie nun.
Therese Cabarrus
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9

Sonntag, 29. März 2020, 23:24

Thierrys Finger verkrampften sich in der Tischkante, so dass seine Knöchel weiß hervorstachen. Er war sichtlich bemüht, ansatzweise die Facon zu bewahren und kämpfte dagegen an, den Schrei herauszulassen, der seine Kehle zuschnürte.
Therese konnte nichts dafür, sie wusste nicht, was sie da mit sich trug. Doch das konnte er ihr gerade nicht vermitteln. Zu verwirrt war er, zu viele Gedankengänge fanden gerade zusammen.

Er dachte an das Zusammentreffen in der Galerie. Nein, der Name war nicht "Madras", sondern...
"..Marat..."

Zwischen zusammengekniffenen Zähnen zischte er den Namen. Und mit einem Mal wusste er wieder, warum ihm das Gesicht dieses seltsamen Künstlers so bekannt vorkam, warum sein Gebaren ihm nicht so fremd war wie es hätte sein sollen. Aber all das ergab keinen Sinn. Woher sollte er das Tuch haben? Warum sollte er es dem Senator überhaupt zukommen lassen - und dann noch gerade durch Therese? War er der Mörder? Nein... Marat war dafür viel zu alt, klein und schwächlich. Er traute ihm keinen Mord zu - schon gar nicht den Mord an seiner Frau.

Wieder schüttelte Thierry den Kopf und schaute die Tischdecke an. Am liebsten hätte er den Tisch umgeworfen, wäre herausgestürmt und hätte diesen Künstler sofort zur Rede gestellt. Doch wo sollte er ihn suchen? Nein... Es musste einen anderen Weg geben.

Er schaute Therese mit einem Blick an, den sie von ihm noch nicht kannte - Trauer, Verwirrung, Wut und auch Angst spiegelten sich darin wieder. Er nahm ihre Hand in seine und stieß zwischen zusammengepressten Lippen hervor

"Bitte setz dich..."


Sein Tonfall ließ keine Widerworte zu. Er wollte seine Vertraute nicht ängstigen, doch hatte er sich selbst einfach nicht hinreichend im Griff.
Nachdem Therese wieder Platz nahm, raufte er sich die Haare und verbarg den Kopf zwischen seinen Händen. Der Abend war versaut. Aber Therese musste erfahren, warum. Nach kurzer Zeit nahm er die Hände vom Gesicht. Wusste Therese, dass seine verstorbene Frau die Schwester des letzten Kaisers Eugene war? War das jetzt gerade wichtig?

"Das hier..." flüsterte er kaum hörbar zwischen Seufzern, dem Versuch nach Fassung zu ringen und Blicken an die Restaurantdecke

"...ist Hortenses... Leichentuch..."


Seine Augen waren feucht und doch schaute er Therese direkt an. Sein Mund spiegelte die Wut wider, seine Augen die Trauer und der Rest des Gesichts konnte sich nicht entscheiden, welche Emotion es widergeben sollte. Es waren zuviele auf einmal. Und der Wein war noch nicht gebracht worden - der würde jetzt für eine gute Ablenkung sorgen.

Aber der Senator erinnerte sich an den Überbringer, den Portraitmaler. Und es war im Parlament bekannt, dass dieser ein Vorgespräch suchte, ehe er seine eigentliche Arbeit beginnen würde. Ein Portrait Thereses hing noch nicht im Regierungsgebäude, er würde also noch einmal wiederkommen.
"Wann kommt du Lac wieder?" Diese Worte waren mehr ein Knurren. Er wusste nicht, wie du Lac und Marat zusammenhingen. Doch er würde es aus ihm herausprügeln, wenn es nötig war.
Senator Thierry Barras
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10

Montag, 30. März 2020, 20:51

Es tat richtig weh Thierry so aufgelöst und verzweifelt zu sehen ohne zu wissen, was ihm gerade so zu setzte. Dabei hatten sie noch nicht einmal nach gesehen, was da in den Stoff eigentlich eingenäht war. Kurz überlegte Therese, ob sie das Päckchen nicht einfach packen und in den nächstbesten Mülleimer stopfen sollte, um Thierry den weiteren Anblick zu ersparen. Sogleich verwarf sie diesen Gedanken wieder, denn sie mussten heraus finden welches Geheimnis darin verborgen war, auch wenn es Thierry noch mehr zusetzen würde: <Soll ich es öffnen? … Jetzt? …>

Ehe Therese sich dazu durchringen konnte, presste Thierry etwas hervor das wie ein Name klang: "Marat?"Dieser Name kam ihr bekannt vor, jedenfalls klang er so ähnlich wie:<Madras …Marat … Marat? Da gibt es doch einen Abgeordneten im Parlament der so heißt? …> Meinte Thierry diesen Marat oder war dieses Wort gar kein Name sondern lediglich aus einer Mischung aus Fluch, Knurr-und Schmerzlaut entstanden?

Im Gegensatz dazu klang seine folgende Bitte weitaus deutlicher und so nahm Therese erst einmal Platz. Das war auch gut so, denn als sie hörte um was für einen Stoff es sich handelte, blieb ihr Sekunden lang die Luft weg. "Das Leichentuch von Hortense? …aber …wie …was.. In aller Welt?" Mit aufgerissenen Augen und offen stehendem Mund starrte Therese auf das Tuch und dann zu Thierry. Nun konnte sie nachvollziehen weshalb er so kreidebleich war und spätestens jetzt war sie es auch.

Der Schock saß tief. Mit zittrigen Fingern fuhr Therese zwei- dreimal über ihr Gesicht während sie versuchte das Gespräch mit du Lac gedanklich zu rekonstruieren. Jedes Detail konnte hilfreich sein:

"Also es war so … du Lac kam heute morgen in mein Büro, wegen des Portraits und in dem Zusammenhang erzählte er davon, wie er über die Jahre hinweg mit vielen Staatstragenden zu tun hatte. Und eben ein solcher gemeinsamer Bekannter - wie er ihn nannte - bat ihn mir diesen Stoff zu geben, … damit ich ihn mit dem Mann teile, der meinem Herzen am nächsten ist. … Wer das sein soll oder was das zu bedeuten hatte, davon hätte er aber keinen blassen Schimmer. Das hat mich ein wenig stutzig gemacht. Als ich dann nach dem Namen des gemeinsamen Bekannten fragte, meinte er nur "Madras oder so, wie die Fleischtaschen" der Empfänger würde ihn kennen. Ist das nicht seltsam? Er spricht von einem gemeinsamen Bekannten und kann sich aber nicht mehr genau an dessen Namen erinnern."

Therese holte kurz Luft und sah dabei unverwandt in Thierrys Augen während sie fort fuhr:

"Mehr sagte du Lac dazu nicht. Wir vereinbarten, dass er Anfang nächster Woche wieder kommen solle und so war das Gespräch eigentlich fast schon zu Ende. Doch dann fing er plötzlich davon an, ob ich noch etwas auf dem Herzen hätte. Er könne schweigen wie ein Grab, wenn ich mal mit jemandem reden möchte der kein Politiker ist. Spontan fiel mir ein ihn zu fragen was er von dem kulturellen Angebot in Corinnis hält. Er ist schließlich Künstler und ich hatte ohnehin geplant einen Antrag zur der Verbesserung des Kulturangebotes zu stellen. Und von da an wurde es immer dubioser, als du Lac anfing die obskursten Stätten aufzuzählen, die es in Corinnis gibt."

Erneut holte Therese Luft, nicht um es spannend zu machen, sondern um möglichst nichts auszulassen. Dennoch machte sie eine Pause um das bisher Gesagte wirken zu lassen. Ihr Blick fiel derweil wieder auf das Bündel sowie den bereitliegenden Besteckmessern und es war unschwer zu erraten, woran Therese dabei dachte.
Therese Cabarrus
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11

Montag, 30. März 2020, 22:49

Gespannt und aufmerksam hörte er Therese zu. Nicht, weil die Geschichte sonderlich spannend war, sondern weil er kein Detail verpassen wollte. Jeder kleine Hinweis könnte jetzt entscheidend sein. Und vor allem war die wesentlichste Information auch direkt präsentiert worden. Er wusste, wann du Lac wieder im Parlament sein würde.

Als Therese das erzählte, was sie sagen konnte, legte er die Fingerspitzen aneinander, führte sie an die Stirn und schloss die Augen. Er versuchte, tief durchzuatmen und sich zu konzentrieren, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen und sich nicht von seinen Emotionen überwältigen zu lassen. Das war eine Übung, die er noch nie meistern konnte, so sehr er sich auch anstrengte.

<Woher hatte Marat das Tuch? Warum hat er es Therese geben lassen? Und warum über du Lac?>


Mit einem dicken Kloß im Hals öffnete er die Augen wieder. Die Puzzleteile fügten sich zusammen. Es schien du Lac keine Schuld zu treffen.

Ganz langsam versuchte er, seine Gedanken zu sortieren. Mehr zu sich selbst als zu Therese sagte er:
"Dieser Mann in der Galerie... Marat... bei der Vernissage... er... er kam mir.... so bekannt vor. Aber... nein... das ist unmöglich..."


An dem Abend war er selbst verkleidet gewesen. Durch den Zoff mit Therese hatte er schon fast vergessen, was davor passiert war. Doch jetzt kamen die Bilder wieder. Der alte, gebrechliche Kunst- und Glaskenner, der erstaunlich stark für sein Aussehen war... Der Mann, der mit einer Scherbe in der Hand vor der Prinzessin stand, ohne dass ihre Gorillas reagiert hatten...

"Der Mann, der mir außer Landes half..."


Mit leerem Blick flüsterte er diese Erkenntnis in Richtung eines Punktes über Thereses linkem Ohr, ehe er ins Hier und Jetzt zurückkehrte.

"Therese... Ich muss diesen Marat finden. Ich muss diesen du Lac treffen. Ich werde nächste Woche in deinem Büro sein, wenn er ankommt - und du darfst ihn nicht vorwarnen."


So viel Überwindung ihn das auch kostete, aber er sah sich das Leichentuch noch einmal an. Die luftdichte und lichtundurchlässige Verpackung war ohnehin schon geöffnet und der Geruch von Tod und dem Präparat, das Bestatter hierzulande verwendeten stieg ihm in die Nase. Er betastete es vorsichtig, ehe er etwas fühlte, was dort nicht hin gehörte. Hektisch faltete er das Tuch unsauber auseinander, ehe er es fand: In das Tuch eingenäht waren ein Stück Haut - offenbar eine Fingerkuppe - und ein winzigkleines Messer, an dem noch getrocknetes Blut klebte... ihr Blut...

Wenn zuvor ein wenig Farbe in Thierrys Gesicht zurückkehrte, so war sie nun vollends verschwunden. Er ignorierte den Kellner, der ihnen den Wein anpries und Therese darum bat, einen Schluck zu kosten, um festzustellen, ob die Qualität den Herrschaften denn auch genehm war. Er ignorierte die starrenden Blicke rund um ihn herum. Er ignorierte sogar Therese - und in ihm kochte plötzlich Zorn hoch.

Der Mann, der ihm außer Landes half, hatte offenbar die ganze Zeit über den Beweis für seine Unschuld in seinem Besitz. Der Mann, dem er vertraute und viel zu viel Geld für sein Leben zahlte, hätte ihn ohne weiteres davor bewahren können, mit allem, was er kannte, brechen zu müssen. Er verstand nicht, was für ein Spiel hier gespielt wurde. Er verstand nicht, warum er genau jetzt, als er gerade wieder Boden unter den Füßen gewonnen hatte, dieses makabere Präsent bekommen würde oder warum man Therese hier mit hineinzog.

Und so sagte er das einzige, was ihm in den Sinn kam, während die Wut in ihm hochstieg.

"Duroc..."


Jetzt hatte er ihn, er war sich sicher. Mit dieser Beweislage würde er ganz sicher gehen, dass der wahre Mörder gefasst wird. Der oberste Richter Depont, der ihn seinerzeit zum Tode verurteilt hatte, würde gar nicht anders können, als sämtliche Zweifel zu beseitigen und den wahren Täter zu verurteilen. Und er war sich sicher, dass es Duroc war. Ja, er wünschte es sich sogar.

Doch dann fiel ihm wieder ein, wo er war und mit wem er hier war. Fein säuberlich legte er das Tuch wieder zusammen und schloss die Mappe. Er musste Therese an seinen Gedanken teilhaben lassen, doch fiel es ihm schwer, diese zu verbalisieren.

"Therese... Das... das... das ist ein Geschenk. Das ist meine Lebensversicherung. Ich verstehe so vieles nicht, aber... ich muss Marat finden. Und dann muss ich... ihm... ihm... danken."

<...nachdem er mir einige Fragen beantwortet hat...>


Ein irres Lächeln flackerte im Gesicht des Senators.
Senator Thierry Barras
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12

Dienstag, 31. März 2020, 00:01

Der Name "Marat" schien tatsächlich zu stimmen, zumindest bezeichnete Thierry einen Mann so, den er offenbar von einer Vernissage
her kannte. Von dieser Begegnung wusste Therese im übrigen nichts, obgleich sie natürlich von dem vermeintlichen Attentat auf die Prinzessin gehört hatte. Doch wie so oft vermischte die Presse die Realität mit erfundenen Geschichten in einer derartigen Perfektion, dass der/ die geneigte Leser/in am Ende nicht wusste, was echt oder erfunden war.

"Das Attentat? …Warst du das? ..und dieser Marat?"

Fragte Therese mit ungläubigem Blick sicherheitshalber nach, während sie zeitgleich den zwischenzeitlich herbei geeilten Kellner mit einer unwirschen Handbewegung wieder verscheuchte.

Die Wahl des Weines oder des Essens war im Augenblick das geringste Problem das sie hatten. Sie gemeinsam, denn für Therese stand fest, dass sie Thierry in dieser Angelegenheit keinesfalls im Stich lassen würde. Nicht, nachdem was passiert war und wie nah sie nun an der Lösung dieses jahrealten Rätsels waren:

"Natürlich …ich werde nichts unternehmen, was ihn warnen könnte, … ich stehe zu Dir Thierry, du kannst dich voll und ganz auf mich verlassen. … Nur …ich, …ich bezweifele irgendwie, dass du Lac noch einmal bei mir erscheinen wird …"

Warum sie das dachte? Nun, die Erklärung lieferte Therese nur allzu gerne, schließlich hatte sie gerade versprochen Thierry zu helfen und das würde sie auch tun und außerdem hatte sie ja noch nicht zu Ende erzählt:

"Du hättest mal sehen sollen, wie verändert du Lac plötzlich war …wie Dr. Jekyll und Mister Hyde, so kam er mir vor …nachdem er mir - wie gesagt - von all diese mysteriösen und furchteinflößenden Orten erzählt hatte. Und ganz plötzlich sagt er zu mir: "Ihr wisst ja, der Orden endet nie." … Was sollte diese Bemerkung? … Ich kenne zwar ein paar von diesen Ordensbrüdern, aber ich habe niemals verstanden was genau es mit diesem Orden auf sich hat und dennoch jagt mir der Gedanke daran durchaus Angst ein…. Aber egal, …. Jedenfalls ist du Lac gleich danach regelrecht aus meinem Büro gestürmt, wie von der Tarantel gestochen und scheinbar um Jahre verjüngt, so flink wie er dabei war. .. Ich weiß beim besten Willen nicht was ich davon halten soll aber ich bin überzeugt, dass dieser du Lac mehr weiß als er vorzugeben scheint …"

Was halfen ihre Worte am Ende? Würde sich der Mord an Thierrys Frau aufklären? Würden jemals irgendwer heraus finden, was damals geschen war? Therese wusste es nicht, doch sie war fest entschlossen Thierry zu helfen und ihm bei zu stehen, so gut sie konnte:

"Was soll ich tun, Thierry? …Liebster? … Und warum Duroc? Warum bist du so sicher, dass Duroc an diesem Mord eine (Mit-)Schuld trägt? Warum nicht dieser Marat? … Auch wenn er Dir geholfen hat, was macht dich so sicher, dass nicht er etwas damit zu tun hat?"

Fragend und erwartungsvoll blickte Therese in seine Augen, bereit alles zu tun, um ihm irgendwie zu helfen. Thierry´s irres Lächeln ganz zum Schluss machte ihr jedenfalls ein bisschen Angst, aber das änderte nichts an ihrer Loyalität zu ihm.
Therese Cabarrus
Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari
Seigneuresse de Château Lafite
Membre de la Convention Nationale

Thierry Barras

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13

Dienstag, 31. März 2020, 00:19

Therese erinnerte ihn daran, dass sie nicht die Gelegenheit hatten, zu besprechen, was vor ihrer Rage und den fliegenden Bürogegenständen passiert war. Er war ihr diese Antwort schuldig.

"Ich war auf dieser Vernissage - verkleidet... den Abend, bevor du versucht hast, mich mit Briefbeschwerern umzubringen."

Ein leises Schmunzeln umspielte seine Lippen bei dieser Bemerkung - bei aller Ernsthaftigkeit kam er nicht umhin, Thereses Temperament zu bewundern und ein Stück weit Normalität - das übliche Necken - herzustellen.
"Da war dieser Mann... ein Künstler... Er drängte sich dazwischen, als ich gerade mit der Prinzessin sprechen wollte. Und... die Ereignisse... sie überschlugen sich förmlich. Plötzlich stand er mit einer Glasscherbe vor ihr. Ich riss die Aufmerksamkeit der ganzen Galerie auf uns, damit er nichts unentdeckt machen konnte. Naja, und denRest hast du ja in der Presse gelesen..."

Die Presse hatte das Ganze so falsch wiedergegeben, wie es nur ging - aber dies klarzustellen war jetzt nicht seine Aufgabe.

Das Lächeln verschwand, als Therese von du Lac und seiner seltsamen Verjüngung erzählte. Wer war dieser du Lac wirklich? Und wie konnte er jetzt an ihn oder Marat herankommen?
Als Therese den Orden erwähnte, wich der letzte Rest Farbe aus seinem Gesicht. Mit zitternden Händen ergriff er Thereses Hände und schaute sie sorgenvoll an.

"Der... der Orden? Ihr... ihr... ihr habt über... über den Orden gesprochen? Aber... Therese! Weißt du, in was für eine Gefahr du dich da begeben hast?"


Er hatte viele Schauergeschichten über den Orden gehört - und viele Zeitungsberichte gelesen, die diese Schauermärchen irgendwie bestätigt hatten, auch wenn die Presse keinen Zusammenhang zu dem Orden herstellen konnte. Wenn er eines mehr fürchtete als die Mannen des Seneschall, dann ein Wiedererstarken des Ordens... Oder hatte er nie seine Macht verloren?

"Wenn der Orden da involviert sein sollte... Scheiße, dann sind wir so richtig am Arsch..."


War Depont ein Mitglied des Ordens? Würde er sein eigenes - zweites - Todesurteil unterschreiben, wenn er ihm das Leichentuch und die Beweismittel übergäbe?

"Therese... Ich danke dir. Nein, wirklich... Es erleichtert mich wirklich, dass du mir treu zur Seite stehst..." <...mehr als es meine Frau je getan hat...>



Die Farbe kehrte allmählich in das Gesicht des Senators zurück. Er brauchte jetzt keinen Wein, er brauchte livornischen Montenac. Oder noch etwas viel Stärkeres. Er war rastlos, doch würde er heute nichts dagegen tun können.


"Warum ich mir so sicher bin, dass Duroc verantwortlich ist? Ich spüre es einfach. Ich weiß es. Würde es mich überraschen, wenn er ein hohes Tier im Orden wäre?Nein, keineswegs. Duroc wollte schon immer Macht. Und Hortense stand ihm im Weg. Nicht nur sie, sondern auch das ungeborene Kind..."


Von der Schwangerschaft hatte Thierry ihr in der abgeranzten Hinterhofwohnung erzählt - und doch hatte er Hemmungen, das Thema wieder auf den Tisch zu bringen.
Er ergriff wieder ihre beiden Hände und schaute ihr erneut tief in die Augen. Doch sein Blick hatte sich gewandelt. Er war besonnener geworden, dankbar und... vielleicht ein bisschen verliebt?

"Therese, ich kann gar nicht ausdrücken, wieviel es mir bedeutet, dass du mir in dieser Sache von Anfang an zur Seite stehst... trotz allen Missverständnissen, trotz allen Beichten..."


Es klang fast so, als wollte er ihr einen Heiratsantrag machen.
Senator Thierry Barras
Herr des Palais Feutre
"Vous avais ma curiosité, mais maintenant vous avez mon attention."

14

Mittwoch, 1. April 2020, 00:10

Was auch immer Thierry auf dieser Vernissage zu suchen gehabt hatte, Therese fragte nicht weiter nach. Es wäre auch müßig mit ihm darüber zu diskutieren ob es nun klug gewesen war sich an einem solche Ort zu zeigen (so lange man ein gesuchter Mörder war). Müßig in der Tat, nun, da sich das über Thierry schwebende Todesurteil zwischenzeitlich in Wohlgefallen aufgelöst zu haben schien. Eine durchaus unerwartete Wendung, worüber Therese allerdings nicht sonderlich traurig war, schließlich wollte sie nicht, dass ihm etwas zu stieß.

"Keine Sorge, … ich bringe dich schon nicht um, … obgleich Du mir in der Vergangenheit genügend Gründe geliefert hast es zu tun."

Konterte Therese trocken auf die Anspielung mit dem Briefbeschwerer ebenfalls schmunzelnd und mit einem durchaus verbundenen Blick in seine Augen:

"Und mach dir mal keine Sorgen wegen mir. Ich weiß ganz genau, wann und mit wem ich mich in Gefahr begebe … sonst könnte ich es mir kaum leisten, mit dir zusammen gesehen zu werden"

Aus dem Schmunzeln wurde ein leichtes Grinsen während Therese spontan Thierry´s Hand ergriff und diese sanft drückte:

"Ich denke auch nicht, dass wir wegen dem Orden zwingend am Arsch sind. … Warum auch? Der Orden tut niemandem etwas, so lange man sich loyal verhält und sich nicht offen mit ihm anlegt. … Ich habe das jedenfalls nie getan und du hoffentlich auch nicht."

Naja, bei Thierry konnte man nie sicher sein, aber dennoch war Therese zuversichtlich, dass der Orden ihnen vielleicht sogar helfen könnte heraus zu finden, was es mit dem Mord an Hortense auf sich hatte. Aber das wäre noch im Detail zu klären …neben vielen anderen ungeklärten Fragen und Eine davon war ob Duroc nun tatsächlich seine Finger im Spiel hatte - oder auch nicht.

"Und gesetzt dem Fall es stimmt wie du behauptest, dass Duroc am Tod von Hortense Schuld hat, so wundert es mich warum er dich zum Senator ernennen lässt. Er müsste doch am besten wissen, dass Du auf Rache sinnst und einen Senator zu beseitigen dürfte ihm ungleich schwerer fallen, als einen einfachen Mörder, dessen Todesurteil man einfach hätte vollstrecken können "

Im Gegensatz zu Thierry bezweifelte Therese immer noch, dass Duroc tatsächlich an dem Mord beteiligt war, doch sie würde sich gerne eines besseren belehren lassen, wenn Thierry am Ende Recht behalten sollte. Jedenfalls würde sie nichts unternehmen um ihm zu schaden, egal wie eindeutig die Beweislage auch wäre.

Und um Thierry zu zeigen, dass sie zu ihm halten würde, drückte sie einen sanften Kiss auf seine Hand, welche sie immer noch mit ihren Händen umschlossen hielt:

"Ich lasse Dich nicht noch einmal im Stich. Zusammen werden wir heraus finden, wer der wahre Mörder Deiner Frau ist - koste es was es wolle. Wir müssen uns nur überlegen wie wir an diesen Marat heran kommen. Und dann müssen wir ihn zur Rede stellen, … ihn irgendwie aus der Reserve locken … was auch immer … "

Zugegeben, es war kein durchachter Plan aber umso entschlossener war Therese ihn (gemeinsam mit Thierry) in die Tat um zu setzen und demensprechend verschwörerisch blickte sie dabei in Thierrys Augen …
Therese Cabarrus
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15

Mittwoch, 1. April 2020, 00:31

Es war unfassbar, was für eine Wirkung Therese auf den Senator hatte. War er noch vor einem Moment kurz davor, wahnsinnig zu werden, hatte er nun wieder Kraft getankt - nur durch ihre Worte, ihre Geste, ihre Mimik.
Der Plan stand. Es war zwar kein sonderlich durchdachter Plan, aber er wusste genau, wie spontan Therese sein konnte. Warum vertraute er ihr so sehr? Er konnte es sich selbst kaum erklären, doch ließ sie keinen Zweifel offen. Sie würde ihn dabei unterstützen, Hortenses Mörder zu finden - und vielleicht auch dabei, ihn aus Durocs Spinnennetz zu befreien.

Deutlich beruhigt und erleichtert lächelte er verschmitzt zurück.

"Vielleicht liebst du aber auch einfach die Gefahr und triffst dich genau deswegen mit mir?"


Ganz von der Hand zu weisen war das nicht. Therese ließ sich nicht leicht einschüchtern und wusste, wie sie mit Männern umzugehen hatte. Aber in ihrem Blick sah er noch etwas anderes...

"Warum sollte ich loyal zu dem Orden sein? Wo war der Orden, als man mich des Mordes bezichtigte? Wo war der Orden, als ich zurückkehrte? Ich bin nicht so dumm, ihn offen anzugreifen. Aber Loyalität - nein, das ist zuviel verlangt. Ich bin genau zwei Personen gegenüber loyal - und die sitzen an diesem Tisch."


Selbst das stimmte nicht vollständig. Als Senator war er nicht einmal sich selbst gegenüber loyal. Ansonsten wäre er niemals auf das Angebot des Abgeordneten d'Enver eingegangen. Doch für Idealismus war in dieser Art von Politik kein Platz. Es ging nur darum, Vorteile zu erlangen und sich dabei nicht zu dämlich anzustellen. Letzten Endes ging es vor allem ums Überleben. Und genau dieses Thema beantwortete auch Thereses Frage nach dem Seneschall.

"Duroc hält sich für clever und unnahbar. Er glaubt, ihm könne niemand etwas, nicht einmal die Kaiserin. Das lässt ihn leichtsinnig werden. Er denkt, durch mich könnte er Macht im Senat erhalten und ich bin mir sicher, dass er auch versucht hat, über dich Einfluss auf den Konvent zu kriegen.
Wenn ich den Beweis habe, dass er es war... dann werden die Karten komplett neu gemischt. Das könnte der Beginn einer kleinen Revolution werden...
"



Ein Funkeln blitzte in Thierrys Augen auf, als er dies sagte. Wenn hier wirklich der Beweis für Durocs Schuld an Hortenses Tod lag, dann hätte er ihn vollends in der Hand. Der Gedanke war fast zu schön um wahr zu sein, doch er dachte nicht daran, dass hier auch jemand anderes DNA vorliegen könnte. Für ihn war die Sache eindeutig und er ließ keinen Zweifel zu.

"Und dann könnten wir auch jemand Kompetenten für die Außenpolitik kriegen. Unsere Connetable ist in der Hinsicht eine absolute Katastrophe. Wo ich gerade von ihr spreche: Sie war heute bei mir im Bureau. Ich weiß noch immer nicht, was sie wollte. Aber sie meinte, du hättest ihr gesagt, ich wäre der richtige Ansprechpartner für gewisse Besetzungen. Irgendetwas mit Prinz von Geblüt... Sie rückte nicht mit der Sprache raus und ging mir tierisch auf die Nerven. Hast du eine Ahnung, was sie gewollt haben könnte?"


Hätte Thierry gewusst, was Anielle und Therese miteinander verlebt hatten und wie sie zueinander standen, hätte er vielleicht eine respektvollere Wortwahl getroffen. Vielleicht...
Senator Thierry Barras
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16

Freitag, 3. April 2020, 11:28

Trotz des traurigen Anlasses ihres Treffens, musste Therese ungewollt schmunzeln, angesichts Thierry´s Worte:

"Du hast recht, ich liebe die Gefahr. Ansonsten könnte ich Dich wohl nicht derart lieben, dass ich mich jedes Mal aufs Neue in eben solche begebe, nur, … um Dir so nah sein zu können. "

In gewisser Weise waren ihre Worte ein echter Liebesbeweis, denn bis dato hatte noch kein Mann sie, in ihrem Leben, so sehr beeindruckt und gefesselt wie Thierry. In Bezug auf ihre Beziehung zu Frauen sah dies etwas anders aus, wobei hier Anielle ohne Konkurrenz war.

Insgesamt gesehen keine einfache Beziehungskiste, in der Therese sich gefangen fühlte, aber was sollte (und Konnte) sie auch großartig tun? Sie liebte Thierry und ebenso liebte sie Anielle, was eine nicht sonderlich einfache Konstellation zur Folge hatte. Thierry und Anielle nahmen beide ganz besondere Rolle in ihrem Leben ein und deshalb hatte Therese Angst, dass sie einem von beiden irgendwann das Herz brechen würde: Thierry, ihrem ewigen und einzigartigen Liebhaber? Oder Anielle, der wohl süßesten Versuchung, seit es Frauen in Rüstungen gab?

< Nein, ich darf Thierry nicht sagen, dass ich etwas mit Anielle habe. Nicht hier und heute … Anderseits muss er es aber wissen … es hilft nichts> Therese rang mit sich, doch spätestens als sie hörte, dass Anielle bereits bei Thierry gewesen war und er sichtlich verwirrt war was sie von ihm gewollt hatte, musste sie es ihm sagen:

"Prinz von Geblüt? …Meinte sie damit Carpet? Thierry, ich … ich weiß zwar nicht, was Anielle genau damit meinte aber, … ich muss dir etwas sagen … ich und Anielle, wir … wir haben etwas miteinander."

Viel schwerer als sonst fiel es Therese die richtigen Worte zu finden. Sie beide hatten nie ein Problem damit, dass keiner von beidem dem anderen treu war. In diesem Fall handelte es sich aber um eine ganz bestimmte Person und wie die über Thierry dachte, dass wusste Therese bereits …

Umso wichtiger war, dass sie gegenüber Thierry mit offnen Karten spielte, damit auch ihm bewusst war in welcher Konstellation er sich befand. Das Gesagte über Duroc ließ Therese bewusst erst mal aus, bis sie diesen Punkt geklärt hätten.
Therese Cabarrus
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Freitag, 3. April 2020, 12:36

Hatte er Therese da gerade richtig verstanden? Sagte sie ihm - zum ersten Mal in ihrem Leben -, dass sie ihn liebte? Diese Aussage war für ihn neu und sie überraschte ihn so sehr, dass er den vorhergehenden Schock fast vergessen hätte. Was entgegnete er darauf? Wie konnte sie ihm so etwas jetzt sagen - in einem verwundbaren Moment, in der Öffentlichkeit - und gerade nach dem, was zuvor passiert ist?

Mit offenem Mund saß er da, unfähig, zu reagieren. Er musste sich über seine Gefühle für Therese noch Klarheit verschaffen, er brauchte Zeit - die ihm die Abgeordnete verschaffte, indem sie direkt den nächsten Hammer heraus ließ...

<Sie und die Connetable? Aber...>

Er hatte das Gefühl, dass seine Kinnlade gleich den Tisch durchbohren würde. Doch dann fing er sich wieder. Er wusste um Thereses Vergangenheit und er wusste, dass sie sich gerne mit einflussreichen Leuten umgab. Mit Sicherheit würde das auch im Falle der unfähigen Connetable so gewesen sein. Ja, das ergab Sinn.
Also schloss Thierry seinen Mund wieder, lehnte sich zurück und versuchte sich an so etwas wie einem Lächeln.

"Naja, du hattest schon immer ein Faible für Leute mit Einfluss. Und bisher hast du sie alle fallen lassen, als du bekommen hattest, was du wolltest - alle außer mich."

Doch ein Blick in Thereses Gesicht verriet ihm, dass es diesmal wohl anders sein musste. War dort eine Art... Schuldgefühl in ihrer Mimik zu erkennen?

"Therese? Was ist los?"

<Und warum sagst du mir das, nachdem du mir zum ersten Mal sagtest, dass du mich liebst?>

Die Verwirrung kehrte zu Thierry zurück. Und er wünschte sich härteren Alkohol als Wein.
Senator Thierry Barras
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